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Mit wöchentlicher Kratis-MeilageINnstrirtes Anterhaltungsölatt".

Nr. 110.

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Amtliches.

Hersfeld, den 11. September 1889.

Im Verlage der C. G. Röthe'schen Buchhand­lung zu Granden; ist kürzlich ein Buch von Otto RichterPraktischer Leitfaden für die ausführen- - den Vollstreckungsorgane der Preußischen Ver­waltung, insbesondere für Polizei-Executiv- Beamte, eigentliche Vollziehungsbeamte, Amts- es diener und Gemeindediener" erschienen.

Das kleine Werk ist geeignet, dem in manchen Kreisen hervorgetretenen Mangel einer Instruktion für die Ortspolizeidiener in den kleineren Städten i | und ländlichen Ortschaften abzuhelfen, weshalb ich dessen Anschaffung den Herren Bürgermeistern des hiesigen Kreises empfehle.

8445. Der Königliche Landrath __Freiherr von Schlei nitz.

F Gefunden: ein Sack. Meldung des Eigen - eS^thumers bei dem Ortsvorstand zu Heenes.

* Eine Mahnung süs das deutsche Volk!

|< , Dieser Sommer hat uns schon manche schönen M fürstlichen Kundgebungen gebracht: wir erinnern U z. B. an die bei dem Wettiner Jubiläum ge» K wechselten Trinksprüche des Kaisers und des O Königs von Sachsen, an die Stuttgarter Trink- p sprüche, ferner an die Mahnung, welche der König i von Sachsen an die sächsischen Kriegervereine »«MB und worin er ihnen Dank aussprach für die bei den letzten Reichstagswahlen bewiesene U Gesinnung. Nicht minder hervorragend war die MRede des Prinzen Ludwig von Bayern bei Er F Öffnung des deutschen Turnerfestes, worin er ein Nunumwundenes Bekenntniß für Kaiser und Reich Mablegte. Diesen Kundgebungen schließt sich die

Mit der Flulh.

Novelle von Zoö von Reuß.

(Fortsetzung.)

Dennoch erlaubt die Loyalität des Vicomte von Merville die Flucht nicht. Wer soll sie hüten, die Fahne des Königthums," fragte er noch gestern. M.Mag der Schmutz der Jahrhunderte sie befleckt v haben die Löcher, die sie aus den Reihen eines ungetreuen Volkes empfing, sind eben soviel Wund- 8 male des Königthums!" sagte Aimäe, die Worte im des Vaters wiederholend.

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Graf Hohnstetu schwieg er hatte dieselbe Antwort schon ost empfangen, bei den verschiedenen Versuchen, die er gemacht, den alten Edelmann zur Flucht zu bewegen. Und er vermochte darum nicht ^wlalzuzürnen. Ernst blickte er der Sonne nach, die Ul vielfarbiger, herbstlicher Wolkenpracht im Westen «SE wandle er das Schifflein, um die si^nerue Halle zu gewinnen, die als kleiner Hasen n der Umfassungsmauer des aus der Bearner »Eiten stammenden Schlosses Merville angebracht >75 L5 M^ahrungsort des Bootes diente.

1,78 fLÄ festgerettet, reichte er ?ie Hand, um ihr beim Aussteigen h Mh. «"a0 ^ "an miteinander die Treppe L^LbÄ einem kleinen Salon, der zum gewöhnlichen Versammlungsort der Schloßbewohner ^undinwelchem darum bei der Herbstkühle ein erstes Feuer entzündet war. Wie gewöhnlich svar der cur6 anwesend, um sein bedrängtes Herz

Sonnabend den 14 September

Ansprache an, welche der Großherzog von Baden! am Vorabend des Sedantages an den Kriegerbund des Seegaus gerichtet hat. Der Großherzog er­mähnte die Versammelten, stets in Bereitschaft zu bleiben. Aber er zergliederte diese Bereitschaft nach zwei Gesichtspunkten, die Bereitschaft nach Außen und die im Innern. Hierdurch ging seine Ansprache über eine rein militärische Bedeutung hinaus, ja sie gipfelte vielmehr gerade in einer Nutzanwendung auf innerem politischen Gebiete.

Nur ein innerlich starker Staat kann seine Un­abhängigkeit und seine Existenz gegen alle Ge­fahren und Anfechtungen vertheidigen, das war der Kern der Rede des Großherzogs. Aber diese innere Stärke besteht nicht etwa in einer Ordnung der Dinge, wie sie sich früher der, Gott sei Dank jetzt überwundene Standpunkt des Liberalismus zurechtlegte, nicht etwa in der Ueber- macht des Parlaments oder auch nur in der formalen Harmonie der staatlichen Factoren; wer erinnerte sich dessen nicht, daß Deutschlands Auf­schwung und die BeqründI-g deI Ltorddeutschen Bundes aus einem Preußen hervorgegangen ist, welches an einer starken Disharmonie der könig­lichen mit der parlamentarischen Gewalt litt und trotzdem die glänzendsten Proben seiner inneren Stärke und Gesundheit ablegte. Noch weniger verbürgt die Erfüllung unklarer politischer Ideale und Theorien eine Gesundheit des Staates und des Volkskörpers. Die innere Stärke findet ihren Boden vielmehr darin, daß Jeder seine Pflicht thue, wie sie auf Grund der gegebenen festen Ordnung der Dinge Jedem auferlegt ist, und daß Jeder bereit ist, die gegebene Ordnung aufrecht zu erhalten.

Die Pflichterfüllung und das Eintreten für die gegebene Ordnung, für den staat­lichen Zustand sind die beiden Grundsäulen der inneren Stärke eines Volks. Indem der Groß- I Herzog von Baden diese als den Hauptinhalt des auszuschütten über die Mißachtung der Religion und die Entartung des Volkes.

Die Söhne des heiligen Loyola haben sie ver­trieben, und die Macht des heiligen Vaters zu Rom mißachtet! Und der kleine König im Norden hat den Gottesleugner Voltaire seinen Freund genannt!" schloß er allabendlich seine Klagen, nachdem er dem Chateau Larose des Vicomte ordentlich zugesprochen hatte. Sein eigener Weinkeller enthielt jetzt nur elenden Landwein . . . Doch war der cur6 heute nicht der einzige Gast. Graf Breteuil war am Nachmittage aus Paris angekommen, aber die Neuigkeiten, die er mitbrachte, konnten nur von neuem verstimmen. Lafoyette's Abdankung, als Commandant der Nationalgarde, erschien wie ein neues, großes, nationales Unglück. Selbst die Laune des jungen, lebenslustigen Cavaliers hatte sie verdorben.

XVII.

Eine Stunde später ging die Vicomteffe, Ma- deleine in ihrem Parkhäuschen auizusuchen. Es geschah jetzt seltener als früher. Damals, als die Baronin Cavignac die einzige Gesellschaft der Vicomteffe bildete, hatte ihr verlassenes Herz sie regelmäßig zu der alten Freundin gezogen, jetzt in Gesellschaft des geliebten Vaters empfand sie keine Einsamkeit mehr.

Mondbestrahlt lag das grüne ParkhäuSchen vor ihr, aber in seinem Innern schimmerte kein Licht. Madeleine war sicherlich zu einem Plauderstündchen in die Wohnung des cur4 gegangen. Madame

1889.

politischen Lebens in Deutschland hinstellt, hat er zugleich einen Wegweiser für alle Zukunft er­richtet. Hiermit hat er ferner deutlich auch den inneren Feind bezeichnet, dessen Bekämpfung sich hieraus von selbst ergiebt. Das sind die Träger der sozialen und politischen Wolkenkuckuksheime, welche nicht nur die gegebene Ordnung in Heimath, Herd, Familie stören und untergraben, sondern auch die Monarchie, Kaiser und Reich bedrohen, durch ihre Theorien wie durch ihre Praxis. Der fürstliche Redner verwahrte sich ausdrücklich da­gegen, daß er hier von Richtungen und Parteien spreche; ihm kommt es nur darauf an, die Ideen zu kennzeichnen, welche mit der gegebenen Ord­nung unvereinbar sind und sie bedrohen. Eine solche Mahnung aus dem Munde eines Fürsten, der Beweise seines freien und hochherzigen Sinnes zur Genüge abgelegt hat, wird nur von übel­wollenden kleinen Geistern als ein Rath zum starren Festhalten selbst an überwundenen Stand­punkten ausgelegt werden können. Wer selbst einen klaren. Ginn, einen offenen « und ein fühlendes Herz yar, werd vielmehr hierin eine große staatsmannische Weisheit erblicken, welche, wenn sie befolgt wird, auch den einfachsten und schlichtesten Bürger in seinem politischen Leben zieren wird. Heute ist die Begeisterung für Kaiser und Reich, für die nationale Einheit und Unabhängigkeit Gemeingut aller gutgesinnten Patrioten geworden. Aber diese Begeisterung findet doch erst ihren Inhalt und Rückhalt in dem Wirken, welches sich in der von dem Groß- Herzog angegebenen Richtung bewegt, in der per­sönlichen Pflichterfüllung eines jeden Einzelnen für die von kranken Ideen bedrohte Ordnung.

politische Nachrichten.

Se. Majestät der Kaiser verweilte am Mittwoch mit seiner Umgebung und den zu den

Papilotte, seine im kanonischen Alter stehende HauS- hältertn, war ihre treue Gevatterin.

Die Vicomteffe trat ein, um sie zu erwarten. Drinnen war aU:S traute Wohnlichkeit, der leder­bezogene Lehnstuhl am glimmenden Kaminfeuer, das gardtnenumhangene Bett tu der Ecke mit seinem bunten Teppich, der saubere Fußboden von weißen Steinfliesen, aus dem das Helle Mondlicht flimmerte alles schien bestrebt für seine Be­wohnerin, Aimäe willkommen zu heißen. Ermüdet ließ sich die junge Dame auf dem Lehnstuhl nieder, während Cyriak, der weißbunte Kater, sie schnurrend und buckelnd auf Sammtschuhen umschlich.

Das junge Mädchen schloß die Augen, allerlei halbvergeffene Erinnerungen wurden wach und traten als Bilder von unvergänglichem Liebreiz vor ihre Seele. Sie dachte der Zeiten, woselbst sie mit Mademoiselle Claudine, ihrer Lieblingspuppe. zu der einstigen Ernährerin gekommen war, oder mit Madame Pompadour, der Urahniu Cirtaks, aus dem Teppich gespielt hatte. Auch Hochzeit hatte sie zuweilen gehalten, mit Etienne ... Wo war er? Sie hatte nicht nach ihm zu fragen gewagt, mondeutang, denn sie vermochte nur mit Schmerz an ihn zu denken. Aber sie wußte durch den eurd, der seinen talentvollen Schüler niemals aus den Augen verlor, daß er ein Werkzeug des durch seinen Haß gegen das Königthum bekannten Maire von Paris geworden war.

Schritte, welche aus dem Kiesweg erklärten, Geräusch draußen, führte sie zur Gegenwart zurück. ES war wohl Madeleiue, welche von der HauS«