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Insftlhtr Kreisblatt.

_________Mit wöchentlicher Krattr-NeilageZTugriries Iuterhaltuugsblatt".__________

Rr. 118. Donnerstag den 3. October 1889.

Avonnements-Kinkadnng.

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Hersfelder Kreisblatt mit der wöchentliche« Gratis-Beilage ^Jlluftrirtes Unterhaltungsblatt" pro IV. Quartal 1889 werden noch fort­während von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition ange­nommen

Kottttjche Aachnchten.

Die Kaiserlichen Majestäten haben am Dienstag Vormittag das Neue Palais ver- lassen und sind mittels Sonderzuges von der Wildparkstation aus über Charlottenburg und Spandau nach Ludwigslust und Schwerin abge- re st, woselbst die Ankunft Nachmittags 1'/, Uhr er olgte. Bei der Ankunft in Schwerin fand au dem dortigen Baünvoie aroker i&mbfana

dem dortigen Bahnhöfe« großer Empfang statt. Am Freitag, den 4. October, treffen die Kaiserlichen Majestäten wieder im Neuen Palais bei Potsdam ein.

Se. Majestät der Kaiser wird der »Post" zufolge die Reise von Athen nach Con- stantinopel auf dem PanzerschiffKaiser" zurück­legen, während Ihre Majestät die Kaiserin die NachtHohenzollern" benutzt.

Ihre Majestät die Kaiserin A u g u st a beging am Montag in Baden-Baden, woselbst AUerhöchstdieselbe seit etwa acht Tagen verweilt, ihr Geburtsfest in aller Stille und Zurückge zogenheit. Wie man hört, wird Allerhöchsidieselbe

noch einige Zeit in Laden-Baden verbleiben.

Die außerordentliche Gesandtschaft des Sultans von Sansibar traf am Montag Mittag 12 Uhr mittels Sonderzuges in Potsdam ein. Die beiden Gesandten fuhren in einem vierspännigen

beiden Gesandten

Galawagen, vor und hinter demselben je ein I halber Zug des 3. Garde-Ulanen-Regiments,1 nach dem Neuen Palais. Vor dem Neuen Palais war die Leib-Compagnie des 1. Garde-Regiments zu Fuß in Parade aufgestellt; die Gesandten fuhren die Front derselben entlang, während die Musik den Präsentirmarsch spielte. Darauf ver­ließ die Gesandtschaft den Wagen und begab sich in den Muschelsaal, wo die Leibgendarmerie, die Krongarde und eine Abtheilung der Gardes du Corps aufgestellt waren. Kurz darauf erschien Se. Majestät der Kaiser in der Uniform der Gardes du Corps mit Se. K. H. dem Prinzen Friedrich Leopold und in Begleitung des Staats- secretärs des Auswärtigen, Staatsministers Grafen Herbert Btsmarck. Jeder der beiden Gesandten verlas ein Schreiben des Sultans, worauf Se. Majestät der Kaiser huldvollst erwiderte. Nach Ueberreichung der größtentheils aus Waffen bestehenden Geschenke des Sultans wurde die Gesandtschaft auch von Ihrer Majestät der Kaiserin empfangen. Alsdann fand in den neben dem Muschelsaal gelegenen Räumen für die Gesandtschaft ein Frühstück statt.

Unter Vorsitz des Vicepräsidenten des Staatsministeriums Staatsmtnisters von Bötttcher hat am Dienstag Vormittag eine Sitzung der Reichscommission für die Errichtung des Kaiser-Wilhelmoenkmals stattgefunden.

DerStaatsanzeiger für Württemberg" meldet:Die Genesung des Königs machte in den letzten Tagen erfreuliche Fortschritte. Die gastrische Störung ist gehoben, und der König konnte den größten Theil des Tages außer Bett zubringen." Die Abreise nach Friedrichs- Hafen sollte bei günstiger Witterung am Mittwoch erfolgen.

Der preußische Oberst z. D. Freiherr von der Goltz verbleibt bis auf Weiteres in der Eigenschaft eines Dtvistons-Generals der

türkischen Armee erhalten. Herr von der Goltz hatte, wie derKöln. Zeitung" geschrieben wird, für sein Verbleiben die Bedingung gestellt, daß etliche unter seiner Verantwortlichkeit vorge- schlagene Neugestaltungen des Landwehr-Dienstes u. s. w. in Wirksamkeit treten sollten. Nachdem der Sultan durch ein Jrade die entsprechenden Befehle hat ergehen lasten, verlängert der General seinen Aufenthalt ohne einen auf bestimmte Zeit lautenden Vertrag. Die Bezüge der deutschen Oificiere im türkischen Dienst belaufen sich jetzt gleichlautend auf 40000 Frcs. im Jahre und etwa 6000 Frcs. für Rationen.

DerReichsanzetger" veröffentlicht die Kaiser­liche Cabinetsordre, durch welche der Reichstag am 22.belobet einberufen wird.

Wie verlautet werden Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin Athen am 31. October verlassen und am 2. November in Constantinopel eintreffen, wo Allerhöchstdieselben acht Tage verweilen werden.

Se. M. AvisoP s.e.i", Commandant Cor- vetten-Capitän Dräger, hat am 1. October cr. von Sansibar aus die Heimreise angetreten.

Es besteht die Absicht, mit der Ausprägung von Nickelmünzen auch im nächsten Etats­jahre fortzufahren, und zwar wird angenommen, daß etwa je eine Million Mark in Zwanzig­und Zehn-Pfennig- und etwa eine Viertelmillion in Fünfpfennigstücken zur Ausprägung gelangen wird. Die Ausprägung der neuen Zwanzig- Pfennigstücke aus Nickel bewährt sich außer­ordentlich ; es wird als ein Vortheil empfunden, daß die kleinen silbernen Zwanzigpfenntgstücke aus dem Verkehr allmählich zurückgezogen werden.

Vor längerer Zeit hatte die Bielefelder Ge­werbekammer beim Reichsjustizamt beantragt, die Namen derjenigen Schuldner, welche den Offen­barungseid geleistet haben, öffentlich bekannt zu geben. Herr v. Schelling, der frühere Staats-

(Unbtfugier Nachdruck verboten.)

Aus der Oberförstern.

Von U. von Eck.

, (Fortsetzung.)

An diesem Abend trug sie jene Perlen zum ersten Male, und seitdem kann ich sie mir nie mehr anders vorstellen. Unsere Verlobung sollte einige Tage später, an ihrem Geburtstage, veröffentlicht werden sie wurde es nie!

<,.2ch^tanzte wenig, nur mit ihr ein paar Mal. Plötzlich sah ich sie im Tanzsaale nicht mehr, ich

fe tn Hres Vaters Obhut und ging, um mich den Gedanken an mein Glück zu über- angelehnt w«n ^^tenzimmer zu, dessen Thür nur

der Schwelle blieb ich entsetzt, wie aehebt^ nt ^cn* rSa saß sie, von der mich ae Wesen "^"' ^°eben noch mein Entzücken Uböner" Mann miw? KOr ihr kniete ein großer lächelte Sm tieA üblichen Augen. Sie Wimuten midi ^ sie noch vor wenigen mHÄ Aug.» Wen licArÄnn«^ inne, in bitterer, schmerz- ÄÄ es um seinen Mund; durch sagte nichts, leichter Schauer, aber sie mir^die blc ^ bestürmten, raubten alles »LaStr ltn bittres Lächeln war 2 & ^ Arocknen verrieth, daß ich sie »elauscht. Laß mich üben die Heit hinweggehen,

die nun für mich folgte. Meine erste schöne, heilige Liebe war mir geraubt, mit Füßen getreten, mein Herz ward alt und todt; ich haßte die Welt, mich selbst, und sie am allermeisten, die ich eben noch so grenzenlos geliebt.

Sie hetrathete den Grafen, er war ein schöner Mann, und man kann auch nicht sagen, daß ihre Ehe eine unglückliche war, aber ein Wurm nagte an ihrem häuslichen Glücke, der es rascher zertrümmerte als irgend etwas sonst im Stande gewesen wäre: der Graf war ein Spieler! Sie kannte diese Leidenschaft, aber sie glaubte, sie werde ihn davon heilen welches Mädchen glaubte das nicht? Sie liebte ihn, ich hätte sie vielleicht auch nicht glücklich gemacht, wir waren nicht für einander geschaffen. So erlebte sie wenigstens eine kurze Spanne Zeit des Glücks zwei Jahre, zwei kurze Jahre des Glückes da wurdest Du geboren, Cola. Bald nachher starb Dein Vater - oas heißt er erschoß sich!" Hier machte der Oberförster eine lange Pause. Cola hatte einen leisen Schrei ausgestoßen, und ein schmerzliches Stöhnen rang sich aus ihrer Brust hervor. Sie hob den Kopf nicht, und keine Thränen erleichterten bis jetzt ihren ersten wilden Schmerz, aber ihre Seele schrie auf unter diesem Schlage Cola fühlte sich unsäglich elend! Wo blieb all' ihr Trotz, wo ihr Pochen auf ihren stolzen Namen? War er nicht beschimpft und entehrt ein Spieler und Selbstmörder! Cola stöhnte tief und schmerzlich unter der Wucht dieser gebauten.

Der Oberförster blickte auf sie nieder. Oh, wer jetzt sein Gesicht gesehen hätte, der hätte ihn nie wieder für hart und kalt gehalten! Sanft legte er die Hand auf Colas Arm, um sie emporzurichten, aber sie wehrte leicht ab und sagte nur mühsam, ohne aufzublicken:

Weiter, weiter das Ende!"

Ja, das Ende, Cola; was nun kam, ist bald erzählt. Sie überlebte es nicht lange. Es wurde alles verkauft, alles, ihr blieb nur ein kleiner Rest. Sie zog mit Dir in eine enge Wohnung, fern vom Geräusch der großen Welt; aber Gram und Sorgen verlängern kein schon an sich zartes Leben, sie wurde krank, sehr krank, sie wußte, daß sie sterben mußte. So lag sie da ohne Verwandte, ihr Vater war todt, ohne Freunde, denn wann hätte das Unglück die je gehabt, Du hülflos und vernachlässigt da Cola da ließ sie mich rufen!

Wenn Du es wüßtest, Cola, was es heißt: geliebt zu haben, so heiß, so aufrichtig, wie nur ein Mensch lieben kann, und betrogen zu sein Du würdest es mir leicht verzeihen, wenn ich Dir sage, daß mein erstes Gefühl das befriedigter Rache war. Aber es dauerte nicht lange ich hatte sie ja geliebt!

Als ich kam, streckte sie mir ihre schmale weiße Hand entgegen und lächelte matt. Ich erschrak. Waren das die herrlichen, lebhaft blitzenden Augen, das das kindlich weiche G. ficht des jungen Mädchens von vor kaum zwei Jahren? Kas Herz ^at wir wetz bet itzrrw Wify