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M. 124. Donnerstag den 17. Oktober 1888.
Faktische Nachrichten.
Wie der „Reichsanzeiger« meldet, lautete der Toast, welchen Se. Majestät der Kaiser Wilhelm auf die russische Armee ausbrachte, wie folgt: Bei einer Feier, wie der heutigen, welche ein Regiment betrifft, das auf eine lange ruhmreiche Geschichte zurückblicken kann, das zugleich die Ehre hat, den Kaiserlichen Chef bei sich zu sehen, spielt die Erinnerung eine große Rolle. Die Erinnerung führt mich in die Zeit jener Tage zurück, wo mein hochseliger Großvater als junger Officier vor dem Feinde den St. Georgsorden empfing und sich im Kugelregen die Chefstelle des Kaluga-Regiments erwarb. Ich knüpfe hieran an, um auf die gemeinsamen glorreichen Traditionen und Erinnerungen der russischen Armee zu trinken. Ich trinke auf das Wohl Derer, die in helbenmüthiaer Vertheidigung des Vaterlandes bei Borodmo fochten und mit uns vereint bei Ars sur Aube und Brienne in siegreichem Kampfe bluteten. Ich trinke auf die braven Vertheidiger von Sewastopol und die tapferen Kämpfer von Plewna. Ich fordere Sie auf, mit mir auf das Wohl unserer Kameraden von der russischen Armee das Glas zu leeren. Hurrah, Hurrah, Hurrah!
Die Abreise des Zaren erfolgte am Sonntag Nachmittag + Uhr vom Lehrler Bahnhöfe aus nach Luowtgslust zum Besuche der großherzoglich uvk- lenburgrschen Herrschaften. Zum Absünede war auch Kaiser Wilhelm auf dem Bahnhöfe erschienen. Die beiden Kaiser umarmten sich im Salonwagen dreimal, worauf der Kaiser denselben wieder verließ. Als der Zug sich in Bewegung fegte, erschien der Zar auf der Plattform des Wagens, winkte dem Kaiser zu und rief: „ä revoir, ä revoir!“ Die Ankunft des Zaren in Ludwigs' lust erfolgte am Sonntag Abend gegen halb 9 Uhr. Der Bahnhof und die Bahnhofstraße waren abgesperrt. Nach dem Empfange und
Im Irschlande.
Erzählung von J. Jsenbeck.
(Fortsetzung.)
Dumpfgrollend rollten die Wogen immer noch durcheinander und schleuderten ihren Gischt bis auf die am Ufer Stehenden, die sich kaum die Mühe gaben das Salzwasser von ihren Gesichtern abzutrocknen. Welcher Anblick wurde ihnen aber auch! Der Bug und das Vordertheil eines größeren Fahrzeuges standen wie festgekeilt auf einer Untiefe. Ueber die Hälfte des Rumpfes aber war abgerissen und in Stücke zerschlagen, welche von den Wellen umhergetrieben wurden oder sich in der Takelage verwirrt hatten. Die zerschellten Boote, die Spieren und Mastspitzen, Kisten und Tonnen, die Ueberbletbsel der Deckkajüte mit ihrer Einrichtung und ihren Möbeln 7- alles schaukelte durcheinander in dem chaotischen Wirbel. Schärfere Augen konnten auch unterscheiden, wie sich hie und da ein Kopf, ein Arm, eine Hand erhob, um nach diesen durcheinander geworfenen Trümmern zu greifen — wie sie wiederum verschwanden, wenn die nächste große Welle sie von der treulosen Rettungsplanke trennte. Glücklich die Armen, deren Kampf kurz war — und kurz war er, jetzt wohl beendet für die, welche mit den Wogen rangen. Aber auf dem Wrack waren noch Menschen, denen dieser Kampf noch bevorstand. Sie hielten sich fest an dem noch übrigen Theil der Schanzbekleidung. »MfförttH M Deß ob Dem HPPlörper H
der Begrüßung auf dem Bahnhöfe begaben sich I feierten am Sonntag und Montag unter beson- die Herrschaften in geschlossenem Wagen nach ^^ «<>ft»-**»»»« «fir 75iäliri^8 ^itbiinnm. dem Schloß. Abends fand eine Prunktafel statt. Im Verlaufe der Tafel brächte der Großherzog einen Toast in französischer Sprache auf das Wohl des Kaisers und der Kaiserin von Rußland aus.
Unser Kaiser begab sich unmittelbar nach der Abreise seines hohen Gastes vom Lehrter Bahnhof nach dem Reichskanzlerpalais, wo er über eine halbe Stunde mit dem Fürsten Bismarck konferirte. Als dann Kaiser Wilhelm das
Be
Kanzler-Palais verließ, tönten ihm brausende Hurrahs entgegen, die ihm das Geleit bis zum Schlosse gaben.
d e n M a j e st ä t e n fand am Montag eine Galatafel und demnächst zu Ehren der von Berlin scheidenden Prinzessin Sophie eine Abendgesellschaft statt. Das Kaiserpaar wird, wie es heißt, noch einige Tage in Potsdam residtren und dann die Reise nach Monza antreten. Nach Meldungen aus Athen wird die Ankunft der Majestäten dort zum 26 d M. erwartet.
P r i n z H e i n r i ch ist am Sonnabend mit der von ihm befehligten Kreuzerkorvette „Irene" in Genua eingetroffen. Am Montag traf daselbst auch das aus sieben Schiffen bestehende italienische Geschwader von Spezia ein und wechselte mit dem von San Remo eingelaufenen deutschen Geschwader Salutschüsse.
Kaiser Alexander ließ dem Reichskanzler und dem Staatsfecrelär Grafen Herbert Bismarck sein Mmiatnrportrait in Form einer geschmackvoll gearbeiteten Dose durch den Hausminister Grafen Woronzow überreichen. Se. Majestät der Kaiser Wilhelm hat dem Hausminister Grafen Woronzow
den Schwarzen Adlerorden verliehen.
Das Kais er Alexander-Garde-Grenadier Regiment und das Kaiser Franz Garde-Grenadier-Regiment
brechenden Wogen überspült. Und Dieses traurige Bild beleuchtete jetzt der Mond klar und rein, während das Rauschen des Windes und des Meeres jeden Seufzer, jeden Ruf übertönte, den die Todesangst etwa noch auspreßte.
„Das ist wahrhaftig das Darßerorter Barkschiff!" hatte Jan Sven halblaut ausgerufen und Anne Lowise hatte ihn verstanden. Sie wankte, aber des Alten immer noch starker Arm hielt sie; für einen Moment verwirrten sich ihre Gedanken, aber die Worte, die sie noch hörte, brachten sie wieder zum Bewußtsein. Einer der jüngeren Männer hatte sich ein Fernrohr geholt und das Glas auf das Wrack gerichtet. „Fünf Menschen halten sich noch -" sagte er, „— nein — jetzt nur noch vier — den einen verlassen die Kräfte — die Sturzwelle hat ihn fortgeriffen!"
„Mein Vater! — mein Vater!" schrie Anne Lowise auf und machte sich von Jan Sven's Armen mit heftiger Bewegung frei. „Könnt Ihr die Menschen erkennen?" fragte sie den noch immer durch das Fernrohr Sehenden. Aber ohne eine Antwort abzuwarten, hatte sie schon selbst das Glas ergriffen und an das Auge gesetzt.
„Mein Vater!" wiederholteste. „Er lebt noch — ich sehe seinen blauen Mantel flattern — da, an dem Stumpf des Mastbaums steht er und der Mann, der ihn hält, das ist Peter Durtl" Sie ließ das Glas sinken. „Könnt Ihr, wollt Ihr denn nicht helfen, Jan Sven?" schrie sie auf.
„Wo Jan Sven helfen konnte, hat er noch Seine» in DH Wesnoth verlassen? erröte
deren Festlichkeiten ihr 75jähriges Jubiläum. Beide Regimenter waren am 14. October 1814 nach Beendigung des ruhmreichen Kriegs gegen Frankreich gebildet worden.
L u d w i g s l u st, 15. October. Der Kaiser Alexander, die Großfürsten Wladimir und Georg und der Herzog Johann Albrecht begaben sich heute früh 71/2 Uhr zu Wagen in das Forstrevier Groß-Laasch und hielten daselbst unter Leitung des Oberjägermeisters Grafen Maltzahn eine Treibjagd auf Hochwild ab. Die Rückkehr erfolgte gegen 1 Uhr. — Kaiser Alexander hat sich über die Aufnahme, die ihm in Berlin zu Theil geworden, hier wiederholt außerordentlich befriedigt ausgesprochen. Der Kaiser und der Großfürst Georg verlassen Ludwigslust heute Abend 6 Uhr. Die Reise geht über Berlin nach Danzig.
(Frankreich.) Dem Marschall Mac Mahon wurde der Rang des Großkanzlers des OrdenS der Ehrenlegion angeboten; Mac Mahon lehnte denselben indessen ab mit der Bemerkung, daß er sich durch den Antrag zwar sehr geehrt fühle, daß aber seine ehemalige Stellung als Präsident der Republik ihm seiner Ansicht nach nicht gestatte, demselben Folge zu leisten.
(Italien.) Ministerpräsident Crispi hat am Montag in Palermo eine bedeutsame politische Rede gehalten, über die folgender Bericht des Wolssschen BüreauS vorliegt: Crispi hob hervor, daß die Regierung einen zwiefachen Kampf auszufechten habe, erstens auf dem Felde der nationalen Einheit, und dann in Bezug auf die geistige Freiheit. Trotz der Klagen und Drohungen von Innen und von Außen werde Rom italienisch und unantastbar bleiben. Die Regierung habe der Kirche die volle und unbeschränkte Ausübung ihrer religiösen Befugnisse zugesichert, vorausgesetzt, daß dieselbe nicht m die Rechte der Nation übergreife. Alle Männer von gereiften Ideen müßten sich von den Verfechtern der Unordnung, der nationalen Zwietracht und sozialen Zerrüttung trennen. Der Bruch der Handelsbeziehungen mit Frankreich habe sich unabhängig von dem Willen und von der Politik der italienischen Regierung voll-
dieser vorwurfsvoll, „und dem Capital» würde ich beispringen, wenn ich auch mein offenes Grab vor mir sähe!" Erzeigte, jede weitere Erklärung vermeidend, nach einer Stelle am Strande, wo flinke Hände ein lang und schmal gebautes Boot flott machten. „Betet, Mamsellchen, betet! Will'S Gott, so kommen wir mit Eurem Vater gesund zurück!"
Der alte Fischer war mit drei lugendlichen Genossen in das Boot gestiegen. Mit bedächtiger Genauigkeit wies er Jedem seinen Platz an. Dann ließ er sich eine Troßleine und einen Bootshaken reichen, rief laut: „In Gottes Namen!" und gab damit das Zeichen zur Abfahrt.
Mit todtenbleichem Gesicht sah Anne Lowise dem Boot nach, das bald auf der Spitze einer Welle erschien, bald wieder in der Tiefe verschwand. Wie es aber stieg und sank,, so näherte es sich auch langsam aber sicher dem Wrack.
Der Mond schien jetzt so hell, daß das verunglückte Barkschtff trotz der nicht unbedeutenden Entfernung fast greifbar nahe erschien. Wie eine scharf umrissene Silhouette hob sich der noch über dem Wasser hervorragende Theil desselben, umtost von den gierigen Wellen, von dem Hintergründe ab. Auch die Personen auf demselben waren genau zu unterscheiden, wie sie den Maststumpf krampfhaft umklammerten, den letzten festen Halt, der ihnen geblieben, seit der Rest der Schanz- Verkleidung auch fortgeriffen war.
Anne Lowise hatte wieder das Fernrohr auf
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