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Htlsseldtl Kreishllltt.
Mit wöchentlicher Kratis-Aeilage „Illustrirter Ilnterhaltungsölatt".
Nr. 129.
> Dienstag den 29. Oktober
1889.
Avonnements-Ginladung.
Bestellungen auf das
Hersfelder Kreisblatt
mit der wöchenttiche« GratisBeilage ^Jllustrirtes Unterhaltungsblatt" pro November und Dezember werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtlich«.
Hersfeld, den 23. October 1889.
Den Herren Ortsvorständen des Kreises werde ich in den nächsten Tagen das nöthige Formular- papier für die
Slaffensterter»Beranlagung pro 1890/91 (Klassensteuer - Rollen und Einkommens - Nach - Weisungen sowie außerdem die nöthigen Formulare zu den Klaffensteuer-Zu- und Abgangslisten rc.) mittheilen und zugleich zwecks Benutzung bet Aufstellung der neuen Einkommens-Nachweisung, die Einkommens-Nachweisung pro 1889/90 beifügen.
In Betreff der Vorarbeiten für die Klassensteuer-Veranlagung verweise ich auf das Ausschreiben vom 17. October 1877 Nr. 105 76 KreiSblatt Nr. 84 pro 1877.
Die Personenstandsaufnahme erfolgt, wie alljährlich, am 12. November. Es bleibt den Herren Ortsvorständen überlassen, diese Personenstandsaufnahme auf die Ihnen am geeignetsten dünkende Weise zu bewirken; für größere Gemeinden wird es sich empfehlen, daß seitens des Ortsvorstandes an die Haushaltungsvorstände undEtnzelnsteuerndenschon vor dem 12. November entsprechende Formulare zur ordnungsmäßigen
| die ordnungsmäßig summirten beiden Klassensteuer- Rollen und die Einkommens-Nachweisung pro 1890/91, welche sämmtlich mit den vorgeschriebenen starken Pappumschlägen und entsprechender Auf» schrift versehen sein müssen, nebst der Schulden- Nachweisung, einem amtlich als richtig zu bescheinigenden Verzeichniß der Mitglieder der Klassensteuer-Einschätzungs-Commtssion und den vorgeschriebenen »Bemerkungen zur Klassensteuer- Rolle- zur Prüfung und Vorrevision mir einzu- reichen.
In Betreff der Schulden-Nachweisung und der von den Orlsvorständen auf besonderem Bogen aufzustellenden Bemerkungen zur Klassensteuer» Rolle, wozu gleichfalls ein Formular mitgetheilt wird, verweise ich auf die §§. 33 und 44 der Anweisung zur Aufstellung der Klaffensteuer- Rollen und Einkommens-Nachweisuugen vom 19. Juli 1875, abgedruckt in Nr. 34 des Amtsblattes pro 1875.
Schließlich bemerke ich noch, daß die Abrechnung von Schaldenzinsen bei der Veranlagung des steuerpflichtigen Einkommens nur tu soweit statt» findet, als das wirkliche Bestehen der Schulden und derZinsverpfltchtungennach der gewissenhaften Ueberzeugung der Veranlagungsorgane keinem begründeten Zweifel unterliegt. Die Steuerpflichtigen können nicht angehalten werden, behufs ihrer Einschätzung Angaben über ihre Schuldverhältnisse zu machen, indeß bleibt es ihnen unbenommen, freiwillige Angaben hierüber zu machen, um zu verhüten, daß die Berückstch- tigung der Schuldenzinsen bei der Einschätzung unterbleibe oder nach irriger Annahme erfolge. 10091. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinttz.
Ausfüllung und Rückgabe ausgehändigt werden. I Die Herren Ortsvorstände sind speciell dafür verantwortlich, daß die Personenstandsaufnahme richtig und v o l l st ä n d i g erfolgt.
Sodann haben die Herren Ortsvorstände
1) auf Grund des bei der Personenstandsaufnahme oder auf sonstige Weise gewonnenen Materials die Einträge in den Spalten 1 bis incl. 20 der Einkommens-Nachweisung bezw. 1 bis incl. 6 der beiden Klassensteuer- Rollen pro 1890/91 genau und sauber zu bewirken.
2) Die Schulden-Nachweisung in vorgeschriebener Weise aufzustellen und deren Resultate in Spalte 17 a und 17 b der Einkommens- Nachweisung anzumerken, inzwischen auch,
3) die Mitglieder der Einschätzungs Commission wählen zu lassen (wegen deren Zahl cfr Ausschreiben Dom 17. October 1877 Kreisblatt Nr. 84 pro 1877) und hierauf,
4) noch vor dem 1. Dezember d. I. die Einschätzung zur Klaffensteuer unter Ausfüllung der Spalten 7 bis 27 der Klassensteuer-Rollen bezw. 21 und 22 der Ein- kommens-Nachweisung bewirken und die vorgeschriebenen Bescheinigungen auf dem Tttelblatte vollziehen zu lassen resp, solche selbst zu vollziehen.
Bei der Einschätzung sind die den Ortsvorständen mitgetheilten Revisionsbemerkungen der Königlichen Regierung zur 1889/90er Klassensteuer- Veranlagung gehörig zu beachten; insbesondere aber muß ich erwarten, daß in den Einkommens- Nachweisungen die Grund-, Gebäude- und Gewerbesteuer-Angaben richtig sind, daß die Größe des vorhandenen Grundbesitzes nach Hectaren gewissenhaft eingetragen, und daß dieser Grundbesitz wieder nach Ackerland und Wiesen rc. getrennt angegeben wird.
Bis zum 1. December d. I. sind sodann
Hersfeld, den 23. October 1889.
Die Herren Bürgermeister des hiesigen Kreises werden hierdurch unter Bezugnahme auf meine
Im Itschlande.
Erzählung von I. Jsenbeck.
(Fortsetzung.)
»Am Sonntag Nachmittag finden Sie hier das ganze Dorf versammelt," fuhr Capitain Claasen fort. »Selbst die Männer, die sonst im Krug bet Schnaps und Karten saßen, suchen jetzt zu ihrer Erholung das Blumenthal aus, wie man hier den Leichenacker genannt hat!"
Der Capitain führte den aufmersam lauschenden Rasmuß nun auch zu dem Grabe seiner Frau, das durch ein weißleuchtendes Marmorkreuz vor den übrigen ausgezeichnet war. Dort trafen die Beiden wieder mit Anne Lowtse zusammen, die auf einer neben dem Hügel stehenden Bank saß. Peter Dürt stand hinter ihr! der Ausdruck seines Gesichtes sprach es deutlich aus, wie unbehaglich ihm der Aufenthalt zwischen den Gräbern war.
In der Nähe der Ruhestätte der Frau Claasen zeigte sich ein besonders wohl gepflegter Hügel, Überragt von einem Rosenstock, an dem noch die letzten, späten Blüthen glühten. Das Auge des Malers wurde von dem Bilde angezogen, das sich in dieser Jahreszeit wohl nur noch selten bot. Seiner Frage kam Claasen zuvor.
»Da liegt ein junges Mädchen, daS vor Jahren ertrank. Ihr Tod gab zu vielen Redereien Anlaß ~ was Wahres daran war, ist nie aufgeklärt, denn die Eltern schwiegen sich beharrlich aus. Die Mutter. starb an dem Tage, da die Bark unterging, sie ist da drüben neben Ihrem Bruder
begraben. Ich erzählte Ihnen ja von der Wittwe Jensen. Hier unter dem Rosenstrauch liegt die Tochter, Marie Jensen!"
Peter Dürts Gesicht wurde aschfahl; die Bank bewegte sich unter dem krampfhaften Druck seiner Hand, welche die Lehne umklammerte; seine Lippen öffneten sich, aber er konnte kein Wort aussprechen. Anne Lowtse hatte wohl bemerkt, was in dem Manne vorging; sie glaubte wieder die Worte zu hören! »Mein Kind! Mein armes Kind —! Dich möchte ich bewahren vor seinem Henker, vor Peter Dürt!"
Aber Peter Dürt fand auch diesmal seine Fassung wieder. »Ja, ja, Herr Rasmuß, hier im Blumenthal ist man sehr tolerant!" lachte er teuflisch auf. »Hier legt man Gerechte und Un- gerechte ohne Bedenken neben einander. Die da unter dem Rosenstrauch soll eine Selbstmörderin gewesen sein, aber man hat ihr doch alle Ehren einer selig Entschlafenen gegönnt!"
Anne Lowise war von der Bank aufgesprungen und hatte sich umgewendet; in ihren Augen loderte es auf von heiligem Zorn. »Nimm das lieblose, harte Wort zurück, Dürt!" sagte sie. »Oder - bei Gott! — es trennt uns auf immer!"
Peter Dürt glaubte, daß jetzt alles auf dem Spiele stände, wenn er nicht fest und energisch auftrete. »Warum machst Du Dich denn zum Anwalt einer Person, die den Leuten so viel Grund gegeben hat, die Köpfe zusammen zu stecken, Anne Lowtse?" fragte er mit gut gespieltem Er- staunen. »Ihr entsinnet Euch doch noch, Capitain,"
wandle er sich an Claasen, »wie sich der alte Jensen selbst über seine eigene Tochter aussprach!
Und dann — habe ich denn ein Verbrechen begangen, wenn ich es lobe, daß man hier die Todten milder beurtheilt, als an vielen anderen Orten?"
»Nun ja, so schlimm war's wohl nicht, waS Du gesagt hast!" meinte Claasen begütigend. »Aber Du mußt auch nicht vergeffen, wie sehr die Anne Lowtse an den Jensens hing! Die Freundschaft war so gewissermaßen einVermächtniß meiner seligen Frau!"
Diese Worte, so warm sie auch gesprochen waren, konnten aber doch den lähmenden Eindruck nicht heben, der sich auf Alle gelegt hatte. Anne Lowiie bat ihren Vater, den Heimweg anzutreten. Sie nahm seinen Arm und lehnte sich so fest auf denselben, als wenn sie in ihrem geistigen Schwanken auch körperlich eines Haltes, einer Stütze bedürfe. Die Abneigung, die sie immer schon gegen Peter Dürt gefühlt hatte, war in den letzten Tagen stündlich gewachsen. Sie sah es jetzt klar vor Augen, daß er ihrem Vater gegenüber immer nur wie ein geschickter Schauspieler die Rolle eines Biedermannes gespielt hatte. Aber welche Gewalten hatten ihm nun die Maske abgerissen? Oder trug er immer noch eine solche? War er wirklich noch schlechter als wie er sich gezeigt hatte?
Von Peter Dürt wendeten sich Anne LowisenS I Gedanken dem Maler Rasmuß zu. Sie fühlte I dabei ihr Herz schneller schlagen — sie fühlte»