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Hersseliler Kreisblitt.
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Rr. 135. Dienstag den 12. November 1889.
Amtliches.
Des Kaisers und Königs Majestät haben mittelst Allerhöchster Ordre vom 10. d. Mts. dem Metz'er Dombauverein die Erlaubniß zu ertheilen geruht, zu der zum Besten des Metz'er Dombaues beabsichtigten Geldlotterie von 150000 Loosen auch M diesseitigen Staatsgebiete, und zwar im ganzen Bereiche desselben, Loose zu vertreiben.
Die unterstellten Polizeibehörden werden hiervon mit der Aufforderung in Kenntniß gesetzt, den Vertrieb der Loose im hiesigen Regierungsbezirk nicht zu beanstanden.
Cassel am 2. November 1889.
Der RegierungS«Präsident. I. A.: AlthauS.
Der Herr Ober-Präsident hat genehmigt, daß Sm Besten der Jdioten-Anstalt zu Scheuern auch den Jahren 1890 und 1891 je eine einmalige Sammlung freiwilliger Gaben bei den Einwohnern heyfasöta^^ werden darf.
Der°Mgierungs - Präsident. I. A.: Alth aus.
Die Interessenten der Hessischen Brandversiche« rüngS-Anstalt setze ich andurch in Kenntniß, daß die Brandsteuer für das Jahr 1890 durch Beschluß deS LandeS-AuSschusses vom 17. October 1889 auf 18 Pfennige für je 100 Mark des Umlage« kapitalS festgesetzt worden ist.
Cassel am 31. October 1889.
Der Landes-Director. I. A.: Dr. Knorz.
Hersfeld, den 6. November 1889.
Der seitherige Bürgermeister Georg G r o s c u r t h zu Hattenbach ist auf weitere 8 Jahre gewählt und gestern eidlich verpflichtet worden.
10482. Der Königliche Landrath
Freiherr v o n S ch l e i n i tz.
Hersfeld, den 9. November 1889.
Die Königlichen Herren Lokalschulinspektoren
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Ein Aeitungsinserat.
Novellen« von S. R u d o r f f.
* (Fortsetzung.)
„Wir können eS ja daran ermessen," fuhr Sartort fort, „wie sehr es uns schon erfreut und erhebt, wenn wir mit geliebten Eltern übereinstimmen. Und doch ist dies nur ein Theil jenes Köstlichen, zu ersehnenden. Mutterliebe, Vatertreue waren für uns da, wir brauchten sie nicht zu erwerben. Unter den Augen der Theuern erwuchsen wir, ihr Rath leitete uns, die Uebereinstimmung war ein Gut deS gemeinsamen Lebens. Der Höhepunkt des Glückes bleibt es, wenn in einem fremden edeln Geiste unS jene vollkommene Ueberein« Kimmung entgegentritt, dann erst vermögen wir Über den Werth dessen, was wir gedacht und empfanden, freudig uns bewußt zu werden."
„Ja, Elternliebe, Elterntreue sind ein Schatz, der seinen Segen, auch wenn die Geliebten uns verlassen haben, über das ganze Leben verbreitet," KAnna. „Gott gab mir einen herrlichen
r, eine gütige Mutter, leider kann ich nicht ohne einen Zwiespalt in meinem Innern daran denken, daß ich vielleicht gegen meine Mutter hätte anders handeln sollen, als eS geschehen ist. Sie, Herr Assessor, welcher daS Recht so hoch hält, sollen mir freimüthig sagen, ob ich unrecht gethan; ich werde gewissenhaft mitthetlen, waS zu meinem Nachtheil gedeutet werden könnte,"
„Es freut mich, daß Sie Vertrauen Zu mir haben, ich werde gewissenhaft nach meiner Ueber- f Zeugung ohne jeden Rückhalt sprechen."
„Mein Vater war Officier gewesen, und in dem letzten Kriege hatte ein Bivuak im Freien bei neun Grad Kälte ihm ein Leiden zugezogen, das mit beinahe gänzlicher Lähmung seinen Abschluß fand. Er mußte den Dienst aufgeben und hat die letzten drei Jahre seines Lebens an einen Rollstuhl gefesselt, zugebracht. Seine größte Freude war es, mich zu unterrichten, ich verließ die Schule, und das Beste, was ich an Kenntnissen besitze, ist sein Werk. O, ich liebte ihn über Alles, ihn, aus dessen Munde nie eine Klage kam, der mit einem Duldermuth ohne Gleichen sein herbes Schicksal trug. Erst 42jährig senkte man ihn ins Grab, meine Mutter war acht Jahre jünger und noch sehr schön. Sie besaß einen heiteren Sinn, und als die erste Zeit des Schmerzes um den theuern Gatten, welchen sie aufrichtig geliebt hatte, vorüber war, wendete sie sich dem Leben und seinen Freuden wieder zu. Wir erhielten Einladungen zu uns ferner stehenden Familien, mit welchen ein Verkehr der schweren Krankheit wegen, abgebrochen war, empfingen Besuche und meine Mutter wurde mehrfach ausgezeichnet. Ein Jahr nach meines Vaters Tode verlobte sich meine Mutter mit dem Landrath von Stockmann. Ich blieb wie erstarrt, regungslos auf derselben Stelle stehen, als meine Mutter mir dies Ereigniß an- kündigte. Das Härteste schien über mich herein«
des hiesigen Kreises ersuche ich hierdurch ergebenst, mir zum Zwecke der Aufstellung der Listen über die im Falle einer Mobilmachung unabkömmlichen einzelnstehenden und nicht einzelnstehenden Lehrer gefälligst das Militairverhältniß der Ihnen unterstellten Herren Lehrer bald, wenn angängig bis zum 20. d. Mts., angeben zu wollen. Namentlich bleibt anzugeben, ob der Betreffende Reservist, Ersatz »Reservistoder Land« st u r m p f l i ch t t g e r ist und bis zu welchem Termine derselbe in diesem Verhältniß bleibt.
10577. Der Königliche Landrath
Freiherr von S ch l e i n i tz.
+ Die Kriminalität
Die jährlichen statistischen Erhebungen über die von deutschen Gerichten wegen Verbrechen und Vergehen Berurthetlten gelten mit Recht als ein Barometer der öffentlichen Rechtlichkeit und Tugend. Seit einer Reihe von Jahren wird nun die wenig erfreuliche Beobachtung gemacht, daß die Verbrechen und Vergehen gegen den Staat, die öffentliche Ordnung, die Religion und die Person sich in steigender Progression bewegen: Die Verbrechen gegen Staat, öffentliche Ordnung und Religion haben vom Jahre 1882, wo 51623 Verurtheilungen erfolgten, bis auf 62348 im Jahre 1887 zugenommen, und die Verbrechen gegen die Person haben sich von 107 398 im Jahre 1882 bis auf 137 745 im Jahre 1887 vermehrt Das ist ein Zeichen der zunehmenden Verwilderung und des ungesetzlichen Sinnes, welcher die Obrigkeit, die Religion und die Rechte der Mitmenschen außer Acht läßt. Insbesondere nahm die Rohheit der Gesinnung, welche sich in Körperverletzungen und Gewaltthätigkeiten offenbart, in erschreckender Weise zu: Die gefährlichen Körperverletzungen vermehrten sich von 38 291 im Jahre 1882 auf 53 759 im Jahre 1887.
Dagegen bewegte sich die Zahl der Verbrechen
und Vergehen gegen das Vermögen, welche sich aus der wirthschaftlichen Noth erklären, schon seit dem Jahre 1882 in absteigender Richtung: damals wurden 169334 verurtheilt, im Jahre 1887 dagegen 154 652. Dieser Rückgang läßt darauf schließen, daß sich die wirthschaftlichen Verhältnisse im Allgemeinen gebessert und dazu beigetragen haben, die Zahl der Diebstähle zu vermindern.
Jetzt liegt nun eine statistische Uebersicht für 1888 vor: diese weist einen weiteren Rückgang der Verbrechen gegen das Vermögen auf und bekundet erfreulicherweise zum ersten Male seit einer langen Reihe von Jahren einen Rück- gang der Verbrechen auch gegen Staat, öffentliche Ordnung, Religion und gegen die Person.
Um von letzteren zuerst zu reden, so hat sich die Zahl der Verbrechen gegen Staat, öffentliche Ordnung und Religion von 62348 im Jahre 1887 auf 61806 im Jahre 1888, die Zahl der Verbrechen gegen die Person von 137 745 auf 134670 vermindert, bc : ^ nahm von 15 969 auf 14851; Gewalt und Drohungen gegen Beamte von 13 447 auf 12387, der Meineid von 867 auf 797 ab. Die Beleidigungen verminderten sich von 44 084 auf 42959, die einfache Körperverletzung von 19202 auf 18374, die gefährliche Körperverletzung von 55821 auf 55 223, der Mord von 142 auf 117 Fälle.
Man wird freilich hieraus noch nicht allzuweit gehende Schlüsse ziehen können, da hierzu erst die Erfahrung mehrerer Jahre erforderlich ist. Immerhin darf es als ein charakteristisches Anzeichen aufgefaßt werden, daß während bei all diesen Verbrechen und Vergehen fast ausnahmslos eine fortwährende uüv regelmäßige Steigerung zu beobachten gewesen ist, nunmehr fast überall in gleichem Matze ein Rückgang eingetreten ist. Vielleicht darf man diese Erscheinung darauf zurückführen, daß das ereignißreiche s Jahr 1888 in Etwas die Zügellosigkeit der
gebrochen zu sein, der Vater, welcher mit meinem ganzen Denken und Fühlen untrennbar verbunden geblieben, war vergessen, und ein Fremder würde zwischen mir und der theuern Mutter künftig stehen. Als ich am Verlobungstage mein bis dahin getragenes dunkelgraues Gewand gegen ein Fest-Kleid von Hellem Stoff vertauschen mußte, glaubte ich einen Treubruch gegen den geliebten Todten zu begehen.
Meine Mutter fühlte sich aber noch einmal jung, sie hatte drei Jahre in der Einsamkeit eines Krankenzimmers geweilt und freute sich über die Huldigungen, welche ihr dargebracht wurden.,
Der Landrath überhäufte sie mit Beweisen seiner Liebe, er war voll steter Aufmerksamkeit und Sorge. Jeder Händedruck, jeder zärtliche Blick, mit welchem meine Mutter ihm lohnte, füllten mein Herz mit bittern Regungen. Ich war vielleicht, trotz meiner sechzehn Jahre, noch ein thörichtes Kind, aber es schien mir, als würde ich das letzte und edelste verlieren, was mir geblieben war, die Liebe zu meiner Mutter. DaS mußte anders werden und ich beschloß, mich von der Theuern zu trennen, mir einen Wirkungskreis zu suchen, wenn möglich Liebe zu geben und zu empfangen.
Nur mit halben Worten konnte ich ja meiner Mutter sagen, was ich empfand, allein sie verstand mich und gab, Thränen im Auge, die erbetene Einwilligung."
„Hub wie gestaltete sich später Ihr Verhältniß