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Herssel-el grcisblntt
Mit wöchentlicher Kratis-Aeilage „ILuürirLes NuLerhatLuugsölatt".__________
Nr. 137. Sonnabend den 16. November 1889.
Amtliches.
Hersfeld, den 14. November 1889.
Die neu gegründete Schulstelle in Holzheim, mit welcher ein jährliches Einkommen von 750 M. neben freier Wohnung und 90 M. Feuerungsentschädigung verbunden ist, soll besetzt werden.
Bewerber um dieselbe haben ihre desbezüglichen Meldungsgesuche nebst den nöthigen Sitten- und Befähigungszeugnissen innerhalb 14 Tagen entweder an den unterzeichneten Landratb oder an den Localschulinspector Herrn Pfarrer H e i de l - b a ch zu Cruspis einzureichen.
Namens des SchulvorstandeS von Holzheim: Freiherr vonSchleinitz, 10642. Königlicher Landrath.
+ KiedkuMudgebllliM.
Die letzten Wochen und Tage haben Kund- gebuEN und Ereignisse gebracht, die — so mannigfaltig sie auch sind — doch insgesammt sich zu dem Eindruck vereinigen, daß der politische Horizont sich aufgeklärt hat und der Friede wie ein Gestirn mit leuchtender Kraft an dem Himmel Europas strahlt.
Wir lassen die Thatsachen reden.
Am 11. October traf Kaiser Alexander von Rußland als Gast unseres Kaisers tn Berlin ein. Am Abend desselben Tages gab Kaiser Wilhelm bei dem Galadiner im Kgl. Schlosse den Gefühlen des Dankes für den Besuch Ausdruck, indem er auf das Wohl seines Gastes und auf die Dauer der zwischen beiden Häusern seit mehr als hundert Jahren bestehenden Freundschaft trank, die er „als ein von seinen Vorfahren überkommenes Erbtheil zupflegen entschlossen" sei. Der Zar dankte für diese
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Ein Zeitungrinserat.
Noveltette von E. R u d o r s f.
(Schluß-)
In dem Ton des Mädchens lag etwas Schmerzvolles, das Sartori sich nicht zu deuten wußte.
„Fräulein, Sie haben mir gestattet, Ihnen zuweilen zu schreiben, allein ich hoffe, Sie auch manchmal, selbstverständlich nur bet flüchtigem Begegnen, zu sehen." —
„Das wird nicht geschehen, ich gedenke diese Stadt zu verlassen —"
„Sie wollen fortgehen? Ihre Wirksamkeit an der Schule befriedigte Sie doch" —
„Ich habe vorgestern meine Stelle zu Ostern gekündigt, und der Director hat mein Gesuch angenommen."
Die Gewißheit, daß er das liebliche Mädchen nie mehr sehen, die sanfte Stimme nie mehr hören würde, erschreckte den jungen Mann. Er fühlte jetzt wie theuer Anna ihm geworden war und beschloß es auszusprechen.
„Fräulein, Sie ahnen nicht, waS diese Tage mir gewesen sind. Zum ersten Male stand ich einem Mädchen gegenüber, reichen Geistes, edeln Herzens, schön und anmuthig, wie noch keine mir erschienen war. Wäre die unselige Zwangslage nicht, welche mir verbietet, noch länger mich Ihnen zu nähern, ich hätte mich der Hoffnung hiltgeben dürfen, daß sie zuletzt noch einige gute ßHenschaften an mir entdeckt. Verzeihen Hie
mir, was ich verschuldet, ich bin hart genug dafür bestraft, daß ich einen Weg einschlug, den Sie von Anfang an verdammten. Denn ich darf Sie nicht Wiedersehen, und liebe Sie tief, innig, von ganzer Seele! So leben Sie denn wohl." —
„Sie wollen schon gehen?" flüsterte Anna ganz leise.
Er stutzte. .
„Haben Sie mir noch etwas zu sagen Fräulein?" „Ja, ich möchte bekennen" — Anna schlug die Augen nieder--„weshalb ich die Stadt verlassen wollte--ich wünschte einem Manne nicht mehr zu begegnen"--Thränen strömten aus den schönen Augen — „der mir theuer ge
worden war" —
„Mir wäre ein so großes Glück beschieden, Sie könnten mich lieb haben?"
„Von ganzem Herzen!"
Eine Weile hielten Sie in vollem Glücksgefühle sich umschlungen, dann sagte Anna: „Nur Eines kränkt mich, daß jenes häßliche Inserat unser Glück begründen mußte."
„Darüber denke ich anders, es bewährt sich der alte Spruch: ,denen, die Gott lieb hat, müssen alle Dinge zum Besten gereichen!'"
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Micht und Liebe.
Roman von 6. Wild.
In einem der glänzenden Spielsäle zu Monte Caxlp war das Spiel für, einige Augenblicke
freundlichen Worte, indem er erklärte „er theile vollkommen die Gefühle, die Kaiser Wilhelm ausgesprochen habe."
Am 15. October erklärte der Ministerpräsident Crispt bei einem Besuch in Palermo, er sei glücklich, sagen zu können, daß der Friede gesichert sei.
Es folgte der Freundschaftsbesuch Ihrer Kaiserlichen Majestäten bei dem i t a l i e n i s ch e n Königspaar in Monza.
Bald darauf ließ Kaiser Wilhelm in der Eröffnungsrede zum Reichstag verkünden, daß die Hoffnungen auf Erhaltung des Friedens durch seine persönlichen B^tehungen mit den Herrschern befreundeter und verbündeter Nachbarländer an Sicherheit gewonnen haben, und daß diese Beziehungen dazu gedient haben, „im Auslande das Vertrauen auf die ehrlicheFriedensliebe der deutschen P o l i t i k z u b e f e st i g e n und uns zu dem Glauben zu berechtigen, daß der Friede der europäischen Welt auf der Grundlage der bestehenden Verträge mit Gottes Hülfe auch im nächsten Jahre erhalten bleiben werde."
Von Monza aus begaben sich die Majestäten nach A t h e n, wo im Beisein der höchsten Vertreter der drei mächtigsten Staaten Hochzeit gefeiert wurde. Hieran schloß sich die Meerfahrt der Majestäten zum Besuche des Sultans nach Constantinopel. Ueber die politische Bedeutung dieses Besuchs ist viel phantasiert, sie ist übertrieben und auch bestritten worden. Aber es leuchtet für jeden Unbefangenen hervor, daß die Reise, wie sie friedliche Ziele verfolgte, so auch dem Frieden dienen wird, indem sie die Herrscher beider Staaten einander näher geführt und am Bosporus das Ansehen derjenigen Macht, welche an der Spitze der friedlichen Bestrebungen Centraleuropas steht, mächtig ge- 1 hoben hat.
Auf der Rückfahrt von Constantinopel ist Kaiser Wilhelm wieder einige Tage Gast des Königs H u m b e r t in Monza und wird alsdann in Innsbruck mit dem Kaiser Franz Joseph zusammentreffen. Diese Begegnung erfolgt, nachdem erst kürzlich der leitende Staatsmann Oesterreich • Ungarns Graf Kal noky unserem Reichskanzler in F r i e drichs ruh einen Besuch abgestattet hat. Diese neuerlichen Begegnungen der Monarchen und leitenden Staatsmänner des Friedensbundes nach all den voraufgegangenen Ereignissen erscheinen wie eine Bekräftigung und Bestätigung der günstigen Eindrücke, welche jene hervorgerufen haben. Nirgends in der Welt wird man in den Begegnungen etwas Beunruhigendes erblicken: die Friedenspolitik der Centralmächte, — das ist bis jetzt ihr größter Erfolg — ist nirgends mehr zu verdächtigen, und wenn sich ihre Monarchen und Staatsmänner vereinigen, um sich über diejenigen Beziehungen auszusprechen, welche außerhalb des Friedensbundes gepflegt worden sind, so darf man hierin eine Bürgschaft erblicken, daß ihr Streben nach Sicherung des Friedens auch außerhalb des Bundes von gutem Erfolge begleitet gewesen ist.
Das Wiener Fremdenblatt erblickt in all diesen Vorgängen mit Recht den Ausdruck einer großen und gemeinsamen Idee, der Idee, „den Nationen und Europa durch enges und starkes Zusammenhalten die Wohlthaten des FriedenS möglichst lange zu wahren," sowie neue Bürgschaften für die friedliche Konsolidirung der geltenden Verhältnisse Europas.
Als bedeutungsvoll kann das Zeugniß für diese Auffassung angesehen werden, welches soeben Lord Salisbury beim Lord-Mayor-Banket abgelegt hat. Er sagte wörtlich:
„In diesem Jahre haben in mehr als einem Lande Ereignisse stattgefunden, welche in der
unterbrochen worden. Eine Dame war plötzlich ohnmächtig zusammengestürzt.
Das feine Antlitz mit leichenähnlicher Blässe überzogen, die Augen geschlossen, lag sie regungslos da.
Ein heftiger Blutsturz hatte sie mitten im Spiele überfallen; die juwelengeschmückte kleine Hand hielt noch krampfhaft die geleerte Börse umklammert, und an dem hellblauen, eleganten Seidenkleide waren große, dunkle Blutflecken sichtbar.
Noch vor wenigen Sekunden hatte sie ihr letztes Geld auf Rouge gesetzt und Noir hatte gewonnen.
Sie hatte leise und bitter aufgelacht, und dann war in jähem Strome das Blut über ihre erblaßten Lippen gequollen.
Ohnmächtig war sie zurückgesunken, und jetzt bemühte man sich, sie von dem Spieltische weg und aus dem Saale zu schaffen.
„Was geht hier vor?" fragte ein eben ein- tretender Herr einen andern, der von dem Spieltische aufgestanden war, an welchem sich die traurige Scene abgespielt hatte.
„Die Baronin Buchfeld hat einen heftigen Blutsturz bekommen," lautete die in gleichgültigem Tone gegebene Antwort.
„Ach, die schöne Frau! Vor acht Tagen noft habe ich mit ihr bei der Soiree des Grafen M. getanzt."
„Ja, sie hat sich auch halb zu Tode getanzt, und dann das Spiel, das hat sie gänzlich zu Grunde gerietet; im wahrsten Ginne deß Wortes