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Herssel-er Kleistilltt.
Mit wöchentlicher Kratio-Aeilage »IlluSrirtes Anterhallungsölatt".
Nr. 7. Sonnabend den 18. Januar 1890.
Amtliches.
| Auf Grund des §. 24 des Wahlreglements vom 28. Mai 1870 zur Ausführung des Wahl- gesetzes für den Reichstag des Deutschen Reichs vom 31sten Mai 1869 habe ich zu Wahlkom« Missarien im Regierungsbezirk Cassel ernannt:
1) für den 1. Wahlkreis, bestehend aus den Kreisen Rinteln, Hofgeismar und Wolfhagen, den Königlichen Landrath K r ö g e r zu Rinteln und zu dessen Stellvertreter den Königlichen Landrath von Buttlar zu Wolfhagen;
2) für den 2. Wahlkreis, bestehend aus dem Stadt« und Landkreise Cassel und dem Kreise Melsungen, den Königlichen Landrath Freiherrn von Dörnberg zu Cassel und zu dessen Stellvertreter den Oberbürgermeister Weise hier;
3) für den 3. Wahlkreis, bestehend aus den Kreisen Fritzlar, Homberg und Ziegenhain, den Königlichen Landrath von Eschwege zu Fritzlar und zu dessen Stellvertreter den Königlichen Landrath Geheimen Regierungsrath von Gehren zu Homberg;
4) für den 4. Wahlkreis, bestehend aus den Kreisen Eschwege, Schmalkalden undWitzenhausen, den Königlichen Landrath Grimm zu Eschwege und zu dessen Stellvertreter den Königlichen Landrath vonSchenckzu Witzenhausen;
5) für den 5. Wahlkreis, bestehend aus den Kreisen Marburg, Frankenberg und Kirchhain, den Königlichen Landrath Lodemann zu Mar« Sund zu dessen Stellvertreter den Königlichen rath Freiherrn Schenck zu Schweinsberg zu Kirchhain;
6) für den 6. Wahlkreis, bestehend aus den Kreisen Hersfeld, Rotenburg und Hünfeld, den Königlichen Landrath Freiherrn von Schletnitz zu Hersfeld und zu dessen Stellvertreter den Königlichen Landrath vonAltenbockum zu Rotenburg;
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Pflicht unö Ließe.
Roman von 6. Wild.
(Fortsetzung.)
Ein leises Lüftchen spielte mit den Wellen ihres blonden Haares, das sich voll und üppig auf die weiße Stirn legte; die Wangen blühten wie Purpurrosen, und über dem ganzen Gesicht lag jener Hauch des Friedens, den nur die innere Ruhe des Herzens geben kann. Selbst der Ausdruck augenblicklicher Sorge um den Bruder konnte nichts von dem Seelenfrieden rauben, der in jedem ihrer Züge, in jeder ihrer Bewegungen so deutlich ausgeprägt war.
s Gerhard gab keine Antwort.
Lange, lange sah er die Schwester an.
Dann plötzlich, wie aus tiefem Sinnen er* wachend, fragte er: »Du bist glücklich, Magda?"
Wie heller Sonnenschein flog eS da über ihr gutes, ehrliches Gesicht.
»Gewiß/ versetzte sie einfach; »aber vergiß Nicht, Gerhard, daß zu meinem Glücke noch das deine fehlt."
Der Freiherr seufzte tief auf. Es that ihm so weh, den stillen Frieden seiner Schwester zu stören, und dennoch mußte es einmal gesagt sein; ob früher, ob später, sie mußte es ja doch einmal erfahren, daß zwischen ihm und Viola längst alleS vorbei war.
7) für den 7. Wahlkreis, bestehend auS den Kreisen Fulda, Schlächtern und Gersfeld, den Königlichen Landrath Trott zu Fulda und zu dessen Stellvertreter den Königlichen Landrath Roth zu Schlächtern;
8) für den 8. Wahlkreis, bestehend aus dem Stadt- und Landkreise Hanau, dem Kreise Gelnhausen und den früher zu dem Kreise Hanau gehörenden Gemeinden Bockenheim, Berkersheim, Eckenheim, Eschenheim, Ginnheim, Praunheim, Preungesheim und Seckbach, (welche durch die Kreisordnung für die Provinz Hessen-Nassau dem Landkreise Frankfurt a/Main zugetheilt, aber in dem bisherigen Wahlverbande belassen sind) den Königlichen Landrath von Oertzen zu Hanau und zu dessen Stellvertreter den Oberbürgermeister W e st e r b u r g daselbst.
Cassel, den 11. Januar 1890.
Der Regierungs-Präfident. Rothe.
Hersfeld, den 15. Januar 1890.
Unter Bezugnahme auf meine Verfügung vom 4. September v. J. Nr. 3917 im Kretsblatt Nr. 107 werden die Herren Bürgermeister und Ortsverwalter des Kreises davon in Kenntniß gesetzt, daß die neuen Ortstafeln fertig gestellt und nunmehr bei Herrn W. Sexauer dahier binnen längstens 14 Tagen abzubolen sind. Soweit die Ablieferung der älteren Tafeln noch nicht stattgefunden haben sollte, muß solche bei dieser Gelegenheit bewirkt werden. Bet Abholung der Tafeln ist der Lieferungspreis (5 Mk. für jedes Stück) sofort an Herrn Sexauer zu zahlen und ist dem betreffenden Boten das Geld nebst einer vom Gemeinderath vorschriftsmäßig ausge« stellten Zahlungsanweisung, unter welcher die Quittung ertheilt werden wird, mitzugeben. 11995/89. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinttz^
Gefunden: eine Pferdedecke. Meldung des Eigen- thümers bet dem Ortsvorstand zu Niederjossa.
„Komm tiefer in den Park Hinein," sagte er, Magdas Hand krampfhaft umfassend, »du sollst heute alles wissen/
Voll banger Ahnung folgte ihm schweigend die Schwester.
Sie gingen weit hinein durch das sprossende, grünende Laub der dichten Büsche, die schmalen, verschlungenen Parkwege entlang, an deren Saume Veilchen und Krokus blühten; weit, tief hinein bis zu der alten, stämmigen Eiche, unter deren breitem Geäste sich eine Ruhebank befand.
Hier ließ sich der Freiherr an der Seite seiner Schwester nieder und begann mit leiser, aber fester Stimme seine Erzählung.
Sprachlos vor Erstaunen hörte ihn Mazda an. So schlecht, so erbärmlich hatte jenes junge Mädchen gehandelt, dem man so gut, so liebevoll entgegengekommen war.
DaS Kind »jener Frau" hatte das Blut der Mutter nicht verleugnen können; da war eS, jenes heftige, ungestüme Temperament, das sich den ersten Regungen des Augenblicks hingibt, ohne um Recht und Pflicht zu fragen.
So hatte sich ihre bange Ahnung doch erfüllt: Viola hatte Unglück über das Haus gebracht, dessen Thür ihr so gastfrei geöffnet worden war — wie ein böser Dämon hatte sie sich eingeschlichen, um den stillen Frieden zu stören — und Gerhard, ihr armer, armer Bruder, hatte nicht einmal ein Wort der Anklage für sie.
(Eröffnung des Landtages.
Die beiden Häuser des . "" Landtages sind am Mittwoch vom Viceprästdenten des Staatsministeriums. Minister v. Bötticher, mit folgend r R-de eröffnet worden:
Erlauchte, edle und geehrte Herren von beiden
Häusern des Landtages!
Seine Majestät der Kaiser und König haben mir den Auftrag zu ertheilen geruht, den Landtag der Monarchie zu begrüßen und auch an dieser Stelle Allcrhöchstseinem Danke für die mannigfachen Beweise der Ergebenheit und Treue Ausdruck zu geben, welche Seiner Majestät und Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin in verschiedenen Provinzen neuer, dings entgegengebracht sind.
Seine Majestät halten Sich versichert, daß die tiefe Trauer, in welche Allerhöchstdieselben und das Königliche Hau« durch das Hinschciden Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin August« versetzt worden sind, im ganzen Lande mitempfunden und daß das Andenken an die hohe Frau und an ihre segensreiche Thätigkeit auf dem Gebiete der Nächstenliebe im Gedächtniß des Volkes fortleben wird.
Die Finanzlage des Staates ist nach dem Abschluß att letzten und den bisherigen Ergebnissen des laufenden Rech, nungsjahres wiederum eine günstige.
Die über die Voranschläge hinausgehenden Einnahmen wichtiger Verwaltungszweige sind indessen in gleicher Höhe für die nächsten Jahre nicht zu erwarten, während eine Verwinde, rung des Ausgabebedarfe« fast nirgends, ein weiteres nothwendige« Wachsen desselben dagegen an zahlreichen Stellen in AuSsicht steht. Schon für das nächste Jahr wird eine erhebliche Steigerung der Matrikularbeitrages für das Reich vorzusehen sein.
Die Gunst der heutigen Lage entbindet deshalb nicht davon, durch vermehrte Tilgung der Staatsschuld die Zukunft thun- lichst zu entlasten und erhöhte Vorsicht in neuer Belastung derselben zu üben.
Unter Ihrer bereitwilligen Mitwirkung sind in den letzten Jahren Verbesserungen der Beamtenbesoldungen durchgeführt, welche zwar erfreuliche und werthvolle Anfänge zu der erstrebten allgemeinen Erhöhung der Diensteinnahmen bilden, hinter dem Bedürfniß, namentlich der unteren und mittleren Stellen aber wesentlich zurückbleiben. Die Regierung hält sich deshalb für verpflichtet, weitere Erhöhungen mit Ihnen zu vereinbaren.
Außerdem werden neue und vermehrte Ausgaben vorzusehen
»Das ist schlecht, das ist elend von Viola!* rief Magda, endlich ihre Sprache gewinnend. „Für so falsch und treulos hätte ich diese- Mädchen doch nicht gehalten.
„Halt ein, Magda, unterbrach er sie sanft, »ich habe mich von ihr loS gemacht, damit ist alles vorbei."
,O ja, du, du entschuldigst sie noch nach all' dem Herzeleid, daS sie dir zugefügt."
„Nein Magda, ich entschuldige sie nicht. Ich habe sie strenge verurtheilt, das hat sie selbst bitter empfunden — allein ich habe sie doch sehr geliebt und möchte nicht, daß irgend jemand ein böseS Wort über sie spricht. Was vorbei ist, ist begraben und vergessen; auch meinem Schmerze wird die Zeit Trost und Linderung bringen."
Magda sah ihren Bruder schweigend an. Fühlte sie das tiefe Weh heraus, das seine Worte durchzitterte, dieses tiefe, namenlose Weh, daS nur der gereifte Mann empfinden kann, der alles, waS ihm nach so manchem verlorenen Jugend« träume noch an Glück geblieben, auf eine Karte gesetzt und auch dieses verloren hat!
„Sie ist noch so jung," fuhr er mit leise bebender Stimme fort, »und ich bin ein ernster, gereifter Mann — das hätte ich von Anbeginn an bedenken sollen — daß ich eS nicht gethan, das war ein Irrthum, für den ich nun büßen muß."
»Es wird wieder anders und besser werden, Magda, nur jetzt, eS ist so überraschend über mt^