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HersMkl Kreisliliitt.
__________Mit wöchentlicher Kralis-Aeilag« „IlknSrirtes N«ter6alt«ugskcatt".__________
Nr. 25. Sonnabend den 1. März 1890.
Elftes Statt
Bestellungen auf das
Hersfelder KreisvLatt
pro März werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtliches.
Bekanntmachung.
Mit Bezugnahme auf den §. 26 und §. 31 des Reglements vom 28. Mai 1870 zur Ausführung des Wahlgesetzes für den Reichstag vom 31. Mai 1869 bringe ich hierdurch zur öffentlichen Kenntniß, daß die Ermittelung des Ergebnisses der am 1. März d. Js. vorzunehmenden engeren Wahl eines Reichstagsabgeordneten für den 6. Wahlkreis im Regierungsbezirk Cassel am Mittwoch den 5. März d. I s. vonVor - mittag 8 8 Uhr an im hiesigen Rathhaussaale stattfinden wird und der Zutritt zu dem Lokale jedem Wähler offen steht.
Rotenburg an der Fuldo, den 27. Februar 1890. Der stellvertretende Wahlkommissar für den 6. Wahlkreis im Regierungsbezirk Cassel: v. Altenbockum,
Landrath.
Aus dem Landtage.
Berlin, 26. Februar. Zu seiner heutigen (17.) Plenarsitzung beendete das Haus die zweite Berathung des Etats des Ministeriums des Innern. Nach weing belangreicher Debatte, in welcher sich auf eine bezügliche Anregung der Herr Minister des Innern Herrsurth un Princip mit
Auf Irrwegen.
Original-Novelle von Claire Gerhard.
(Fortsetzung.)
Da starb plötzlich der Professor; ohne lange Krankheit, still wie er gelebt, ging er in jenes bessere Land. ,, ~ .
Sylvia, von Reue gefoltert, hatte sein Krankenlager gemieden, und Waiden war es, der bet ihm ausharrte bis zum Ende.
Dann aber, als er seine Pflicht erfüllt, den entseelten Körper der Erde zurückgegeben, verließ er Würzburg und löste bald darauf aus der Ferne die Fessel, die ihn an Sylvia knüpfte.
Lange Jahre hatte er bedurft, um fich von jenem gewaltigen Schlage, den sein Vertrauen in die Menschheit erlitten, zu erholen; sein Beruf lehrte ihn, mit menschlichen Schwächen nicht zu rechten, und so hatte er ihr denn auch allmählich vergeben, der Schönen, Falschen, die fich nach Oahresfrist mit Herr von Brodinsky, dessen iOttin gestorben war, vermählte, und nun drängte sie sich wieder in sein Leben, nun, da dasselbe wieder Werth für ihn besaß!
Ein lauter Seufzer entrang sich der Brust deS gequälten Mannes. Planlos war er bet diesen Erinnerungen umhergetrrt, endlich erreichte er müde sein HauS.
Halb angekleidet warf er sich auf daS Sofa, aber der Schlaf floh ihn und er erhob sich
bald wieder, um in der Arbeit Ruhe uno Trost zu finden,
VII.
Sylvia von Brodinsky war in ihrer Ehe nicht glücklich geworden. Ihr Gemahl und sie waren gleichgesinnte Seelen, die sich wohl anzogen, aber nicht festhielten. Beide leicht erregt, beide launisch und egoistisch, erwachten sie gar bald aus dem Taumel der Leidenschaft, und es war noch kein Jahr vergangen, da fühlte sich die junge Frau in ihrer Ehe tief unglücklich, ohne doch einzusehen, wie groß auch ihre Schuld daran sei.
Nun stürzte sie sich in einen Strudel von Vergnügungen, an dem ihr Gatte nur zu gern theilnahm. Zwölf Jahre hindurch führten sie dieses Dasein, ohne dessen überdrüssig zu werden oder zu ermatten, da brächte man eines Tages Viktor von Brodinsky, mit Blut überströmt, todt nach Hause. Ein Sturz mit dem Pferde bei einem Wettrennen hatte seinem Leben ein schnelles Ziel gesetzt.
Die schone Wittwe trauerte nicht allzutief und als das Trauerjahr knapp verstrichen war, trat sie wieder in die Welt und genoß ihre Freiheit in vollen Zügen. Sie war reich, und obgleich sie die Dreißig überschritten hatte, noch blendend schön, eine üppige, stolze Erscheinung, und wo sie hinkam und siegen wollte, gelang ihr dieses mit leichter Mühe.
Allmählich freilich wurde sie deS ewigen
einer Vermehrung und Gehaltsaufbesserung der Land- ■ gendarmerie einverstanden erklärte wurde der Etat im j Ordinarium und im Extraordinariuni im Sinne der Beschlüsse der Budgetkommission erledigt. — Darauf verwies daS HauS nach unerheblicher DiScussion den Antrag des Abg. Berger-Witten (fractionSlos) und Genossen, betr. die Beseitigung der fiskalischen Brückenzölle, sowie den Antrag der Abgg. v. Eynern und Olzem (beide nat.-lib), betreffend die Uebernahme städtischer und sonstiger Kriegsschulden auf Staatsfonds, an die Budgetcommission. Ferner wurde den bezüglichen Anträgen der Wahlprüfungscommission gemäß die Beschlußfassung über die Gültigkeit der Wahl des Abg. Mahlstedt (nat.-lib.) im 5. Wahlkreise deS Regierungsbezirks Stade aus gesetzt, dann die Wahl des Abg. Dr. Stüve (freicons.) im 2. Wahlkreise des Regierungsbezirks Osnabrück beanstandet, und bezüglich beider Wahlen die Veranlassung weiterer Erhebungen betreffs einzelner Protestpunkte beschlossen. Bei der sodann folgenden Berathung von Petitionen wurde eine Petition der Gemeindevorstände von Mittelsteine, Obersteine und BiehalS, worin sich dieselben über die Anordnung der Schulaufsichtsbehörde beschweren, nach welcher, bisheriger Gewohnheit entgegen, an einem Gelöbnihtage der von ihnen vertretenen Gemeinden, Unterricht in den dorsigen Schulen ertheilt werden soll, der Königlichen StaatS- regierung zur Berücksichtign» überwiesen, während die Unterrichtscommission nur die Ueberweisung zur Erwägung beantragt hatte. — Betreffs der Petitionen von Lehrern an den Königlichen Gymnasien zu Rawitsch, Gr. Glogau und Oppeln, betreffend die Einkommensverhältnisse der Lehrer an höheren Unterrichtsanstalten und deren Gleichstellung mit den Richtern hatte die Unterrichts« Commission mit Rücksicht auf die bereits auf gleichartige und ähnliche Petitionen in früheren Sessionen gefaßten Beschlüsse des Abgeordnetenhauses und im Hinblick aus die bezüglichen, in den Jahren 1885 bezw. 1890 seitens des Herrn CultuS- und des Herrn Finanzministers abgegebenen Erklärungen den Uebergang zur Tagesordnung beantragt; indessen überwieS heute das Plenum nach längerer Debatte auch diese Petition der Königlichen StaatSregierung zur Berücksichtigung. Das Gleiche war schließlich mit einer auf Aenderung der §§ 39 und 40 der Schulordnung für die Elementarschulen der Provinz Preußen vom 11. Dezember 4845 gerichteten Petition deS Schul» orstandeS der Schule Salau-Sperl- Pruskehmen der Fall. — Die nächste Sitzung behufs Berathung der Gesetzentwürfe, betr. die Unterhaltung der nicht schiffbaren Flüsse, Abänderung deS GesetzeS vom 6. Juni 1888 über die Verbesserung der Oder und der Spree u. s. w.,
sowie einer Reihe kleinerer Vorlagen findet Donnerstag, 27. Februar, Vormittags 11 Uhr, statt.
WokitWe Nachrichten.
Berlin, 27. Februar. Se. Majestät der Kaiser, welcher am gestrigen Nachmittage einer Abtheilungs-Sitzung des Staatsrathes im Reichsamt des Innern präsidirt hatte, kehrte von dort am Abend um 6 Uhr nach dem Königlichen Schlosse zurück und entsprach gleich darauf einer Einladung des commandireuden Generals deS Garde-Corps, Generals der Infanterie Frhrn. v. Meerschetdt-Hüllessem. Während der heutigen Morgenstunden erledigte der Monarch zunächst Regierung? - Angelegenheiten und unternahm darauf gegen 9 Uhr mit der Kaiserin eine gemeinsame Spazierfahrt. Nach derselben begab sich der Kaiser wiederum nach dem Reichsamte des Innern, um daselbst der 2. Abtheilungssitzung des Staatsraths zu vräsidiren.
Breslau, 26. Februar. An Se. Majestät den Kaiser wurde heute Abend nachfolgendes Telegramm abgesandt: „Eine Arbeiterversammlung von 4000 Männern, bestehend aus Mitgliedern des evangelischen und des katholischen Arbeitervereins und anderen königstreuen Arbeitern Breslaus bringt Ew. Majestät den ehrfurchtsvollen, tiefempfundenen Dank dar für die aufs Neue in den herrlichen Erlassen von Ew. Majestät vor aller Welt bekundeten Entschließungen, das Wohl des Arbeiterstandes kräftig fördern zu wollen. Wir erflehen GotteS Segen für Ew. Majestät und das Königliche Haus und geloben, auch weiterhin festzustehen zu Kaiser und Reich." Im Auftrage der Versammlung: Hermann Seidel, Fabrikbesitzer, und die Redner: Lasca, Domvicar; Günther, Pastor.
Am Mittwoch Vormittag 11 Uhr sind unter dem Vorsitz Kaiser Wilhelm« die beiden Abtheilungen des Staats-
Einerleis müde, und die Herren, die ihr immer wieder dieselben Schmeicheleien sagten, wurden ihr zuwider.
Da, als sie sich gerade in dieser Stimmung befand, trat ihr Herbert Walden entgegen.
AuS dem schmalen, blondgelockten Jüngling mit den Feueraugen im eckig geschnittenen Gesicht war ein überaus stattlicher Mann geworden.
Wie ein inneres Jubeln überkam eS Sylvia bet seinem Anblick. Sie vergaß momentan ganz, wie sie sich vor Jahren getrennt, und das sehnliche Verlangen, jenen stolzen Mann, der ihr mehr bieten konnte, als die sie umgebenden Modegecken, wieder zu ihren Füßen zu sehen, überwand alle Bedenken.
Aber da sah sie plötzlich neben dem Ziel ihrer Wünsche ein schönes Mädchen, zu dem sich Walden zärtlich niederbeugte, und erfuhr auf ihr Befragen, daß dasselbe des Professors Braut, Nora von Dernburg, sei.
Und sie, die einst ohne Besinnen jenes treue Herz von sich gestoßen, sie wurde nun von Schmerz ergriffen, vergessen zu sein, und von verzehrendem Neide gegen das junge, liebliche Mädchen da drüben. In der ersten Wuth war es, daß sie an Waiden und Nora jene höhnischen Worte richtete; aber kaum gesagt, bereute sie dieselben.
Sie merkte wohl, wie sehr sie den Professor verletzt, und fühlte, daß dieses nicht der richtige Weg sei, den verlorenen Geliebten wiederzu- gewinnen. Sie beschloß, sich in seine Kreise gy