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Hersfel-er Kreisbllltt.

Mit wöchentlicher Kraiis-Meilags »IlluLrirt«« Antkrhaltungsölatt".

Nr. 64. Dienstag den 3. Juni 1890.

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Hersfelder Kreisvlatt

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^Mustrirtes Unterhaltungsblatt"

pro Juni werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtliches.

HerSfeld, den 29. Mai 1890.

Die Herren Ortsvorstände der Stadt- und Landgemeinden des Kreises haben mir bis zum 4. !. MtS. zu berichten, was von Ihnen in Folge meiner Verfügung vom 11. März d. I. Nr. 2601 (Kreisblatt Nr. 31) bezüglich der Ver­tilgung der Kohlweißlinge geschehen ist.

5089. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schletnitz.

Hersfeld, den 31. Mai 1890.

Die Königlichen Localschulinspectoren deS Kreises setze ich davon ergebenst in Kenntniß, daß ich Ihnen zufolge Verfügung Königlicher Regierung vom 21. d. Mts. B. Nr. 5886, eine Anzahl FlugblätterSchützet die Vögel" und Mahnruf der Vögel im Frühling" in diesen Tagen zusenden werde, um solche an die Ihnen unterstellten Lehrer gefälligst zu vertheilen.

5131. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schletnitz.

+ Die Mrlmeutmscht Arbeit wird nach der durch die Pfingstfetertage veran­laßten Pause in den nächsten Tagen wieder ihren

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

Am Fuß des Aronquija.

Ein Roman

von G. Reuter.

Kranold drückte^da/ Mädchen sanft an sich. Sein Blut gerieth nicht gerade heftig in Wallung dazu war er zu ruhig. Doch schien ihm in , diesem Augenblick alles eher möglich, als einen o heftigen Kummer zu veranlassen und die flache eines allgemeinen Aufruhrs zu werden. lebrigenS dachte er über religiöse Dinge ähnlich wie Dr. Fliertch, welcher Paul Röver eifrig zuflüsterte:

- -i^^ machen Sie denn um solcher Lappalie willen für Geschichten! Was gilt einem aufgeklärten Manne heutzutage lutherisch, türkisch, jüdisch? Kein Mensch wird Sie hindern, Darwin anzubeten oder wen Sie sonst wollen! Hurrah! Unser j^MOlb nach. Die Liebe siegt und jauchzend schwingt Hymen seine Rosenketteul"

.Der Doctor fuchtelte aufgeregt mit seinen sommersprossigen Händen in der Luft umher. Kranold hatte die schriftliche Erklärung abge- .r^ £* der katholischen Kirche angehöre und wischte sich den Schweiß, den ihm diese Lüge g kostete, von der Stirn.

Man schüttelte ihm glückwünschend die Hände. ^ES findet sich an meiner Stelle wohl ein

Anfang nehmen. Die Aufgaben, welche noch zu bewältigen sind, stellen an die einzelnen Abge- ordneten wie an die Parteien hohe Anforde­rungen, wenn es gelingen soll, zu positiven Er- gebnissen zu gelangen. Erfahrungsmäßig thut der Aussicht auf Erfolg nichts mehr Abbruch, als wenn, wie dies bei schwierigen Materien so häufig geschieht, der Glaube an ihre Aussichts­losigkeit verbreitet wird. Es ist dies z. B. gegen­wärtig in der Presse der Fall bezüglich der dem Landtage vorliegenden Entwürfe Über die Er­richtung von Rentengütern und über die Sperr- aelder. Nach beiden Richtungen hin ist aber das letzte Wort noch nicht gesprochen, und man darf sich noch immer der Hoffnung hingeben, daß die Einwendungen und Bedenken doch den Erwägungen über die praktischen Vortheile, welche sie bieten, Platz machen werden. Das Rentengutsgesetz ist geeignet, die Bahnen für eine Stärkung des Bauernstandes zu ebenen, deren Nothwendigkeit von Niemandem bestritten werden kann. Der Landtag würde sich das Verdienst erwerben, ein Stück socialer Resormarbeit in die Wege geleitet zu haben, wenn er den Gedanken des Entwurfs verwirklicht. Auf der anderen Seite ist bekannt, daß die Sperrgelder- Vorlage an der höchsten Stelle der katholischen Kirche, wie der Cultus­minister zu erklären sich genöthigt sah, keinen Widerspruch hervorgerufen hat, ein Gesichtspunkt, der doch bei der Centrumspartei stets in's Gewicht fällt und auch jetzt in's Gewicht fallen müßte, wo die endliche Regelung dieser Angelegenheit in die Hand genommen ist.

Anders liegt es mit den noch umfassenderen Aufgaben des Reichstags. Der Nachtragsetat, welcher die neue Forderung für Ostafrika enthält, ist von der Commission mit großer Majorität genehmigt worden: die Bewilligung seitens des Reichstags ist hiernach wohl nicht zu bezweifeln. Die beiden socialpolitischen Gesetzentwürfe über die Gewerbegerichte und über den Arbeiterschutz

anderer Trauzeuge," sagte Röver, dessen ge­schwollene Stirnabern verriethen, daß er nicht so ruhigen Herzens die lebhaften Ausrufe der Verachtung von den hübschen Spanierinnen ertrug, wie seine resignirte Haltung glauben machen sollte.

In diesem kritischen Augenblicke bemächtigte sich Dr. Fliertch der Situation.

Längst war es meine Absicht," rief er mit dem Pathos, welches ihn unter seinen Lands­leuten zu einer lächerlichen Figur, unter den Argentinern zu einem bedeutenden Manne stempelte,der glorreichen Kirche des erhabenen Landes, das mir gewiffermaßen.... gewisser- maßen die Mutterarme öffnete, beizutreten. Könnte eine Gelegenheit mir dazu erwünschter sein, als die heutige? Hoch lebe Argenttna, das Land der Freiheit und des Glaubens!"

Jubelnd stimmte die Gesellschaft in den Ruf ein. Fliertch setzte seinen Namen unter den Kranolds.

Dann wurde die Trauung von Pater Gonzales vollzogen und die Gesellschaft brach lärmend auf.

Röver noch vor einer Stunde der bevorzugte Kavalier stand außerhalb ihres Kreises, mit beleidigender Absichtlichkeit von Allen gemieden.

Finster an der Unterlippe nagend, suchte er noch einmal mit den Augen die Fremde aus der Hauptstadt. Sie hatte während des Tumultes mit vornehmer Geringschätzung in die Luft ge­sehen, Jetzt ließ sie sich von Maztel einen

sind in den Commissionen noch nicht so weit ge­fördert worden, als daß sie eine bestimmte Richtung, in welcher sich ihre Thätigkeit bewegen wird, erkennen läßt. Indeß haben sie bet allen Parteien im Plenum in der Hauptsache eine gute Aufnahme gesunden, so daß an dem guten Willen, hier zu positiven brauchbaren Ergebnissen zu gelangen, nicht zu zweifeln ist. Der von einigen Seiten Anfangs betriebene Plan, insbe­sondere das Gesetz über den Arbetterschutz ad calendas graecas zu vertagen, kann jetzt wohl als aufgegeben betrachtet werden, und er wird e auch nicht wieder auftauchen, wenn die

tissiou nach der Pfingstpause eifrig an'S Werk geht und sich der Erwartungen bewußt bleibt, welche die arbeitende Bevölkerung auf den ihr zugesagten größeren Schutz gegen Ausbeutung ihrer Arbeitskraft setzt. Hoffentlich werden dann auch die Erwägungen, welche Vorkehrungen gegen Ausschreitungen der Arbeiter und gegen die Disciplinlofigkeit der jugendlichen Arbeiter nöthig erscheinen lassen, etwas größere Würdigung finden, als dies bisher geschehen.

Die Arbeiten der Militärcommission haben während der letzten Zeit die Ansmerksamkeit der Presse in hervorragendem Maße in Anspruch genommen. Insbesondere hat die Rede des Generals Vogel von Falkenstein über die Un­möglichkeit der Einführung der zweijährigen Dienstzeit überall großen Eindruck gemacht: Der Darlegung, daß ganz abgesehen von den nicht geringen Kosten, welche die Einführung der zweijährigen Dienstzeit verursachen würde da» militärische Interesse durch eine solche Einrichtung auf das Schwerste geschädigt werden würde, ist schlechterdings vernünftigerweise nichts entgegen» zustellen. Dennoch hat ein Theil der Presse diesen Versuch unternommen, und außerdem ist man bemüht, mit den für eine fernere Zukunft nur andeutungsweise ausgestellten Projekten, welche mit der gegenwärtigen Vorlage nichts zu thun

Spltzeushawl reichen, den sie mit leichtem Schwung um Kopf und Nacken warf, und nahm dann den Arm des jungen Mannes. Als sie an Röver vorüberschritt, schwebte ein Lächeln um ihren Mund, der groß und voll, aber von stolzem edlen Schnitt war.

Welch' unerwartet interessante Scenen die Hochzeit bot. Man konnte glauben, sich in der italienischen Oper zu befinden," sagte sie nach­lässig und hob ihre langen Wimpern unter denen die Augen wie schläfrig verborgen lagen, ein wenig empor.

Sie neigte den Kopf nach dem Deutschen hin. Sie haben gehandelt wie ein Mann, ich be­wundere Sie, Sennor," flüsterte sie im Vorüber» gehen.

Röoer schwoll ein wildes Gefühl von Glück und Zorn im Herzen auf er wußte nicht" genau, ob die Frau ihn nicht höhnte.

Nun kam auch Kranold auf ihn zu.Ich denke, Sie werden uns lieber nicht begleiten, sagte er bekümmert.

Nein, ich reite heute Abend nach Hause,*' antwortete Röver kalt.

Kranold reichte ihm die Rechte, die Röver kaum berührte. Dann aber sah er auf das traurige Gesicht des jungen Gatten und schüttelte treu­herzig seine Hand.

Ich werde Sie auf der Fabrik melden und dafür sorgen, daß Sie Alles bereit finden, wenn