Einzelbild herunterladen
 

Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend, Abonnementspreis: vierteljährlich 1 Mark 40 Pfg. excl.

Postaufschlag.

Die Jnsertionsgebühren betragen für den Raum einer Spaltzeile 10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Pfg. Reklamen die Zeile 20 Pfg.

«ei gröherm Aufträgen entsprechender Rabatt.

Herchliikl Kreislillltt.

Mit wöchentlicher Kralis-Anlage ^Illuftrirtes Iluterhaltungrblait".

Nr. 70. ~ Dienstag den 17. Juni 1890.

Amtliches.

Ziegenhain, den 11. Juni 1890.

Euer Hochwohlgeboren benachrichtige ich hier­durch ergebenst, daß unter dem Rindvieh zu Friedigerode und Wahlshausen die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen ist.

Der Landrath von Schwertzell.

An den Königlichen Landrath Herrn Freiherr» von Schleinitz Hochwohlgeboren zu Hersfeld. J. I Nr. 6122 u. 6127.

* * *

HerSfeld, den 12. Juni 1890.

Wird veröffentlicht.

5604. Der Königliche Landrath.

In Vertretung:

Brau», Kreisdeputirter.

Am 20, Juni wird in dem zum Landbestellbezirke deS Kaiserlichen Postamts in Hersfeld gehörigen Orte Robrbach eine Posthülsstille eröffnet, deren Verwaltung dem Gastwirth Wilhelm Schilling übertragen ist.

Cassel, den 13. Juni 1890.

Der Kaiserliche Ober-Postdirector. Z t e h l k e.

Am 20. Juni wird in dem zum Landbestellbezirke des Kaiserlichen Postamts in Hersfeld gehörigen Orte Tann eine Posthülfstelle eröffnet, deren Verwaltung dem Bürgermeister Wieg and über­tragen ist.

Cassel, den 13. Juni 1890.

Der Kaiserliche Ober-Postdirector. Z i e h l ke.

Am 20. Juni wird in dem zum Landbestellbezirke deS Kaiserlichen Postamts in Hersfeld gehörigen Orte Gerterode eine Posthülfstelle eröffnet, deren Verwaltung dem Bürgermeister Riemann übertragen ist.

Cassel, den 13. Juni 1890.

Der Kaiserliche Ober-Postdirector. Ziehlke.

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

Am Jiiß des Aesnquija.

Ein Roman von G. Reuter.

ien. icm

(Fortsetzung)

Das wäre ein guter Ort für einen, der das Leben satt hätte und verschwinden möchte für immer," sagte Heinrichsen unvermittelt und folgte dem jungen Mädchen zurück zum Tageslicht.

Verlassen und öde lag der Grund vor ihm Glühend brütete die Mittagssonne auf feint schattenlosen Steingeröll, zwischen dem der Säulenkaktus bizarre graue Zweige in die flimmernde Luft streckte.

Heinrichsen rief und pfiff nach den Pferden, doch keines der Thiere ließ sich sehen.

Die werden wir nicht wiedererblicken," sagte er mit herbem Lachen.

Ich glaube, wir müssen den Weg zurück, den wir heute Morgen geritten sind."

Elfe nickte und bekämpfte muthig ihre Thränen. m "?Ase Bestien," grollte Heinrichsen.Roh und menschenfeindlich, wie alles in dem verruchten UA. ~ 21$ die sanften braunen Kühe, deren $ stundenlang lauschen konnte; wenn sltl0 melandjolifdj von den Wiesen heraus. ÄL7?^e DI 7 tm Ftchtenwalde.--- Wissen Sie, was Heimweh ist?--" Während dieser träumerische» Betrachtungen

Aus dem Reichstage.

Berlin, 13. Juni.. In derheutigen (16.) Plenar» sitzung wurde der Gesetzentwurf, betr. die Abänderung von Be­stimmungen des Strafgesetzbuchs nach kurzer Berathung in die Commission verwiesen und dann der Niederlassung-vertrag mit der Schweiz, der in erster Berathung eine längere Debatte veranlaßt hatte, in zweiter Berathung einstimmig angenommen. Schließlich wurden die Wahlen der Abgg. Panse, Leemann, v. Sperber, Kaussmann, letztere drei mit Resolutionen betr. die Veranlassung gewisser Erhebungen, für gültig erklärt. Nächste Sitzung morgen Nachmittag 2 Uhr. (Zweite Be­rathung des Gesetzentwurfs betr. die G e w e r b e g e r i ch t e.)

Berlin, 14. Juni. In der heutigen (17.) Plenarsitzung kam der Gesetzentwurf, betreffend die Gewerbegerichte zur Berathung. Beim § 1 bewegte die Debatte sich haupt­sächlich um die Frage, ob die Errichtung der Gewerbegerichte, wie die Vorlage und mit ihr die Commission will, fakultativ oder ob sie obligatorisch sein soll. Bei der Abstimmung wurde diese Frage von dem Hause mit großer Majorität im Sinne der Vorlage gegen die Stimmen der Socialdemokraten und vereinzelter anderer Abgeordneten entschieden. Außerdem hatte sich die DiScussion hauptsächlich auf ein Amendement bezogen, wonach die Genehmigung dc- Ort-statut« nur dann soll versagt werden können, wenn dessen Be­stimmungen mit den Gesetzen im Widerspruch stehen. Gegen diesen Antrag sprach sich der Staatssekretär de« Innern Staat-minister Dr. v. Bötticher sehr bestimmt aus, da die Regierung auf da« Recht nicht verzichten könne, unter Um­ständen die Genehmigung auch aus Zweckmäßigkeits- gründen zu versagen. Bei der Abstimmung über diesen Antrag stellte sich die Beschlußunfähigkeit des Hauses heraus, indem 76 Mitglieder für und 69 gegen den Antrag stimmten, also nur 145 im Hause anwesend waren. Die Verhandlungen muhten daher gegen 4/* Uhr abgebrochen werden. Nächste Sitzung Montag, 16. Juni, Nachmittags 1 Uhr. (Dritte Berathung des deutsch-schweizerischen NiederlassungSvertrage- und zweite Berathung des Gesetzentwurfs, betreffend die Ge­werbegerichte.)

Bereinigte Sitzung beider Häuser des Landtages

13. Juni, Nachmittags.

Die vereinigte Sitzung beider Häuser deS Landtages, welche auf heute Nachmittag 3 Uhr nach dem Sitzungssaale des Abgeordnetenhauses berufen worden war, eröffnete der Präsident der Herrenhäuser, Herzog von R a t i b o r, um 3

stolperte der Mann neben seiner schweigsame» | Begleiterin von Stein zu Stein über das gelb- grün schillernde Wasser der Höhe entgegen, die sie zu ihrem Unglück am Morgen so schnell hinab- gekommen waren.

Endlich schlug er Elfe vor, in dem spärlichen Schatienfleck eines großen Felsblockes ein wenig zu ruhen, zog seinen Rock aus und bereitete ihr davon ein Lager. Sie lehnte sich mit dem Rücken gegen einen Baumstamm. Doch Uebermüdung und Hunger ließen sie nicht einschlafen.

Plötzlich berührte Heinrichsen ihren Arm. Hören Sie!"

Durch dieMittagsstille ertönte ein langgezogener Pfiff kein Vogelruf, sondern der unverkennbare durchdringende Pfiff einer Dampfmaschine.

Heinrichsen deutete mit der Hand nach der grünen Schlucht, aus der das Flüßchen zwischen den Bergen hervorquoll.Von dort her kam der Ton! Dort finde» wir Menschen."

VI.

Nachdem die Reisenden die Schlucht durch, schritten hatten, kamen sie in einen zweiten Thalgrund, der sich wie ein lockendes Eden vor den Müden auSbreitete. Auch hier war der Wald gelichtet, doch mit Umsicht und Vernunft.

Grasflächen, von wilden Lilien und Narzissen durchwirkt, ersetzten ihn und schöne Gruppen silberstämmiger Lorbeeren, alter Nußbäume ver­

Uhr 5 Min. und ertheilte das Wort dem Vicepräsidenten des Staat-ministeriums. Vicepräsident des Staat-ministerium« Staatsminister v. B o e t t i ch e r : Ich habe der hohen Ver­sammlung eine Allerhöchste Botschaft zu verkünden (die Mit­glieder deS Landtags erheben sich). Die Botschaft lautet: Wir Wilhelni, von Gottes Gnaden König von Preußen, haben auf Grund des Artikels 77 der Verfassungsurkunde vom 31. Januar 1850 den Vicepräsidenten Unseres StaalS. Ministeriums v. Boetticher beauftragt, die gegenwärtigen Sitzungen der beiden Häuser des Landtages Unserer Monarchie am 13. Juni dieses Jahres in Unserem Namen zu schließen. Gegeben Berlin, den 11. Juni 1890. gez. Wilhelm. Gegengez. vom gesummten Staatsministerium." Auf Grund der mir ertheilten Allerhöchsten Ermächtigung erkläre ich die Sitzungen des Landtages für geschlossen. Präsident Herzog von Ratibor: Se. Majestät der Kaiser, unser Aller- gnädigster König und Herr, er lebe hoch! Die Mitglieder beider Häuser des Landtag- trennten sich, nachdem sie dreimal begeistert in den Ruf der Treue und Ergebenheit eingestimmt

+ Ueber das Schicksal der MisitLr^rlaae

sind in der letzte» Zeit beunruhigende Nachrichten durch die Presse gegangen. In verschiedenen Blättern war von der Möglichkeit eines Conflicts in einer Weise die Rede, welche deutlich den Wunsch erkennen ließ, es möchte dazu kommen. Ohne Zweifel waren diese Befürchtungen über­trieben und es ist bedauerlich, daß durch sie die Zuversicht auf den Bestand des von den verbündeten Regierungen in j.dcr Weise angestrebten fried­lichen Verhältnisses zum Reichstage, wenn auch nur vorübergehend, getrübt wurde.

Man bedenke, um was es sich handelt! Die Regierung verlangt, daß wir den großen Vor- sprang, den Frankreich in der Zahl und Bereit­schaft seiner Feldartillerie besitzt, einholen. Die Vermehrung unserer Feldartillerie um 70 Batterien, deren Nothwendigkeit ernsthaft bisher kaum von den Socialdemokraten angefochten worden ist, bedingt eine Vermehrung der jähr-

breiteten Schatten und Kühlung. Im Hintergründe des Thales stürzte das Gewässer in prächtigem Falle von einer Felsenwand. Seine Wellen, die später so traurig zwischen dem Geröll versumpfen mußten, trieben schäumend und sprühend die Räder einer Sägemühle. Hier lagen gleich den Leibern vorweltlicher Thiere die gefällten Giganten der Wälder, mit zottigem Schlingkraut bewachsen; daneben hohe Sröße heller gelber Planken. An der jenseitigen Berglehne hinauf zogen sich die Bretterhütten einer Ansiedlung.

Mehrere hundert Schritt von ihr entfernt, unter blaublühenden Paulinieo bezeichnete ein stattlicheres Blockhaus die Wohnstätte des Besitzers.

Um gegen Feuchtigkeit geschützt zu sein, war es einen Fuß über dem Erdboden auf Pfählen errichtet.

Die von Schlingpflanzen überwucherte Veranda verlieh dem Gebäude ein trauliches Aussehen.

Blaue Trichterwinden hingen über das Dach und aus den tiefen Purpurglocken einer Bignonien- art sogen Hunderte von Kolibris ihre Honignahrung. Zutraulich schwirrten die grüngolden glänzenden Thierchen ab und zu, ihre käfergroßen Jungen zu füttern, und ließen dabei leise zirpende Lock- töne hören.

Heinrichsen hatte nicht mehr viel gesprochen und war mit einer traurigen Demuth um das Wohl seiner Schutzbefohlenen besorgt. Jetzt schweiften seine Augen, welche es scheu vermieden, den ihre»