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Hersfel-er Kreisbiiltt.
_________Mit wöchentlicher Kratis-Aeikage „Illustrirtes Ilnierßallungsblatt".__________
Nr. 101. Donaerstag den 28. AMst 1890.
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Amtliche».
Hersfeld, den 26. August 1890.
Der seitherige Bürgermeister Conrad Möller zu Meckbach ist heute als solcher auf die Dauer von weiteren 8 Jahren eidlich verpflichtet worden. 8114, Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Zugelaufen: ein Hund, männlichen Geschlechts. Meldung des Eigenthümers bet dem Ortsvorstand zu Wehrshausen.
+ Die Kedensmittelpreise.
Seit dem Sommer und Herbst vorigen Jahres ist das Thema der Erhöhung der Lebensmittel- preise aus der Tagesordnung. Es ist bekannt, wie dies von gewissen Seiten verwerthet worden ist, um gegen die Zölle sowie gegen die Einfuhrverbote eine Bewegung heraufzubeschwören.
Daß eine Erhöhung stattgefunden hat, konnte und kann freilich von Niemandem in Abrede gestellt werden. Mit Rücksicht auf diese That- sache ist auch gewissen Beamtenkategorien des Reichs und des Staats eine Besolbungsverbesse- rung zugebilligt worden. Aber hiermit hat
Am Stift ÄEÄ Amnilliita ! gerecht gemacht wird! Und ein schöner, ver-! nicht alle auf falscher Fährte sind, ob Ottenhausen ® * „ ^** ^ ***** I wöhnter, hochnäsiger Geck sein. Eine Puppe der j nicht das Land verlassen hat und seiner Frau
Ein Roman
von G. Reuter, (Fortsetzung.)
»Männlich?" Röver lachte kurz auf. »Da ist mit der Männlichkeit viel zu helfen. Ich liebe Sylvia und kann sie nicht mehr entbehren. Ich will sie nicht von mir lassen. Ich will sie besitzen. Ich begreife nicht, warum Du so entsetzt ausriefst »mein Gott!" als ich Dir meine Pläne andeutete." Begehe ich denn ein Verbrechen, wenn ich eins der besten, liebsten Geschöpfe der Erbe mit diesen meinen Armen schützen will? Ich muß sie aus einem Zustande retten, dessen Trostlosigkeit wir alle seit Monaten mit ihr tragen. Was wollte denn die Jndalecio mit ihren abscheulichen Andeutungen? O ja, ja, ich weiß es nur zu gut, wie sie es mit den Fremden machen, die halbtodt vor Langeweile nach der schauderhaften Seereise ankommen und sich mit dem, was sie von ihrem Gelde nicht unterwegs verspielt oder vertrunken haben, noch einmal gierig in die gierige Lebenslust stürzen, die ihnen da entgegenschlägt in Rio de Janetro, Montevideo, Buenos Ayres und wie die Teufelsstätten alle heißen. Hätte ich nur Geld gehabt — sie versuchten mich auch schon herunterzuziehen in ihre Hüllen ..." Er hielt inne.
»Dagegen ist ja alles, was man drüben Genuß nennt, reines Ltmonadenwasser. — Und wenn Einem der Trank von Lastenta Jndalecio mund.
wohl kaum anerkannt werden können, daß wir I uns in einer Periode abnormer Lebensmittelpreise befinden; die Besoldungsverbesserung enthielt doch wohl nur das Anerkenntniß, daß die Lebensmittelpreise gegenüber den in den letzten Jahren üblichen Preisen gestiegen sind. In keinem Falle aber war damit den Gründen und Zwecken der Agitation, die sich eben gegen die Zölle und Einfuhrverbote richtete, eine Berechtigung zuerkannt worden.
Das soeben erschienene »Statistische Jahrbuch für das Deutsche Reich" (Jahrgang 1890) liefert einiges Material zur Beurtheilung der in Rede stehenden Frage. Es führt die Bewegung der Preise für einige wichtige Waaren während der letzten elf Jahre an. Nach dieser Tabelle hat sich der Preis für Weizen, Roggen, Gerste, Weizen- und Roggenmehl seit dem Jahre 1880 — dem ersten Jahre, in welchem der neue Zolltarif in Wirksamkeit trat — -rhebltch vermindert. Im Jahre 1880 kostete die LMeWeizen 217,G Mr., dagegen im Jahre 1889 durchschnittlich nur 187,7 Mk. Ziemlich dasselbe Verhältniß zeigt sich bei Roggen, welcher von 187,9 Mk. auf 155,5 Mk-, und bet Gerste, die von 158,2 auf 131,2 Mk. sank. Der Haferpreis weist eine kleine Steigerung auf, von 147,9 Mk. auf 149,6 Mk. Weizen- und Roggenmehl nahmen entsprechend dem Rohproduct im Preise ab. Preisherabwinderungen sind ferner bei Kartoffelspiritus (von 60,7 auf 54,1 Mk.), bei Rohzucker (von 66,5 auf 44,5 Mk.), bet Reis (von 26,6 auf 20,1 Mk.), bei Heringen (von 41 auf 22,9 Mk. für 150 Kilogramm) zu verzeichnen. Die Preise für Kartoffeln sind erst vom Jahre 1882, die für Schlachtvieh vom Jahre 1881 an registrirt: die ersteren sanken von 27 auf 22,9 Mk. Vom Schlachtvieh ist der Preis für Rinder von 98,5 auf 95,9 Mk. für 100 Kilogramm, für Kälber von 107,2 auf 95,2 Mk., 1 für Hammel von 102,9 auf 92 Mk. gesunken,
ein Grauen ankommt vor jeder ehrlichen Arbeit,
die davor zurückschaudert, wie vor etwas Ekelhaftem, bis sie rattenkahl ausgeplündert ist und ihr schließlich der nackte, gräuliche Hunger das Ekelhafte aufzwingt.
Warum sie nur nicht zu Hause bleiben, diese Gesellen, da fänden sich doch bis zuletzt noch gutmüthige Tanten und Basen, die ihnen eine Suppe kochen. Freilich, dann wäre der Monsieur wahrscheinlich ins Gefängniß gewandert. Auf solche Kreatur Rücksicht zu nehmen, e8 wäre geradezu lächerlich!"
»Und doch hälft Du seine Vertheidtgungsrede," antwortete Elfe mit schwerer, müder Stimme. »Ist die Verführung so groß, wie Du sie schilderst, ist auch das Vergehen, ihr zu unterliegen, nicht so verdammevswerth. Wenn er sich wieder auf« raffte . . ."
»Aufraffen?" Elfe, Du weißt nicht, wie sehr ein Mann verlumpen kann."
»Hast Du Beweise, daß Ottenhausen auf diesen Standpunkt angelaugt ist? Du glaubst es, weil es Dir so paßt!"
»Bist Du nicht selbst auf den Gedanken gekommen, Heinrichsen könnte der Gesuchte sein?"
Elfe stöhnte.
»Das waren Vermuthungen. Und Paul, darum, daß Heinrichsen arm, krank, im Elend ist, braucht er noch nicht schlecht zu sein. Wer weiß, ob wir
und nur für Schweine ist eine Erhöhung von 110,4 auf 110,6 Mk. zu constatiren. Als Ver- theuerung ist ferner nur noch der Kaffeepreis zu verzeichnen, welcher von 126,9 Mk> im Jahre 1880 auf 160,2 Mk. im Jahre 1889 stieg.
Also durchgehends — mit Ausnahme von Hafer, Schweinen und Kaffee - waren die Lebens- mittelpretse in dem sogenannten Theuerungsjahre 1889 geringer als im Jahre 1880, bezw. 1885 und 1882. Worin lag nun die »Theuerung"? Die Jahre 1884 bis 1888 einschließlich wiesen eine solche Depression in den Preisen auf, daß man im Jahre 1889 bei der plötzlichen Steigerung an eine große Theuerung glauben, sie auch als solche empfinden konnte, wenn auch die Preise noch lange nicht an die Jahre 1880, 1881 und 1882 heranreichten. Die Steigerung der Hafer-, Kaffee- und Schweinefletschpreise, die allein über jene hinausgingen, war aber nicht derartig, daß sie einen großen Unterschied begründeten: wenn z. B. für 1UU Kilogramm Schwemesmfch im Jahre 1881 110,4 Mk. bezahlt wurden, so war der Preis des Jahres 1889: 110,6 Mk. gewiß nicht merklich von jenem zu unterscheiden, während allerdings der Sprung vom Jahre 1888, wo er bis auf 85,8 Mk. herabgesunken, ein sehr merklicher war.
Von den Preisen der zur Fabrikation verwandten Waaren und anderen Gebrauchsmittel ist dasselbe zu constatiren: Im Jahre 1889 waren Rohtaback, Baumwolle, Wolle, Rohseide, Roheisen, Blei, Kupfer und Petroleum erheblich billiger als im Jahre 1880 und nur bet Zinn, Zink und Steinkohlen zeigt sich eine Erhöhung (bei letzteren von 10,3 auf 10,9 für 1000 Kilogramm niederschlestscher Gas- und Stückkohlen). Bei all diesen Waaren kann aber auch nicht einmal von einer tm Vergleich zu den Vorjahren starken Steigerung die Rede sein: nur bet Roh«
keine Nachricht giebt, ehe er ihr nicht bestimmte, hoffnungsreiche Ausfichten zu bieten vermag?"
»Das ist unwahrscheinlich!" rief Rover heftig. »Warum quälst Du mich mit so weit hergeholten Gegengrünven. Wenn Sylvia nur erst mein ist, ich will schon für sie arbeiten. Es soll ihr an nichts fehlen, den Mond hole ich ihr, wenn sie ihn haben möchte. Und nicht war, aus der ganzen Welt fände sich kein Mann, der Munterchen ein so guter Vater würde? Elfe, das kleine Ding, der süße Balg, ich habe ihn fast so lieb wie seine Mutter, Du sollst sehen, ich will das Mädel gut
erziehen."
Röver stand still und legte die Hand auf die Brust.
Elfe vermochte seine Züge nicht zu unterscheiden, aber der Ton seiner Stimme drang ihr mit siegender Gewalt zu Herzen.
Sie mußte ankämpfen gegen den Einfluß dieser hinreißenden Macht. Sie schwieg einen Augenblick und sagte dann unsicher:
»Wer weiß auch, wie die Gerichte entscheiden würven."
»Bekommen wir unser Recht nicht," knirschte Paul durch die Zähne, »wer fragt hier danach, wo und ob wir getraut find."
Elfe rang die Hände.
»Wohin verirrst Du Dich," rief sie schluchzend.
»Darauf wird Sylvia niemals eingehen," fuhr sie entschieden sott.