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Hersfeliitt Kreislillltt

Mit wöchentlicher Kratis-WeilageIllustrirtes Auterhaltungsblatt"

Nr. 109

Dienstag den 16. September

1890.

Amtliches

Königliche Regierung.

Cassel, den 2. September 1890.

Durch Ew. Hochwohlgeboren gefälligen Bericht vom 22. v. Mts. Nr. 4868 ist in keiner Weise 8 dargethan, daß die Ausstellung von sog. Orts- angehörigkeitsattesten, wie solche früher nach der Kurhessischen Gemeindeordnung seitens der Ge­meindebehörden zur Ausstellung gelangten, nach der gegenwärtigen Lage der Gesetzgebung noch k erforderlich ist. Ew. Hochwohlgeboren wollen sich deshalb der Ausstellung solcher Atteste für die 8 Zukunft enthalten und diejenigen Personen, welche um die Ausstellung nachsuchen, je nach Lage des betreffenden Falles entweder an die Ortspoltzeibehörde zur Erlangung eines Füh- rungSattesteS oder an die betreffenden zuständigen ? Behörden zur Erlangung eines HeimathscheineS » . (Staatsangehörigkeits ° Ausweises), oder eines MRetsepasses (Paßkarte) verweisen.

Daneben bleibt es den Gemeindebehörden über­lassen, Zeugnisse darüber auSzustellen, daß eine , Person tu der betreffenden Gemeinde einen Unter« ! stützungSwobnsitz besitzt.

An den Oberbürgermeister Herrn Rang Hoch­wohlgeboren zu Fulda.

* * *

Abschrift erhalten Ew. Hochwohlgeboren im Anschlüsse an die Verfügung der vormaligen Ab­theilung des Innern Königlicher Regierung hier- selbst vom 22. Mai 1879 AI 5953 zur gefälligen Kenntnißnahme und weiteren Veran­lassung ergebenst.

Der RegierungS'Prästdent.

I. V.: von Pawel.

An die sämmtlichen Herren Landräthe des Re­gierungsbezirks (mit Ausnahme von Gersfeld) und die Herren Oberbürgermeister von Cassel, Hanau und Marburg. J. Nr. A i 8634.

Am Lutz des Aronqnija.

Ein Roman von G. Reuter.

H (Fortsetzung.)

Röver wußte noch nicht, was er mit dem Manne reden würde, dem er in kurzer Zeit gegenüber« stehen sollte. Er überlegte es auch nicht. Der Augenblick mußte es geben. Nur eines wurde ihm klar, daß er allein in dieser Nacht Mann gegen Mann eine Entscheidung von ihm fordern würde, daß er ihn zwingen mußte, aus seiner feigen Verborgenheit herauszutreten und dem unglücklichen Weibe, zu dessen Schutz er nicht mehr fähig war, die Freiheit zurückzugeben wenn sie dieselbe begehrte.

Als Röver in die Schlucht einbog, fühlte er nach dem Revolver, den er in der Brusttasche zu I tragen pflegte. Es war eine unwillkürliche, ge­wohnheitsmäßige Bewegung. Bisher hatte er gemeint, wenn er mit diesem Manne, den er mit dem starken Zorn seiner ehrlichen Seele haßte, zu- | sammenträfe, so müsse Blut fließen zwischen ihnen. 11 ^nb oft hatte er eine wilde Freude, ein brennen« des Verlangen nach solchem Ausgang empfunden. Jetzt, nun die Stunde kam, war er ruhig und kalt. Er war selbst erstaunt darüber, denn er hatte es nicht von sich erwartet. Vielleicht war eS das Gefühl, daß der Mensch, den er finden

Hersfeld, den 12. September 1890.

Wird den Herren Ortsvorständen des Kreises zur Kenntnißnahme und Nachachtung, unter Be- dte diesseitige Verfügung vom Nr. 6600 (Kretsblatt Nr. 45)

zugnahme auf 4. Juni 1879 mitgetheilt.

8567.

Der Königliche Landrath Freiherr von S ch l e t n i tz.

Hersfeld, den 11. September 1890.

Am Montag den 29. September d. I. Vormittags 10 Uhr findet im Saale des hiesigen Rathhauses eine Kreistagssitzung statt.

1.

2.

Tagesordnung.

Begutachtung des Landwegebau-Etats pro 1891.

Begutachtung des Kostenanschlags über die Instandsetzung der schadhaften Fuldabrücke auf dem Landweg Mecklar-Meckbach in der Gemarkung Mecklar.

3. Begutachtung des auf Antrag der Gemeinde Kerspenhausen aufgestellten Projekts nebst Kostenanschlag zum Bau eines Durchlasses im Etchhos-Solms'er Landweg an Stelle einer vorhandenen Flachkandel; .zugleich auch Beschlußfasiuug über die Höhe der dieser Gemeinde zu gewährenden Unterstützung.

4. Bewilligung einer Kreissteuer von 2500 Mk. zu dem Bau einer Brücke über die Fulda bei Kohlhausen, im Anschlüsse au die unter'm 29. März d. J. bereits bewilligten 12000 Mk.

5. Beschlußfassung über die Höhe der Kreis- steuer des zur Ansammlung eines Fonds zu den Grunderwerbskosten für die in Aussicht genommenen Secundärbahnen innerhalb deS hiesigen Kreises weiter zu bewilligenden Be­trages, im Anschlüsse an die unterm 29. März d. I. bereits bewilligten 14000 Mk.

6. Beschlußfassung über die Verwendung deS dem hiesigen Kreise aus den landwirth- schaftlichen Zöllen pro 1889/90 überwiesenen würde, seiner Kugel nicht mehr werth sei. Vielleicht auch dachte er überhaupt nicht daran, was ihm selbst Freude machen würde. Seine Ge­danken beschäftigten sich ausschließlich mit Sylvia und wie er alles auf's Beste, auf's Schonendste für sie lösen könne. Und das war so schwer.

Wenn sie nur nicht verlangen würde, ihren Mann zu pflegen zu retten.

Undeutlich hatte Röver eine Vorstellung davon, seinem Gegner Geld anzubieten, damit er sein Recht auf den Besitz seiner Frau fahren lasse, daß er erkläre schriftlich ihr niemals wieder unter die Augen treten zu wollen.

Das war das Beste.

Denn ihn zu sehen den Helden, den Ge­liebten ihres Herzens in dem Zustande, in den ihn Noth, Hunger und Laster getrieben, das wollte, das mußte Röver ihr vor allem ersparen.

Einen Moment einen flüchtigen Moment durchzuckte den einsamen Retter der Gedanke, daß er selbst durch einen Vergleich Unermeßliches ge« winnen könne. . .

Aber er biß die Zähne aufeinander und ballte die Faust, als müsse er diesen Gedanken mit einem kräftigen Druck seiner Muskeln zermalmen. Und er kehrte auch nicht wieder.

--Dann ging Sylvia zurück nach Deutsch­land. Es nützte nichts sentimental über ihr

7.

8.

Betrages von 46254 Mark und über die vorliegenden Unterstützungsgesuche.

Prüfung 2C. der Kreiskassen-Rechnung pro 1889/90 bezw. Beauftragung einer Com­mission hierzu. (§. 87 der Kreisordnung vom 7. Juni 1885.)

Beschlußfassung über einen Antrag des Vor­sitzenden des Bezirks - Feuerwehr - Vereins, Oberbrandmeisters Möller zu Hersfeld, auf Bewilligung der Kosten für Beschaffung von 9 freistehenden Feuerwehrleitern für die Land­gemeinden des Kreises aus der Kreiskaffe. 9. Wahl eines Ersatzmannes für den vom 1. Juli d. Js. ab von Niederaula verzogenen Apotheker Gg. Stamm in seiner Eigenschaft als Vertrauensmann zur Auswahl der Schöffen uud Geschworenen pro 1890 und

1891.

10. Wahl der Mitglieder der Einkommeusteuer- Einschätzungs-Commission und deren Stell­vertreter pro 1891/92. (§. 21 des Ges. bom-g-^ 2R«t 187s).

11. Wahl der Mitglieder der Klasseusteuer- Reklamations-Commisson und deren Stell­vertreter pro 1891/92. (§. 14 des Ges. bom-g^ Mai A^

Der Königliche Landrath Freiherr v o n S ch l e i n i tz.

Cassel, den 10. September 1890.

Der dem diesseitigen Bezirksverbande auf Grund des Preuß. Gesetzes vom A-Ms^M zur Zwangserziehung überwiesene und von mir bei dem Schreinermeister Nikolaus Faßhauer zu Weidenhausen Kreis Eschwege in Lehre unter» gebrachte Matthäus Opfer aus Allendorf in der Wüste geboren am 6. September 1875 ist am 7. d. Mts. aus feiner Lehrstelle durchgebranut. Königliches Landrathsamt ersuche ich ganz er*

Schicksal zu jammern. Wieviel Frauen mußten sich mit weniger begnügen.

Und ihn brauchte sie nicht mehr.----

Der Vollmond stand jetzt hoch am dunkelblauen Himmel, das Flimmern der Sterne mit Hellem Silberglanze überstrahlend.

Vor dem Retter lag das weite, öde Thal deS Goldloches.

Die abgeschälten Baumgerippe leuchteteu weiß. Wenn der Wind htndurchfuhr, raschelte das dürre Schlingkraut, das wie zottiges Haar von ihren Zweigen niederhing. Das aufgewühlte, zum Himmel starrende Wurzelwerk und die Felsblöcke warfen phantastische Schatten. Und die starren Kaktusgebilde reckten ihre stachlichen Arme regungslos dem SUberbad der Mondstrahlen entgegen.

In dieser Nachtstille, überfluthet von den blauen Lichtwellen, erschien das Thal noch wilder und verlassener als bet Tage. Selbst die Fledermäuse hatten sich in das Dunkel der Wälder zurückgezogen.

Von dem Getön der Pferdehufe aufgeschreckt, steckte ein wildes Kaninchen den Kopf aus seinem nächtlichen Schlupfwinkel, setzte sich aufrecht und bewegte lauschend die Ohren. Dann floh das ge« ängstigte Thier mit langen Sätzen quer durch das Helle Thal. Der gellende Schrei eines Geiers erklang. Und alles sank in die vorige Stille