Beilage zur Nr. 113 des Kreisblatts.
Hersfeld, den 25, September 1890.
Eschwege, 21. Septbr. Die Tabaks-Ernte, welche diesmal sehr gut ausgefallen ist, ist ziemlich beendigt.
Grotzalmerode, 18. Septbr. Heute Mittag 12 Uhr brach in dem Gebäude 262 zu Hof Hirschberg, dem Herrn Baron Waitz von Eschen in Caffel gehörig, Feuer aus, welches jedoch auf seinen Herd beschränkt blieb. Der Bewohner, Bergmann G. S ö d er, ist nicht versichert, seine Habe aber mit Ausnahme von Heu und Stroh ist gerettet. Der angerichtete Schaden beläuft sich auf ca. 2500 Mark. Das Feuer wurde von unmündigen Kindern durch Spielen mit Streichhölzern angelegt.
Frankfurt a. M., 23. September. Die 11.Jahresversammlung des Vereins für Armenpflege und Wohlthätigkeit trat heute unter dem Vorsitz von Syffardt- Crefeld zusammen. Vertreter der Behörden begrüßten die zahlreiche Versammlung.
Gersfeld, 21. Sept. Am 18. d. brannte zu Lütter das Gebäude des Bahnarbeiters B. ab. Das Feuer war dadurch entstanden, daß Kinder am Dachboden und hinter dem Haus kleine Feuer anmachten, während die B.'schen Eheleute abwesend waren. B. hatte nicht versichert.
W-rwischtss.
— B e r l i n, 21. Sept. Auf der Schöneberger Brücke hat sich heute Mittag ein beklagenswerthes Unglück ereignet. Zwei Pferde eines Wagens scheuten plötzlich und rosten in eine zufällig vorbeikommende Kinderschaar hinein. Zwei Knaben wurden so schwer verletzt, daß sie nach wenigen Minuten verstarben. ~ M
— Berlin, 23. September. In der Nacht zum Montag hat eine entsetzliche Brandcatastrophe stattgefunden, indem bei einer von etwa 30 Personen besuchten Hochzeitfeier ein gestikulierender Festredner unversehens die Hängelampe herunter- riß, welche explodierte und ihren flammenden
Inhalt fast über alle Festtheilnehmer ergoß. Die meisten der Gäste haben schwere Brandwunden davongetragen.
— Himmelschreiend is et, bei ick als Herrschaft hier uf die Verbrecherbank muß, un so'ne herjeloofene polnische — na ick hatte bald wat jesagt — tritt jejen mir als Zeijin uf? Ick möchte Platzen vor Wuth! — Vors.: Das thun Sie lieber nicht, sondern beruhigen Sie stch. Sie sind ja in so aufgeregtem Zustande, daß kaum mit Ihnen zu verhandeln sein wird. — Die auf der Anklagebank des Berliner Schöffengerichts befindliche 50jährige Frau war allerdings in einer bedenklichen Verfassung. Ihr Gesicht war so roth wie der Kranz künstlicher Kirschen, der ihren Hut zierte, und ihre Stimme zitterte. Jlooben Sie denn, bet bet für 'ne ehrbare Frau janz tutmehmschose is, wenn sie hier uf't Criminal muß? Un denn lassen Sie mir Morjens um achte von eenen Schutzmann holen? Wo ick doch een eijenet Haus un Allen« habe? — Vors.: Das bleibt sich ganz gleich. Warum sind Sie zum vorigen Termin nicht erschienen? — Angekl.: Weil ick mir ieber die olle polnische — na, ick hätte ihr bald wieder bei'n richtijen Namen jenannt — eene unhaltauSbare Kolik an den Hals jeärjert hatte, ick habe ja zwee Doctors gehatt, eenen Hallopathen un eenen Himmelpathen; wo kann der Mensch sich uf't Jericht bejeben, wenn er uf'n Tod liegt? — Vors.: So hätten Sie sich entschuldigen müssen. Doch nun zur Sache. Sie sind die Wittwe Adelheid M. . . .? — Angekl.: Wittwe un Hausbesitzerin. — Vors.: Nun meinetwegen. Sie stehen unter der Anklage, Ihr Dienstmädchen Josepha Pachulla körperlich mißhandelt zu haben. Was haben Sie darauf zu erwidern? — Angekl.: Nu, nich so wenig. So 'ne Person derf mir als Herrschast doch nich kujoniren, wo sie bei mir in Lohn un Brod is. Aber mit die Mächens is bet ja reen weg nich mehr zum Aushalten. Un't Jesetz steht sie ja noch obendrin bei. Wat fragt bet Jesetz darnach, ob so un so ville Herrschaften Kobold schießen? Ick habe in meine jungen Jahre ooch als Dienstmädchen mein Brod verdienen müssen; bet scharnire ick mir jarnich zu sagen, un darum weeß. ick ooch, wat die Herrschaft un wat die Dienstmächens zukömmt. — Vors.: Da wissen Sie jedenfalls auch, daß die Herrschaft ihre Dienstboten nicht schlagen darf. — Angekl.: Uf’n Paar Dinger jejen die Horchlappen kann et nich ankommen. — Vors.: Sie sollen dem Mädchen aber eine Handvoll Haare ausgerissen und sie mehrmals mit dem Gesicht gegen die Kante des Küchentisches gestoßen haben, so daß zwei Zähne lose geworden sind. — Angekl.: En losen Mund hat sie immer gehabt, bet werden Sie schon jewahr wer'n, wenn sie rinkommt. Passen Sie uf, ick wer' wahrscheinlich meine Krämpfe kriejen, ick habe mir zu sehr über die Person je»
Lrjert. — Vors.: Um Gotteswillen, machen Sie nur nicht so was. Ich brauche die Zeugin vielleicht garnicht zu vernehmen, mir scheint, Sie geben den Thatbestand der Anklage zu. — Angekl.: Det ick ihr en maler sechse bis sünfe mit’t Gesichte so ufgestuckt habe? Ja, bet habe ick gedhan. Aber lassen Sie ich erzählen, Herr Jerichtshof. — Vors.: Ich bitte, möglichst 'urz. — Angekl.: Also so'n Stückener elfe hatte ick in det letzte Jahr bereits jehatt, un ick sage Ihnen, da war 'ne duftige Sorte bei. Ick denke, ick wollte et mal mit ’ne polnische versuchen, bet stand so fromm mang die anderen frechen Wachens in’t Comptoir un wußte so mild un ehrbar zu dhun, det ick dachte, nu hätte ick endlich mal eene. Ick bin denn ooch wieder scheene kurirt worden! Jejen die waren die iebrijen, die ick jehatt habe, die reenen Engel un Tugcndspiejel jejen. Sie is drei Dage bei mir, als ick von eenen kleenen Jang des Abends zu Hause komme. Wer is bei ihr? Een Kanonier. Nanu? sage ick. Jh, meent sie, der is man blo« aus meinem Dorf! Ick sage weiter nischt, ärjere mir aber doch. Den Dag dadruf, wen treffe ick bei ihr in die Küche? Een Pionier! Nu hatte bet aber jeschellt! Machen, sage ick, gestern en Kanonier un heite en Pionier, Du hast ja die reine Nierenkrankheit. Kömmst hier aus't Polnische nach Berlin und fängst jleich so'ne Jeschichten an?. Du scheinst Dir ja förmlich uf die Soldaten caprivirt zu haben! Nu wird die Mamsell obsternatsch un meent, et singe mir nischt an un ick dhäte blos neidisch sind denn bei so'n ollet Register als wie ick, 'ba dhäte natürlich kcen Soldate mehr anbeißen. Denken Sie blos mal an. — Vors.: Da« war allerdings stark. Sie konnten sie ja entlassen und auf andere Weise Ihr Recht suchen, aber so mißhandeln durften Sie sie nicht. — Angekl.: Ick wollte ihr eijentlich noch wejen Diebstahl» anzeijen, indem sie wenigstens so'n Stückener fünf Bouletten und zwee Kalbs-Koteletts for ihre Soldaten jemopst hat. — Vors.: Sie geben also zu, das Mädchen in der beschriebenen Weise mißhandelt zu haben? — Angekl.: Ick jebe et zu, denn ick will bet olle polnische — na, ick hädde bald wat gesagt — nich sehen. — Mit Rücksicht auf das Verhalten der Dienstmagd kommt Frau M. mit 20 Mk. Geldstrafe davon.
— O st r o w o, 22. September. Bei einer in Groß-Zwysocko entstandenen Feuersbrunst haben Deute vier Kinder den Tod in den Flammen gefunden.
— („Recht ßüß und rechthaiß".) Unter diesem Titel erzählt die „Libauer Zeitung" nachstehende Geschichte: Vor einiger Zeit trat einmal ein wetterfester dänischer Schiffscapitäu in eine Restauration unserer Stadt, ließ sich be«
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Die Expedition.
Amtliches
Der Kreistag am 29. d. M. wird nicht im Rathhaussaale sondern im Hotel Kniese stattfinden.
HerSfeld, den 26. September 1890.
Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz.
Nachdruck verboten.
Verrathene Liebe.
Erzählung aus Lithauen von Karl Funk.
für die Franzosen verhängnißvollen von 1812 zu 13, als ihr so kläglicher mucrzug aus Rußland stattfand, ging die seit Wominter96 ^fi^“! Hetdeschenke in der großen
ÄL ?m südöstlichsten Theile n<Swe«!' plötzlich in andere Hände über. Die 9^h^nh6^ln^ Wittwe mit zwei Töchtern. Während die Mutter eine abschreckende Häßlichkeit zeigte und durch ihren dämonischen Blick fast geradeeinflößte, waren die Töchter $@e das Gegentheil von ihr. Lieblichere Er- nff ^ Mf diele Meilen im Umkreise mcyr. Besonders die ältere, welche Katbtnka hieß, war eine vollendete Schönheit, schlank und f&VÄfr Wüchse. Ihr Gesicht besaß das schönste Oval, umrahmt von dichtem, schwarzem berntederstel" mÄ?^ «»f den Rücken £ Aell, stach die wunderbare Blässe der Haut ab, die keinen Tropfen Blut zu ent- Uten schien, unter der aber das Blut in Wildem, schnell pulstrendem Laufe rollte. Und welch ein
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Im Aufträge: gez. LodeMaun.
An den Königlichen Regierungs-Präsidenten Herrn Rothe Hochwohlgeboren zu Caffel. 1. B. 6724.
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Caffel, den 16. September 1890.
Abschrift erhalten Ew. Hochwohlgeboren mit dem ergebensten Ersuchen, gefälligst in dem dortigen Bezirk die gewünschten Ermittelungen anzustellen und mir über das Ergebniß binnen drei Wochen zu berichten.
Der Regierungs-Präsident Rothe.
An die sämmtlichen Königlichen Landräthe des Regierungsbezirks und den Königlichen Polizei- Director hier. A. I. 9132.
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Hersfeld, den 24. September 1890.
Wird den Ortspolizetbehörden des Kreises behufs Anstellung von Ermittelungen mitgetheilt. Sollte von den Nachkommen des Genannten etwas bekannt werden, ist mir alsbald Bericht zu erstatten.
8840. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schletnttz.
Feuer strahlte erst aus ihren mandelförmigen, braunen Augen, deren heiße Sterne auf weißem Grund rubten! Sie waren im Stande, auch das kälteste Männerherz in Flammen zu setzen. Nicht minder schön war ihre jüngere Schwester, doch zeigte ihre Figur noch nicht das vollendete Ebenmaß der Formen, wie dies bet der älteren Schwester der Fall war. Es bedurfte keiner großen Scharfsichtigkeit, um zu erkennen, daß sie polnischer Abkunft waren, was ja ihre Namen auch noch genugsam bestätigten.
Woher diese drei eigentlich gekommen, welchen Standes sie waren, und wovon sie so recht lebten, da die Zeiten schlecht waren, und die Hetdeschenke nur mäßig besucht wurde, das wußte kein Mensch. Zwar gingen mancherlei dunkele Gerüchte umher, aber verbürgen konnte dieselben niemand. Als sich die Kunde von diesem seltenen Kleeblatt immer weiter verbreitete, begann sich der Besuch zu mehren; denn mancher junge Bursche machte gern einen Umweg, um die schöne Kathinka zu sehen und einen freundlichen Blick von ihr zu erhäschen. Aber keinem der jungen Leute wollte es gelingen, ihr auch nur das geringste Interesse abzugewinnen.
wie Listen müssen hinsichtlich jeder in dieselben aufgenommenen Person enthalten:
a. den Vor- und Familiennamen — bei Frauen den Geburtsnamen und Namen des Ehemanns, b. die Vor- und Familiennamen der Eltern,
c. das Lebensalter,
d. den Monat und Tag (das Datum) des Todes.
Formulare zu diesen Listen werden von der Watsenhausbuchdruckerei zu Caffel zum Preise von 1 Mark für das Buch vorräthig gehalten.
Die Einrichtung tritt mit dem 1. Januar 1891 dergestalt in's Leben, daß die Listen zum ersten Male für das Halbjahr vom 1. Juli bis 31. Dezember 1890 aufzustellen sind.
Die Ortspolizeibehörden haben durch Ver- gleichung der übersandten Listen oder der von ihnen selbst in ihrer Eigenschaft als Standesbeamte geführten Sterberegister mit dem auf Grund der Benachrichtigungen der Staatsanwälte über rechtskräftige Bestrafungen, künftig mit ganz besonderer Sorgfalt zu führenden polizeilichen Strafregister halbjährlich festzustellen, ob und welche der in ihren Bezirken wohnenden nach dem 1. Octo d er 1882 bestraften Per-
Etwa eine halbe Meile von der Heideschenke befand sich eine Jagdbude (Försterei), auf der ein alter Jäger nebst einem Bursche» lebte, während ihnen die Wirthschaft von einer alten Magd geführt wurde. Da der Förster aber schon bejahrt war und den Dienst bet der Größe seines Reviers nicht mehr genügend versehen konnte, so hatte er seine Vorgesetzte Behörde gebeten, die Stelle doch seinem Sohne zu verleihen, der sich zur Ausheilung seiner Wunden, die er in der Schlacht bei Gr.-Görschen am 2. Mai 1813 erhalten hatte, in Königsberg aufhielt.
Diese Bitte wurde dem Alten um so mehr gewährt, als sein Sohn ein gewissenhafter, Pflicht- treuer Soldat gewesen war, der sich in der genannten Schlacht rühmlichst ausgezeichnet hatte, so daß ihm für seine Tapferkeit das eiserne Kreuz verliehen worden war.
An einem der letzten Tage des Juni schritt ein stattlicher, junger Mann, der den rechten Arm in der Binde trug, durch die Rommter Heide. Die Fluren glänzten, der Wald duftete, und in der Ferne erscholl der eintönige Ruf des Kuckucks. Schon war die Sonne am Untergeben; mit goldigem Schimmer bemalte sie die Heide,