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__________Mit wöchentlicher Hratis-Meikage „Illustrirtes Anterhaltungsklatt".__________
Nr. 129. Sonmbcnd den 1. November 1890.
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Hersfeld, den 28. October 1890.
Nachdem den Herren Ortsvorständen des Kreises l das erforderliche Formularpapier zu der am 1. eDezember d.I. stattfindendenVolkszählung zugefertigt worden ist, bemerke ich unter Bezugnahme auf meine Verfügung vom 1. September d. I. Nr. 8196 (Kreisblatt Nr. 104) noch . Folgendes:
Die Volkszählung wird, wie im Jahre 1885 mittelst Zählkarten ausgeführt. Für das Zähl- geschäst sind folgende Zählpapiere erforderlich; Zählkarten A. bezw. a., Hausyaltungsverzetchmsse B., Umschläge D. mit aufgedruckter Anleitung C., Instruktionen für die Zähler E., Zähler-Con- trollisten F., Ortsltste G. und Instruktionen für die Behörden H.
Bei der Bedarfsabschätzung für die einzelnen Gemeinden ist die Bevölkerungszahl nach der letzten Volkszählung mit 10 °/0 Zuschlag zu Grunde gelegt worden. Sollten indessen die übersandten Formulare in einzelnen Gemeinden hinter dem wirklichen Bedarf zurückbleiben, so ist der Mehrbedarf schleunigst bet mir anzumelden und kurz zu begründen.
Den Ortsbebörden liegt es zunächst ob, da, wo es die Verhältnisse nöthig erscheinen lasten, eine Zählcommission zu bilden. Im hiesigen Kreise wird dies wohl bei keiner Gemeinde, oder doch nur bei den größeren erforderlich sein, da die Aufgabe der Zählcommisston recht gut von dem Ortsvorstand allein ausgeführt werden kann, wenn solcher das nöthige Sach- Jnteresse besitzt und der Aufgabe die erforderliche Aufmerksamkeit zuwendet. Doch bleibt es dem Bürgermeister überlasten, eine derartige Commission für seine Gemeinde zu bilden, wenn er es für angemessen erachtet; selbstredend muß darauf Bedacht genommen werden, daß die Commission nur solche Männer enthält, welche die Wichtigkeit der Zählung zu beurtheilen im Stande sind und hinlängliche Kenntniß der örtlichen Verhältnisse besitzen.
Die Bildung der Zählcommissionen muß bis zum 15 November d. I. beendigt sein.
Nachdem dies geschehen, hat die Zählcommisston bezw. wo Zählcommissionen nicht eingesetzt sind, der Bürgermeister die Gemeinde definitiv tu Zählbezirke einzutheilen, sodann für jeden Zähl- bezirk die voraussichtlich erforderlichen Zählkarten A. bezw. a., HaushaltungSverzeichniffe B„ Umschläge nebst Anleitungen C. D., eine Zähler- Jnstruction E. und zwei Zähler-Kontrollisten F. abzutheilen, den Umfang des jevem Zähler über- Wiesenen ZählbezirkS auf dessen Kontrollisten so genau zu bezeichnen, daß über die Zugehörigkeit der einzelnen Häuser rc. zu dem betreffenden Zählbezirke ein Zweifel nicht obwalten kann, und hierauf das gesammte Material dem betreffenden Zähler unter Hinweis auf die Vorschriften der Zähler-Jnstruction E. auszuhändtgev, und zwar bis spätestens zum 19. November.
Es ist nunmehr Sacke des Zählers, an der Hand der Jnstruction E. sich zunächst über seine Obliegenheiten genau zu informiren, demnächst die erforderlichen Ermittelungen vorzunehmen, die vorgeschriebenen vorläufigen Einträge in die
Zählkarten, HauShaltungsverzeichviffe, Zählbriefe und Controllisten zu machen, sodann in der Zeit vom 28. bis 30. November die Austheilung der Zählbriefe vorzunehmen, hierbei die Haushaltungsvorstände über die Ausfüllung der Zählpapiere mündlich zu belehren und sodann vom 1. Dezember Mittags bis zum 2. Dezember Mittags die Zählbriefe wieder einzusammeln, danu das Zählmaterial einer genauen Prüfung und Ergänzung zu unterwerfen, hierauf die Spalten 4 bis 9 der beiden Controllisten F. sachgemäß auszufüllen und schließlich das gesummte Material bis zum 7. Dezember an den Ortsvorstaud bezw. die Zählcommisston zurückzugeben.
Der Bürgermeister (die Zählcommisston) hat das zurückgelieferte Zählmaterial einer genauen Prüfung zu unterziehen und namentlich darauf zu achten, daß auch die Aufnahme der Wohn- stätten rc., welche mit der Volkszählung verbunden ist (cfr. Seite 4 der Controllisten) ordnungsmäßig erfolgt ist. Nothwendig werdende Er- gäazunaev rc. sind nach Maßgabe der Vorschrift unter II. B. d der Jastruction für die Behörden alsbald vorzunehmen. Hierauf ist sodann uach der Anleitung des Musters die Ortsliste G. auf- zustellen.
Die Reinschrift der Zähler-Con- t r o 111 ft e F. eines jeden ZählbezirkS sowie die Ortsliste G. ist sodann bis spätestens zum 22. Dezember an das Königliche Landrathsamt einzu- senden, während das andere Exemplar der Cou- trolliste in der Gemeinde-Reposttur aufzube- wahren ist.
Das in ZählbezirkS - Packete zusammen zu schnürende und mit entsprechender Aufschrift zu versehende Zähl-Material muß nebst den unbenutzt gebliebenen Formularen bis spätesten- zum 31. Dezember d. I. an das Königliche Landrathsamt eingereicht werden.
Ick erwarte, daß bk Herren Ortsvorstände sich
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Uervrhmt.
Eine Erzählung von K. L o ch m a n n.
fuhr mich
(Fortsetzung.)
„Doch man sagt, daß ich auch schön fei,* Felicia in ihren Gedanken fort, „und er sah eine Weile an und trotzdem blieb sein Antlitz Verdüstert und finster. Sonderbar!"
Sie starrte immer noch gedankenvoll nach jener Loge, in welcher der Fremde saß; sie achtete nicht auf den ferneren Verlauf der Oper; ihre süßen Lieblingsmelodten wiegten sie in verworrene Träume, und fast erschrocken fuhr sie auf, als die Musik plötzlich schwieg, die Oper zu Ende war — und das Publikum sich geräuschvoll zu entfernen begann.
Auch die Gräfin erhob sich, um das Theater zu verlassen; der Fremde war aus der gegenüberliegenden Loge bereits verschwunden, und mechanisch folgte Felicia der Mutter die hell erleuchtete Treppe hinab in die Vorhalle des Gebäudes.
Ein Diener erwartete daselbst bereits die beiden Damen, um sie zum harrenden Wagen zu geleiten. Draußen strömte der Regen heftiger, als vorher; der Platz vor dem Theater stand voll Wasser, das der heulende Sturm hin und her peitschte. I» dem sich eutwickelvden sinken Ge-
dränge und in der Dunk-thrrt suh sich Felicia plötzlich von ihrer Mutter und dem Diener getrennt. Sie fand sich rings von fremden Menschen umgeben, die alle nach einer Richtung hin strebten und war gezwungen, mit diesem Strom vorwärts zu gehen.
Nach und nach lichtete sich die Menge, und nach einigen ängstlichen Hin- und Herirren erblickte Felicia endlich in einiger Entfernung ihre durch die prächtige Ausstattung und die beiden Schimmel leicht kenntliche Equipage, von der sie noch durch einen breiten, nassen und schlüpfrigen Straßenübergang getrennt war.
Sie zögerte, mit ihrer leichten Fußbekleidung über die schmutzigen Steine hinweg zu schreiten.
Unschlüssig stand sie da, als plötzlich der Herr aus der Loge neben ihr stand. „Ich bemerke Ihre Verlegenheit," sagte er den Hut leicht lüpfend, aber mit ernstem Gesicht, „Sie erlauben!"
Und ehe sie noch ein Wort erwidern konnte, hatten sie zwei starke Arme schon umfaßt; sie fühlte ihre leichte Gestalt emporgehoben und stand in wenig Augenblicken trockenen Fußes am Wagen.
Ohne den Dank des über diesen eigenthümlichen Ritterdienst erschrockenen Mädchens abzuwarten, war der Ritter selbst in der Dunkelheit verschwunden.
Nur einsilbig beantwortete Felicia während der Nackhrusefohrt die Fragen ihrer Mutter, die, bereits in die weichen Kiffen des Wagens geschmiegt, die Scene gar nicht bemerkt hatte. Zu Hause angelangt, schützt sie übergroße Müdigkeit vor, um sich eilig in ihr Boudoir zurückziehen zu können. Kaum dort angekommen, fragte sie daS Kammermädchen nach der alten Anne, ihrer Wärterin.
„Die Anne wollte die Rückkunft des gnädigen Fräuleins erwarten," entgegnete Ltsette, „doch wird sie wohl ihrer Gewohnheit gemäß längst eingeschlafeu sein. — Befehlen Comteß, daß ich sie rufe?" fuhr sie nach einer kleinen Pause fort.
„Nein, nein, Lisette!" erwiderte Felicia kurz, „geh' nur, ich wünsche allein zu sein, und bedarf Leute deiner Dienste nicht mehr."
Das Mädchen folgte, obwohl verwundert der erhaltenen Weisung. Kaum sah sich Felicia aber allein, als sie von dem Lehnstuhl, in den sie sich nachlässig geworfen, stürmisch aufsprang und ausrief: „Ich muß die Anne sprechen, und zwar noch heute!" —
Und geräuschlos die Thür ihres ZimmerS öffnend lief sie, von Furcht getrieben, rasch den dunklen Corridor entlang, bis sie vor einer kleine» Thür am Ende desselben still stand.
Leise und behutsam trat sie in das kleine be-
1 Hagsich erwärmte und er^ tete Gemach. Auf