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Herchliitt IreisHatt

Wit wöchentlicher Kratis-AeilageIllugrirtes UnterhattungsblaLL".

Nr. 137,Donnerstag den 20. November 1890.

Amtliches.

Hersfeld, den 17. November 1890,

Die Herren Standesbeamten des Kreises werden angewiesen, die Standes-Register für das Jahr 1891 durch einen schriftlich bevollmächtigten, zu­verlässigen Boten bis zum 15. Dezember d. I. hier abholen zu lassen.

Die bestellten Formulare zu Register-Auszügen sind den Registern beigefügt.

A. Nr. 1534. Der Königliche Landrath

Freiherr von S ch l e i n t tz.

Gefunden: ein wollenes Halstuch, eine Mütze und ein kleines Taschentuch. Meldung der Eigen­thümer bei dem Ortsvorstand zu Allmershausen.

Der Steckbrief vom 22. Januar 1885 hinter dem Pferdehändler Louis Wilhelm Ackert aus Wippersharn, geboren zu Jlleben, wird erneuert. (Aktenzeichen J. U. 12/85).

Cassel, am 15. November 1890.

Der Erste Staatsanwalt Klingelhöfser.

Zolitische Nachrichten.

Die Feierlichkeiten zur Vermählung der Prinzessin Victoria mit dem Prinzen Avolf zu Schaumburg - Lippe haben am Montag Abend mit einer Galatafel in der Bildergallerte des Königlichen Schlosses begonnen. An der mit alterthümlicher Pracht hergerichteten Tafel saß das hohe Brautpaar in ver Mitte zwischen der Kaiserin Auguste Victoria und der Kaiserin Friedrich, und zwar Letztere neben dem Bräutigam, Erstere neben der Braut. Dem Brautpaar gegenüber saß der Kaiser. Unter den von aus­wärts eingrtroffenen Gästen befanden sich neben den nicht in Berlin wohnenden preußischen Prinzen

(Unbefugter Nachdruck verboten.) Vernehmt.

Eine Erzählung von K. L o ch m a n n.

(Fortsetzung.)

Als ich mich ein wenig gefaßter umblickte, gewahrte ich auf ihrem Nachttischchen einen Zettel, der, mit unsicherer, flüchtiger Hand ge­schrieben ungefähr folgendes enthielt:

Wenn Du diese Zeilen liest, bin ich nicht mehr unter den Lebenden! Ich griff, um wir Geld zu verschaffen, das Du mir ver­weigertest, heimlich zum Spiel! Das Glück wechselte stets bis es mich gänzlich verließ. Ich verspielte meine Garderobe, meinen Schmuck, und als ich nichts mehr besaß, griff ich zum letzten verzweifelten Mittel: Ich bestahl Dich, Robert; einen Nachschlüssel zu Deiner Cassette besaß ich längst. Verzeihe mir und bete für mich.

Aurelie."

Ich war wie gelähmt ich wußte mich nicht zu fassen, und, als mir endlich das Bewußtsein der entsetzlichen Wahrheit zurückkehrte, eilte ich die Treppe hinab inS Freie. Vielleicht konnte ich sie noch retten, ihr Leben erhalten.

Unfern des OrteS lag ein kleines Wäldchen, vielleicht hatte sie sich dorthin geflüchtet. Es war mir fast, als sähe ich dort eine weiße Ge­stalt sich bewegen hastig eilte ich vorwärts,

Nur wemge Schritte war ich noch von dem Gc-! büsch entfernt, da knallte ein Schuß, dem ein markerschütternder Aufschrei folgte. Durch Dornen und Gestrüpp mir Bahn brechend, stürzte ich der Stelle zu, von welcher her ich den Auf­schrei vernommen, in meinem wilden Lauf stieß ich fast einen bleichen, jungen Menschen um, der mir mit bebender Stimme zurief:

Da liegt die Frau, die sich vor meinen Augen erschoß. O Gott, o Gott!"

Und er rannte in wilder Flucht au mir vorüber, dem Ausgange des Wäldchens zu, wäh­rend ich die Stelle erreichte, die er mir bezeichnet hatte.

Sterbend fand ich das Weib, das ich einst geliebt hatte, sterbend von ihrer eigenen Hand. Ich kniete stumm neben ihr nieder.

Verzeih mir, Robert!" flüsterte sie,ich konnte nicht anders."

Sie hatte sich ins Herz geschossen; ein Blut­strom quoll aus der Wunde zur Erde nieder. Ich wollte ihn stillen, doch sanft wehrte sie meine Hand ab.

Es ist vorbei!" sagte sie mit matter Stimme, ich fühle, daß ich sterbe! Erfülle meine letzte Bitte, sage Niemand, daß ich dich beraubt habe, und daß ich eine Selbstmörderin bin. Nicht um meinetwillen, nein, meiner Familie wegen! Schwöre es mir!"--

Sie sah mich angstvoll mit den großen, dunkeln

und Prinzessinnen die Eltern des Bräutigams, Großherzog und Erbgroßherzog von Hessen, das griechische Kronprinzenpaar, das Sckaumburg- Lippe'sche Erbprinzenpaar und andere Mitglieder des Schaumburg-Lippe'schen Hauses, Herzog und Herzogin von Connaught, Herzog von Clarence, Herzogin von Edinburg, Fürst zu Waldeck und Pyrmont, Fürst und Fürstin Reuß ältere Linie, Fürst von Hohenzollern re.

Der Reichs-Anzeiger veröffentlicht die auf An­suchen erfolgte Entlassung des Staatsministers V. Lucius unter Belassung des Titels und Ranges eines Staatsministers und unter Verleihung des Sternes und Kreuzes der Großcomthure des hohenzollernschen Hausordens, sowie die Er­nennung des Regierungspräsidenten v. Heyden zum Staatsminister und Minister für Landwirth­schaft, Domainen und Forsten.

Der Reichskanzler.von Caprivi ließ für den 24. d. Mts. Einladungen zu einem parlamenta­rischen Diner ergehen, an welchem, wie verlautet, auch Se. Majestät der Kaiser theilzunehmen be­absichtigt.

Die Arbeiterschutzcommission des Reichstages beendigte am Dienstag die De­batte über §. 125 (Buße wegen Contractbruchs) und nahm denselben in folgender Fassung an: Hat ein Geselle oder Gehilfe rechtswidrig die Arbeit verlassen, so kann der Arbeitgeber als Entschädigung für den Tag des Vertragsbruchs und jeden folgenden Tag der vertragsmäßigen oder gesetzlichen Arbeitszeit, höchstens aber für 6 Tage den Betrag des durchschnittlichen ortsüb­lichen Tagelohns fordern. Diese Forderung ist an den Nachweis eines Schadenersatzes nicht gebunden. Durch die Geltendmachung derselben wird der Anspruch auf Erfüllung des Vertrages und weiteren Schadenersatz ausgeschlossen. Ein Arbeitgeber, welcher einen Gesellen oder Ge­hilfen verleitet, vor rechtmäßiger Beendigung des

Arbeitsverhältnisses die Arbeit zu verlassen, ist dem früheren Arbeitgeber für den entstandenen Schaden oder den nach Absatz 1 an die Stelle des Schadenersatzes tretenden Betrag als Selbst­schuldner mitverhaftet. In gleicher Weise haftet ein Arbeitgeber, welcher einen Gesellen oder Ge­hilfen annimmt, von dem er weiß, daß derselbe einem anderen Arbeitgeber noch zur Arbeit ver­pflichtet ist. Dem Gesellen oder Gehilfen stehen im Sinne des vorstehenden Absatzes die im §. 119 bezeichneten Personen gleich."

Die Gesammtzahl der während der Monate April bis September 1890 bei den 16 der preußi­schen Contingentsverwaltung augehörigen Armee­corps von Hitzschlag befallenen Mann­schaften betrug 82. Voü diesen Erkrankten starben 10. Auf die Zeit der Herbstübungen, die Monate August und September, entfielen 48 Er­krankungen mit 4 Todesfällen. Es muß, so schreibt derReich«- u-d Staatsanzeiger", betont werden, daß es bei den ganz besonderen Witte- rungsverhältntsseu dieses Sommers, wo einer langen kühlen, regnerischen Zeit plötzlich Zeit- räume mit auffallend hoher, trockener Luftwärme folgten, nur der Aufbietung aller Vorsichts­maßregeln und der Anwendung schnellster sach­gemäßer Hilfe zu verdanken ist, wenn die Zahl der Hitzschlagstodesfälle eine so verhältnißmäßig beschränkte geblieben ist. Fielen doch gerade die großen militärischen Sommer- und Herbstübungen zum Theil in die Zeit der unvermuthet eintreten» den abnorm hohen Hitze.

Der neue Gewerbesteuerentwurf ist beim Abgeordnetenhause eingegaugeu. Die Besteuerung erfolgt in 4 Klaffen, die durch die Höhe des Ertrags oder den Werth deS Anlage- und Betriebskapitals bestimmt sind: Kl. I Ertrag 50000 Mk. und mehr, Kl. II 20 -50 000 Mk., Kl. III 4 -20 000 Mk. Kl. IV 15004000 Mk. Betriebe mit geringerem

Augen, die mich so oft begeistert und beglückt hatten, an.

Ich kann nicht ruhig sterben Robert erbarme dich!" lispelte sie mit erlöschender Stimme.

Ich sah den Kampf in ihren Zügen, sah, wie sie mit dem Tode rang, und rief:

Ich schwöre es dir, Aurelie!"

Ihre brechenden Augen blickten mich noch ein­mal zum letzten Male dankbar an ein letzter Seufzer glitt über ihre blassen Lippen, ihr Athem stockte und die Hand, die ich noch in der meinen hielt, ward kalt. Sie war dahin!

Wie lange ich neben der Todten gesessen, weiß ich selbst nicht mehr. Es kamen Menschen, ich erkannte unter ihnen einige unserer Diener Sie starrten mich erschreckt an; Verwünschungen gegen mich wurden laut.

Endlich dämmerte die schreckliche Vermuthung in mir, daß man mich für den Mörder meiner Frau halten könne. Unsere unglückliche Ehe war hinlänglich bekannt, und jedermann hatte Partei für meine junge, schöne Frau genommen, deren Fehler und Leidenschaften niemand ahnte. Un­begründete, übermäßige Eifersucht nahm mau als Motiv meiner That an.

Unter allgemeiner Theilnahme wurde meine Frau bestattet: der Gedanke, daß sie eine Selbstmörderin sei, lag ja so fern! WaS in aller Welt hätte die lebenslustige, vornehm