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Hersstl-ek Kreisblett.
Mit wöchentlicher Kratis-Weilage „Illustrirtes Auterhallungsblatt".
Nr. 139. Dicastag des 2ö. November 1890.
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I Kaiser, daß er sich schon längere Zeit mit dem Gedanken beschäftigt habe, die Schule in ihren einzelnen Abstufungen nutzbar zu machen, um der Ausbreitung socialistischer und communistischer Ideen entgegenzuwirken. Weiter führt er aus, wie dies am besten geschehen könne. Die Gottesfurcht und die Liebe zum Vaterlaude ist auf den preußischen Schulen stets gepflegt worden. Wenn aber trotzdem sich die socialdemokratischen Irrthümer haben verbreiten können, so ergiebt sich hieraus die Nothwendigkeit, daß gegenüber den daraus entstehenden Gefahren auch schon in der Schule besondere und unmittelbare Vorkehrungen getroffen werden müssen, um schon der Jugend die Ueberzeugung zu verschaffen, daß „die Lehren der Socialdemokratie nicht nur den göttlichen Geboten und der christlichen Stttenlehre widersprechen, sondern in der Wirklichkeit unausführbar und in ihren Konsequenzen dem Einzelnen und dem Ganzen gleich verderblich sind." Diese besonderen Vorkehrungen sollen auf zweierlei Weise getroffen werden: durch Vertiefung des Religionsunterrichts und durch Erweiterung deS Geschichtsunterrichts.
Der Religionsunterricht soll nach dem Willen des Kaisers die ethische Seite mehr in den Vordergrund treten lassen, dagegen den Memorirstoff auf das Nothwendigste beschränken. Was aber den Geschichtsunterricht anbetrifft, so ist dessen Erweiterung nach verschiedenen Richtungen hin geplant.
Der Geschichtsunterricht soll — was bisher nicht geschehen — auch die Geschichte der Wirth- s ch a f t l t ch e n und socialen Entwickelung behandeln. Hieraus ergiebt sich, daß der Unter« richt nicht nur zeigen soll, wie Preußens Könige von jeher bemüht gewesen sind, das Loos der arbeitenden Klassen zu heben, und wie unter dem Schutze unserer Könige sich thatsächlich die Lohn- und Lebensverhältnisse der arbeitenden Klassen
Amtliches.
Hersfeld, den 21. November 1890.
Den Herren Ortsvorständen des Kreises gehen in den nächsten Tagen die nach den festgesetzten Unicaten berichtigten zweiten Ausfertigungen der Klassensteuer-Zu- und Abgangslisteu pro I. Semester 1890/91 mit der Auflage zu, die Abgänge nach Zeit und Betrag in den Krasseusteuer-Rolleu vom laufende» Steuerjahre zu notiren und hiernach die qu. Listen in der Reposttur aufzube- wahren. — Künftig sinddteFehl-An- zeigen bezüglich der Stufen 1 und 2 und Stufen 3 bis 12 getrennt (je besonders) einzureichen.
10803. Der Königliche Landrath
Freiherr von S ch l e i n t tz.
* Die SMIrtfotm.
Unser Kaiser hat wie auf dem Gebiete der socialen Verhältnisse, so auch auf dem Gebiete der Schule die Herbeiführung einer gründlichen Reform in Angriff genommen. In einem noch von dem Fürsten Bismarck gegengezeichneten, aber jetzt erst veröffentlichten an das Staatsministerium gerichteten Erlaß vom 1. Mai 1889 erklärt der
I gehoben haben, sondern daß er auch auf die 1 richtigen Grundsätze der Volks- und StaatSwirth- schaft eingeheu und Nachweisen muß, waS zur Erhaltung eines geordneten StaatSwesenS nothwendig ist und wie nur nuter dem Schutze der über allen Gesellschaftsklassen stehenden Monarchie, das Gedeihen des Einzelnen in seiner rechtlichen und wirthschaftlichen Existenz möglich ist.
Diesen großen und hohen Gedanken, welchen der Kaiser für die Schulreform auf die Tagesordnung gestellt hat, muß Jeder, welcher zu einem unbefangenen Urtheil befähigt ist, mit lebhaftem Dank und frendiger Genugthuung begrüßen. Die Zeiten, wo die Behandlung wirthschaftlicher Grundsätze den Gelehrten und den Parlamenten allein überlassen bleiben müßte, sind vorüber: Heute muß auch schon die Jugend ausgerüstet werden zum Kampfe gegen die wirthschaftlichen Irrlehren der Socialdemokratie, welche die Köpfe und Herzen zu verdrehen geeignet sind; nicht indem man sie mit unverdaulichen Theorie» anfüllt, sondern indem man an praktischen Beispielen des Lebens wie an den geschichtlichen Großthaten unserer Könige die verderblichen Theorien widerlegt und hinweist auf die mühevolle Arbeit unserer Könige zum Segen gerade deS arbeitenden Volkes und auf den Nutzen, den sie bis auf den heutigen Tag gestiftet.
Wird dies aber als berechtigt, zweckmäßig und nothwendig anerkannt, so folgt daraus von selbst, daß heute der Geschichtsunterricht sich nicht mehr begnügen kann mit der glänzenden Außenseite der geschichtlichen Thaten unserer Könige big zum Ende des 18. Jahrhunderts, sondern daß er etadringen muß in die gesellschaftliche und Wirth- schaftliche Entwickelung nicht nur einer fernen Vergangenheit, sondern auch unseres Jahrhunderts bis auf den heutigen Tag.
Das StaatSministerium und insbesondere der Cultusmtntster hat alSbald die Ausführung der
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Vernehmt.
Eine Erzählung von K. L o ch m a n n.
(Fortsetzung.)
Auch der Arzt dankte im stillen der Tochter für ihre geduldige Aufopferung, deren sie früher niemand für fähig gehalten hätte, und die er um« somehr schätzte, als die Gräfin, welche selbst anhaltendes Leiden vorschützte, nur selten und dann nur auf kurze Zeit das Zimmer betrat.
Eines Morgens — der Graf hatte in der vorhergehenden Nacht besser geschlafen — bedeutete er Felicia durch Zeichen, ihm Feder und Papier zu reichen. Sie brächte das Gewünschte und'mit schwachen, zitternden Händen schrieb der Graf einen langen Brief. Es war ein Schreiben an den Mojoratserben, den er kaum kannte, und den er um Fürsorge für seine Gattin und Tochter in rührendster Weise bat.
Der Graf schien ruhiger zu sein, als der Brief gesiegelt und sofort abgeschickt worden war. Zum ersten Male empfing er den eben eintretenden Arzt mit einem freundlichen, zufriedenen Lächeln, daS indessen den erfahrenen Mann der Wissenschaft nicht täuschen konnte.
Er eilte sofort zur Gräfin, um sie auf daS be- vorstehende Ende ihres Gemahls vorzubereiten. — Eine ängstliche Unruhe entstand — der rasch herbeigerufene Priester erschien, dem Kranken die
Sterbesakramente zu reichen. — Gegen Abend | nahmen die Kräfte des Sterbenden ab. — Auf seinen Wunsch versammelte sich außer seiner Familie auch die zahlreiche Dienerschaft um daS Lager dessen, der stets ein so guter und so nachsichtiger Herr gewesen war.
Der Graf war gefaßt und ruhig. Jeder der treuen Diener durfte einzeln an sein Bett treten, und jedem reichte er dankend zum letzten Male die matte, schwere Hand.
Auf des Arztes strenges Gebot herrschte vollkommene Lautlosigkeit und Stille im Gemach, die Diener traten in das offenstehende Vorzimmer zurück, und nur Gattin und Tochter blieben, leise weinend bei dem Sterbenden zurück.
Mitternacht war heranqekommen. — Kerzen bräunten im ganzen Schloß. — Unten auf dem weiten Vorplätze hatten sich viele Bewohner der benachbarten Ortschaften, die zu dem reichen Besitz deS Grafen gehörten, versammelt, um über das Befinden deS geliebten Herrn daS Entscheidende zu erfahren.
Des Sterbenden Athem war schwächer und schwächer geworden, — jetzt richtete er im letzten Todeskampfe den Kopf noch einmal ein wenig in die Höh', — seine brechenden Augen ruhten in schon verklärtem Glänze auf Gattin und Tochter — seine Lippen schienen noch einmal sprechen zu wollen — vergeblich! — Mit einem Seufzer sank er in die Kissen zurück.
Ein durchdringender SchmerzeuSschrei tönte durch das Gemach und bald darauf durch die wetten Hallen des Schlosses, — er pflanzte sich fort durch die geöffneten Fenster, unter denen trauernd die Menge stand, die soeben einen geliebten Herrn verloren. —
Am Bette deS Todten sank Felicia bewußtlos nieder.
In der Gruft seiner Väter, deren directe Linie mit ihm erlosch, wurde der Graf nach Verlauf der gesetzlichen Frist beigesetzt.
In einiger Entfernung vom Schlosse lag die Capelle, die sich über der Gruft wölbte; sie war beut im Innern mit Trauerflor, mit Blumen und Orangerien reich auSgeschmückt. Auf dem mit schwarzem Sammt bekleideten Katafalk, von brennenden Wachskerzen umgeben, stand der mit Silber beschlagene Eichensarg, welcher die sterbliche Hülle deS MajoratSherrn auf Hohenheim barg. —
Von nah und fern hatten sich Freunde und Verehrer deS Grafen eingefunden, der gesammte Adel der Umgegend hatte sich hier versammelt, und die kleine Capelle war bis zum letzten Platz gefüllt, bis auf die Lehnstühle, die man dicht vor dem Sarge für die Familienangehörigen bei Grafen reservirt hatte.
Knrz vor Beginn der Ceremonie erschienen die-