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Htrsskliier Ktkisblitt

Mit wöchmtkicher Kratis-AeilageIlluffrirtes Anterhaltungsklatt^.

Nr. 145.

Amtliches.

Unter dem Rindvieh des Conrad BudeSheim dahier ist die Maul- und Klauenseuche ausge­brochen.

Widdershausen, den 6 Dezember 1890.

Der Bürgermeister T r i e s ch m a n u.

Die unter dem Rindvieh des Ackermanns Carl Rechtebach dahier ausgebrochene Maul- und Klauenseuche ist erloschen.

Wehrshausen, den 6. Dezember 1890.

Der Bürgermeister Bock.

Des Kaisers Rede in der Schulsrage

Die am Donnerstag im Cultusministertum eröffneten Verhandlungen über das höhere Schul­wesen sind durch eine der bedeutendsten Kund­gebungen unseres Kaiserlichen Herrn eingeleitet worden. Zunächst wollen wir unseren Lesern in Erinnerung bringen, daß allein durch das Vor­gehen unseres Kaisers die Frage der Schulreform jetzt der Lösung näher geführt und einer Conferenz sachverständiger Männer unterbreitet worden ist. In seinem Erlaß vom 1. Mai 1889 stellte er als Grundsatz auf, daß die Schule zum Kampf gegen den Umsturz besser ausgerüstet werden müsse. Als Mittel bezeichnete er eine Vertiefung deS Religionsunterrichts und eine Bessere Pflege deS nationalen Geschichtsunterrichts unter stärkerer Berücksichtigung der wtrthschaftlichen und socialen Entwickelung unserer Verhältnisse. Nachdem auf dieser Grundlage seitens des Cultusministertums der Unterricht in den niederen Volksschulen neu geregelt worden, ist nunmehr eine Conferenz zusammenberufen, um die Wege zu finden, welche

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

Ein weiblicher Geheimpolizist.

Original-Erzählung von Walter OnSlow.

(Fortsetzung.)

, Frau Wildert iah sich die kräftige Gestalt ihres männlich schönen Sohnes an, und ein Blick des Zweifels über die Möglichkeit einer so schnellen Ermüdung sprach aus ihren Augen.

«Henry, du kannst mich nicht irre führen. Ich habe dich in letzter Zeit genau beobachtet. Welcher Art auch deine Sorgen sein mögen, habe doch Vertrauen zu mir, theile dich mir mit!"

O, Mutter!" brach eS jetzt mit Allgewalt zwischen den Lippen des jungen Mannes hervor; «ich kann nicht, ich kann nicht!" r rLOll

«Also du gestehst es ein, daß du Kummer hast?" «Da du es denn durchaus wissen willst ja!" «So sage mir, waS dich drückt!" Sie streichelte ihn und küßte ihn, wie sie eS einst gethan, als sie ihn noch auf ihrem Schooße gewiegt.

Seine Brust hob und senkte sich, bis endlich ein krampfhaftes Schluchzen den starken Mann wie in Fieberschauern schüttelte. t . Die Worte des Eingeständnisses schwebten auf feinen Lippen, aber ein Blick auf daS in Angst U ihm ausschauende Mutterantlitz ließ ihn stumm bleiben.

fiD» muß «dent" rief sie beschwörend aus.

Dienstag den 9. Dezember

auf dem Gebiet der höheren Schulen zu diesem Ziele führen. Der CultuSminister hat der Conferenz Vierzehen Fragen vorgelegt, welche sich auf die Organisation des Schulwesens beziehen. Sein hohes Interesse an der Sache bethätigte der Kaiser nicht nur durch persönliche Anwesen­heit bet der Eröffnung, sondern auch dadurch, daß er der Conferenz in einer längeren Rede seine Gedanken über die Zwecke der höheren Schulen auseinandersetzte. Kein Preuße, kein Deutscher, kein Gebildeter wird diese Königlichen Gedanken vernehmen, ohne von ihnen lebendig erfaßt und zu thätigem Interesse an der Sache selbst angeregt zu werden.

An die Spitze seiner Rede stellte der Kaiser es als Aufgabe der Conferenz hin, diejenigen Maß­nahmen zu ergreifen, welche geeignet sind, die Heranwachsende Jugend den jetzigen An­forderungen der Weltstellung unseres Vater­landes und des Lebens entsprechend heranzu- bilden. Weiter führt: er C A daß die Schule, wenn sie sich ihrer Aufgabe gewachsen gezeigt hätte, von selbst das Gefecht gegen die Social­demokratie hätte aufnehmen müssen. Ja den Kämpfen um die deutsche Einheit im Jahre 1870 sei sie zum letzten Mal für unser ganzes vater­ländisches Leben und für unsere Entwickelung maßgebend gewesen. Statt nun weiter darauf hinzuarbeiten, daß die Jugend zur Erhaltung deS neugewonnenen Staatswesens angefeuert und die Bildung des Characters gefördert werde, habe sie es bet ihrer Methode, das Lernen und Wissen zu vermehren, bewenden lassen. Die Anforderungen in den Prüfungen seien gesteigert, die Rücksichten auf das praktische Leben vernachlässigt worden; die damit bezweckte Gymnastik des Geistes aber erziele nicht das, was für das Leben nothwendig sei. Das gehe so nicht weiter!

Nach dieser Kritik des Bestehenden stellte der Kaiser die Forderung auf, daß die Bildung der

INun, Mutter, du sollst die Wahrheit wissen. I Früher war Henry WilbertS Lebensweise eine Ich siehe Höllenqualen aus." hnrrhmia ««.v-^lei» a.m.s.n. Er kebrte frnMfofi

Das sehe ich längst, mein Kind! Also sprich!" Seit lange schon weiß ich, daß ein Theil des PersonalS unserer Bank entlassen werden soll. Der jüngere Chef deS Hauses will mir nicht wohl: ich werde einer der ersten sein, welche zu gehen haben,"

Henry Wildert halte nicht die Wahrheit ge­sprochen, aber seiner Matter schien, durch was er gesagt, die tiefe Kümmernis, welche ihn in der letzten Zeit bedrückte, genügend erklärt. Es war allerdings eine schlimme Neuigkeit; doch war sie immerhin noch um so vieles weniger schrecklich, alS Frau Wildert gefürchtet hatte; sie athmete erleichtert auf. Ein Lächeln erhellte ihre feinen Züge und in heiterem Tone sagte sie:

Also das ist alles? Und darum grämst du dich so?"

Ja, Mutter"

DaS ist wirklich nicht werth, sich so davon bedrücken zu lassen, wie du eS thust."

WaS sollen wir aber anfangen, Mutter? Ich habe von meinem kleinen Gehalt nichts.zurück-

legen können."

Du hast stets deine Pflicht gethan, du wirst mit Leichtigkeit eine andere Stellung fiaden, ver­zage nur nicht, mein Kind, und lebe wieder ruhiger und stiller!" Sie sah ihm flehend i» die Augen.

1890.

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Jugend vor Allem auf eine nationale Grund­lage gestellt werden müsse. Das Deutsche solle die Grundlage werden, die alte klösterliche Erziehung des Mtttelalters, welche Jahrhunderte bestanden und welche das Latein und das Griechische zur Grundlage machte, solle aufgegeben, der dentsche Aufsatz nicht aber der lateinische Aufsatz der Mittelpunkt werden, um den sich Alles drehe. Ebenso solle das Nationale in der Geschichte und Geographie mehr als bisher gefördert werden. AuS der eigenen Erfahrung heraus, die unser Kaiser auf dem Gymnasium

«hat, krittfirte er den Geschichtsunterricht vaterländischen Geschichte als äußerst mangelhaft, und hiermit brächte er eS in Ver­bindung, daß eS so viele unklare, confuse Welt- verbessere! gebe, weil sie nicht wüßten, wie sich unsere Geschichte biS zur Jetztzeit entwickelt hat. Aus jenem Mangel erkläre eS sich, daß die jungen Leute kein Verständniß für die heutigen Fragen haben. Hieran sei daS ganze bisherige System Schuld: die Jugend wurde mit Lern­stoff überbürdet, und wir erhalten ein Abiturienten- Proletariat, welches eine Gefahr für das Land bilde. Dieses Uebermaß müsse beseitigt werden. In Covsequevz dessen erklärte der Kaiser, daß er die Errichtung von Gymnasien, deren Noth­wendigkeit nicht nachgewieien werden könne, nicht mehr genehmigen werde, und daß die Real­gymnasien überhaupt aufhören müßten, weil man mit ihnen nur eine Halbheit der Bildung und somit überhaupt nur eine Halbheit für daS Leben erreiche. Wetter legte der Kaiser der Conferenz zur Berathung neun von ihm selbst ausgestellte Fragen vor, welche die von ihm ausgesprochenen Gedanken zur Unterlage haben.

Der Kaiser hat hiermit der Schulsrage und ihrer Behandlung durch die Conferenz eine ganz bestimmte Richtung gegeben. Aber anch der Nation! Diese Königlichen Gedanken werden t»

durchaus geregelte gewesen. Er kehrte fröhlich und liebenswürdig zur Mutter heim, blieb die meisten Abende zu Hause, laS oder spielte mit ihr, kurz, er hatte stets das Gebühren eines mit sich und der Welt zufriedenen Menschen gezeigt.

In der letzten Zeit war alles anders geworden.

Er blieb bis spät in die Nacht hinein fort und stand morgens schlaff und unausgeruht auf. Zweimal hatte seine Mutter sogar an ihm be­merkt, daß er dem Weine allzu reichlich zusprach. All dies war so plötzlich gekommen, und war so vollständig den einstigen Neigungen und Principien ihres SohneS entgegen, daß sie auf die schlimmste» Enthüllungen gefaßt gewesen war.

Als Henry ihr, wie sie annahm, die Wahrheit sagte, fühlte sie sich verhältnißmäßig glücklich, wenn auch die mögliche Stellenlofigkett ihre- SohneS sie mit Sorgen in die Zukunft blicken ließ.

Am nächsten Morgen sagte Henry seiner Mutter, daß er erst spät in der Nacht zurückkommen würde. Dann küßte er sie zum Abschied herzlich und schien heiterer als schon lange.

Wenn sie geahnt hätte, daß er einen geladene» Revolver bet sich trug, um sich im gegebene» Moment eine Kugel vor den Kopf zu schießen.

Ein Geheimniß belastete ihn schwer und wäh­rend er sich heiter auszusehen bemühte, tobte und stürmte es in seinem Juneru.

A» der nächsten Haltestelle bestieg er eM