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Hersstl-el Kreisblatt.

__________Mit wöchentlicher KraLis-AeilageIssustrirtes Anterhaltungsölatt".

Nr. 146. Donnerstag den 11. Dezember 1890.

Amtliches.

Hersfeld, den 10. Dezember 1890.

Der am 2. März 1867 dahier geborene Tuch­macher Karl Kühn hat um Erthetlung eines Reisepasses, behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht.

Der Königliche Landrath.

In Vertretung:

H e e g, Kreissecretar.

Holitrsche Nachrichten.

Berlin, 9. Dezember. Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin sahen gestern Nachmittag den Prinzen und die Prin­zessin Christian zu Schleswig-Holstein und deren beide Prinzessinnen-Töchter Vcioria und Luise Auguste, sowie den Prinzen Aribert von Anhalt als Gäste bei sich zur Mittagstafel. Beim Schluß derselben nahm Se. Majestät der Kaiser Veranlassung, in einigen herzlichen Worten die Verlobung der Prinzessin Luise Auguste zu S chle 8 wtg -Holstein, Tochter des Prinzen und der Prinzessin Christian zu Schles- Wig-Holstein mit dem Prinzen Artbert von Anhalt, Lieutenant im 1. Garde- Dragoner Regiment, den Anwesenden zu pro- e l a m t r e n. Heute Vormittag gegen 9 Uhr degaben sich Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin zu Wagen nach Potsdam, um daselbst in der FriedenSkirche das heilige Abendmahl zu nehmen. Nach dem Neuen PalaiS zurückgekehrt, arbeitete Se. Majestät der Kaiser mit dem commandirenden Admiral, Viceadmiral Fret- Herrn v. d. Goltz, dem Staatssecretär im ReichS- marineawt, Contreadmiral Hollmann und dem Chef des Marinecabinets, Capttän zur See Frei- Herrn v. Sevden-Btdrav. Daran anschließend

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

Ein weiblicher Geheimpolizist.

Original-Erzählung von Walter Ontlow.

(Fortsetzung.)

HenryS Entschluß war gefaßt. Er wurde wieder ruhiger und kam seinen Pflichten nach, als ob nicht dieser Tag der letzte auf Erden für ihn sein sollte.

VI.

Nach beendeter Büreauftunde sagte er seinen Collegen »Gute Nacht- wie immer; keiner dachte wohl auch nur im entferntesten daran, welchen schweren Entschluß er auSführen wollte.

Er ging in ein Restaurant, um eine kleine Er­frischung zu sich zu nehmen. Ihm gegenüber saß ein fast noch kaabenhaft ausseheuber junger Mann.

Henry war zu sehr mit sich selbst beschäftigt Und bemerkte infolgedessen nicht, daß ihn ein Paar blaue Augen scharf beobachteten. Er glaubte seine Gedanken in seinem tiefsten Innern begraben, aber jene Augen, die mit großer Theil­nahme auf ihn Wetten, mußten etwas von seinem schrecklichen Entschlüsse auf seiner um- düsterten Stirn gelesen haben. Gewiß nicht die Einzelheiten dessen, was er Vorhalle, aber genug, um eine unausgesetzte Ueberwachung für nöthig zu halten.

hörte der Monarch den Vortrag des Chefs des l Militärcabinets General-Adjutanten von Hahnke I und empfing um 123/4 Uhr Nachmittags zahl­reiche höhere Officiere zur Abstattung persönlicher Meldungen, sowie auch den in türkischen Diensten befindlichen Oberstlieutenant z. D. v. Höbe und die 13 türkischen ä la suite der Armee gestellten Officiere, welche sich vor ihrer Abreise von Berlin abmeldeten.

Ueber das Vorgehen unseres Kaisers in der Schulfrage schreibt der Pariser Tewps:Kaiser Wilhelm, welcher vor Jahresfrist mit so seltenem Muthe an die sociale Frage herantrat, setzt nun auch die Schulreform auf die Tagesordnung, und auch hier bewegt sich die Richtung seiner Gedanken im S'nne des modernen Fortschritts. Wir können nur wünschen, daß Frankreich in der Verwirklichung dieser immer dringender werdenden Reform sich nicht über­flügeln laste; einem Wettbewerbe auf dem Ge­biete der Erziehung und Wissenschaft können wir nur Verfall zollen."

Nahezu 51 MillionenZählpapiere, (Zählkarten, Haushaltvngsverzrrchnisse, Zähler- anweisungen, Listen rc.) hatte das Köatgliche statistische Bürea« für die Volkszählung in Preußen am 1. Dezember versendet. Diese Schriften wogen zusammen 213000 Kilogramm und kosteten herzustellen 114000 Mk. Ausge­nommen war dabei noch der Berliner Stadtkreis, welcher seine Zählpapiere selbst beschafft hat.

DerVerein für christliche Volksbildung" hatte eine Eingabe an den Kaiser gerichtet, welche um die Erweiterung der Sonntagsruhe für Post-, Eisenbahn- und Telegraphte-Beamte bat. Jetzt hat der Verein durch den Staatssecretär des Reichspostamts und durch den Arbeitsminister die Antwort auf seine Eingabe erhalten. In dem Schreiben des Herrn v. Stephan heißt es, daß derPost- und Telegraphendrenst an den Sonn-

Henry Wildert verltß nach einer Stunde das | Restaurant; es war inzwischen dunkel geworden. Er wanderte nach einem der nahe gelegenen Parks, Auf einer Bank ließ er sich mit einem tiefen Seufzer nieder: er glaubte sich allein, aber dicht neben ihm, im Schatten eines Baumes geborgen, lag eine schlank- Gestalt, den Worten lauschend, mit denen er in halblautem Tone seinem gepreßten Herzen Luft machte.

Gütiger Himmel! Welche Qual ist mein Leben! Und welche Qualen stehen meiner Mutter bevor! O Gott!' schluchzte er,meine Mutter, meine arme Mutter! Und doch ist eS bester so, viel besser! Ein Sprung und alles ist vorüber sonst harrt die Schande ihrer.-

Seine Stimme wurde plötzlich hart und rauh. Einmal aber muß ich es noch wagen, muß noch einmal mein Glück im Spiel versuchen verliere ich, nun, dann werde ich zu sterben wissen."

Henry erhob sich und verließ den Park.

Jedes seiner Worte hatte einen traurigen Widerhall in dem Herzen derjenigen gefunden, die ihn unter der Maske eines jungen Mannes belauschte.

-Mary Golling war nicht mehr dieselbe, seit ihre Augen zum ersten Male auf Henry Wildert geruht hatten. Seine schöne männliche Er­scheinung hatte einen tiefen Eindruck auf sie ge­macht.

und Feiertagen bereits soweit eingeschränkt ist, als sich dies mit den allgemeinen Interessen und mit der Sicherheit des Betriebes irgend verträgt"; in dem Bescheide des Herrn von Maybach wird gesagt:Ob und in wie weit im einzelnen noch Erleichterungen eintreten können, unterliegt der pflichtgemäßen Prüfung der zuständigen Ver­waltungsbehörden, welche dieserhalb bereits wiederholt mit den erforderlichen Weisungen ver­sehen sind."

Petitionen aus Württemberg gegen Aufhebung des I e s u i t e n g e s e tz e s sind demSchw. Merk.- zufolge bis Sonnabend 215 mit 21009 Unterschriften an den Reichstag abgegangen.

Wie eine amtliche Uebersicht über die Aus­prägung von ReichSmünzen bis Ende März 1890 ergiebt, waren bis dahin den Münz­stätten zur Ausprägung von Retchsgold- m üuz e n auf Retchsrechuuug 947784480,6 Pfund Feingold überwiesen worden. Dieselben hatten einen Allschaffllvgswe''th von 1313,9 Millionen Mark und einen Münzertrag von 1822,1 Mil­lionen Mark, so daß sich ohne Rücksicht auf die Prägekosten ein Brutto-Münzgewinn von 8,2 Millionen Mark ergiebt. Zur Ausprägung von Reichssilbermünzen waren den Münz­stätten an Landessilbermünzen und in Barren aus solchen Münzen 4 523 945,451 Pfund Fein» silber überwiesen worden, welche einem Münz- ertrage von 452,4 Millionen Mark entsprachen, wogegen der Auschaffungswerth derselben 408,9 Millionen Mark betragen hat. Es ist somit ein Bruttogewinn von 43,5 Millionen entstanden. Bon Retchsnickelmünzen sind geprägt für 44,1 Millionen. Der Bruttomünzgewinn betrug 28 Millionen. Kupfermünzen wurden für 11 Millionen geprägt, bet ihnen betrug der Bruttomünzgewinn 5,3 Millionen. Der Brutto­gewinn betrug demnach bei den Goldmünzen 0,6 Procent, bet Den Silbermünzen 9,6 Procent, bei

Mary Golling folgte dem jungen Manne durch eine Reihe enger Straßen, bis er endlich vor dem Eingang einer berüchtigten Spielhölle stille stand. Als er die Hand an die Klingel legte, ward er zurückgehalten. Er wandte sich um und erblickte einen jungen Mann, der mit weicher Stimme zu ihm sagte:Gehen Sie nicht da hinein!"

Henry Wildert, der ohnehin erregt war, fuhr ihn barsch an:Wer sind Sie?*

Ein Fremder zwar, und dennoch möchte ich Sie davon zurückörragen, in dieses Haus zu gehen."

Was wissen Sie denn von diesem Hause?" Alles."

Etnes jedoch scheinen Sie nicht zu wissen, daß Sie sich um fremde Angelegenheiten nicht zu kümmern haben.'

Ich wollte Sie nicht tränten.*

Dann lasten Sie mich in Ruhe!" rief Henry.

So sage ich eines: gedenken Sie Ihrer Mutter!"

Dies reizte Henry nur noch mehr; in der Stimmung von äußerster Verzweiflung, in welcher er sich befand, war Beherrschung nicht mehr möglich und die Einmischung des Fremden empörte ihn. Er hob den Arm zum Schlag und der junge Mann sank zu Boden.

Einen Moment später schämte sich Henry seiner rohen Handlungsweise und sein gutes Herß gewann die Oberhand; er beugte sich ^