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Hersseliiel Kreisblett.
■_______Mit wöchentlicher Kratis-Aeilage «Illngrirtes Auterkaltungsklatt".__________
Nr. 149. Donnerstag bat 18. Dezember 1890.
Amtliches.
Rotenburg a. F., den 10. Dezember 1890.
Königlichem Landrathsamt theile ich hierdurch ergebeust mit, daß unter dem Viehbestände des Rittergutspachters van Aalst zu Richelsdorf die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen ist.
J.-Nr. 12202, Der Königliche Landrath v. Altenbockum.
An daS Königliche Landrathsamt zu Hersfeld.
* * *
Hersfeld, den 15. Dezember 1890.
Wird veröffentlicht.
11551. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schletnitz.
Das Königliche Landrotbsamt in Hersfeld wird hiermit davon benachrichtigt, daß unter dem Rindviehbestande des Posthalters Otto Koch in Vacha ein Bulle und eine Kuh au der Maul- «ud Klauenseuche erkrankt ist.
Dermbach, den 11. Dezember 1890.
Der Großherzoglich S. Bezirksdirector:
B. 5455. Schmock.
* * *
Hersfeld, den 15. Dezember 1890.
Wird veröffentlicht.
11552. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Die Kirche und die Social- demolratic.
An die Geistlichen des ConststortalbezirkS Cassel haben, wie wir bereits in der vorigen Nummer d. Bl. kurz mittheilten, die Herren General-Superintendenten Fuchs, Lohr und Werner eine Ansprache gerichtet, welche die Aufgaben der Kirche gegenüber den Gefahren der
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Ein weiblicher Geheimpolizist.
Original-Erzählung von Walter Onslow.
(Fortsetzung.) v
»Wenn Ihnen das Geld, welches Sie der Kaste schulden, ersetzt würde, könnten Sie dann im Gefühle Ihrer Unschuld eine schwere Prüfung Über sich ergehen lassen um eines guten Zweckes willen?«
»Ich verstehe Sie nicht.«
Sie wiederholte, was ste gesagt.
»Als ein Nichtschuldiger könnte ich alles er- tragen.«
»Könnten Sie ertragen, eine Zeitlang als der Dieb angesehen zu werden, wenn ich Sie versichere, daß ich Ihre Unschuld beweisen werde?
»Ich könnte eS ertragen.« .
»Dadurch mache ick den Dieb sicherer und gewinne Zeit, um vollgültige Beweise zu erlangen.
»So haben Sie jemand in Verdacht?«
»Ja.«
»Wen?« , .
»In unserem Berufe ist eS nicht Sitte, jemand »UM Vertrauten unserer Geheimnisse zu machen, ehe unser Werk zur Reife gelangt ist. Lassen Sie mich Ihnen nur sagen, daß ich schon manches entdeckt habe, daß der wirkliche Dieb um Sie ein Netz gesponnen hat, in daS Sie gegangen wären, wenn ich Sie nicht von vornherein für
Socialdemokratie darlegt und den Geistlichen die Wege zu wirksamer Thätigkeit auf diesem Gebiete zeigt Da die Ansprache von allgemeiner Bedeutung ist, sei ste hier in ihren Hauptstellen mitgetheilt:
Eine mächtige und wohlorgonisirte Partei hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Massen unseres Volkes unter Vorspiegelung einer erträumten irdischen Glückseligkeit zur Empörung wider alle göttliche und menschliche Ordnung zu verführen und verfolgt dieses Ziel mit der klaren Erkenntniß, daß es nur dann zu erreichen ist, wenn es ihr gelingt, Gottesfurcht und Gottesglauben in den Herzen zu zerstören.
Die Zeit ist vorüber, wo kurzsichtige Leute denken konnten, die Gefahren, welche in den großen Städten großgezogen seien, gingen auch nur diese an, und ihnen solle man den Kampf dawider überlassen. Es ist bekannt, daß die Geister der Verführung es jetzt gerade auf das Landvolk abgesehen haben und mit dem Eifer des Fanatismus und der Aufwendung großer Mittel und Kräfte planmäßig darauf hinarbeiten, gerade in dem Landvolk dessen theuerstes Erbe: Glauben und Gottesfurcht, christliche Zucht und Sitte zu vernichten.
Der Feind ist gerüstet und wird kein Mittel der List und Gewalt scheuen. Sind auch wir gerüstet, ibm zu wehren und unsere Gemeinden vor der kommenden Versuchung und in ihr zu bewahren?
Vor allem ist die Kirche vor dem falschen Schein zu bewahren, als stehe sie im Dienst der Reichen, der Hochgestellten, der Machthaber dieser Welt, und als suche sie in deren Interesse die Verbesserung der Lage des niederen Volkes zu verhindern. Die Kirche steht im Dienst eines höheren Herrn, — dessen, der arm ward um unsereiwillen, der alle Mühseligen zu sich ruft, um sie zu erquicken, der aber als der Sohn des heiligen Gottes dessen Ordnungen aufrecht hält und gebietet, dem Kaiser zu geben, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist.
Die Kirche hat nicht die Aufgabe, socialpolitische Reformen zu machen, aber sie wird noch weniger gegen Reformen Partei ergreifen, welche des Volkes Lage verbessern und seine Lasten erleichtern sollen, sondern für jede gerechte Linderung alles Elends eintreten. Nicht gegen die Geringen und Armen will sie streiten für die Reichen und Mächtigen, sondern für das arme Volk gegen feine Verführer und Verderber, die es unter heuchlerischer Maske um seine Zufriedenheit und seinen besten Trost im Leben und im Sterben betrügen wollen, und es unter dem Versprechen einer irdischen Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit in das Elend der ärgsten Knechtschaft und un»
unschuldig gehalten, und mir deshalb vorge^ blühenden Mädchen? Zugleich fiel ihm daS nommen hätte, Sie zu retten.«
„Ohne Sie,« sagte er mit einer Aufwallung von Dank, »läge ich jetzt auf dem Grunde des
Flusses.« . . , ,
„Und Ihr Andenken wäre besudelt, wie auch der ehrliche Name Ihrer Mutter.«
„O, nennen Sie meine Mutter nicht! Ich schaudere, wenn ich daran denke, was aus uuS beiden geworden wäre obne S»el«
»Lasten wir dies jetzt! Gehen Sie morgen wie immer an Ihre Bcschäfitgung und erwarten Sie mich um 2 Uhr vor der Bank — dann sollen Sie wieder den Kopf hoch tragen dürfen, wie früher.«
Er wollte ihr die Hand drücken, sie aber entzog sie ihm und wies nach der Thür.
Wie in einem Traume befangen eilte er nach Hause. Was hätte er alles noch zu fragen ge- habt, aber sein angeborenes Zartgefühl hielt ihn davon zurück. Er wollte ihr nicht zudringlich erscheinen, ihr, die ihn dem Leben, der Ehre zurückgegeben. Als die blauen Augen den seinen begegnet waren, tauchte eine Erinnerung in ihm auf an jenes bestrickend schöne Weib, das ihm gegenüber in der Pferdebahn gesessen hatte. Sollte seine Retterin mit derselben identisch sein? Der junge Franzose mit der schmächtigen Gestalt, dem flotten Schnurrbart und den etwas tingesunkentn Wangen identisch mit dem vollen
ausdenkliches Verderben führen würden. Was die Diener der Kirche treiben muß, jetzt auf der Wacht zu sein, ist die Liebe zu unserm Volke; und der brennenden Gefahr gegenüber thut brennende Liebe noth!
Wie aber werden wir unsere Ausgabe erfüllen?
Wir haben, Gott Lob, in unserm Bezirk keine Zustände, wie in großen Städten, wo die in'S Ungeheure angewachsenen Gemeinden geradezu zum MisstonSgebiet geworden sind. Da« geistliche Amt kann bei uns noch überall die Gemeinden über- sehen und bedarf noch keiner außerordentlichen Mittel; aber um so mehr gilt es, mit verdoppelter Treue dieses AmtS zu warten.
DaS Erbe von kirchlicher Sitte und Zucht, das noch überall vorhanden ist, ist durch treue Verwaltung der Gnadenmittel und besonders durch lebendige Entfaltung der Kräfte des göttlichen Worts zu befestigen und zu befruchten. Auf die Predigt de« Wortes Gottes ist großer Eifer und Fleiß zu verwenden und dieses nicht nur nach dem hergebrachten Maß, sondern so, wie eS das Bedürfniß erfordert, um Allen zu dienen, auch in NebengotteSdiensten, Bibelstunden u. dergl. „öffentlich und sonderlich" auSzutheilen, mit Benutzung aller kasuellen Veranlassungen auch den mehr oder weniger Entfremdeten nahe zu bringen. Alles schablonenhafte, unlebendige Wesen im Gottesdienste — ist zu re..neide». Dagegen sind die Gemeinden auch durch die Einrichtung der Gottesdienste, wie uns die alten Ordnungen der Kirche dazu reichlich Anleitung geben, zu Buße und Glauben, zur Anbetung Gotte«, wie zur Pflege der christlichen Gemeinschaft zu erziehen.
Die Predigt muß fern von langweiligen Gemeinplätzen und der Wiederholung wenn auch biblisch klingender Reben«- arten oder schulmäßiger Erörterungen als ein wahrhaftige« Zeugniß die Herzen der Zuhörer erfassen und wie das Leben der Einzelnen so auch das öffentliche Leben in das Licht des Wortes Gottes stellen. Aus der Gegenwart und für die Gegenwart ist zu predigen. Auch die verderblichen Irrthümer der Socialdemokraten, die Ziele, denen sie zustreben, wie die Wurzeln, aus denen diese Irrthümer hervorwachsen, sind da, wo die Versuchung an die Gemeinden herankommt, bloßzulegen und mit dem Worte GotteS zu beleuchten. Aber man hüte sich, die Predigt durch Behandlung socialpolitischer Fragen in daS Niveau der weltlichen Erörterungen und da« TageS- getreibe der Parteien hinabzuziehen. Auch für die Lösung der großen socialen Fragen der Gegenwart wird sie daS Beste beitragen, wenn sie Gesetz und Evangelium in richtiger Scheidung und Verbindung, wie es uns vor Allen Luther gelehrt hat, in Klarheit und Kraft verkündigt.
reizende Mädchen ein, dem er neulich iv der Nacht gefolgt war — Es schien ihm unmöglich - und doch wieder möglich, gedachte er der Verkleidungen, die er schon auf der Bühne gesehen. Um wie viel mehr mußte ein geschickter Detective die Mittel in der Hand haben, in verschiedenen Gestalten seinen schweren Pflichten nachzugeben!
Sein Herz schlug höher bet der Möglichkeit, daß seine Retterin zugleich daS liebreizende Wesen sein konnte, das er noch in der Erinnerung
bewunderte.
Am nächsten Morgen stand Henry Wilbert an seinem Pulte, als Frau Brown tu die Bank kam. Sie wartete im Hauptbüreau, während der Portier sie bei Francis Morton aumeldete. Sie ward zugelasten und schloß die Thür hinter sich.
»Nun?« fragte Morton gespannt.
»Ich bin schon ziemlich in der Sache vorgerückt und weiß nun, daß Ihr ursprünglicher Verdacht begründet ist, eine Frau ist dabei im Spiel.«
»Haben Sie dieselbe gefunden?« fragte Herr Morton gespannt.
»Ich glaube wohl.«
„Ist sie jung?«
„Nein, nickt mehr ganz jung.«
»Wer ist sie?«
»Ich darf Ihnen daS nicht sagen, bis ich in mrinm Pachforschusgeu weiter bin; nur über