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Hersseliikl Krtisblett.

__________Mit wöchentlicher Kratis-WeilageIllustrirtes ZluterhalluugsölE.__________

Nr. 150. Sonnabend bey 20. Dezember 1890. '

Erstes Blatt.

Mit dem 1. Januar 1891 beginnt ein neues Abonnement auf das wöchentlich 3 Mal er­scheinende

Hersfelder Kreisblatt mit der wöchentlichen Gratis-Beilage Jllustrirtcs Ullterhaltlmgs-Blatt".

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Der vierteljährliche Abonnementsprets für das »Kreisblatt" mit Ver wöchentlichen Gra- tis--BeitageJUuftrirtes Unterhaltungs- blatt" beträgt 1 Mark 40 Pf.

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1< Inserate finden zweckentsprechende Berdrettung und kostet die viergespaltene Garmond-Zeile oder deren Raum 10 Pfennig.

Die Expedition.

Amtliches.

Hersfeld, den 16. Dezember 1890.

Unter Hinweis auf den §. 22 Abs. 5 deS Relchsgesetzes vom 22. Juni v. I. betreffend die JnvaltdltälS- und Altersversorgung wird nach­stehend der für den hiesigen Kreis nach §. 8 deS KraukenversicherungsgesetzeS festgesetzte orrsübliche Tagelohn gewöhnlicher Tagearbetter noch­

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

Ein weiblicher Geheimpolizist.

Original-Erzählung von Walter Onslow.

(Fortsetzung.)

Ein leises Lachen klang hinter dem dunkel­grünen Schleier hervor, den die alte Frau trug.

Ich hätte Sie in meinem Leben nicht erkannt!" fttc^ er ^eiöor*

Das glaube ich," lachte sie nochmals.Hier ist das Geld. Richten Sie sich so ein, daß niemand das Wieberersetzen bemerkt.

»Gott segne Sie!" murmelte Henry mit fast erstickter Stimme, indem seine Auge» feucht zu schimmern begannen. .

»Ist schon gut!" wehrte sie ab. »Nun adieu! Ich möchte nicht Mit Ihnen zusammen gesehen werden. In wenigen Tagen werde ich Ihrer Hülfe bedürfen. Seien Sie bereit*

Nach diesen mit weicher, leiser Stimme ge­sprochenen Worten nahm sie das Gespräch wieder mit dem unangenehm schrillen Organ auf: »Vielen Dank, junger Mann," schrie sie; »jetzt finde ich mich schon allein zurecht. Vielen Dank."

Einige Secunden später befand sich Henry Wildert allein auf der Straße; Frau Brown war in der Menge verschwunden. Er hielt daS Geld in den Händen daS bedeutete Rettung vor Entehrung, vor Schande und Tod! Und all dies dankte er einem Wesen, über dessen wahre

mals veröffentlicht: Derselbe beträgt für er-! wachsene männliche Arbeiter 1,30 Mk., für er­wachsene weibliche Arbeiter 0,80 Mk.

11546. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleivitz.

Die Kirche und die Social­demokratie.

(Schluß.)

Haben wir bisher auf die treue Ausrichtung des geistlichen Amts als des Amts der Gnadenmittel hingewiesen, so darf der Geistliche auch ein zweites nicht außer Acht lassen. Namentlich in unseren Tagen, wo die Versuchung zum Abfall von Gott an die wirthschaftlichen Nothstände anknüpft, muß er auch diese äußeren Bedrängnisse, welche die Gemeinden oder die einzelnen Glieder drücken, genau kennen und nicht nur für seine Person zu ihrer Abhülfe mit Rath und That mitzuwirken bemüht, sondern auch davon durch­drungen sein, daß die Kirche als eine Mutter der Armen und Bedrängten sich ihrer nothlei­denden Glieder thätig anzunehmen hat.

Wie, das Festhalten an der Apo-iel Lehre, am Brodbrech.cn, am Gebet, so gehört auch die Pflege derGemeinschaft", da­helfende Eintreten für die bedrängten Glieder, von Anfang an zu den Lebensäußerungen der christlichen Gemeinde. Daß jetzt der Staat und die bürgerliche Gemeinde die nothwen­digste Fürsorge für die Bedürftigen übernommen haben, ent­hebt die kirchliche Gemeinde nicht ihrer Liebespflicht, und die Aufgabe des geistlichen Amtes ist, da« Bewußtsein von ihr wach zu halten und ihre Ausübung, wie die Apostel (Apg. 6) thaten, in die ordentlichen Bahnen zu leiten. Hier vor Allem ist die Gemeinde zur Mitarbeit heranzuziehen. Diese wird sich nach den lokalen Verhältnissen, nach dem Bedürfniß und dem Maß der Kräfte, in Städten und Dörfern, in wohl­habenden und armen oder gemischten Gemeinden sehr ver­schieden gestalten. Aber geschehe sie nun hauptsächlich unter Mitwirkung der hierzu berufenen Kirchenältesten oder frei­williger Hülfe ehrbarer Männer und Frauen, mit oder ohne die Form des Vereins, mit oder ohne ordentlich berufene Diakonen oder Diakonissen, mit oder ohne besondere Veran­staltungen für Krankenpflege, Kleinkinderpflege rc. bei aller Freiheit in der Form soll jedenfalls die christliche Ge­meinde in Liebe thätig sein, daß kein« ihrer Glieder Mangel

Gestalt er sich noch immer im unklaren befand. War sie jung oder alt, hübsch oder häßlich.

Er wanderte, wie in einem Traum befangen durch die Straßen, dann ging er nach der Bank zurück. Eine Stunde später stimmte die Kasse mit den Büchern überein und er konnte wieder jedem Menschen mit dem alten heiteren Freimuth in die Augen schauen.

Seltsam sind die Fügungen des Schicksals. Noch am selben Nachmittag kam Georg Robertson und theilte Henry in einem kalten, geschäfts­mäßigen Tone mit, daß er gewisse, von Henry geführte Bücher zu revidieren wünsche.

Georg Robertson war einst Buchhalter in dem Hause gewesen, dem er jetzt als Compagnon angehörte. Er war ein scharfer Rechner und ihm entging kein Fehler. Er würde zweifelsohne in den Büchern, welche er zu controlliren ver­langte, die Unterschlagung entdeckt haben.

Dank jenem Weibe, welche Henrys Retterin aus der äußersten Noth geworden, konnte der junge Mann jetzt mit freiem, sicheren Tone sagen:

»Bitte, Herr Robertson, hier sind meine Bücher zu ihrer Verfügung."

Ein kalter, fast spöttischer Blick traf ihn aus

Robertsons Augen.

Die Revision war zu Ende und die Bücher wurden als in Ordnung zurückgegeben.

»Verdammt I" sagte Robertson eine Viertel«, aufmerksamer Beobachter würde unter der Eleganz stnnde später zu dem alten Morton. Ich verstehe I ihres äußeren Auftretens ein gewisses Etwaß

leide und kein« in Noth verlassen stehe. DeS Pastor« Amt aber ist es, nichtdas Wort Gottes unterlassen und zu Tische dienen", sondern diese Liebesthätigkeit zu wecken, zu pflegen, mit dem rechten Geiste zu erfüllen, daß auch dadurch der Leib Christi erbauet werde. Je treuer er auch diese Auf­gabe seines Amts erfüllt, um so gesegneter wird seine Predigt vom rechten Verhalten in den irdischen Nöthen sein, um so erfolgreicher wird er eindringenden Verführern begegnen.

Und noch eine dritte Ausgabe stellt die gegenwärtige Zeit­lage dem geistlichen Amt. Es ist offenbar, daß in unserer Zeit vielfach der ganzeAnschauungSkreiS unserer Gemeindeglieder verderbt, die ganze Sinnes- und Denkweise durch die Verbreitung gottloser Gedanken dem Glauben so entfremdet wird, daß die Predigt deS Worte« Gottes weder offene Ohren noch Boden im Herzen findet. Unter den mancherlei Mitteln der antichriWchen Propaganda steht obenan bie. Tagespresse, welche schon in die entlegendsten Orte dringt und ohne Zweifel von jetzt an noch viel reichlicher ihre giftigen Ergüsse an den Mann bringen wird. Zu ihr gesellt sich sehr oft nicht minder schädlich die Colportage­literatur mit ihren lüsternen, unzüchtigen Erzählungen, ihren Mord- und Selbstmordgeschichten, ihrer Verleumdung der Geistlichen und der höheren Stände . . .

Was allein nützen kann, ist fleißige Gegenarbeit, um Gute« an die Stelle des Schlechten zu setzen, der Verbreitung gif« .tigen Lesestoffes durch Darbietung guter Lectüre entgegenzu- wirken. Bis jetzt aber entspricht die Pflege der Presse in christlichem Sinne bei Weitem nicht der.Bedeutung, welche sie thatsächlich für unser Volksleben erlangt hat. Hier fällt gerade der Geistlichkeit, welche Bedürfniß und Art unsere« Volkes kennt, eine große und wichttge Aufgabe zu. Haben unsere Vorgänger im Amt viel Zeit und Kraft auf Ackerbau und ähnliche Dinge verwenden müssen, von welchem der Pfarrer jetzt befreit ist, so ist es doppAt Pflicht, diese Kräfte ausschließlich dem Dienst am Reiche Gottes zuzuwenden und über der einzelnen Gemeinde nicht die allgemeinen geistlichen Interessen zu vergessen, von deren Pflege der Erfolg de« AmtS auch in der Einzelgemeinde in hohem Grade bedingt ist. Gewiß sind viele Geistliche wohl im Stande, nicht bloß durch Verbreitung guter Schriften in ihren Gemeinden, son­dern auch durch thätige Mitarbeit für deren Beschaffung unserem Volke und unserer Kirche gute und überaus wichttge Dienste zu leisten. Eine erfolgreiche Thättgkeit in dieser Rich­tung erfordert aber Organisation und Theilung der Arbeit. Wir möchten daher hier nur den Anstoß geben, daß bie Geistlichen in den einzelnen Kreisen und Diöcesen die gemein« sameMusgabe in Berathung nehmen, um nach ihren beson»

es einfach nicht! Die Bücher sind so correet wie nur möglich geführt; mir wäre auch der kleinste Fehler nicht entgangen, und ich hätte darauf geschworen, daß er sich Unterschlagungen hat zu schulden kommen lassen."

»Wozu Unterschlagungen so geringer Art?* meinte Morton. »Wer eine halbe Million stiehlt -"

»Ja, er hat ja aber noch nicht gewagt, die Papiere zu versilbern. Sind Sie immer noch nicht entschlossen, ihn verhaften zu lassen? Mir scheint, Sie wollen ihn schonen."

»Ich will ihn nicht schonen, wenngleich mir der junge Mann leid thut. Ich hätte ihn nie einer Schurkerei für fähig gehalten. Die Sache ist in guten Händen, überlassen Sie mir daS weitere ruhig."

Damit trennten sich die beiden Chefs.

X.

Am selben Abend stattete Herr Robertson einer Dame einen Besuch ab. Dieselbe wohnte in einem der fashionabelsten Theile der Stadt und empfing ihn in einem elegant ausgestatteten Salon.

Sie war eine imposante Erscheinung von hervorragender Schönheit. Aber ein lauernder, kalter Blick in den stahlgrauen Augen benahm dem Gesicht jegliche Anmuth und Weichheit. Ein