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HtlsselSer IrrisMntt.
Mit wöchentlicher Hratis Meilage „Illuftrirtes Wuterhaltungsölatt"._________
Nr. 15. Dienstag deu 3. Februar 1891.
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»JllustrirteS Unterhaltungsblatt" für die Monate Februar und März werden von allen Kaiserlichen Postanstalten Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtliches.
Hersfeld, den 29. Januar 1891.
Die Nummerliste der verloosten und zum 1. Mai 1891 gekündigten Schuldverschreibungen der Kurwärktschen Schuldverschreibungen liegt im Geschäftslocale des hiesigen LandrathSamtes sowie auch in denjenigen der Königlichen Steuerkassen des Kreises während oer Dienststunden offen.
Zugleich mache ich auch auf die diese Nummerliste betreffende Bekanntmachung der Hauptverwaltung der Staatsschulden vom 2. d. Mts., abgedruckt auf Seite 9 des diesjährigen Amtsblattes, besonders aufmerksam.
1079. Der Königliche Landrath.
In Vertretung:
Braun, Kreisdeputtrter.
Hersseld, den 29. Januar 1891.
Der am 2. Juni 1827 zu Niederjossa geborene Paulus Pfeiffer hat für sich und seine Familie um Entlassung aus dem preußischen StaatSverbande behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht.
978. Der Königliche Landrath.
In Vertretung:
Braun, SretShepnitrier.
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Airs Heiterm Himmel.
Von J. Hütten.
. (Fortsetzung.)
Das Mädchen nickte ihm freundlich zu und beide suchten einen Platz in der Nähe des Hauses, aber auf der entgegengesetzten Seite von der Stelle zu der Scheppwitz Dora geführt hatte. Dort lauschten sie den zauberischen Klängen, Anna mit feuchten Augen und auch der junge Mann sehr bewegt. Noch eine ganze Weile, nachdem das Lied beendet war, standen sie schweigend, bis Radowsky leise sagte: »DaS war schön, Fräulein Anna, und wie süß klingt daS Wort vom Traum des Paradieses/
»Ich verstehe es nicht/ meinte daS Mädchen errötheud.
»O, Fräulein Anna/ sagte er warm, »Sie werden doch auch Augenblicke erlebt haben, in denen Sie sich so glücklich, so allem Irdischen entrückt, wunschlos und selig gefühlt haben.* Er sah ihr tief geneigtes Gesichtchen erblassen und beugte sich in iuntger Zärtlichkeit über sie, während er flüsternd fortfuhr: »ES muß aber noch etwas Besseres geben. Der Traum des Paradieses ist nur ein Augenblick, dem daS Erwachen folgt, und es giebt ein Glück, das Dauer hat. Können Sie errathe«, wovon ich spreche, Yräulet« Anna?"
Cossel, den 28. Januar 1891.
Der dem diesseitigen Bezirksverbande auf
Grund des Preuß. Gesetzes vom zur Zwangserziehung überwiesene und von mir bei dem Müller Johann Heinrich Schacht zu Neukirchen bei Ziegeuhain in Lehre untergebrachte August Schaumburg aus Lohne, Kreis Fritz- lar, geboren am 7. Februar 1874, ist am 23. d. Mts. aus seiner Lehrstelle durchgebrannt.
Königliches Landratbsamt ersuche ich gam er* gebenst, nach dem Zögling umgehend Nachforschungen gefälligst anstellen, im BetretungSfalle ihn festnehmen und durch eine geeignete Civil- Person, welcher ich neben den baaren Auslagen für Eisenbahnfahrt ein Tagegeld von 3 Mark und bei nöthig werdender Uebernachtung von 4 Mark gewähren werde, dem obengenannten Lehr- Herrn wieder zuführen lassen zu wollen.
Vom Geschehenen bezw. dem Ergebniß der Nachforschungen bitte ich mich hiernächst gefälligst zu benachrichtigen.
Der Landes-Director.
An Königliches Landrathsamt zu Hersfeld. Jr. II. Nr. 386.
* * *
Hersfeld, den 30. Januar 1891.
Wird den Ortspolizeiverwaltungen und der Königlichen Gendarmerie des Kreises behufs Fahndung nach dem Entlaufenen mitgetheilt.
Im BetretungSfalle ist derselbe festzunehmen, seinem Lehrherrn zuführen zu lassen und mir hiervon Anzeige zu erstatten.
1082. Der Königliche Landrath.
In Vertretung:
Braun, Kreisdeputtrter.
Aus dem Reichstage.
Berlin, 30. Januar. In der heutigen (55) Plenarsitzung des Reich StagS kam zunächst der Etat der ReichS-
Sie war zu erregt, um zu antworten; nur ihre Lippe« bewegten sich und es lag ein Ausdruck rührender Hilflosigkeit über der ganzen Erscheinung.
»Glauben Sie nicht/ fuhr er nach einer kleinen Pause noch bewegter fort, daß es süß, überirdisch süß sein muß, wenn zwei Menschen, die sich lieben, sich zusammenthun fürs ganze Leben? O, Fräulein Anna, Sie sagten ja selbst etwas Aehuliches, als Sie von Ihrer Freundin Dora und deren Glück sprachen, und Sie müssen es doch gemerkt haben, daß ich Sie liebe von dem ersten Augenblicke an, da ich Sie sah, und wenn Sie mich auch lieben könnten — nur ein ganz klein wenig —*
Das Mädchen raffte sich aus seiner Erstarrung auf. „Um Gotleswillen, sprechen Sie nicht weiter/ klang es so flehend von ihren Lippen, daß der junge Mann erschrocken einen Augenblick innehielt.
Dann fuhr Radowsky dringender fort: »Nein, lassen Sie mich auSreden, Fräulein Auua. ES mag Ihnen vermessen erscheinen, daß ich in meiner abhängigen Stellung von Liebe zu Ihnen spreche, aber bald ist die Zeit um, die ich nach meines verstorbenen Vaters Wunsch zur Erlernung der Landwirthschaft benutzen sollte, dann kaufe ich mir ein Gut, und wenn Sie mich nur lieben könnten, sollte uns ein Glück erblühen — das Paradies selbst — nicht nur der Traum bei
Justizverwaltung zur Berathung. Abg. Frhr. v. B u o l führte aus, wie es die StrafrechtSpflege- wesentlich fördern würde, wenn die Strafjustiz mit dem Strafvollzüge in Verbindung gebracht werde, berührte andere criminalistische Spe» cialfragen und sprach namentlich sein Bedenken gegen die wirkungslosen kurzen Freiheitsstrafen aus. Abg.Dr. Böckel bedauert, daß durch das neue bürgerliche Gesetzbuch der Grundbesitz und namentlich der kleine bäuerliche Besitz noch mehr mobilistrt werden wird. Demnächst critisirte er die Gebührenordnung der RechtSanwälte und wünscht gleicherweise eine Revision des GerichtSkostengesetzeS. Er sucht ferner darzulegen, daß zwischen dem Urtheile der gelehrten Richter und dem Volksbewußtsein vielfach eine große Kluft bestehe. Die Wucher- Prozesse will er den Schwurgerichten überweisen. Der Redner critisirte überhaupt das Verfahren der Gerichte und zog auch die Circularverfügung des Ober-Staat-anwalt« Schlippe in Darmstadt in die Debatte. StaatSsecretair v. Oehl» s ch l ä g e r erklärt, daß er auf die Ausführungen des Borredners um so weniger eingehen könne, als derselbe keine be- stimmten Vorschläge gemacht, seine Vorwürfe aber nur die Landesregierungen angehen. Das bürgerliche Gesetzbuch habe er hier nicht zu vertheidigen, da eS noch gar nicht feststch«, wie die Bestimmungen schließlich ausfallen würden und welche Stellung der Bundesrath einnehmen werde. Das kritische Material sei in fünf Druckbänden veröffentlicht, welchen jetzt ein Nachtrag folgen item. — Demnächst theilte der Herr StaatSsecretair bezüglich der zweiten Lesung der bürgerlichen Gesetzbuches und der dazu berufenen Commission mit, wa« inzwischen bereits bekannt geworden. Die sachliche Berathung der qu. Commission würde am 1. April beginnen, indessen ruhten die Arbeiten auch jetzt nicht, da die Referenten für die verschiedenen Materien, sowie der Generalreferent bestellt seien, welche gleich bei Beginn der CommissionSberathungen ihr« Vorschläge machen werden. Die verbündeten Regierungen seien bestrebt, der Sache die thunlichste Förderung angedeihen zu lassen; hoffentlich würden diese Bemühungen auch schließlich nicht vergeblich sein. Auf die Ausführungen des Abg. v. Buol bemerke er, daß die verbündeten Regierungen sich einer Revision de« Strafgesetzes, sowie der Regelung des Strafvollzuges gegenüber keineswegs ablehnend verhielten. Er könn« sich hierbei auf feine Ausführungen beziehen, die er vor fünf Monaten über die Schwierigkeiten jener Reformen imReilbt- tage gemacht. Vorsicht fei um so mehr geboten, als die Hauptvertreter der Reform selbst anerkennten, daß der Moment zur Revision augenblicklich noch nicht gekommen sei. Die Verhandlungen über die Vereinheitlichung des Strafvoll, zugeS mit den Landesregierungen, namentlich mit Preußen, schwebten noch; er könne deshalb zur Zeit nichts Nähere»
Paradiese-!*
Aus Annas Augen stürzten die Hellen Thräne«. »O bitte, sprechen Sie nicht so/
»Und warum soll ich es nicht thun?* fragte tt jetzt ernstlich beunruhigt. »Ist eS, weil Ihr Herz nichts von mir wissen will, oder weil Sie glauben, daß Ihren Eltern — Ihrer Frau Mutter — der bürgerliche Schwiegersohn nicht recht wäre?*
»O bitte, fragen Sie nicht/
»Oder lieben Sie einen andern?*
»Nein, nein, doch bitte, sagen Sie nicht- weiter, das macht mich sehr unglücklich/
»Aber, Fräulein Anna/ sagte er wieder hoffnungsvoller, »wenn Sie keinen andern lieb
neuem
haben —*
DaS Mädchen indessen unterbrach ihn von uruem: »Nein, bitte, sprechen Sie nicht mehr davon und lassen Sie mich bineingeheu/
Sie sah ihn so flehend und zugleich so rathlo- an, daß jedes andere Gefühl bei ihm von einem zärtlichen Mitleid verdrängt wurde. Leise zog er ihre Hand durch seinen Arm und seine Stimme klang ernst und ermuthigend. ,
»Ich werde nichts mehr sagen, waS Sie beunruhigen könnte, aber ich kann Sie auch nicht fort* lassen, ehe Sie alles gehört haben, was mir da- Herz erfüllt. Ich verstehe Sie jetzt nicht, Will auch nicht weiter tu Sie dringen, mir Ihr räthse/