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Itrsfflhr Klkisdliltt.

Mit wöchentlicher Kratis-AcilageIllustrirtes Nuterhaltungsölatt".

Nr. 18.

Dienstag den 10. Februar

1891.

Amtliches.

Sersfeld, den 4. Februar 1891.

Die Herren Ortsvorstände des KreiseS haben alsbald auf ortsübliche Weise öffentlich bekannt machen zu laffen und namentlich zur Kenntniß der betreffenden Stutenbesitzer zu bringen, daß die Königlichen Beschäler

aus Station Hersfeld den 25. Februar d. J. und

aus Station Philip-schal den 26. Februar d. J. eintreffen werden.

1258, Der Königliche Landrath ___________Freiherr von Schleinitz.

Hersfeld, den 6. Februar 1891,

Für den am 14. März 1874 zu Arnsberg geborenen Sattler Franz Ferdinand H a r 1 - wann dahier ist um Entlassung aus dem preußischen Staatsverbande behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht worden.

1316. Der Königliche Landrath _____ Freiherr von Schleinttz.

Hersfeld, den 7. Februar 1891.

Für die am 12. August 1876 zu Mecklar ge­borene Anna Elisabeth Schmidt ist um Er- theilung eines Reisepasses behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht worden.

1366. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz.

Aus dem Reichstage.

Berlin, 6. Februar. In der heutigen (59.) Plenar­sitzung des Reichstags wurde die gestern abgebrochene Debatte über die Position im Extraordinarium des Aus­wärtigen AmtS zur Bekämpfung des Sklavenhandels rc. fort­gesetzt. Abg. W i n d t h o r st spricht sich für Bewilligung der Summe au«, räth aber zur Vorsicht im weiteren Vorgehen. Redner fragt an, ob die Congoacte auch für Ostafrika Gül­tigkeit habe, worauf Reichskanzler v. Caprivi die Frage

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

An» heiterm Himmel.

Von J. Hütten.

(Fortsetzung.)

Scheppwitz machte eine Pause; dann fuhr er fort,Schultze ist bereit, für einen geringen Preis das Stück Wald abzutreten, da er vermuthet, daß Meißner es sonst nicht ohne gerichtliche Gut- scheidung herausgeben werde und er ihm ent» gegenkommen möchte. Ich fürchte aber, Ihres Mannes empfindliches Ehrgefühl wird sich gegen Vergleich sträuben, wenn nicht Sie, gnädige Frau* *

Und mir trauen Sie diesen rechtlichen Sinn Nicht zu?" unterbrach ihn Dora.

Um Gotteswillen, Sie dürfen mich nicht so Mißverstehen," sagte er verwirrt, fügte aber dann leichteren Tones hinzu:Die Damen pflegen doch sonst eher als wir schwerfälligen Männer einen anständigen Mittelweg zu finden, Ich hätte wirtlich diese Mission nicht übernommen, wenn sie mir nach irgend einer Richtung hin anstößig erschienen wäre. Was nützt Meißner sein Recht, wenn es vor Gericht nicht anerkannt wird, und dieser Vorschlag von Schultze"

Bitte, Herr von Scheppwitz," unterbrach ihn Dora wieder sehr ernst,ersparen Sie Ihre näheren Auseinandersetzungen für meinen Mann,

denn ich habe nicht die Absicht, ihn zu beeinflussen.*

Felix wurde in der Ferne sichtbar und Dora erhob sich, ihm entgegenzugehen. Scheppwitz mußte sich gestehen, daß sie doch anders fei, als die Frauen, mit denen er sonst verkehrte und bei denen er gerade durch seine überlegene, nichts» achtende Art Eindruck zu machen pflegte.

Felix begrüßte seinen Gast aufs herzlichste und nahm es als selbstverständlich an, daß derselbe den Abend über bei ihnen bliebe. Nicht ohne einige Verlegenheit brächte Scheppwitz das Ge- spräch wieder auf Schultze und dessen Vorschlag. Der andere hörte ihm mit Staunen zu und meinte dann sehr ernst:Sie haben sich hoffent­lich die Tragweite Ihrer Worte nicht klar ge­macht, lieber Freund, denn was Sie mir zumuthen, hat einen häßlichen Beigeschmack."

Wie verstehen Sie das?" fragte Scheppwitz betrete«.

Ich ahnte schon etwas Aehnltches," fuhr Felix fort,als neulich beim Abschiede Schultze von arrangtren" sprach, und ich muß zugeben, der Mann opertrt nicht unschlau. Natürlich wäre eS mir unlieb, mit seiner Forderung vor das Gericht zu gehen, da seine Klage doch sehr verschieden be- urtheilt werden würde, selbst wenn die Ent­scheidung zu seinen Gunsten ausfallen sollte. Mein Eingehen auf seine Absichten würde aber zwei Vortheile für ihn haben, außer dem Geld

bejaht. Abg. v. H e l l d o r f spricht sich für den deutsch-1 englischen Vertrag aus. Für die kurze Zeit seien die Erfolge i unserer Colonialpolitik colossal. Es sei uns ein werthvolles Gebiet gesichert und wir lebten in Frieden mit allen anderen Ländern. Die gestrige Rede des Reichskanzlers müsse uns be­stimmen, volles Vertrauen zu dem ruhigen Fortgange der Arbeit zu haben. Die Nation stehe hinter der Regierung. Es sei seit dem Rücktritt des Fürsten BiSmarck ein gewisser Pessimismus entstanden; derselbe sei aber nicht am Platze. Wir bedürften deS vollen Vertrauens zu unserer Regierung; zumal in einer Zeit, wo wir so große sociale Aufgaben zu erfüllen hätten. (Bravo.) Abg. v. K e u d e l l trat fehr ent­schieden für daS englische Abkommen ein, zumal es besonders geeignet sei, daS Märchen von einer Feindschaft zwischen Eng­land und Deutschland zu zerstören. DaS gegenwärtige Ab­kommen stütze sich auch wesentlich auf ein 1886 vom Fürsten BiSmarck abgeschlossenes Abkommen. Bei dem Abschluß deS neuesten Abkommens wären nicht nur die Verhältnisse an der Küste und die von Zanzibar, sondern auch namentlich die Erregungen maßgebend gewesen, welche in England von Herrn Stanley hervorgerufen seien. Abg. Windthorst rechtfertigte die Angriffe deS Abg. Dr. Barth gegenüber der Stellung der CentrumSfraction in dieser Frage. Abg. Graf Arnim kann die enthusiastische Beurtheilung deS englisch-deutschen Ab­kommens sein»« Parteigenosse'w. Lendell nicht theilen. Man möge jetzt nicht zu langsam vorgehen, sondern unter Aus­nutzung deS Prestige« unserer großen Siege sobald als mög­lich das Hinterland und das Seengebiet durch Anlage von Stationen sichern. Darauf wurde die Debatte geschloffen und die Position nach den Vorschlägen der Commission (2 500 000 Mk.) gegen die Stimmen der Socialdemokraten, Volkspartei und Deutschfreisinnigen genehmigt.

Berlin, 7. Februar. In der Heuttgen (60.) Sitzung des Reichstages kam die erste Lesung der Novelle zum Branntweinsteuergesetz zur Berathung. Staatssccretair Frhr. v. M a r s ch a l l hob bei Begründung der Vorlage hervor, daß schon bei der Verabschiedung des Branntweinsteuergesetzes die allgemeine Auffassung dahin gegangen sei, daß eine baldige Revision dieser Materie nöthig fein werde. Indeß liege nach Ansicht der Regierung kein Grund vor, jetzt die principiellen Grundlagen deS Gesetzes zu ändern; es sollten nur einstweilen einzelne kleine Unzuträglichkeiten und Schwierigkeiten beseitigt werden. Der Herr Staatösecretair erläuterte von diesem Ge­sichtspunkte dann die einzelnen Artikel der Vorlage. Abg. Hug constatirte, daß die badischen kleinen Brennereien unter der Herrschaft des Branntweinsteuergesetzes einen sehr erheb­lichen Rückgang erfahren hätte. DaS hätte in Baden eine

große Unzufriedenheit erregt, um so mehr, als Baden früher ein sehr mildes Gesetz gehabt habe. Die Vorstellungen der badischen Regierung beim BundeSrath seien erfreulicher Weise in einigen Punkten berücksichttgt. Doch blieben noch andere Wünsche (namentlich wegen Steuerfreiheit des HauStrunkS) übrig. Er beantragte die Ucberweifung an eine Commission von 14 Mitgliedern. Staatssccretair Frhr. v. M a l tz a h n legte die Gründe dar, weshalb der BundeSrath auf den An­trag der badischen Regierung, betreffend Freilassung des selbst- gebrannten HauStrunkS, nicht habe eingchen können. Badischer Bundesbevollmächtigter S ch e r e r empfiehlt Namens seiner Regierung die Berücksichttgung des in Aussicht gestellten An­trages des Abg. Hug. Staatösecretair Frhr. v. M a l tz a h n hebt hervor, daß den Materialsteuer entrichtenden Brennereien bereits gestattet sei, ihre sämmtliche Brennmenge zu dem niedrigsten Steuersätze zu besteuern, und daß darin schon eine beabsichtigte Berücksichtigung der kleinen süddeutschen Brenne­reien liege. Abg. H o l tz spricht sich im Allgemeinen zu­stimmend zu der Vorlage aus, jedoch gegen den Art. 3, wo­durch der Zoll für Cognac und Rum von 125 auf 150 Mk. erhöht wird. Abg. Barth erkennt in der Vorlage den Be­weis, daß durch das Gesetz von 1887 der Großbrenner in eine angenehme, mit allerlei Privilegien ausgepolsterte Lage gebracht, die kleinen Brenner aber geschädigt worden seien. Den kleinen Brennc.rn werde durch solche kleinen Mittelchen, wie die Vorlage, nicht geholfen werden. Die Zollerhöhung für Rum und Liqueur nicht billigend, kündigt er einen An­trag an, welcher daS Privileg der Brenner, das er als geradezu unerhört bezeichnet, beseittgen soll. Abg. Dr. Buhl tritt den allgemeinen Ausführungen des Vorredners entgegen und wünscht die AuSführungSbestimmungen des Gesetzes ander« zu regeln Abg. Zorn v. Bulach weist auf die Schmerzen der Kleinbrenner in Elsaß-Lothringen hin, und befürwortet ebenfalls die Freigebung des HauStrunkS. Sei doch auch der HauStrunk in Bier freigegeben. Der finanzielle Ausfall könne nicht in Betracht kommen, wenn es sich um die Zufriedenheit der Bevölkerung handle.

Aus dem Abgeordnetenhaus.

Berlin, 6. Februar. Das Abgeordnetenhaus beendigte im Verlaufe feiner heuttgen Sitzung die zweite Be­rathung des Entwurfs eines Wildschadengesetzes und geneh­migte auch die noch zu erledigenden Paragraphen. Ohne Debatte wurde schließlich die von der Commission vorge­schlagene Resolution angenommen: die Königliche Staattre- gierung aufzufordern, dem Landtage der Monarchie spätesten«

noch meinerseits das halbe Zugeständuiß seines Rechtes. Er irrt sich aber in mir ich weiß, man hat mich oft einen Träumer genannt und gerade in dieser Angelegenheit habe ich mich alS solcher gezeigt. Wirklich, hätte ich nicht die Ent­schuldigung, daß mein Leichtsinn einem allzu großen Vertrauen zu dem AustandSgefühle meiner Mirmenschen entsprungen sei, ich müßte mich vor mir selber schämen. Jetzt aber wenigstens will ich mit dem vollen Bewußtsein meiner Verant­wortlichkeit handeln, will nicht durch Schwanken und Nachgeben die Ehrenhaftigkeit meines VaterS in Zweifel ziehen laffen."

Wenn Schultze indessen einen etwaigen Prozeß gewönne?" fragte Scheppwitz unsicher.

So muß ich die Strafe für meine Nachlässig­keit tragen, aber ohne richterliche Entscheidung weiche ich nicht einen Strohhalm breit. DaS mögen Sie Schultze als mein letztes Wort sagen.'

Scheppwitz reichte ihm die Hand.Obgleich ich mit dem Vorsätze herkam, mein möglichstes zu thun, um unserer Unterredung ein anderes Resultat zu geben, kann ich doch Ihren Gründen meine vollste Anerkennung nicht versagen."

Damit war die Angelegenheit erledigt und Scheppwitz hätte nicht ein so weltgewandter Mann sein müssen, wenn es ihm nicht gelungen wäre, das Gespräch bald in freundlichere Bahnen zu lenken und bei Dora die Mißstimmung zu vex»