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__________Mit wöchentlicher Hratis-Aeilage „Illustrirkes Wuterhaltungsölatt".__________

Nr. 19. Donnerstag den 12. Februar 1891.

Amtliches.

Hersfeld, den 7. Februar 1891.

Der seitherige Bürgermeister George Horn Vön Solms ist heute als solcher auf 8 weitere Jahre eidlich verpflichtet worden.

1404. Der Königliche Landrath

Freiherr von S ch l e i n i tz.

Aus dem Reichstage.

Berlin, 9. Februar. In der heutigen (61.) Plenar­sitzung erklärte der Reichstag die Wahlen der Abgg. Graf Carmer, v.Normann, Frhr.v.Friesen, v.Bredow (cons.), Holtz (Rp.) und R e i ch e r t (Cent.) für gültig. Ueber die Wahlen der Abgg. Hermes, Dr. Hänel (frs.), Dr. Porsch (Ctr.), v. Jagow und Grafv. Salbern(cons.), Zangemeister (frs.), Merbach(Rp.) sollen noch Erhe­bungen angestellt werden, bis zu deren Abschluß die Beschluß­fassung über die Gültigkeit auSgesetzt bleibt. Bei der Prü­fung der Wahl deS Abg. Zangemeister kam cS zu einer längeren Debatte über die Betheiligung der Kriegervereine bei der Wahlbewegung. Dr. M e h n e r t rechtfertigte das Eintreten der Kriegervereine gegen die' Socialdemokraten, da der Fahneneid mit den socialdemokratischen Bestrebungen im Widerspruch stehe. Abgg. Dr. Barth, Auer und Bebel verurtheilten ein Eintreten der Kriegervereine in den Partei­kampf ; letzterer constatirte dabei, daß im Jahre 1867 Particu. laristen und Kriegervereine im Wahlkreise Glauchau für ihn gestimmt hätten.

Berlin, 10. Februar. In der heutigen (62.) Plenar­sitzung deS Reich s.tag e S wurde zunächst der Nachtrag zum Etat deS Auswärtigen Amts (Gesandtschaftspersonal in Luxemburg) in erster und zweiter Berathung debattelos erle­digt. Darauf wurde der Etat der Zoll- und Verbrauchs­steuern berathen. An Zöllen sind in Einnahme gestellt 314 620000 Mark. In der Commission ist, wie der Referent Abg. Dr. Hartmann constatirt, diese Summe von einer Seite als viel zu niedrig hingestellt worden; der Antrag, die Summe auf 350 Million zu erhöhen, fand indeß keine Zu­stimmung. Abg. Dr. Broemel erklärt seine Zustimmung zu der Verordnung über die Zollermäßigungen für Marokko und frägt an, ob auch mit Italien und Spanien Verhand­lungen über die Revision der Handelsverträge angeknüpft

werden sollen. StaatSsecretair Frhr. von Maltzahn kann I diese Frage für jetzt nicht beantworten. — Der Titel „Zölle" I wird hieraus genehmigt. Beim Titel „Tabackssteuer" fragt Abg. Dr. Buhl, was bezüglich der vorjährigen Resolutton, betreffend Erleichterungen im Tabacksverkehr, geschehen sei. StaatSsecretair Frhr. v. Maltzahn weist auf die Denkschrift hin, die heute dem Hause zugegangen und die Antwort im Einzelnen enthalte. Der Titel wird bewilligt. Darauf kam der Antrag, chetr. die Erhöhung deS Tabackszolles und der Ermäßigung' der Tabackssteuer zur Berathung. Derselbe wurde vom Abg. Menzer eingehend begründet. Auch Abg. Hoeffel erklärt sich im Sinne desselben. Abg. Förster findet den Wunsch nach Herabsetzung der inländischen Steuer gerechtfertigt, kann aber das Verlangen nach Zollerhöhung nicht billigen. StaatSsecretair Frhr. v. M a l tz a h n erklärt, daß bei Annahme deS Antrages die verbündeten Regierungen — die theils überhaupt, theils zur Zeit gegen eine Erhöhung des Tabackszolles seien, auch die Herabsetzung der Tabackssteuer nicht angeregt hätten — von Neuem zu der Frage Stellung nehmen würden. Bei der Abstimmung wurde zunächst die Zollerhöhung abgelehnt; die Abstimmung über die Steuer­herabsetzung. bei welcher der Namensaufruf nöthig wurde, ergab die Beschlußunfähigkeit des Hauses (96 für, 57 gegen den Antrag). Die Verhandlungen mußten daher um 3*/< Uhr abgebrochen werden.

Aus dem Abgeordnetenhaus.

Berlin, 10. Februar. In der heutigen (29.) Plenar­sitzung des Abgeordnetenhauses kam zunächst der Entwurf eines Wildschadengesetzes in dritter Berathung zur Erledigung. Die ersten sechs Paragraphen wurden, unter Ablehnung der gestellten AmcndementS, nach den Beschlüssen zweiter Lesung aufrecht erhalten. Zu 8- 7 wiederholte Abg. Rintelen seinen Antrag, der die betreffenden Competenzen nicht der „OrtSpolizeibchörde", sondern dem „Gemeindevor­steher" übertragen will. Ueber den Antrag mußte die Ab­stimmung durch Auszählung erfolgen. Bei derselben wurde der Antrag mit 154 gegen 147 abgelehnt und dann der §. 7 unverändert angenommen. Auch zu 8- 8 wurde ein auf Erweiterung gestellter Antrag abgelehnt; dagegen wurde im §. 13, welcher lautet: „Die Aufsichtsbehörde kann die Besitzer von Obst-, Wein-, Gemüse-, Blumen- und Baumschulanlagen ermächtigen, Vögel und Wild, welche in den genannten An­lagen Schaden anrichten, mittels Schußwaffen zu erlegen. Der Jagdberechtigte kann verlangen, daß ihm die erlegten Thiere, soweit sie seinem Jagdrechte unterliegen, gegen daS

übliche Schußgeld überlassen werden" — hinter den Worten: „Schaden anrichten" auf Antrag des Abg. Herold ange­fügt: „zu jeder Zeit". Die übrigen Paragraphen des Ent­wurfs blieben unverändert. Der landwirthschaftliche Minister v. Heyden nahm darauf das Wort zu folgender Erklärung: Wenn ich jetzt am Schlüsse Ihrer eingehenden Discüsfion das Wort ergreife, so veranlaßt mich dazu der Wunsch des Abg. Conrad, ich möchte die Beschlüsse dieses Hauses in allen ein­zelnen Details mit einer gewissen freudigen Lust im Herren­hause vertreten. Ueberzeugend vertreten kann man nur daS, von dessen Richtigkeit man selbst überzeugt ist; daS kann ich aber von allen Beschlüssen, die jetzt gefaßt sind, meinerseits nicht behaupten. (Hört, hört, rechts!) Sie werden das ver­zeihlich finden, wenn Sie sich erinnern der schwankenden Majorität, mit der diese Beschlüsse gefaßt sind. Im Nebligen stehe ich auf dem bei Beginn der Verhandlungen gekennzeich­neten Standpunkt; ich werde mich bemühen, daß aus den Berathungen beider Häuser deS Landtages ein praktisches, brauchbares Ergebniß zu Stande kommt, und gebe die Hoff­nung auf eine derartige Erledigung der Angelegenheit nicht auf. (Bravo.) — Darauf wurde der Gesetzentwurf im Ganzen mit sehr großer Majorität angenommen.

Iolitische Wachrichten.

Berlin, 10. Februar. Se. Majestät der Kaiser fuhr am gestrigen Nachmittage mittelst Sonderzuges nach Potsdam und begab sich mit Allerhöchstseiner Begleitung nach der Ankunft daselbst vom Bahnhöfe aus zunächst nach dem Langen Stall zum 1. Garderegiment zu Fuß, um daselbst die Rekruten des Regiments zu be- sichtigen und über dieselben die Parade abzu- nehmen. — Demnächst entsprach Se. Majestät, Allerhöchstwelcher vor 14 Jahren an diesem Tage in das 1. Garderegiment eingetreten, einer Ein« ladung deS Officiercorps desselben zur Tafel nach dem Regimentshause. — Nach Aufhebung der­selben kehrte Se. Majestät mittelst Sonderzuges wieder nach Berlin zurück. — Während der heutigen Vormittagsstunden erledigte Se. Majestät der Kaiser zunächst bis gegen 9 Uhr Regierungs- angelegenheiten und unternahm darauf eine AuS-

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

Aus Heiterm Himmel.

Von I. Hütten.

(Fortsetzung.)

Der Spätherbst mit seinem schlechten Wetter machte auch dieser Fahrten allmählich ein Ende; um so traulicher richtete sich das junge Paar in seiner Häuslichkeit ein. Waren sie des Abends allein, so las Felix meistens seiner Frau etwas vor, während sie bei ihrer Handarbeit saß, oder er machte ihr Mittheilungen aus wissenschaftlichen Aufzeichnungen, die er auf Reisen gemacht hatte.

Waren aber Gäste in Emiltenhof, so wurde Musicirt oder in heiterem, anregenden Plaudern die Zeit verbracht. Die Besuche bet den Nach­barn schränkten WeißnerS ein, da eS ihnen zuwider war, überall mit Schultze zusammenzu- Neffen, dessen Wesen sie immer mehr empörte. Stets kam er ihnen auf das herzlichste entgegen, ignorirte den bestehenden Streit ganz und gar oder ermähnte Felix in seiner biederen Weise, mcht zu schroff auf seinen Grundsätzen zu ver­harren. Wenn dieser dann ihm kaum Rede und Antwort stand, schmerzte es Dora wieder, daß jeder Unbefangene den Eindruck gewinnen mußte, als verhalte er sich der Liebenswürdigkeit des Nachbarn gegenüber in unverantwortlicher Weise ablehnend.

Nur wenig Trost konnte es ihnen dabei ge­währen, daß die näheren Bekannten sie dabei versicherten, bei dieser Zwistigkeit könnten die Sympathien jedes anständigen Menschen nur auf ihrer Seite sein. Felix hätte indessen seine ab­wartende Haltung beibehalten, wenn ihm nicht zu Ohren gekommen wäre, daß Schultze mittler­weile beschlossen habe, einen Prozeß anzustrengen. Unter diesen Umständen schien es dem jungen Manne denn doch das klügste, den alten Rechts- anwalt Harkort in Königsberg, einen guten Be­kannten seines Vaters, um Ratb zu fragen.

RechtSanwalt Harkort ward nahezu grob aus Empörung über den Leichtsinn von Vater und Sohn Meißner und fand eS besonders von dem jungen Manne unverantwortlich, daß er nicht sofort mit dem neuen Besitzer von Wehrkitten den Kauf rechtskräftig gemacht hätte. Trotzdem erklärte er sich bereit, tu der Sache fein möglichstes zu thun, wenn er sich auch wenig Erfolg davon versprach.

Kurz vor Weihnachten gaben MohrthalS einen großen Ball, zu dem sie fast die ganze Gesell' schast, welche sich zum Sommerfest im Waldkruge vereinigt hatte, einluden.

Unter den ersten Gästen, die sich eiusanden, waren BraupS und Radowsky. Der junge

Mann konnte sich diese Gelegenheit, einmal wieder mit Anna Mohrthal, dem geliebten Mädchen, zu plaudern, nicht entgehen lassen und trat so­fort zu ihr.

„Sie sehen heute so froh erregt auS, gnädige- Fräulein,* sagte Radowsky verwundert.

„Ja,* entgegnete Anna mit glücklichem Lächeln, „WeißnerS haben zugesagt und ich bin überzeugt, meine Dora wird wieder die schönste von allen Damen sein.*

„Gewiß, sie ist eine anziehende Persönlichkeit*, gab RadowSky zu, aber ist sie nicht auch glücklich, daß ihr eine so selbstlose Liebe entgegengebracht wird?*

Es lag eine leise Klage in diesen Worten, die Anna wohl verstand und die sie um so mehr rührte, da der junge Mann, seinem Versprechen gemäß, tu allen diesen Monaten nie auf daS Ge­spräch im Sommer zurückgekommen war.

„Dora ist eine bevorzugte Natur,* sagte sie kleinlaut, um doch etwas zu erwidern.

„So weit ich sie kenne, muß ich Ihnen recht geben,* stimmte er bet und fügte dann leiser hinzu: „Auf eine Frau könnte ich nie eifersüchtig werden, aber ich möchte sie fast um Ihre Liebe beneiden und Herrn von Scheppwitz um die häufige Gelegenheit, in Emtlieuhof mit Ihnen zusammen zu sein.* „ .

Anna erhob mit etwas ärgerlichem Lachen den