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Nr. 27. Dienstag dcu 3. März "" 1891.
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Hersfelder Kreisblatt
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Amtliches
Rotenburg a. F., den 24. Februar 1891.
Dem Königlichen Landrathsamt theile ich hierdurch ergebenst mit, daß unter der Heerde des Schäfers Dtlcher hierselbst die Räudekrankheit ausgebrochen ist.
Der Königliche Landrath.
A „ I. V.: Schröder.
An Königlicher LandrathSamt zu Hersfeld. J.-Nr. 1844.
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„ Hersfeld, den 27. Februar 1891.
Wird veröffentlicht.
2091. Der Königliche Landrath.
In Vertretung:
Braun, Kreisdeputirter.
Cassel, den 23. Februar 1891.
Königliches Landrathsamt beehre ich mich unter Danksagung für die bisherigen Bemühungen er- gebenst zu benachrichtigen, daß der Zwangszögling August Schaumburg von Lohne inzwischen ermittelt worden ist, weshalb ich mein Ersuchen vom 28. Januar d. Js. II. Nr. 386 als erledigt hierdurch zurückziehe.
Der Landes-Director. t Königliches Landrathsamt zu Hersfeld. »». II. Nr. 737.
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Hersfeld, den 26. Februar 1891. Wird mit Bezug auf meine Bekanntmachung vom 30. Januar cr. Nr. 1082, Kreisblatt Nr. 15, veröffentlicht.
Der Königliche Landrath.
In Vertretung: Braun, Kreisdeputirter.
* Frankreich und die Berliner Kunstausstellung.
Die französischen Chauvinisten, voran Deroulöde mit seiner Patriotenliga, haben es fertig gebracht, daß die Stimmung in Paris in Bezug auf den Besuch der Kaiserin Friedrich, der bekanntlich von vornherein keinerlei osficielleu Character hatte, und ferner in Bezug auf die Beschickung der Berliner Kunstausstellung mit französischen Kunstwerken umgeschlagen ist. Viele Blätter, die anfangs eine besonnene, achtungsvolle Haltung eiu- nahmen, ergehen sich unter dem Drucke der von den Chauvinisten entfachten Bewegung in maßlosen Ausfällen. Ueber den Vorfall, der den Hauptanstoß zu dem Umschwung gab, wird in der „National-Zeitung- vom 25. Februar berichtet: Döroulöde hatte am Sonnabend das dem 1871 vor Paris gefallenen Maler Henri Regnault im Vorhofe der Kunstschule errichtete Monument mit einem Jmmortellenkranz geschmückt, der die Inschrift trug: „Au Grand Peintre Henri Regnault, Mort pour la Patrie. La ligue des Patriotes. Fevrier. Quand meme.“ D^roulöde hatte damit einen sichtbaren Protest gegen die Betheiligung der französischen Künstler an der Berliner Ausstellung bezweckt. Der Director der Kunstschule, Dubois, davon unterrichtet, hatte den Jnspector der Kunstschule Destables angewiesen, den Kranz zu entfernen, was am Sonntag Morgen geschehen ist. Gestern Morgen meldete der „Jntransigeant-, daß der Kranz von dem Monumente verschwunden sei und verlangte Aufklärung über diese „Ent-
heiligung-, welche eine neue Feigheit der Regierung Deutschland gegenüber bedeute. Es wurde dann auch sofort erzählt, daß die Beseitigung des Kranzes erfolgt sei, weil (was durchaus falsch ist) die Kaiserin Friedrich die Absicht habe, die Kunstschule zu besuchen. Kurz vor Eröffnung der Kammersitzung theilte der Präsident der (aufgelösten) Patriotenliga dem Präsidenten Floquet mit, daß er beabsichtige, di erring über die Beseitigung des von ihm am juu des Monuments Regnault niedergelegten Kranz zu interpelliren. Herr Floquet suchte den Deputirten, der eine bedenkliche Aufregung bekundete, zu beruhigen und bat.ihn, mit der Ausführung seines Vorhabens zu warten. Es werde zweifellos ein „Mißver- ständniß- vorliegen, er werde sogleich den Minister des öffentlichen Unterrichts um Aufklärung bitten. — Nach längeren Verhandlungen gab sich der erhitzte D^roulsde erst zufrieden, als der Unter- richtsminister mit seinem Ehrenwort versprach, daß er für die Wtederaubriuguug des Kranzes sorgen werde.
Während dieser Conferenz D6roulödeS mit den Ministern hat der patriotische Deputirte von Belfort, Gruez, die Initiative zu einer Sub- scriptton ergriffen, deren Betrag zum Ankäufe eines „parlamentarischen- Kranzes für daS Monument dienen sollen. Deputirte aller Parteien, (auch Clömenceau, Lockroy, Reinach, Emanuel Sirene, sowie Cassagnac, Mermeix, Cuneo d'Ornano u. s. w. hatten sich an der Sub- scriptton vetheiligt, und es ist beschlossen worden, in einigen Tagen diesen „parlamentarischen- Kranz feierlich am Fuße des Monumentes Regnault niederzulegen. In einer Versammlung, an welcher Dsroulöde mit seinem Stäbe thetluahm, wurde die folgende Resolution einstimmig angenommen: „Die Patrioten (Revisionisten) des 7. Arrondissements, versammelt am 24. Februar 1891 im Saale Heltot, entrüstet über den Besuch der Kaiserin Friedrich des Schlosses von Versailles, wo die Gründung des deutschen Kaiser-
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
A«» heiterm Himmel.
Don I. Hütten.
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m , ~ (Fortsetzung.)
Jt Trost aus seinem Munde hätte ihr «Ä^Äol/en, wenn nicht in ihrem Herzen die unerschütterliche Ueberzeugung von dem gerechten AAeneiner himmlischen Vorsehung gelebt hätte. ^Ueberzeugung ließ sie alle Kränkungen, die !?.^?^ltche Lage naturgemäß mit sich brächte, wunderbar leicht überwinden.
Nach Hause zurückgekehrt, fand sie Radowsky wrer harrend. Er hatte sie zwar ein paar Stunden vorher im Gertchtssaale flüchtig ge- Mochen, wollte jetzt aber noch Dora seiner Thetl- ”yme versichern und ein besonderes Anliegen Äi6Ä^ Sie konnte sich anfangs gar nicht ihr nu^M ^ -A auf dem Herzen habe, bis er I St. “J^M Ichüchtern und verlegen mitthetlte, jetziger Besitzer von Wehrkitten, den H !^^ und die Quittung SpindlerS an« Dora war tiefgerührt von dem J tSSimu^ Borgehen des jungen Mannes, aber v ^as hau jetzt Felix diese Ehrenerklärung? Was R A„W^ld oder Besitz? Sie hatte auch ^ M Nicht den Muth, als Radowsky sich verabschiedete,
ihn zur Wiederholung seines Besuches aufzu- fordern; — er war ja ein Neffe und Nachfolger Schultzes, und jede Erinnerung an den Ermordeten war in ihrem Herzen zu bitter.
Die Mittheilung, daß die Voruntersuchung in Weißners Angelegenheit beendet sei, berührte Dora wenig. Sie hatte es sich längst in Ihrem Innern klar gemacht, daß ihres Mannes Xanten nie seine Reinheit wieder bekommen könnte, ehe der Mörder entdeckt würde. Selbst ein Schwurgericht, das Felix freisprach, hätte ihm die nicht geben können, da nur Mangel an Beweisen oder Rücksicht auf seinen guten Leumund dies Urtheil hätte veranlassen können.
Um so inniger gestaltete sich der Verkehr zwischen Dora und Anna, aber außer letzterer gaben sich auch Frau Braun und Scheppwitz redliche Mühe, Dora durch häufige Besuche zu erheitern und sie war allen innig dankbar dafür. Wenn sich Anna und Scheppwitz einmal bei ihr begegneten, beobachtete sie unwillkürlich deren Verhalten zu einander und zuweilen bemerkte sie der ersteren Erröthen, wenn der Nachbar erschien. Dessen Benehmen aber blieb ihr räthselhaft, denn während er das eine Mal ungemein liebenswürdig, fast zärtlich zu dem jungen Mädchen war, schien er sie ein anderes Mal gar nicht zu
bemerken. Ueberhaupt fiel ihr jetzt oft sein unstätes Wesen auf.
So vergingen die ersten Wintermonate, ohne daß etwas Neues über den Mord entdeckt wurde. Das nagte an DoraS Herzen und ihre Leiden prägten sich jetzt auch gar deutlich auf ihrem bleichen Gesichte aus, so daß Frau Regiue nicht ohne tiefes Mitleid ihre arme Herrin ansehen konnte.
Es war an einem kalten, klaren Witttertag, wenige Wochen nach Weihnachten, als Dora am Fenster saß und ihren schwermüthigen Gedanken freien Lauf ließ. Sie grübelte darüber, wie lange es wohl noch dauern könnte, bis Weißners Verbannung enden würde, und bet der bisherigen Erfolglosigkeit jeder Nachforschung erschien ihr dies Ziel in so weite Ferne gerückt, daß ein angstvolles Gefühl sie durchschauerte. Sollte sie wirklich ihr lebenlang Witwe bleiben und er, der geliebte Mann, da draußen tu der Fremde weilen? Waren sie beide jetzt nicht schlimmer daran, als wenn sie einander nie kennen gelernt hätten, oder selbst wenn sie durch den Tod getrennt wären? Sie dachte an alles, was t^