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Hersseliitl Kreistillltt.
__________Mit wöchentlicher Kratis-Meilage „Illustrirtes Mterhaktnngsölatk'.
Nr. 31. Donnerstag dcu 12. März 1891.
Amtliches.
Hersfeld, den 9. März 1891.
Zur Vornahme des diesjährigen Ersatz-Geschäftes für den Kreis Hersfeld sind folgende Termine bestimmt worden:
Montag den 20. April d. J.
von Morgens präcis 7 Uhr ab Musterung der Militairpflichtigen aus der Stadt Hersfeld und den Landgemeinden Allmershausen mit Hälgans, Aua, Biedebach, Bingartes, Eich- hof, Eitra, Friedlos, Gittersdorf, Heenes, Hilperhausen, Kalkobes, Kathus, Kohlhausen, Meckbach, Mecklar und Meisebach.
Dienstag den 21. April d. J.
von Morgens präcis 7 Uhr ab Musterung der Militairpflichtigen aus den Landgemeinden Obergeis, Oberhaun, Oberrode, Petersberg, Reilos, Rohrbach, Roßbach, Rotensee, Sieglos, Sorga, Tann, Untergeis, Unterhaun, Wilhelmshof, Wippershain, Niederaula, Allen- dorf, Asbach, Beiershausen, Engelbach, Frielingen, Gersdorf, Gershaufen, Goßmannsrode, Hatten- bach, Heddersdorf und Holzheim.
Mittwoch den 22. April d. J.
von Morgens präcis 7 Uhr ab Musterung der Militairpflichtigen aus den Landgemeinden Kemmerode, Kerspenhausen, Kirchheim, Kleba, Kruspis, Mengshausen, Niederjoffa, Recke- rode, Reimboldshausen, Rotterterode, Solms, Stärklos, Willingshain, Friedewald, Bengendorf, Gethsemane, Harnrode, Heimboldshausen, Herfa, HeringeU und Kleinensee.
Donnerstag den 23. April d. J.
von Morgens präcis 7 Uhr ab Musterung der Militairpflichtigen aus den Landgemeinden Lautenhausen, Leimbach, Lengers,
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Aus heiterm Himmel.
Von I. H u t t e N.
(Fortsetzung.) . .
»Nein, sie weiß noch gar nicht um ihre Rückkehr." Sein Erstaunen wuchs, aber er winkte nur mit der Hand, und sich umwendend, schritt er ihr in sein Arbeitszimmer voran. Dort ließ er sich in einen Lehnstuhl fallen und sagte freundlich: »Setzen Sie sich, Frau Regine, Sie haben heute schon einen weiten Weg gemacht." ,
»Ich danke," erwiderte Frau Regine, »ich bin nicht müde. »O, gnädiger Herr," fuhr sie dann in ausbrechender Bewegung heraus, »besuchen Sie nicht mehr unsere Frau?" Scheppwitz raffte sich hastig auS seiner nachlässigen Stellung in die Höhe und wollte etwas sagen, aber jetzt war die Wirthschaftet im Zuge und so sprach sie unbeirrt weiter: »Ist es denn nicht genug, was ie gelitten hat? War eS nicht schon schrecklich, >aß der gnädige Herr fort mußte und so viele ihn Ür einen Mörder hielten? Müssen Sie nun auch noch dem Unglücklichen daS Herz seiner Gattin rauben?"
Frau Regine konnte kaum reden, so plötzlich drehte sich Scheppwitz um. Geblendet durch das helle Sonnenlicht, konnte sie seine Züge nicht deutlich sehe», ata seine Stimme klang heiser,
Widdershausen, Wölfershausen und sämmtlichen Gemeinden rc. des Amtsgerichtsbezirks Schenk- lengsfeld.
Freitag den 24. April d. J.
von Morgens präcis 8 Uhr ab
Lo osung und Classification derjenigen Mannschaften der Reserve, Landwehr und Ersatz- Reserve, sowie der ausgebildeten Landsturmpflichtigen des zweiten Aufgebots, welche wegen häuslicher, gewerblicher oder Familien-Verhältnisfe eine Zurückstellung für den Fall der Einberufung zu den Fahnen beanspruchen wollen. (§. 123 der Wehrordnung vom 22. November 1888.)
Das Ersatz-Geschäft wird, wie bisher, im hiesige« städtische« Rathhause vor« genommen.
Die Herren Ortsvorstände der Stadt- und Landgemeinden des Kreises — selbstverständlich auch die Herren Gutsvorsteher — werden angewiesen:
1) die militairpflichtigen Mannschaften ihrer Gemeinden rc. und zwar:
a. die in der Zeit vom 1. Januar bis einschließlich den 31. Dezember 1871 geborenen, soweit sie nicht bereits in das Militair eingestellt sind oder einen Ausstand erhalten haben,
b. die in den Jahren 1870, 1869, 1868 oder früher geborenen, welche in den Ersatz-Geschäften des vorigen Jahres zurückgestellt, überzählig geblieben, oder gar nicht erschienen sind, und demnach über ihr Militairverhältniß noch keine feste Bestimmung erhalten haben, zu den vorbezeichneten Musterungsterminen vor- zuladen,
2) dafür zu forgen, daß diejenigen Personen, zu deren Gunsten eine Zurückstellung bezwse.
als er sagte: »Seien Sie ruhig, ich werde nicht kommen," und ehe sie ein Wort des DankeS äußern konnte, hatte er sich wieder zum Fenster gewandt. Sie zögerte noch einen Augenblick, aber da ihr schien, als habe er ihre Anwesenheit vergeffen, verließ sie das Zimmer. Sie athmete tief auf als sie in den Sonnenschein hinaustrat, denn drinnen war es ihr unheimlich gewesen, und dann ging sie eilig heim, sehr erleichterten Herzens. Dora war überrascht von ihrer schnellen Rückkehr, doch weder ihr, noch den Dienstboten erzählte Frau Regine, waS sie gethan hatte; nur als sie dem Juspector begegnete, konnte sie sich nicht enthalten, ihm zu sagen: »Schmidtcheu, ich habe heute ein schweres Tagewerk hinter mir und hoffe, es soll unserer Frau zum Segen gereichen."
Am folgenden Morgen wurde Dora gemeldet, daß ein Bote draußen sei, der seine Bestellung nur an sie selber machen wolle. Etwas verwundert ging sie hinaus und empfing einen großen Brief aus den Händen eines Mannes, der, wie er sagte, den Auftrag bekommen habe, ihn abzugeben und dann sofort umzukehren. Er ließ sich auch nickt bewegen auszuruhen, und Dora ging nachdenklich mit dem Schriftstück in das Zimmer. Sie hatte es draußen nicht näher besehen und erschrak nun, alS sie die Handschrift von Scheppwitz erkannte. Ihr erster Gedanke
Befreiung vom Militairdienst beansprucht wird, sich im Musterungstermine ebenfalls einfinden,
3) in den Terminen sich persönlich einzu- finden, oder im F. lle einer Verhinderung dafür zu sorgen, daß der Vicebürgermeister anwesend ist,
4) für die rechtzeitige Gestellung der Militairpflichtigen rc. zum Ersatz-Geschäft Sorge zu tragen und denselben ausdrücklich zu eröffnen, daß sie mit sauberem Körper und reiner Wäsche zu erscheinen haben.
Militairpflichtige, welche ohne genügenden Entschuldigungsgrund im Musterungstermine nicht erscheinen oder bei Ausrufung ihrer Namen im Musterungslokale nicht anwefendfind, werden mit einer Geldstrafe bis zu 30 Mk. oder Haft bis zu I Tagen bestraft; außerdem können ihnen dieVortheile derLoosung entzogen werden. Ist die Versäumniß in böswilliger Absicht oder wiederholt erfolgt, so kaun die alsbaldige Einziehung zum Militairdienst als unsichere Heerespslichtige erfolgen.
Reklamatione« Militairpflichtiger um Zurückstellung bezwse Befreiung vom Militairdienst, oder von Mannschaften der Reserve, Landwehr und Ersatz-Reserve um Zurückstellung im Falle einer Mobilmachung des Heeres, sind schleunigst bei dem betreffenden Ortsvorstände anzubringen, welcher für ordnungsmäßige und vollständige Ausfüllung des vorgeschriebenen, in L. Funkes Buchdruckerei (Gebr. Funk) dahier stets vor- räthigen Fragebogens sorgt., Einer Beifügung von ärztlichen Attesten bedarf es nicht, da — wie fchon erwähnt — diejenigen Personen, (Eltern, Geschwister rc.) zu deren Gunsten eine Zurückstellung rc. vom Militairdienst
war, es ungelesen zurückzuschicken, aber nach längerem Nachdenken that sie es doch nicht, weil ihr einfiel, der Brief könne etwas auf ihren Mann Bezügliches enthalten. So öffnete sie und fand mit Staunen mehrere Bogen eng beschrieben, die sie zu lesen begann. Doch gleich nach den ersten Worten hielt sie mit einem leisen Auf- schrei inne und es kostete ihr Ueberwindung fort, zufahren; als sie es aber that, da färbten sich ihre Wangen, je weiter sie laS, je röther, während ein eigener Schein in ihre Augen trat. Dieser Brief lautete:
»Hochverehrte Frau !
Wenn diese Zeilen in Ihre Hände kommen, bin ich nicht mehr am Leben und daS möge Sie milde stimmen gegen den Mann, der so unend. licheS Leid über Sie gebracht hat. Wie ich letzt in dieser einsamen Nachtstunde mein Leben über- denke, will mir'S scheinen, alS sei so grausam mit mir umgegangen worden, daß mein Elend und meine Sünde mir wie die natürliche Folge davon Vorkommen. Im Begriff, Ihnen meine Reue durch eine umfassende Beichte zu beweisen, möchte ich doch nicht härter von Ihnen beurtheilt werden, alS ich es verdiene, und so treibt eS mich, Ihnen ausführlicher zu erzählen, als gerade nothwendig wäre.
Ich bin hier in Gajellen geboren und verlor
»eine Mutter im ersten Lebensjahre. Mets