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Hklsftldtl Kreisbliltt
Mit wöchmtlicher Hratis-Aeilage „Illustrirtes Anterhaltungsölatt«..
Nr. 40.
Sonnabend den 4. April
1891.
Erstes Blatt.
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auf das
Ker»frU>er Kreisblatt
mit der wSchentttchen «ratts Beilage
»JllnstrirteS Unterhattungsblatt" pro II. Quartal werdeu von alleu Kaiserlichen Postanstalten, Landbriesträgern und von der Expedition angenommen.
Amtliches.
_ „ . Hersfeld, den 28. März 1891. . Der Landwirth George K e h r e 8 zu Petersberg ist heute als Bürgermeister der dastgen Gemeinde auf die Dauer von 8 Zähren eidlich verpflichtet worden.
3062. Der Königliche Landrath Freiherr von Schlein 1 tz.
Hersfeld, den 1. April 1891?
Unter Hinweis auf meine Verfügung vom 3. Dezember 1888 Nr. 12163 (Kreisblatt Nr. 145) erhalten die Herren Ortsvorstände des Kreises hierdurch die Weisung, m dringenden Fällen bei SeuchenauSbrüchen den Kreisryterarzt d lr e ct zu benachrichtigen, damit unliebsame Verzöge- rungen für die Folge vermieden werden.
3071. Der Königliche Landrath __ —___Freiherr von Schletvitz.
Berzelchnitz
Über den Baarinhalt, welcher am 1. April 1891 in den dem Waisenhaus zu Hersfeld gehörigen, in den hiesigen Gasthäusern 2c. befindlichen und
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Aus hohem Pferde.
Roman von Georg Horn.
(Fortsetzung.)
Der Rittmeister war aufgeftanben und schien seine hohe, schlanke Gestalt mit der seines Burschen zu messen. Beider Längemaß war so ziemlich dasselbe — nur der Körper des Barschen etwas voller und ungeschlachter. Nebtcke war darum kein häßlicher Mensch, daS Vergnügen am Leben lachte aus allen Winkeln seines hübschen, runden Gesichts, er hatte sogar in dem Garnison- städtchen seine Versuchungen.
»Nebtcke, ich reise!"
»Ach nee, Herr Rittmeister! Das wäre daS erste Mal, daß ich bet Ihnen bin. Wie freue mir, und erst die janze Schwadron, wenn Sie mal jehen."
»So! Das ist ja recht erbaulich zu hören! Wenn Du Dich so sehr freust, daß ich weggehe, so kannst Du ia miltommen !*
Nebtcke verfärbte sich. Von der Welt hatte er nicht mehr gesehen, als die ebene Ackerfläche zwischen seinem Ackerpflug und der Garnison. Er zitterte vor dem Gedanken, daß die Reise nicht nur über diese Grenze und selbst noch über verl n htuausgeheu sollte - zu wildfremden Wiegen»
zum Einsammeln von Almosen bestimmten Armeu- büchsen vorgefunden wurde:
Im Gasthaus »zum Deutschen HauS" 2 M. 94 Pf.
„ „ »zum Löwen" . . . — » 20 »
» 'Im Vorsaal des Königlichen Amtsgerichts dahier . . - 3 . 98 ,
Summa 7 „ U7 „
Der & Waisenhaus-Verwalter Viel.
Hersfeld, den 2. April 1891.
Wird veröffentlicht.
Der Königliche Landrath Freiherr v o « S ch l e i n t tz.
+Der Stand der Arbeiterbewegung.
Die Generalstrike-Commission hat jüngst in dem socialdemokratischen »Vorwärts" einen allgemeinen Situotionsbericht über die gegenwärtigen Arbeitsverhältnisse erstattet, welcher mit den Worten anhebt: »Di» sämtlichen Ausstände scheinen ihrem Ende en^eM^gehtn." Dre bedeutenderen Ausstände, z. B. der Textilarbeiter in Bühl und Thalheim und der Tabackarbeiter in Hamburg, haben mit einer Niederlage der Arbeiter geendet. Nach Meinung der Commission beweisen die erfolglosen Kämpfe, daß die gegenwärtige Geschäftslage eine so ungünstige sei, daß jeder »von den Arbeitgebern aufgedrungeve" Kampf nur nach reiflichster Ueberlegung und Prüfung aller Verhältnisse ausgenommen werden dürfe, und daß hierbei nicht allein den Neigungen der betroffenen Arbeiter zu folgen sei, sondern auch ändere, nicht direct betheiligte Personen wie Vorstände und Commissionen an den Erwägnngen darüber, ob die Arbeit einzustellen, theilzunehmen haben würden.
In Erkenntniß dieser Sachlage haben in den letzten Wochen zwei socialdemokratische Abgeordnete Auer und Singer in dem westfälischen Kohlen- bezirk, wo man für die neuen in Bochum auf
»Die aber eben so mit dem Bocksattel Bescheid wissen, wie Du."
Der Rittmeister empfand mit seinen Geruchs- nerven, daß Nebtcke allerdings nicht nach den Veilchen von Parma roch, und dem abzuhelfen, fragte er ihn, ob ihm sein blauer Jacketanzug und sein Frack wohl passen würde, und der Bursche beantwortete diese Frage herzhaft bejahend, er habe diese Kleidungsstücke schon öfters probirt, und so propre nehme er sich darin aus, wie sein Herr selbst. Als dieser ihm sagte, daß er die Kleider als eigene betrachten könne, machte er ein so verblüfftes Gesicht, als wüßte er nicht, sollte er daS als eine Strafe oder alS eine Belohnung hinnehmen.
»Dann aber, Herr Rittmeister, werden mich die Schimmelstute, die Selma, und der Wallach, der Leinöl —"
»Lyonel!" rief der Rittmeister berichtigend, »Kerl, geht Dir denn der richtige Name nicht in den Schädel hinein?"
»Nun ja der Lyonel — gar nicht mehr kennen, wenn ich in diesem Zeug in den Stall komme — namentlich der Leinöl —"
Nun kam dem Rittmeister das Lachen. — Ja Rücksicht auf den Passus des Briefes, daß der Bediente nicht nach dem Stalle riechen dürfe, hatte sich ihm sein Herr so großmüthig erzeigt — verbot aber Nebtcke strengstens, die geschenkten
gestellten, jüngst aber von autorisirter Seite im »Reichsauzeiger" zurückgewtesenen Forderungen lebhaft agitirte, sehr entschieden von einem Aus- stand abgerathen und einen solchen für dieses Jahr als gänzlich verfehlt und nutzlos hingestellt. Ob sie hiermit Erfolg gehabt, mag zunächst dahingestellt bleiben; in einem Blatte wurde der- sichert, sie hätten ihre Rundreise im westfälischen Kohlenrevier rasch beendet, weil ihnen seitens der Bergarbeiter zu verstehen gegeben worden sei, es sei nicht wünschenswerth, daß Nicht-Bergarbeiter sich in ihre Verhältnisse hineinmischen. Gleich- wohl fehlt es nicht an Kundgebungen unter den Bergarbeitern, welche sich gegen eine allgemeine Arbeitseinstellung in diesem Frühjahr erklären. Im Saar-Kohlenrevier wurde gegen die Absicht eines Massenstrikes von den treuen und Vater- landsliebenden Bergarbeitern Protest erhoben. Von derselben Seite ist ebenso wie im westfälischen Kohlenrevier auch gegen die Beschickung des Pariser internationalen Ber arbriter-Congresses, welcher einen ivternauoval., Bergarbeiter-Aus- stand einzuletten und durchzuführen beabsichtigt, widersprochen worden. Dieser Congreß ist nun am 31. März in Paris zusammengetreten und auch von deutscher Seite beschickt worden. Aber dennoch scheint in den deutschen Kohlenbezirken das Vertrauen zu den Beschlüssen des CongreffeS nicht eben groß zu sein. Nach einer Mittheilung der Rhein. Wests. Ztg. aus Dortmund ist der Centralvorstand der deutschen Bergarbeiter in den letzten Tagen ungemein thätig im Abwtegeln gewesen; schon jetzt könne man mit mathematischer Sicherheit behaupten, daß die Beschlüsse jenes CongreffeS in Deutschland vollständig verpuffen würden und daß eS nicht einmal zu partiellen StrikeS kommen werde. Diese Wendung führt sich auf die mangelnde Opferbereitwilligkeit zurück, die sich bei einem kleinen Strike herausgestellt hat: es waren nur wenige Mark zur Unterstützung der Kameraden eingekommen, was üble Aussichten
Kleiber vor der Abreise zu tragen.
Hier wird es nöthig sein, daß wir uns etwas eingehender mit dem geistigen National unsere- Rittmeisters beschäftigen. Von seiner Familie lebten noch die jüngste Schwester seines Vater-, die Gräfin — Stiftsdame, fein Vater war der älteste der Familie, so daß also zwischen Gebhard und Comtesse Armgard nur ein Altersunterschied von etwa zehn Jahren bestand. Dann war noch ein älterer Oheim am Leben, Onkel Fritz, mit einer sehr unliebsamen Gefährtin, der Gicht begabt, aber gleicher Weise wie Armgard unver- hetrathet. Er war früher Militär gewesen und lebte in einer kleinen Stadt. Beide Geschwister waren die einzigen Erben des Vermögens vom Großvater Gedhards. Dessen Vater, der älteste der Familie, war enterbt worden, mit dem Vorbehalte jedoch, daß Gebhard einst in den Genuß des gräflichen Vermögens kommen sollte, wenn er sich auf seinem Lebenswege von Tante Armgard und Oheim Fritz willig leiten ließe; ihren Weisungen in allen Dingen Gehorsam leistete. Warum er eigentlich unter diese Vormundschaft gestellt wurde, das hatte er nie erfahren können, auch nicht den Grund, aus dem sein Vater im Testamente des Großvaters so ungleich mit den andern Geschwistern bedacht worden war. Die Mutter war ihm gestorben, einige Tage ehe er zur Konfirmation gehen sollte und dann war bis