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Nr. 48. Donnerstag den 23. April = M1.
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Hersfelder Kreisblatt mit der wöchentlichen «ratt- Beilage ^Illustrirtes Unterhaltungsvlatt" rro Mai und Iuni werden von allen Kaiser' wichen Postanstalten, Landbriefträgern und von Der Expedition angenommen.
Amtliches.
Hersfeld, den 20. April 1891.
Sie am 24. Mai 1863 zu Unterhann geborene Martha Elisabeth Caroline Gonnermanu von Kalkobes hat um Ertheiluvg eines Reisepasses behufs Auswanderung nach Amerika nach- ßefu$t.
3998. Der Königliche Landrath.
Ja Vertretung:
H e e g, Kreissekretair.
Aus dem Reichstage.
Berlin, 20. April. In der heutigen (104.) Plenarsitzung des Reichstags führte Präsident v. L c ve tz o w, der einige Tage durch Herserkeit daran verhindert war, wieder selbst das Präsidium. Die Bänke des Hauses waren, wenigstens beim Beginn der Sitzung, sehr mäßig besetzt. In der Sitzung am Sonnabend war der N o r m a l a r d c i t S t a g für die Fabrikarbeiterinnen über 16 Jahre -c. beschlossen, heute kamen die U e b e r z e i tbrwiMgungen, also die Ausnahmen zur Verhandlung, welche den elsstündigen Maximal- arbeitStag und das Verbot der Nachtarbeit erleiden sollen, um den wechselnden Bedürfnissen der Industrie für Zeiten außergewöhnlicher Nachfrage zu genügen. § 138a ermächtigt die untere Verwaltungsbehörde, wegen ungewöhnlicher Hänfung der Arbeit die Ausdehnung der täglichen Arbeitszeit der Arbeiterinnen während 14 Tagen bis auf dreizehn Stunden zuzulassen. Diese Erlaubniß soll aber einem Arbeitgeber nicht für mehr als 40 Tage im Jahre ertheilt werden; die Socialdemokraten beantragen die Streichung des § 138a,
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
j Auf hohem Pferde.
Roman von Georg Horn.
1 (Fortsetzung.)
»Nach diesem bringt, wie gesagt," fuhr Taute Armgard fort, »keiner von uns das Heirathen mehr fertig; es ist das wie ein dunkler Naturtrieb der Familie. Das wußte Dein Vater, der jünger als Onkel Fritz war, und trat darum mit seiner Vermählung mit Deiner Mutter gleichsam in die Familienpflicht für ihn ein. Eine gleiche Nothwendigkeit ergiebt sich auch für Dich. Sie wird dringender mit jedem Tage und so habe ich denn
Tante Armgard nahm aus ihrem Arbeitskorb ein eleganter, kleines Notizbuch, das sie dem Neffen übergab.
»Hier findest Du sechszehn junge Damen verzeichnet, die für Deine künftige Frau in Betracht kommen könnten."
»Und die soll Ich Alle hetrathen?"
»Bitte, ernsthaft mein Junge, denn die Sache st sehr ernst. Es sind vier Comtessen darunter."
»Und nicht auch eine Prinzessin?"
I , »Wie kommst Du daraus?" frug die Comtetz 1 hren Neffen, indem sie ihn mit prüfendem Blicke ansah. »Oder solltest Du von Onkel Fritz vielleicht Wisien?"
»Ich weiß nicht, was Du meinst, Tantcheu."
»Lassen, lassen wir das, Gebhard! Ich beschwöre Dich, nimm die Sache nicht leichtfertig! Bedenke, wer auf dem Spiele steht. Da giebst mir die Ruhe meiner Seele wieder. Wenn Du meine schlaflosen Nächte kenntest — meine Angst —"
»Nur nicht weinen, Tantchen, sonst laufe ich davon."
Aber eher kam er nicht los, als bis er seiner Tante versprochen hatte, die Sache in die ernst- liebste Constderation zu ziehen. Er hatte jetzt sechzehn junge Damen in der Tasche — aber vielleicht eine ganz Andere im Kopfe.
Am Abend hatte Gebhard mit Armgard einen Spaziergang nach einem der nächitgeleaenen schönen Punkte, der Klamm, gemacht. Beim Nach- Hausekommen wollte es ihnen bedünken, daß im Hause eine gewisse Bewegung herrsche. Die Fenster in der zweiten Hälfte der ersten Etage, neben denen seiner Tante standen offen — man hörte im Innern des Hauses Stimmen durcheinander und als die beiden Spaziergänger vor dem Hause anlangten, kam ihnen der Wirth mit der Ankündigung entgegen, daß vor einer halben Stunde die Herrschaft aus Frankfurt a. M. ein» getroffen sei — »eine feine Herrschaft."
»Ich wünsche nur eine ruhige Nachbarschaft," war die Antwort der Gräfin.
eventuell wollen sie nur eine einstündige statt der zweistündigen Ueberzeit bewilligen. Nach kurzer Debatte, an welcher sich die Abgg. Singer, Wöllmer, Möller betheiligt, wurde § 138a unverändert nach den CommissionS- bcschlüsscn angenommen. — §. 139a ermächtigt u. A. den BundeSrath, für diejenigen Fabriken, welche mit ununter- brochenem Feuer betrieben werden, oder welche sonst durch die Art deS Betriebes auf eine regelmäßige Tag- und Nachtarbeit angewiesen sind, sowie für solche Fabriken, deren Betrieb eine Eintheilung in regelmäßige ArbeitSschichten von gleicher Dauer nicht gestattet oder seiner Natur nach auf bestimmte Jahreszeiten beschränkt ist, die zehnstündige, durch eine einstündige Pause unterbrochene Nachtarbeit der Arbeiterinnen und jugendlichen Personen zu gestatten. Die durch BundeSralhSbeschluß getroffenen Bestimmungen sollen zeitlich begrenzt und nur für gewisse Bezirke erlassen, auch dem Reichstage in der nächsten Session zur Kenntnißnahme vorgelegt werden. Die Socialdemokraten beantragen Streichung der dem BundeSrath einzuräumenden Befugnisse, während ein Antrag G u t f l e i s ch und Gen. für gewisse Fabrikzweige die Abänderung oder den Wegsall der für jugendliche Arbeiter vorgeschriebenen Pause gestatten will. Bei der Abstimmung wurde 8 139a in der Fassung der CommissionS- bcschlüsse mit den Eompromihanträgen deS Abg. Dr. G u t - sleisch und Genossen angenommen. — ES folgte § 139b, welcher von der Aufsicht handelt. Der Absatz 2 dieses Paragraphen lautet! „Die Ordnung der ZuständigkeitSver« Hältnisse zwischen diesen Beamten (sc. Fabrikinspectorenl und den ordentlichen Polizeibehörden bleibt der verfassungsmäßigen Regelung in den einzelnen Bundesstaaten vorbehalten. Die Socialdemokraten beantragen, hier die Worte: in den einzelnen BundeSstaaten zu ersetzen durch die Worte: „Durch das Reich". Abg. Dr. Hirsch, der die Wichtigkeit dieses Paragraphen betont, erklärt sich ebenfalls für die einheitliche Regelung dieser Frage im Reiche.
Wotitische Wachrichten.
Am Dienstag Vormittag arbeitete S e. M a - jestät der Kaiser zunächst kurze Zeit allein und begab sich darauf vom Schlöffe aus zu Wagen nach der Kaserne des 1. Garde-Dragonerregiments, woselbst Allerhöchstderselbe mit seiner Umgebung zu Pferde stieg, um demnächst auf dem Exercier
platze an der Tempelhofer Chaussee hinter dem Kreuzberge dem dort stattfindenden Bataillons- exercieren beizuwohnen. — Um 10 Uhr kehrte S^ Majestät mit den Herren seiner Umgebung auf demselben Wege wieder nach dem Schlöffe zurück und nahm dort bald darauf die Vortrage des commandirenden Admirals, Piceadmirals Frhru. v. d. Goltz, des Staalsseeretairs deS Rerchs- Marineamtes, Contre-Admirals Hollmann, und des Chefs des Reichs-Marineamtes, CaprtainS zur See Freiherrn von Sendeu-Bibran, entgegen. — Demnächst arbeitete Se. MajMt dauu noch einige Zeit mit dem Chef des Militaircabinets und nahm später einige militärische Meldungen entgegen.
Die großen FrühjahrSpareben deS Gardecorps finden — wie die »N. A.Z." hört — am Freitag den 29. Mai auf dem Tewpelhofer Felde und am Sonnabend den 30. Mai aus dem Lustgarten zu Potsdam statt.
Nach Abhaltung von vier Sitzungen hat fich der Siebener-Ausschuß zur Berathung der Reform des höheren Schulwesens bis Ende Mai vertagt. Die Gutachten über die Lehrpläne rc. waren an mehrere Referenten, welche dem Ausschuß darüber berichtet haben, vertheilt. Die Referenten werden, nach der »Voff. Ztg.", nunmehr für die Commission einen schriftlichen Bericht über die wetteren Vorschläge au der Haud der Gutachten erstatten. Dieser Bericht gehe dann an den Minister. An den jetzigen Berathungen hätten weder der Minister noch sein General- referent Geheimer Rath Stander thetlgeuommeu. Der Minister habe indessen die Mitglieder der Commission empfangen und den Bericht über den Stand der Arbeiten entgegeugeuommen. Die Arbeiten der Commission zu Ende des künftige» Monats würden dagegen unter Theilnahme des Ministers abgewickelt. Anfangs Juni sollen alsdann die mehrfach erwähnten Reisen verschiedener
Als sie eben in das Haus eintreten wollleu, tarnen eine Dame und ein Herr auS dem Dunkel deS tiefen HauSganges.
Es waren Herr und Madame de Louvain.
Gebhard grüßte die Dame mit einer tiefen Verbeugung, indem er mit einer rapiden Bewegung den Hut vom Kopfe nahm.
»Du kennnst sie?" frug die Comtesse ihren ^a'- ich bin eine Strecke mit ihnen gefahren," war besten Antwort, »und Höflichkeit ziert den Jüngling wie den Greis."
Also keine Elsasier — sagte sich Gebhard. Der Dialekt des älteren Herrn hatte ihn zu dieser Annahme verleitet. Er hätte gern noch Näheres erfahren, aber die neuen Gäste ließen st» den ganzen Abend nicht sehen und auch der Wirth entglitt seinen Nachforschungen, wenn auch nicht absichtlich. Am nächsten Tage promentrte Ged- Hard nun unter ihren Fenstern — sie waren ge- öffnet. Er hörte daraus wieder die Stimme des ältern Herrn, dazwischen tu kurzen Absätzen die der Dame. ES schlug ihm das Herz wieder wie int Eisenbabncovps. Da wurde er seinen Beobachtungen durch die Comtesse entzogen, die seine Begleitung für einen Spaziergang in Anspruch nahm Gebhard fand, daß die Sonne heute besonders scharf brenne, daß sie trotz des großen BasthuteS, mit dem die Laote ihren weißen Teint