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Mit wöchentlicher Kratis-WeilageIllustrirtes Nuterhaltnugsblatt-.

Nr. 50.

Dienstag den 28. April

1891

Bestellungen auf das

Hersfetder Kreisblatt mit der wöchentliche« Gratis Beilage wJllustrirtes Unterhattungsblatt" pro Mai und Juni werden von allen Kaiser' lieben Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtliches.

Der RegierungS-Baumeister Hugo Wedel zu Wiesbaden, welcher widerruflich mit der Wahr- nehmuvg der Geschäfte eines Äsststenten des Ge- werberaths in der Provinz Hesseu-Naffau beauf» tragt ist, hat seinen Dienst angetreten.

Caffel, am 8. April 1891. De^Regierungs-Präsidevt. I. B.: v. Pawel. L " Hersfeld, den 25. April 1891.

Auf die in dem Regierungs-Amtsblatte für 1890/91 aus Seite 66/67 veröffentlichte Bekannt» machung der Königlichen Hauptverwaltung der Staatsschulden vom 4. April er., betreffend das Preußische Staatsschuldbuch, wird hierdurch be­sonders aufmerksam gemacht.

4088. Der Königliche Laudrath.

Ja Vertretung:

H e e g, Kreissekretair.

Hersfeld, den 24. April 1891,

Maßregeln zur Verhütung der Lungen­schwindsucht.

Die schlimmste und wett verbreitetste Krankheit, die es giebt, ist die sogenannte Lungenschwindsucht. Der siebente Theil der Menschen st t r b t a n i h r, ein erschreckender Proceutsatz,

(Unbefugter Nachdruck »erboten.) Auf hohem Pferde.

Roman von Georg Horn.

(Fortsetzung.)

Unterdeß aber wirkte Vera's Zauber in Geb» hard fort. Wohl sonnte er bemerken, daß sie seine Empfindungen verstehe und nicht abweise. Davon überzeugte ihn die Art und Weise ihres Grüßens, die Geneigtheit, die aus ihren kurzen Conversattonen sprach, denn längere waren bei dem wachsamen Auge der Tante nicht möglich. Diese schien etwas zu ahnen, und darum suchte sie jedes Zusammensein des Neffen mit den An­wohnern abzuwenden. DaS schien auch Vera zu bemerken und an einem der nächsten Morgen er­eignete sich Folgendes: Auf dem Vorplätze waren, wie bereits bemerkt, offene Lauben angebracht, eine in der Mitte etwas vorgeschoben, die andern beiden zur Seite etwas zurück. Die in Mitten hat" die Comtesse in Beschlag genommen die zur rechten Seite von ihr Vera mit ihrem Oheim.

Sie frühstückten dort nahmen ihren Nach- mMagSkaffee, auch manchmal ihr Abendessen. Aber absichtlich kam die Comtesse nicht herab, wenn d e Frankfurter da saßen. Madlon mußte es ihr immer melden, wenn sie ihren Platz ver- lassen hatten, bann kam sie. Aber an diesem Morgen war ihre Stunde schon längst vorüber,

sie erschienen nicht, die Vermuthung lag nahe, daß sie einen Morgenspaziergang in die Berge gemacht hatten und in dieser Annahme befahl sie Madlon, ihr das Frühstück zu serviren und es ihrem Neffen zu melden. Beide saßen bei ihrem Thee. Gebhard einsilbig zerstreut. Nun brächte der Wirth das Frühstück in die andere Laube und gleich darauf erschien Vera in lichtem Sommerkleide schöner denn je und nach ihren Schritten und Mienen zu schließen, angehaucht von der rosigsten Laune. Die Com­tesse wurde unruhig, rückte auf ihrem Stuhl hin und her die Schelmin schien das zu bemerken.

Armgard richtete an ihren Missen die Frage, ob er gute Nachricht von Hause habe.

»Leider nicht, liebe Tante, mein zweiter Bursche, der bei den Pferden zurückgeblieben ist, schreibt mir, daß meine Fuchsstute ein Ueberbein be­kommen."

»Nun, das wird mit Gottes Hilfe auch wieder Weggehen."

»Ach, Tante, wenn sich unser lieber Gott auch noch um die Ueberbeine der Pferde bekümmern sollte! Er hat schon mit uns störrischen Menschen genug zu thuu."

Da kam vom nächsten Tisch ein Helles Lachen von Vera und Armgard fand das sehr unpassend, daß diese über etwas zu lachen sich unterfing, was sie gar nicht anging. Und nun erkühnte Jene

wie er bei keiner anderen Krankheit beobachtet wird. Sie kommt in jedem Theile der Erde vor, im Norden und Süden, im Osten wie im Westen. In einzelnen Gegenden ist sie häufiger, in anderen seltener; am schlimmsten tritt sie da auf, wo die Menschen dicht zusammenwohnen, also namentlich in den großen Städten.

Die Ursache der Krankheit ist ein von Professor Koch in Berlin entdeckter ganz kleiner Pilz, der nur nach vorausgegangener künstlicher Färbung mit bedeutenden Vergrößerungsgläsern erkannt werden kann, der sogenannte Tuberkel» baccillus. Derselbe ist in der Lunge der Schwindsüchtigen und vor Allem auch in dem Auswurfe derselben. Hauptsächlich durch den letzteren findet die Uebertragung des Pilzes auf bisher gesunde Menschen statt und zwar vor» wiegend durch den getrockneten zerstäubten Aus­wurf.

So viel nun auch in letzterer Zeit die Hoff» nung der Schwindsüchtigen c<f Genesung durch eine zweite Entdeckung Koch's, die sogenannte Tuberkellympfe, welche unter die Haut gespritzt wird, gestiegen ist, so ist es doch ein noch viel dankbareres Feld, die Menschen vor der Schwind­sucht zu bewahren. Dies Letztere wird vor Allem durch Unschädlichmachung des Aus­wurfes der Schwindsüchtigen erreicht. Das sicherste Mittel wäre, denselben sofort zu verbrennen; dies läßt sich aber in Wirklichkeit nicht ausführen. Ein sehr zuverlässiges Mittel, das sich auch ausführen läßt, besteht aber darin, daß der Auswurf stets feucht gehalten wird. Da Niemand ohne genaue Untersuchung weiß, ob in seinem Auswurf nicht vielleicht Tuberkel- baccillen sind, so soll ein jeder, der Auswurf hat, in mit Wasser gefüllte Spucknäpfe ausspeien, die nachher tu nasse Tonnen, Aborte u. s. w. entleert werden. Durch chemische Mittel ist eine Zerstörung der TuberkUbaccillen im Auswurfe

nicht möglich; das einzige sichere Mittel wäre Kochen, dies ist aber zu umständlich.

Es sollen deswegen in allen öffentlichen Lokalen mit Wasser gefüllte Spucknäpfe aufgestellt werden, welche dem Publikum hiermit zur Benutzuug bestens empfohlen werden. Ferner soll daS Kehren der Straßen und Zimmer ohne vorherige gründliche Begießung streng verboten werden.

Bei strenger Befolgung dieser Maßregeln ist mit Sicherheit zu erwarten, daß der schlimmste Würgengel, die Luugeuschwivdsncht, erheblich abnimmt.

Also nicht auf die Erde spucken, sondern in die mit Wasser gefüllten Spucknäpfe!

Zum Ableben des Grafen Mollle.

In der Nacht zum 25. d. M. hat sich ein welthistorisches Ereigniß vollzogen: der Feld­marschall Graf Helmuth von Moltke ist, wie wir schon durch Extrablatt meldeten, plötzlich am Herzschlag gestorben.

G r a f M o l t k e, eines der pflichteifrigsten und pünktlichsten Mitglieder unserer Parlamente, wohnte noch am Freitag der Sitzung im Herren- Hause bis zum Schlüsse bei, während welcher er mit vielen Mitgliedern des hohen Hauses iu an­gelegtester Weise converfirte. Alsdann machte der General-Feldmarschall seine gewohnte Spazier­fahrt in den Thiergarten, an welche er, wie eben­falls seine Gewohnheit bet günstigem Wetter gewesen, eine Fußpromenade auschloß. Um 5 Uhr kehrte Graf Moltke allein und zu Fuß in seine Wohnung zurück und verzehrte dann später mit bestem Appetit sein Abendbrot. Auf des Grafen Wunsch mustcirten alsdann die anwesende» Familienmitglieder, von denen er sich gern anf dem Flügel Vorspielen ließ. Sodann wurde daS ebenfalls zu den täglichen Lebensgewohnheiten deS

sich, sogar herüberzusprechen.

-Ja, Graf Winbscheid, so ein Gebrechen kau» doch oft sehr geniren. Ich kenne das von meiner

_WaS gnädiges Fräulein Sie retten?* wendete sich Gebhard nach der Sprecherin um.

»Mit Passion! Ich berausche mich nicht tn Oelsarbe, ich spiele nicht Lawu-Tennis, aber ich bin Abonnentin in unserm Tattersall und in Hannover - in einer Pension erzogen."

Letzteres sagte sie mit so viel schelmischer Grazie, daß es auf Gebhard seine Wirkung nicht versagte.

»Dort war ich auf der Reitschule," versetzte er und stellte dann seinen Gartenstuhl so, daß er die halbe Front nach beiden Damen hatte. »Brillanter Aufenthalt! Meine Universitätsjahre auf dem Pferde. Sie sprachen von einer Schimmelstute, mein gnädiges Fräulein*

»Gebhard, ist unter den angekommenen Briefe» nicht einer von Onkel Fritz?"

Die Comtesse sprach diese Worte sehr laut, so daß ihre Absicht, die Unterhaltung mit Vera ab- zubrechen, unvertennBar war.

»Ja wohl, liebe Taute, ich vergaß nur, eS Dir zu sagen."

Und nun wandte er sich wieder nach dem Mädchen, um nähere Auskunft über daS Pferd zu haben.