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Herssel-el Kreislillltt.

__________Mit wöchentlicher Kratis-AeilageIllustrirtes Nuterhaltungsölatt".__________

Nr. 65. Dienstag den 2. Juni 1891.

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auf das

Hersfelder Kreisblatt mit der Wöchertttiche» «ratir»eilaae

^Jllustrirte- UnterhattungSblatt" pro Iuni werden von allen Kaiserlichen Post- anstalten, Landbriefträgeru und von der Expe­dition angenommen.

Amtliches.

Hersfeld, den 22. Mai 1891.

Der Wilhelm Voigt zu Obergeis ist heute als Bürgermeister der dastaen Gemeinde auf die Dauer von 8 Jahren verpflichtet worden.

5238. Der Königliche Landrath _______________Freiherr von Schleinitz.

Hersfeld, den 29. Mai 18917

Diejenigen Herren Ortsvorstände des hiesigen Kreises, welche mit Einzahlung der Kosten für Anfertigung der Abschriften der Verzeichnisse der landwirthschaftlicken Betriebsunternehmer rc. noch im Rückstände sind, werden hieran mit F r i st bis zum 4. I u n i d. I. erinnert.

A. Nr. 434. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz.

Hersfeld, den 1. Juni 1891.

Die Herren Bürgermeister der Landgemeinden des Kreises werden hierdurch angewiesen, alsbald einen Plakat-Fahrplan über die Züge auf den der Königlichen Eisenbabn-Direction zu Frank- furt a. M. unterstellten Eisenbahnen dahier ab» holen zu lassen, welcher an einer geeigneten Stelle, im Wirthshaus oder wo es sonst paffend erscheint, zugänglich auszuhängen ist.

Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz.

Auf hohem Pferde.

Roman von Georg Horn.

(Fortsetzung.)

»Begreifen Sie nun meinen Abscheu und meine Entrüstung, als er mir statt meiner reizenden englischen Stute hierher gebracht wurde? Kitiy steigt wie eine Biene und dieser hier Sehen Sie nur den stupidem Kopf und wie marklos er ihn trägt."

»Der Gaul hat es, wie manche Menschen, in sich, die mit gesenktem Haupte einhergehen und sich innerlich doch bäumen," meinte der Graf.

»Bäumen der!" versetzte Vera mit Lachen. »Das ist gar kein Pferd - das ist eine Kuh."

»Na na mein gnädiges Fräulein," sagte Gebhard, indem er um das Pferd herumging und diese« mit Kennerblick betrachtete. »Aller­dings scheint der Stammvater JncognitoT nicht den Hochflächen Arabiens entstammt zu sein, aber ich möchte doch nicht Jedem rathen, sich dem Rosse anzuvertrauen."

Vera zuckte die Schultern und sagte:

»Das wäre ihm auch zu viel Ehre angethan."

»Hier handelt es sich vor Allem um die Courage, gnädigstes Fräulein."

»In einer Stunde reite ich Ihnen das Pferd vor, Herr Graf."

»Ich muß gestehen, dazu gehört Muth. Das

AuS dem Abgeordnetenhaus-.

Berlin, 29.Mai. Im Verlaufe der heutigen Sitzung deSAb- geordnetenHauses wurde der Etat des Ministeriums des Innern, sowie der Etat der landwirthschaftlichen Verwaltung, bei dem einige Specialpunkte zur Erörterung kamen, ferner der Etat der Gestütsverwaltung erledigt. Schließlich folgte der Etat des Kultusministeriums. Abg. Dr. Dürre befürwortete die bessere Dotirung der Gymnasiallehrer. Kultusminister Graf von Zedlitz-Trützschler erwiderte, daß er hoffe, betreffs der besseren Dotirung der qu. Lehrer im nächsten Jahre eine Vorlage machen zu können. Die AScensionSver- Hältnisse könnten erst nach endgültiger Feststellung der Gi- Halttverhältnisse geregelt werden, der Gleichstellung aber der Lehrer an den verschiedenen staatlichen und nichtstaatlichen Voll- und anderen Anstalten ständen doch Bedenken entgegen. Abg. Knörcke beklagte, daß der Herr Minister kürzlich den VolkSschullehrern den Urlaub zur Theilnahme an der Lehrer­versammlung in Mannheim verweigert habe. Kultusminister Graf Zedlitz-Trützschler konstatirt, daß bereits nahezu ein Drittel des ganzen Jahres, fast 120 Tage schulfrei seien, und daß er es daher sür seine Pflicht erkennen müsse, die noch weitere Ausdehnung der schulfreien Tage zu ver­hindern. Ein Gegner der Lehrerversammlungen sei er keines­wegs, wenn er auch nicht von der weltüberwindenden Macht der auf diesen Versammlungen gehaltenen Reden durch­drungen sei. Er sei aber überzeugt, daß da, wo nöthig, aus dem gesunden Sinne der Lehrer selbst die Reaction hervorgehen werde. Abg. Rickert hält dafür, daß bei Verkürzung der Sommerferien und Verlängerung der Pfingstferien der Besuch der qu. Versammlungen sich den Lehrern ohne Urlaub wohl ermöglichen lasse. Schließlich trug Abg. von Strombeck verschiedene Wünsche vor, deren Erfüllung die CentrumSfraction für das nächste Jahr entgegensieht. Nachdem noch dieser Specialetat erledigt, wurde der Etat und das EtatS- gesetz definitiv genehmigt.

Berlin, 31. Mai. Da« Abgeordnetenhaus nahm in seiner heutigen Sitzung den Gesetzentwurf betr. die Erweiterung, Vervollständigung upb bessere Ausrüstung des StaatSeisen- bahnnetzeS in zweiter Berathung nach den CommissionSanträgen unverändert in der Fassung der Vorlage an.

Wolitifche Nachrichten.

Nach achttägigem Aufenthalte in der Waldein­samkeit von Prökelwitz ist S e. Majestät der Kaiser ant Donnerstag Abend nach PotSdam zurückgekehrt.

Thier scheint sehr heftig zu sein Beine wie von Stahl. Allerdings kein Blender, aber nicht leicht zu behandeln.

»Ich möchte Ihnen das Gegentheil zeigen, daß ich spielend mit ihm fertig werde. In einer Stunde, wenn ich Sie zu diesem Schauspiel ein» laben darf, Graf Wiudschetd."

»Ich werde nicht verfehlen."

Vera rief nach einem der Fenster hinauf den Namen ihrer Zofe, diese erschien und vernahm den Befehl ihrer Herrin, das Reitkleid bereit zu halten an Tom ging die Weisung, zu der- selben Zeit den Damensattel aufzulegen.

Als eine Stunde später Vera im Reitcostüm erschien, mußte sich Gebhard allerdings sagen, daß man Mühe gehabt hätte, mehr Grazie, mehr Eleganz, mehr Chic in einer weiblichen Erschei­nung verkörpert zu finden, als diese Vera in ihrem Reitcostüme vereinigte. Ein graues, kurzes Reitkleid die Taille prall anliegend wie ein Schuppenpanzer, zurückliegende Klappen, eine roth und weiß gestreifte Binde um den weißen auf­stehenden Kragen, ein kleiner grauer Filzhut mit grauer gekräußelter Feder und unter dem Saume des Kleides hervor der tadelloseste schwarze Lackstiefel. Das aschblonde Haar war unter dem Hütchen hoch ausgenommen. Wohl bemerkte Vera den Eindruck, den ihre Erscheinung auf den Grafen hervorbrachte eines Momentes

Die am Freitag stattgefundene Parade der Berliner Garnison auf dem Tempelhofer Felde nahm einen glänzenden Verlauf. Befehligt wurde dieselbe vom Commandeur des Gardecorps, General der Infanterie von Meerscheidt-Hülleffem.

Se. Majestät der Kaiser, in der Uniform des Garde-Cürasfier-Regiments, ritt, begleitet von Ihrer Majestät der Kaiserin, welche den weißen Spencer Ihres Cürasfier-Regiments trug beide Majestäten auf Rappen die Front mit großem Gefolge ab. Hierauf nahmen die Allerhöchsten Herrschaften Aufstellung unter der historischen Pappel und es erfolgte der zweimalige Vorbei­marsch der Truppen zuerst in Compagnie- sodann in Regimeutscolonue, die Cavallerie beim zweiten Male im Trabe. Der Kaiser führte beide Male die Gardecürasstere, Prinz Albreckt die ersten Gardedragoner der Kaiserin vor. Nach der Pa­rade hielt Se. Majestät der Kaiser eine lobende Kritik ab, während Ihre Majestät die Kaiserin, gefolgt von den Prinzessinnen zu Wagen, zu- rückritt.

Am Sonnabend Morgen erledigte S e. M a j e - stät der Kaiser zunächst Regierunasanae- legeuhriten. Gegen 9/4 Uhr stieg Se. Majestät mit den Flügeladjutanten vom Dienst am Neuen Palais zu Pferde und begab sich von dort aus nach Potsdam, um im Lustgarten daselbst über die in Potsdam garnisontrenden Regimenter des Gardecorps die große Frühjahrsparade abzu- halten. Auch Ihre Majestät die Kaiserin, in Begleitung ihrer Hofdamen und der ältesten kaiserlichen Prinzen, hatte sich bald darauf, nach­dem Se. Majestät der Kaiser vom Neuen Palais abgeritten, von dort um halb 10 Uhr zu Wagen nach dem Potsdamer Stadtschloffe begehen, um der Parade von den Fenstern des Schlöffe« bei» zuwohnen. Auch die königlichen Prinzessinnen wohnten dem militairischen Schauspiele vou den Fenstern des Stadtschloffes aus bei, während die königlichen Prinzen, die Fürstlichkeiten und die Militärbevollmächtigten sich der kaiserlichen

Länge ging über ihre Züge der Ausdruck innerer Befriedigung und triumphirender Sicherheit, als wollte sie sagen: Nun will ich eS Dir zeigen nun sollst Du mich bewundern nun werfe ich Dir die Zügel über, daß Du dann die Candare fühlen sollst. So bestieg Vera den ver­abscheuten Jacognito. Beim Aufsteigen war ihr Gebhard behilflich. Als Reitplatz diente ein Rasengrund hinter dem Pensionshause, er hatte einen Ausgang nach der Chauffee, die von der Ebene herauf in das Gebirge führte. Nicht weit davon breitete der Lindenbaum seine Aeste. Gebhard? Blicke streiften im Momente das Plätz­chen, wo er Claudine zum ersten Male nahe ge­treten war und seine Gedanken gingen zwischen ihrem stillen, hohen weiblichen Wesen und dieser brillanten Erscheinung da auf hohem Pferde bin und her. Siegessicher saß Vera im Sattel. Wie schön sie war und graziös wollte Gebhard erst jetzt so recht erscheinen. WaS für ihre Ge-, schlecktSaenosstnnen die Nadel die Feder der Pinsel, war für sie die Reitpeitsche, diese leichte, elegante Gerte, an deren Ende ein Brillant umgeben vou Rubinen blitzte. Sie spielte damit, wie mit einer Daunenflocke und berührte nur sehr wenig den Gaul. Dieser blieb ruhig, ging erst im Schritt, dann im Trab ganz gut. Da kam den Berg herauf eine Procession, mit Gesang und Musik, mit rothen Kircheufahnen, begleitet