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Hersstl-tr irrisllitt.

__________Mit wöchentlicher Hratis-AeilageIllustrirtes Nuterhaltuugsblatt".__________

Rr. 67. Sonnabeud den 6. Juni 1891.

Erstes Blatt.

Amtliches.

Des Kaisers und Königs Majestät haben geneh­migt, daß mittellosen Kranken, sowie nötigenfalls je einem Begleiter zum Zwecke der Aufnahme in öffentliche Kliniken und öffentliche Krankenhäuser bei den Reisen nach und von den Heilanstalten eine Fahrpreisermäßigung auf den Staatseisenbahnen dadurch gewährt werde, daß bei der Benutzung der dritten Wagenclasse der Militairfahrpreis erhoben wird.

Als öffentliche Anstalten in vorstehendem Sinne kommen in Betracht: Universitäts-Kliniken, staat­liche, provinzielle, Kreis- und Gemeinde.Kranken­häuser, öffentliche Entbindungsanstalten, Kranken­häuser von Ordens- und Religions-Gesellschaften und derartige auf milden Stiftungen beruhenden Institute.

Die Fahrkarten sind von den Ausgabestellen, nachdem sie zuvor mit handschriftlichem Vermerk versehen worden, denjenigen Personen zu verab­folgen, welche Nachweisen:

1) ihre Mittellosigkeit durch eine Bescheinigung der Ortsbehörde, in welcher zugleich zu be­stätigen ist, daß nach Maßgabe der Reichs- gesetze über die Kranken- und Unfallversiche­rung die Fürsorge anderer Verpflichteter nicht eintritt;

2) ihre bevorstehende Aufnahme in eine Heil­anstalt durch eine Bescheinigung der Letzteren, oder wenn solche in dringenden Fällen nicht sogleich beizubringen ist des behan­delnden Arztes über die Nothwendigkeit der Aufnahme in eine Heilanstalt.

Der für die Ueberführung eines Kranken zur oder von der öffentlichen Heilanstalt etwa noth­

Mf hohem Pferde.

Roman von Georg Horn.

(Fortsetzung.)

Vordem war für Gebhard dieser Mr. Bristol ohne jegliches Interesse gewesen, auch nachdem die Tante das Jncognito gelüftet und ihm ver­traut hatte, wie sie durch die goldene Cigaretten- dose hinter das Geheimniß gekommen war. Ob dieser Mann Mr. Bristol oder Fürst Pleyen war für ihn einerlei. Nun war die Sachlage plötzlich eine andere geworden. Der Rittmeister hatte nach dem Abend eine schlaflose Nacht ver­bracht. Wenn jener wirklich der Fürst war, wozu die Tarnkappe über seine Persönlichkeit. Sollte es absichtlich geschehen, um das ahnungs­lose Mädchen in eine Falle zu locken? Die Zu­sammenkunft Claudinens mit dem Manne hatte allen Anschein der Heimlichkeit. Und in welchem Verhältnisse stand sie zu ihm? Vor Gebhards Geiste war Claudine von einer Atmosphäre sitt­licher Reinheit umgeben, daß es ihm eine sünde an ihr dünkte, mit einem unlauteren Gedanken sie deren zu entkleiden. Und doch doch ! O, hätte er doch einen andern Weg gewählt, um nach der Pension zurückzukehren!

Wenn Gebhard mit kritischem Blicke die Per­sönlichkeit des Mr. Bristol prüfte, so kam er zu dem Resultate, ihn in die Klasse der ge­stempelten Sportsmen einzurangtren, und da

wendige Begleiter erhält die Fahrkarte auf Grund besonderer Bescheinigung.

Die Muster der vorzulegenden Bescheinigungen werden an den betreffenden Eisenbahn-Ausgabe­stellen zu haben sein.

Cassel, am 21. März 1891.

Der Regierungs-Präsident. Rothe.

* *

*

Hersfeld, den 2. Juni 1891.

Wird mit der an die Ortsbehörden des Kreises gerichteten Weisung veröffentlicht, den betreffen­den Kranken die Mittellosigkeits-Bescheinigungen nach Nummer 1 der Bekanntmachung sowie die besonderen Bescheinigungen für den etwa noth­wendigen Begleiter auszustellen und die Erlan­gung der unter Nummer 2 angegebenen Beschei- nigungen nöthigenfalls zu vermitteln.

4008. Der Königliche Landrath

Freiherr von S ch l e i u i tz.

Hersfeld, den 4. Juni 1891.

Das diesjährige Obrr>-?rs§tz-Grfchäft für den hiesigen Kreis findet am

Sonnabend den 20. Juni d. J.

von Morgens präcis 7 Uhr an und

Montag den 22. Juni d. J.

von Morgens präcis 7 Uhr an im hiesigen städtischen Rathhause statt, und zwar gelangen zur Vorstellung:

a. am 20. Juni d. J.

1) die beim diesjährigen Ersatz-Geschäft als dauernd untauglich bezeichneten Militair- pflichtigen,

2) sämmtliche daselbst zum Landsturm 1. Auf­gebots desiguirten Militairpflichtigen,

3) sämmtliche daselbst zur Ersatz-Reserve in Vor­schlag gebrachten Militairpflichtigen,

4) die zur Disposition der Ersatz-Behörden ent-

cheren Manieren gleichsam international geworden sind, so mochte es selbst für Menschenkeuntniß schwer werden, ob dieser Herr ein beliebiger Mr. Bristol oder Prinz Pleyen war. Im Gegen­theile sprach für Letzteren, daß er nicht eine Spur von jener Extravaganz zeigte, nichts von jenem carrirten Wesen, das selbst vornehmen Gentlemen oft den Charakter der Carricatur giebt. Graf Gebhard beobachtete, daß sich Jener viel mit »Jncognito* abgab, lange Ritte mit diesem hinab in die Ebene machte, und dann mußte er sich sagen, daß der Bewußte ein fermer Herrenreiter war. Und der Rittmeister wurde in seinem Widerwillen erschüttert, als er die zarte Delikatesse ja die Liebe bemerkte, mit welcher Mr. Bristol das Pferd behandelte. Vollends, als er eines Tages Vera auf Kitty mit ihm ausreiten sah, als dieses sich ein-, zweimal wiederholte, da war auch sein quälender Verdacht im Schwinden er glaubte zu dem Manne sogar eine gewisse Zuneigung zu ver­spüren. Vera und nicht Claudine! Wer weiß, ob die Beziehungen zu dieser nicht auch ganz harmloser Natur sind!

Von nun an ließ Gebhard sich mit Mr. Bristol in Gespräche ein. Jncognito gab den Ausgangs­punkt dieser. Ton und Inhalt der Unterhaltung, mußte sich Gebhard sagen, war wesentlich kein anderer, als bet den Sportsmännern, selbst den vornehmsten, die er kannte. Die hervorragendsten

laffenen Mannschaften, über welche endgültig zu entscheiden ist,

5) die zur Zeit des Aushebungsgeschäfts noch vorläufig beurlaubten Rekruten,

6) die von den Trvppentheilen abgewiesenen Ein­jährig-Freiwilligen,

7) die gemäß §. 36 pos. 5 der Heerordnung zu berücksichtigenden Reservisten rc.,

8) diejenigen beim Ersatz-Geschäft für tauglich befundenen Militairpflichtigen, von deren Seite reklamirt worden ist, und

9) etwaige Zugänge.

b. am 22. Juni d. J. sämmtliche beim diesjährigen Ersatz-Geschäft für tauglich befundene Militairpflichtiae, soweit sie nach Vorstehendem (a. Nr. 8) nicht schon am ersten Tage zur Vorstellung gelangen.

Die Herren Ortsvorstände der Stadt- und Landgemeinden, einschließlich der Herren Guts­vorsteher, des hiesigen Kreises werden angewieseu, die ihnen in Kürze zugehenden Vorladungen den betreffenden Milttairp^^chtigen alsbald auszu- Händigeu und mit den Letzteren in den besagten Terminen pünktlich zu er­scheinen, auch ihnen zu eröffnen, daß die­jenigen, welche bei Ausrufung ihrer Namen im Musterungslokale nicht anwesend sind, oder über­haupt ohne genügende Entschuldigung fehlen, neben einer Geldstrafe bis zu 30 M. oder Haft bis zu 3 Tagen die im §. 26 bezw. 66 der Wehrordnung bezeichneten Verluste sowie nach Lage der Sache die sofortige Einstellung als unsichere Heeres­pflichtige zu gewärtigen haben.

Beim Ober-Ersatz-Geschäft werden die Rekla­mationen, auf Grund deren taugliche Militair- Pflichtige zur Ersatz-Reserve in Vorschlag gebracht worden, sowie die Reklamations-Anträge, auf welche eine abweisende Entscheidung durch die Ersatz-Commission erfolgt ist, der Ober-Ersatz- Commission zur Entscheidung vorgelegt, wes-

Namen von den Rennplätzen Deutschlands, Oester­reichs und Englands waren ihm geläufig und von Edmund Kintsky, von Esterhazy, von Lord Seymour, von Kramsta und Sydow sprach er, wie man von Seinesgleichen spricht, ohne sich damit einen Nimbus geben zu wollen.

»Ich bewundere, was Sie aus Jncognito ge­macht haben in verhältnißmäßig so kurzer Zeit. Mit Fräulein Sewisck war ich ohnehin nicht einverstanden, die das Pferd so verächtlich behandelte aber Sie haben es in eine ganz andere Condition gebracht."

Mr. Bristol sagte nichts darauf, aber seine leuchtenden Blicke zwischen den gekniffenen Brauen und ein Schmunzeln um den Mund verriethen, wie wohl ihm diese Anerkennung des Grafen that.

»Sie müssen es ja verstehen, Herr Rittmeister das werden Sie wohl erkannt haben, daß ich nicht zu den Reitern gehöre, bei denen zwischen Gesäß und Sattel man ein Commisbrod zwischen werfen kann."

Sie sprachen noch Dieses und Jenes, und mehr als einmal schwebte Gebhard der Name Clan- dinens auf den Lippen, um das Gespräch auf das Mädchen zu bringen, aber immer wieder kam er davon ab, sei es, daß er die paffende Form nicht fand oder daß es ihm überhaupt wider­strebte, ihren Namen vor dem Manne zu nennen.

»Ich habe Jncognito tüchtig in die Mache ge­nommen," spann Mr. Bristol das Gespräch