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Herssel-kr KreisblaU.

Mit wöchmtlicher Hratis-WeilageIllustrirtes Anterhaltungsölatt".

Rr. 70.

Sonnabend den 13. Juni

1891.

Erstes Blatt.

Amtliches.

Hersfeld, den 11. Juni 1891.

Im Anschlüsse an meine Verfügung vom 8. Juli 1890, Nr. 6356, im Kreisblatt Nr. 81, Abnahme der Neubauten unter Mitwirkung der communalständischen Beamten betreffend, wird den Herren Ortsvorständen des hiesigen Kreises hierdurch weiter mitgetheilt, daß, wie sich im Laufe der Zeit herausgestellt hat, die durch meine Verfügung vom 28. Juli v. I. Nr. 6994, im Kreisblatt Nr. 89, vorgeschriebene einmalige Mit­theilung an das ständische Bauamt dahier über die Inangriffnahme der Bauarbeiteu, nicht ge­nügt. Um den Bau in seinem ganzen Entwicke­lungsgänge jederzeit revidiren zu können, ist es vielmehr erforderlich, daß dem ständischen Bau­amte zu folgenden Zeitpunkten Mittheilung er­stattet wird:

1. von dem beabsichtigten Beginn des Baues,

2. von der Vollendung des Roh- oder Fach- werksbaues mit Ausmauerung der Gefache und

3. von der Fertigstellung des Baues über­haupt (innerer Ausbau).

Indem ich die Herren Ortsvorstände des hie­sigen Kreises hiermit anweise, die vorbezeichneten Mittheilungen zu den betreffenden Zeitpunkten von jedem zur Ausführung gelangenden Neubau zu erstatten, bemerke ich noch, daß dieselben nicht von den Einwohnern gemacht werden sollen, son­dern von den Herren Bürgermeistern selbst.

5566. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schletnitz,

Hersfeld, den 9. Juni 1891.

Den Herren Ortsvorständen des hiesigen Kreises

Auf hohem Pferde.

Roman von Georg Horn.

(Fortsetzung.)

»So, nun müssen Sie mir Zeit geben, Ihnen zu sagen daß daß ich Sie liebe. Ach, wie unendlich vermöchte ich Ihnen das doch zu sagen! Ich kann es nicht aber hier sitzt es drinnen da tief tief. Und wie lange trage ich es schon mit mir herum kämpfend mit allen Engeln mit allen Teufeln allen Hoffnungen und allen Unmöglichkeiten. Niemals in meinem Leben fühlte ich mich zu einem Mäd­chen einer Dame so hingezogen, wie zu Ihnen. Sie werden glauben, Fräulein Sewisch aber sie war nur ein Mißverständntß. Gar bald wußte ich, wer die Rechte war und die Echte die mein ganzes Herz das ihre nennen konnte. Sie - Sie allein!"

Es war heraus, was er längst in sich getragen, zum Entschluß der Gedanke geworden, mit dem er gekämpst seit Wochen dessen Möglichkeiten ihm das Herz geschwellt dessen Hindernisse seine heitere Lebensstimmung getrübt hatten. Vielleicht hatte er es ihr nicht sagen wollen zu dieser Stunde noch nicht aber wie sie so vor ihm stand, in voller Holdseligkeit, wie von oben ein Lichtstrahl ihr Haupt beleuchtete, da fühlte er die zwingende Macht, die von ihr au«, ging, als wollte sie sagen: Nun mußt Du eS

wird hierdurch mitgetheilt, daß sich dieselben ge­legentlich der Ersatz- bezw. Ober-Ersatzgeschäfte dahier, so lange sie hierbei anwesend sein müssen, in der Amtsstube der städtischen Baudeputation im Rathhause aufhalten können, soweit dieses Zimmer nicht anderweit nöthig ist

5354. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleivitz.

Hersfeld, den 4. Juni 1891.

Das diesjährige Ober-Ersatz Geschäft für den hiesigen Kreis findet am

Sonnabend den 20. Juni d. J.

von Morgens präcis 7 Uhr an und

Montag den 22. Juni d. J.

von Morgens präcis 7 Uhr an im hiesigen städtischen Rathhause statt, und zwar gelangen zur Vorstellung:

a. am 20. Juni d. I.

1) die beim diesjährigen Ersatz-Geschäft als dauernd untauglich bezeichneten Militair- pflichtigen,

2) sämmtliche daselbst zum Landsturm 1. Auf­gebots designirten Militairpflichtigen,

3) sämmtliche daselbst zur Ersatz-Reserve in Vor­schlag gebrachten Militairpflichtigen,

4) die zur Disposition der: Ersatz-Behörden ent­lassenen Mannschaften, über welche endgültig zu entscheiden ist,

5) die rar Zeit des Aushebungsgeschäfts noch vorläufig beurlaubten Rekruten,

6) die von den Truppentheilen abgewiesenen Ein­jährig-Freiwilligen,

7) die gemäß §. 36 pos. 5 der Heerordnung zu berücksichtigenden Reservisten rc.,

8) diejenigen beim Ersatz-Geschäft für tauglich befundenen Militairpflichtigen, von deren Seite reklamirt worden ist, und

9) etwaige Zugänge.

mir auch sagen, magst Du wollen oder nicht. Und seine Blicke hingen an ihrer Lippe, aber diese blieb unbeweglich nur das Rauschen deS Brunnens war zu hören. Gurl gurl gurl.--

»Und glauben Sie nicht, was ich Ihnen sage?" Claudine sagte nichts. Sie hielt ihr Auge gesenkt und die Fingerspitzen ihrer rechten Hand ließ sie durch das Wasser gleiten. Dann sagte sie nach einer Weile:

»Wahre Liebe zweifelt nicht und Sie, Herr Graf, haben gezweifelt an meiner Ehren­haftigkeit."

»Nein, nicht das, Claudine. Ich beschwöre Sie aber Sie müssen doch auch gerecht sein. Denken Sie sich diesen Conring! Er wurde zu hoch angesehen, bei ihm lag der Widerspruch zwischen seiner einfachen Person und seinem vermeintlichen Namen. Bei Ihnen ist es das Gegentheil, ist die Persönlichkeit größer als Ihre Dienststellung und dies muß Jeden auf den Gedanken bringen, daß hinter diesen Kontrast etwas liegt, ein Verborgenes auch ein Jucog- ntto und wie in dem unscheinbaren Pferde innere Kräfte verborgen waren, so in Ihrem ein Schicksal."

Claudine war wieder still geworden und Geb- hard suchte sie zu irgend einer Aeußerung zu drängen. Er sagte ihr, wie peinlich dieses Schweigen ihm sei, da sie ihn so ohne allen

b. am 22. Juni d. I.

sämmtliche beim diesjährigen Ersatz-Geschäft für tauglich befundene Militairpflichtiae, soweit sie nach Vorstehendem (a. Nr. 8) nicht schon am ersten Tage zur Vorstellung gelangen.

Die Herren Ortsvorstände der Stadt- und Landgemeinden, einschließlich der Herren Guts­vorsteher, des hiesigen Kreises werden angewiesen, die ihnen in Kürze zugehenden Vorladungen den betreffenden Militairpflichtigen alsbald auszu- Händigeu und mit den Letzteren in den besagten Terminen pünktlich zu er­scheinen, auch ihnen zu eröffnen, daß die­jenigen, welche bei Ausrufung ihrer Namen im Musterungslokale nicht anwesend sind, oder über­haupt ohne genügende Entschuldigung fehlen, neben einer Geldstrafe bis zu 30 M. oder Haft bis zu 3 Tagen die im §. 26 bezw. 66 der Wehrordnung bezeichneten Verluste sowie nach Lage der Sache die sofortige Einstellung als unsichere Heeres- Pflichtige zu gewärtigen haben.

Beim Ober-Ersatz-Geschäft werden die Rekla­mationen, auf Grund deren taugliche Militair- Pflichtige zur Ersatz-Reserve in Vorschlag gebracht worden, sowie die Reklamations-Anträge, aus welche eine abweisende Entscheidung durch die Ersatz-Commission erfolgt ist, der Ober-Ersatz- Commission zur Entscheidung vorgelegt, wes­halb alle Familienglieder, auf deren Arbeits- oder Nichtarbeitsfähigkeit es bei Beurtheilung der Reklamation ankommt, (also auch die etwaigen jüngeren oder älteren Brüder des Reklamirten) im Termin mit zu er = sch einen haben, widrigenfalls eine BerücksichtiguugderbetreffendenRe- klamationen nicht stattfinden kann.

Die Herren Ortsvorstände haben das Vor­stehende in ihren Bezirken wiederholt veröffentlichen und namentlich zur Kenntniß der betreffenden Militairpflichtigen und deren Angehörigen bringen

Anhalt lasse, über das, was Sie denke.

Und nun gewann Claudineus Antlitz auf ein­mal einen heiteren, beinahe schelmischen Ausdruck.

»Woran ich jetzt denke? Je nun an die Briefe einer russischen Dame, die einmal auf dem Lande in einem entliehenen Koffer gefunden worden."

»O weh! Sie wissen?" Dabei machte der Rittmeister eine scharfe Linksschwenkung um sein Haupt zu verbergen »Nun muß ich um die Erlaubniß bitten, mich zu schämen."

»Das möcht ich Ihnen ersparen, Graf Wiud- scheid. Ganz zufällig weiß ich um die Sache wenigstens würde es mich nie hindern, an Ihre Liebe zu glauben. Wenn man so viel in die Welt geschaut hat, wie ich, so lernt man die Dinge mit dem wahren Maß messen."

»O, Fräulein Claudine, Sie sind doch ein zu forsches Mädchen, und darum um so mehr jetzt*

»Möchte ich Sie ein wenig," fiel das Mädchen ein, »an Ihren Hochmuth erinnern nicht an den kleinlichen, der hier in der Sommerfrische seinen Carneval feiert, davor schützt Sie Ihr Geist und Ihr Herz. Nein, an den Hochmuth des Mannes, der ein Recht zu haben glaubt, nach meiner Vergangenheit zu fragen, während ich ihn noch nicht um die seine gefragt habe der mir seine Liebe in's Haus schickt, ohne daß er weiß, ob ich denn auch danach begehrt habe und dabei vom hohen Pferd herab noch groß