Einzelbild herunterladen
 

Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.

Abonnementspreis: vierteljährlich 1 Mark 40 Pfg. excl.

Postaufschlag.

Die JnsertionSgebühren betragm für den Raum einer Spaltzeile 10 Pfg., im amüichm Theile 15 Pfg. Reklamen die Zeile 20 Pfg.

Bei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.

Kersseliier IrtisMctt

__________Mit wöchentlicher Hratis-Weilage „Illustrirtes Ilnkerhaltuugsölatt".__________

Rr. 82. Sonnabend den 11. Juli 189L

Erstes Blatt.

W»MlkmmIs-K!ÄNg.

Bestellungen

auf das

Hersfelder Kretsblatt mit der wöchentlichen Gratis-Beilage „Jllnstrirtcs Unterhaltungs-Matt" pro III. Quartal werden noch von allen Kaiser­lichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtliches.

itendantur 11. Armee-Corps.

J.-Nr. 492/7.

Cassel, den 2. Juli 1891.

Das Königliche Landrathsamt wolle aus der an dem Königlichen General-Kommando XI. Armee-Corps mitgetheilten Unterbringungs-Ueber- sicht für die Truppenmärsche während der dies­jährigen großen Herbstübungen ersehen, welche Ortschaften des dortigen Kreises bequartiert wer­den. Diesen Gemeinden liegt außer der Ver­pflegung der Mannschaften nach §. 5 des Gesetzes über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden vom 13. Februar 1875 die Hergabe der Fourage zur Verpflegung der Pferde der einquartierten Truppen ob.

Die Deckung des Bedarfs an Heu und Stroh durch die Gemeinden wird wohl nirgends auf Schwierigkeiten stoßen. Sollte jedoch in einzelnen

Aus hohem Pferde.

Roman von Georg Horn.

(Fortsetzung.)

War nun eine solche Erklärung aus dem Munde des Neffen für sie auch eine Enttäuschung — so wäre es doch schwer gewesen zu entscheiden, welche Empfindung in ihr überwog, die Freude über diese Mittheilung Gebhard's oder ihr Aerger über den abgesandten Brief und die Genug­thuung, welche die Frankfurter darüber empfinden konnte». Vollkommen konnte deren Triumph aber doch auch nicht sein. Wie sie mit ihrem Briefe, so hatte nach ihrer Meinung Herr Sewisch mit dem Verlobten seiner Nichte seinen Klacks weg — mit Herrn Couring, was für ihn doch auch nicht sehr erbaulich sein könne — der frühere Hockey da. Sie habe es ja gleich herausgefühlt, daß es mit seiner Fürstenkrone etwas wackelig bestellt sei und allein wegen Schnukt — Enfin — nichts mehr davon. Nun war ja doch Alles innerlich beglichen und Niemand froher denn sie. Es wäre ihr schwerer geworden, den Neffen nach Hochzeit gehen zu sehen, als jetzt nach Afrika — Nur um Eines noch hatte sie ihn vor seinem Scheiden aus der Heimath ge« beten — um ein paar Tage des Beisammenseins in Berlin. Damit war er auch einverstanden, als er in Berlin noch mancherlei Dienstliche Geschäfte abzmoickeln hatte. Er wollte

Fällen der H a f e rbedarf auf den Märschen der Cavallerie-Division in dem Gemeindebezirk nicht zu beschaffen, ein Abholen von der nächsten militärischen Verabreichungsstelle aber wegen zu großer Entfernung ausgeschlossen sein, so würde die Intendantur nöthigeufalls bereit sein, eine Aushülfe durch Uebersenden von Hafer aus ent­fernter liegenden Königlichen Magazinen zu ge­währen. Sofern letztere Maßregel dortseits als unumgänglich nothwendig erachtet wird, darf einer bezüglichen Mittheilung der in Frage kommenden Bedarfs-Orte und Hafermengen bis zum 12. d. Mts. ergebenst entgegen gesehen werden.

Zur Bemessung des Bedarfs bemerken wir noch ergebenst, daß der Stab der Kavallerie-Diviston voraussichtlich mit 20 Pferden, der Stab einer Kavallerie-Brigade mit 8 und derjenige eines Kavallerie-Regiments mit 25 Pferden, eine Esca­dron mit 124 Pferden, die 2. reitende Batterie Feld-Artillerie-Regiments Nr. 11 mit 129 und die 3. reitende Batterie desselben Regiments mit 85 Pferden zu den HerbstühunM ausrücken werden.

KIe m An das Königliche Landrathsamt zu Hersfeld.

* *

Hersfeld, den 8. Juli 1891.

Wird den Herren Ortsvorständen des hiesigen Kreises zur Kenntnißnahme mitgetheilt.

6750. Der Königliche Landrath

Freiherr von S ch l e i n i tz.

Des Kaisers und Kö ltgs Majestät haben mit­telst Allerhöchster Ordre vom 8. d. M. dem Ver­waltungsrath des ersten Deutschen Reichswaisen­hauses zu Lahr die Erlaubniß zu ertheilen gerubt, zu der von ihm mit Genehmigung der Groß­herzoglich Badischen Landesregierung zu verau- stattenden öffentlichen Ausspielung beweglicher Gegenstände auch im diesseitigen Staatsgebiete,und zwar in den Provinzen Hannover, Hessen-Nassau und in der Rheinprovinz, Loose zu vertreiben.

auch seine Pferde in Berlin verkaufen; dazu bot sich die beste Gelegenheit tm Tattersall. Nebicke war beauftragt, ste dahin zu bringen. Nebicke war auch entschlossen, mit seinem Herrn das Commando zu theilen.

Gebhard war einige Tage vor seinem Burschen nach Berlin gegangen, um Tante Armgard in Empfang zu nehmen — Am Stettiner Bahnhöfe wurde sie ausgeschtfft und dann von ihm in das christliche Hospiz am Gendarmenmarkt geleitet. In einem Hotel zu wohnen erachtete sie als nicht anständig; in dem genannten Hause war es zudem auch billiger — und doch sehr anständig, da jüngst sogar einer der Minister dort Wohnung genommen habe, ehe er sein Ministerhotel bezogen.

Ja Berlin hatte nun Tante Armgard hundert« siebenundzwanzig Bekanntinnen und ebenso viel Commissionen.

„34 bin hier in Berlin ja doch nur Deine Atrappe Tautchen,* pflegte Gebhard zu scherzen, wenn sie müde von Besuchen und Besorgungen nach Hause kam, jammernd, das; ihr für den Herzensverkehr mit dem Neffen keine Zeit bleibe und dabei ihn mit einer kleinen Ladung von Hustenbonbons von Felix und Sarottt aus der Friedrichstraße „für das afrikanische Klima- ver­sorgend.

„214, Gebhard, wie lange werden wir uns nicht Wiedersehen! Wie schwer wird eS mir, mich

Die unterstellten Polizeibehörden werden ange­wiesen, den Vertrieb dieser Loose im diesseitigen Bezirk nicht zu beanstanden.

Cassel, am 29. Juni 1891.

Der Regieruugs-Präsideut. I. B.: v. P a w e l.

Die Ferien des Bezirks-Ausschusses bierselbst beginnen am 21. d. M. und endigen am 31. t. M.

Während der Ferien dürfen Termine zur münd - lichen Verhandlung der Regel nach nur tu schleu­nigen Sachen abgehalten werden.

Auf den Lauf der gesetzlichen Fristen bleiben die Ferien ohne Einfluß.

Cassel, am 1. Juli 1891.

Der Vorsitzende des Bezirks-AuSschuffes: Viehmaum

Hersfeld, den 10. Juli 1891.

Durch die Verordnung des vorhinnigen Kur­fürstlichen Landrathsamtes dahier vom 14. Juli 1853 — abgedruckt im Provinzial-Wochenblatt vom Jahre 1853 (Nr. 30) — ist unter A 21 angeordnet worden, daß die Sensen bei dem Tragen zur Verhütung von Un» glücksfälleu durch Abschlägen vom Baume oder genügendes Umwickeln der Spitzen verwahrt sein müssen, bei Meldung einer Strafe bis zu 5 Thaler.

Diese Anordnung ist leider und namentlich in letzter Zeit nicht überall beachtet worden, wes­halb ich mich veranlaßt sehe, hierdurch auf die­selbe aufmerksam zu machen und die Herren Ortsvorstände des Kreises anzuweisen, dieselbe in Ihren Gemeindebezirken auf ortsübliche Weise wiederholt zur öffentlichen Kenntniß zu bringen und darüber zu wachen, daß diese An­ordnung auch gehörig befolgt wird, welch letzteres ich der Königlichen Gendarmerie des Kreises ebenfalls zur Pflicht mache.

6921. Der Königliche Landrath

1 Freiherr von Schlei nitz.

ohne Dich in Europa zu wissen!*

Dabei zerdrückte sie eine Dreiviertelthräne und endigte mit der Frage nach dem Abend, ob Opernhaus, ob Circus oder Misstonsvortrag mit Thee. Anfangs allerdings hatte Graf Gebhard nur die Abende für seine Tante frei, während des Tages seine Equipiruna zu besorgen, Besuche zu machen und an jedem Tage bei einem andern Kameraden und bei einem andern Garde-Cavallerie zu speisen. Jeder wollte „bem lieben Kameraden* eine Freundlichkeit erweisen, ehe dieser abging da — dahin „um Wißmann zu lernen.*

Eines Tages erreichte ihn im Kaiserhof die Weisung, daß er Mittag 2 Uhr sich im Reichs- kanzlerpalais einfinden möge. Ehe er abreiste, wünsche Fürst Btsmarck, ihn zu sehen. Befehl: In Paradeanzug — Unbefragt von den vor dem Palais in unverfänglichem Civilpaletots auf. und niedergehenden Polizisten — hinein in das Vestibül!

»Von Seiner Durchlaucht befohlen!* So Geb­hard.

„Durchlaucht haben noch Vortrag — bitte in das Vorzimmer hier einzutreten —* so der Be­dienstete.

Gebhard wartete einige Zeit, besah sich den Raum, der von so Vielen vor ihm oft mit klopfen­dem Herzen betreten sein mochte, während er eigentlich nichts von derartigem beklemmenden Gefühl empfand, seine neuen „Lackbotten* be-