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Postanfschlag.

Hersstliikl Irtisblntl

1 Mit wöchentlicher Hratis-WeilageIllugrirtes Anterhattungsölatt".

Nr. 85. Somabelld den 18. Juli 1891.

Erstes Blatt.

, Amtliches.

Hersfeld, den 16. Juli 1891.

Die Herren Ortsdorstände zu

Btngartes, Hattenbach, Mecklar, Meisebach, MengShausen, Oberrode, Sorga, Bengeu- dorf, Friedewald und Malkomes

I werden wiederholt an die Einzahlung der Beiträge zu den Ausgaben der Hessen-Nassauischen . landwirthschaftlichen Berufsgenossenschaft, mit Frist bis zum 22. d. Mts. bei Meldung von 3 Mk. Strafe erinnert.

A. Nr. 541. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz.

# Die jugendliche« Arbeiter in ^ . Preußen 1890.

, Nach den den letzten Jahresberichten der preußischen Gewerberäthe beigegebenen Tabellen wurden 1890 jugendliche Arbeiter in 19275 Fabriken beschäftigt d. i. 2771 mehr als 1888. Am meisten solcher Fabriken wies dieNahrunqs- und Genußmittelindustrie auf, nämlich 3332; es folgen dann die Industrie der Steine und Erden mit 2682 und die Textilindustrie mit 2 577. Die Gesammtzahl der beschäftigten jugendlichen K Arbeiter betrug 125 904 (gegen 1888 4* 21665). Während nach der Anzahl der Fabriken, die jugendliche Arbeiter beschäftigen, die Textil­industrie erst die dritte Stelle einnimmt, hat sie nach der Zahl der beschäftigten jugendlichen Köpfe mit 26572 die erste Stelle iane; es folgen dann Bergbau, Hütten- und Salinenwesen mit 20845 und die Metallverarbeitung mit 16620, während

Auf hohem Pferde.

Roman von Georg Horn.

(Fortsetzung.)

Außer diesem, an Größe fast einer Herrschaft gleichkommenden Gutscomplexe besaß mein Vater auch noch ansehnliche Kapitalien so daß er - für einen der reichsten Gutsbesitzer der Provinz galt und danach auch im Ansehen stand. Ich sehe ihn noch als jungen Mann vor mir von hoher schlanker Gestalt mit dunklem Vollbart und einer tiefen aber unendlich weichen Stimme. Der Ton dieser hält bei Kindern in der Erinne­rung bekanntlich länger vor, als die plastischen ; Linien der äußeren Erscheinung. Mein Vater hatte die Carriere der meisten Leute seines Standes gemacht, war Officier in dem bevor- zugtesten Regimente der Provinz gewesen, durch den Tod seines Vaters dann genöthigt, sich der Verwaltung seiner Güter zu widmen den Dienst zu quittiren. Verhetrathet hat er sich verhältnißmäßig erst spät, und zwar mit einer Dame aus weit vornehmerer Familie, die aber nicht viel mehr als ihre geschlossene Krone mit in die Familie brächte und dazu den in ihrer Familie sprüchwörtlich geworfen Hochmuth. Sie war in ihrer Jugend viel umworben, denn sie war schön und amüsant. So hatte sie eine ganze Reihe von Partien ausgeschlagen, deren Darbieter größere Namen trugen, als der meines Vaters war aber keiner hatte ihr genügt

die Nahrungs- und Genußmittelindustrie 13442 und die Industrie der Erden und Steine 12807 aufweisen. Dem Geschlechte nach waren 88452 männlich, 37452 weiblich. Das weibliche Ge­schlecht überwiegt das männliche in der Textil­industrie mit 15648 gegen 10924 männliche, ebenso in der Bekleidung und Reinigung (2641: 1140), es kommt ihm gleich in der Vapier- und Leder­industrie (3196 weibliche: 3197 männlichen).

Wie die Gesammtzahl der jugendlichen Arbeiter (von 12 bis 16 Jahren), so ist auch die Zahl der beschäftigten Kinder (1214 Jahren) in den beiden Jahren gestiegen, und zwar von 6 225 auf 6 633. Die Kinderbeschäftigung ist mit 2585 am stärksten in der Nahrungs- und Genußmittelindustrie; ihr reihen sich die Textilindustrie mit 1079 Kindern und die Industrie der Steine und Erden mit 817 an. Auf den Bergwerken, Hütten und Salinen waren 408 beschäftigt. Dem Geschlechte nach waren 4 209 männlich und 2 424 weiblich.

In verschiedenen Berichten wird hervorgehoben, daß die Steigerung der Beschäftigung jugendlicher Arbeiter der Vermehrn..-» der Arbeiter im Allge­meinen entsprach. Die Mehreinstellung der jugendlichen Arbeiter wird in der Hauptsache be­reits im Jahre 1889 stattgefunden und es wird der Einfluß des gewerblichen Aufschwunges des Jahres 1889 mit seinen Neuanlagen und Be­triebserweiterungen im Jahre 1890 fortgewirkt haben. Daß die Gesammtsteigerung der jugend­lichen Arbeit hauptsächlich durch Mehreinstellung junger Leute (1416 Jahren) bewirkt wurde, geht schon aus der geringen Vermehrung der Kinderarbeit hervor. Uebrigeus ist in manchen Bezirken, so in Berlin und Umgegend, in Frank­furt a. O., eine erhebliche Verminderung der Kinderarbeit zu verzeichnen gewesen. Das neue Arbeiterschutzgesetz, nach dem die Kinderarbeit in Fabriken bis zum vollendeten 13. Jahre unbedingt ausgeschlossen und für Kinder zwischen 13 und

und so zogen denn die Freier von ihres Vaters Hofe, zuletzt kam gar keiner mehr. Endlich - da die Zwanzigerjahre in immer höherer Zahl dräueten, erniedrigte sie sich dann, die Hand meines Vaters anzunehmen. Er hatte einen Winter in Berlin zugebracht, die Bekanntschaft seiner späteren Gattin gemacht, die dann meine Mutter wurde Ich blieb auch das einzige Kind meiner Eltern. Ob die Ehe eine glückliche war? Ich möchte das nicht sagen, aber auch keinen Theil dafür verantwortlich machen Beide Gatten paßten eben nicht zu einander Mein Vater war ein Mann von tiefem Gemüthe, von edler Sinnesart, aber nicht was man einen glänzenden Kavalier nennt.

In seinen Bewegungen, seinen Reden war er etwas schwerfällig aber mit einem Herzen voll Liebe, voll Rücksicht für seine Mitmenschen Und daneben der Erbfehler im Blute meiner Mutter ihr Familienerbtheil der Hoch­muth in seiner ganzen Leidenschaftlichkeit mit einem starren Willen einem ungebändigten Bewußtsein! Und ich hatte davon ein gut Theil wegbekommen freilich auch wieder von der Art meines Vater» und dafür lob ich meinen Schöpfer noch jeden Tag.

Im Sommer lebten wir auf dem Lande aber ich blieb allein, ohne Spielgenossen, so sehnsüchtig ich auch hinter den großen Fenstern unseres Schloffes auf die Kinder des Verwalters, des Predigers, des Lehrers und auf die anderen

14 Jahren nur, sofern sie nicht mehr schulpflichtig sind, zugelassen ist, wird einen allgemeinen Rück­gang in der Zahl der beschäftigten Kinder her- beiführen.

In den Bergwerken, Salinen und Aufbe- reitungsanstalten war die Zunahme der jugend­lichen Arbeiter größer als die Vermehrung der Gesammtbelegschaft. Diese w^4s von 1889 auf 1890 um 7,8 pCt., die Zahl jugendlichen Arbeiter dagegen um 13 PCt. Im Oberbergamts- bezirk Breslau wuchs die letztere Zahl um 38,6 PCt. bei einer Vermehrung der Gesammtbeleg- schaft um 9,7 pCt. wogegen im Dortmunder Bezirk die Vermehrung der jugendlichen Gruppe (um 10,4 PCt.), mit der Vermehrung der Ge- sammtbelegschaft (um 10 PCt.) ziemlich gleichen Schritt hielt. Die Beschäftigung der jugendlichen Arbeiter bestand nur in leichten, den körperlichen Kräften angepaßten und der Entwickelung nicht schädlichen Arbeiten. Dementsprechend war auch der Gesundheitszustand derselben, abgesehen von der im Anfänge des Jahres 1890 in vielen Gegenden heftig aufgetretenen JnAueuzaepidemie, forrwähreud zufriedenstellend. Die schulpflichtige» Kinder wurden überall nur in ihrer schulfreien Zeit zur Arbeit herangezogen.

Iolitische Machrichten.

Aus Bergen, vom Donnerstag Vormittag ll1/* Uhr, wird gemeldet: Se. Majestät der Kaiser, Allerhöchstwelcher bei pracht­vollem Wetter 8eith am 14. d. nach Besichtigung der großen Forthbrücke Morgens 10 Uhr ver­lassen hatte, ist in bestem Wohlsein heute Morgen 1 Uhr vor Bergen augelangt. Das Wetter ist schön und auffallend warm. Von Bergen anS be- giebt sich Se. Majestät zunächst nach Torgehalten und voraussichtlich auch nach Drontheim. Hierauf setzt Se. Majestät über Folgernden mit seiner

Dorfkinder hinab sah, wenn sie aus der Schule kamen, lärmend, sich balgend und dann im Spiele sich wieder vereinend. Ich durste nicht in ihre Mitte. Meine stolze Mutter fürchtete eine moralische Ansteckung. So durfte ich selbst nicht mit Dienern oder Untergebenen sprechen; wenn ich etwas von ihnen bedurfte, ich mußte mich an meine Gouvernante als Mittelsperson wenden. Diese Abgeschlossenheit trug vielleicht dazu bei, daß ich mehr lernte, als andere Mäd­chen meines Alters, aber glücklicher wurde meine Jugend dadurch nicht. Meine Eltern vereinigten sich nur in dem Einen, daß die große Stellung, die ich durch meine Familie in der Welt eiu- nehmen sollte, einen Untergrund in der sorg­fältigsten Erziehung haben sollte. War ich durch meine Mutter veranlaßt, die Kinder in unserem Dorfe als tief unter mir zu betrachteu, so sehr es auch oft meinem Herzen widerstrebte, so be­gegnete ich den Gespielinnen, die ich in der Stadt fand, mit einem anderen Hochmuth, mit dem eines viel größeren Wissens. Sie hatten wenig gelernt, weil sie durch die Zerstreuungen deS Stadtlebevs von jeder grü-idlichen Geistesbildung abgezogen wurden Ich beherrschte str gerade durch diese, sie ordneten sich auch meinem Willen unter. Zwar waren sie von Geburt mir eben­bürtig, aber ich überragte sie durch mein Wissen und meinen Willen. Dabei braucht nicht erst gesagt zu werden, daß ich ein recht unaussteh­liches Mädchen war und meine Gespielinnen