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! Hersstliier Krtisbliitt.
I Mit wöchentlicher Kratis-Weilage „Illustrirtes Wuterhaltungsklatt".
« Nr. 86. Dieaftag den 21. Juli 1891.
6 Amtliches. | politische Nachrichten. I
Hersfeld, den 14. Juli 1891.
Mit Rücksicht auf die noch immer weite Ver- breitung der Maul- und Klauenseuche werden die sämmtlichen Ortspolizeibehörden des Kreises auf die strenge Beachtung der zur Abwehr und Unterdrückung der Seuche ergangenen Bestimmungen und der diesseitigen Verfügungen vom 19. Juli 1886 — Kreisblatt Nr. 86 für 1886 - nochmals aufmerksam gemacht.
6619. Der Königliche Landrath
Freiherr von S ch l e i n i tz,
Die SÄulstelle zu Eitra wird mit dem 1. August d. I. vacant. Bewerber um dieselbe wollen ihre Meldungsgesuche nebst den nöthigen Zeugnissen innerhalb 14 Tagen bei dem unterzeichneten Landrathe oder dem Königlichen Lokalschulinspec- tor Herrn Pfarrer H o s b a ch dahier einreichen. . Hersfeld, den 18. Juli 1891.
Namens des Königl. Schulvorstandes von Eitra: M Freiherr von Schleinitz,
Landrath.
" Hersfeld, den 16. Juli 1891.
Die Herren Ortsvorstände des Kreises erhalten hierdurch die Weisung, alsbald ein Verzeichniß der in der Gemeinde 2C. wohnhaften Arbeitgeber (Gewerbetreibende) mit Angabe der Zahl der von jedem Einzelnen beschäftigten Gesellen und Lehrlinge 2C. aufzustellen und solches bis zum 26. d. Mts. an den Rechnungsführer der Orts- krankenkasse für die ländlichen Gemeinden des Kreises, Herrn C. D e m m e dahier, einzusenden. 7083. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Zugelaufen: ein kleiner, grauer Hund. Meldung des Eigenthümers bei Herrn Pfarrer Ackermann zu Mecklar.
Aus Bergen wird gemeldet: Se. Majestät der Kaiser begab sich am Donnerstag um 5 Uhr Nachmittags an's Land, fuhr nach der Villa des deutschen Consuls Mohr und kehrte von dort anBord der Jacht „Hohenzollern" zurück. Am Freitag blieb der Kaiser den Tag über an Bord der „Hoheu- zollern",.um Vorträge des Militär- und Marine- Cabinets, sowie des auswärtigen Amts entgegen- zunehmen und die Geschäfte für den Abends abgehenden Courier zu erledigen. Um 5 Uhr unternahm Se. Majestät eine Fahrt nach dem Landsitz des deutschen Consuls Mohr, wo Aller- Höchstderselbe zum Thee blieb. Nach der Rückkehr Sr. Majestät an Bord gegen 7 Uhr verließ die „Hohenzollern" Bergen, um zunächst nach Bodö zu gehen. — AuS B r ö n o liegt vom Sonnabend folgende Meldung vor: Nachdem die „Hohen- zolleru" am 17. Abends Bergen verlassen hatte, ging die Fahrt bei außergewöhnlich günstiger Witterung durch die Scheeren, über Alesund, ohne Trondhjem zu berühren, nach der Insel Torgen, woselbst die Ankunft 9 Uhr 30 Min. erfolgte. Se. Majestät der Kaiser erstieg den Torghatten und besuchte den auf halber Höhe ge- legenen natürlichen Tunnel. Nach Rückkehr Sr. Majestät des Kaisers an Bord der „Hohevzollern" wurde die Reise nach Bodö fortgesetzt.
Nach den im Reichs-Versicherungsamt ange- ferttgten Zusammenstellungen betrug am Schluß des ersten Halbjahres seit dem Inkrafttreten des Jnvaliditäts- und Altersversicherungs - Gesetzes (Ende Juni 1891) die Zahl der erhobenen Ansprüche auf Bewilligung von Altersrenten bei den 31 Jnvaliditäts- und Altersversicherungs- Anstalten und den 8 zugelassenen Kasseneturich- Lungen 131459. Von diesen wurden 90 706 Rentenansprüche anerkannt, 15694 zurückqewiesen und 1740 auf andere Weise erledigt, sodaß 23319
Ansprüche unerledigt auf den Monat Juli über- gegangen sind.
Reichskanzler von Caprivi wird, wie die ,N. A. 8* nunmehr definitiv mittheilt, Anfangs September den Kaiser zu den Manövern zuerst in Oesterreich und dann in Bayern begleiten.
Der Kriegsminister v. Kaltenvorn-Stachau hat sich von Metz zur Vornahme von Besichtigungen nach Mörchingen, Dieuze, Saarburg und Zabern begehen und reiste von dort aus nach Straßburg weiter.
Haben es auch Bebel und Liebknecht immer mehr mit der Phantasie als mit der Logik gehalten, so sind ihnen doch selten so grelle Widersprüche nachgewiesen worden, als gegenwärtig in dem Streite mit dem Genossen v. V o l l m a r. Wie leicht Bebel gelegentlich zweierlei Maß in Anwendung bringt, geht aus Folgendem hervor: Zu dem Briefe an Vollmar, der die Ankündigung eines Scherbengerichts für den Erfurter Tag nicht enthält, wird dem süd, deutschen Führer freundschaftlich zu Gemüthe geführt, daß die Cr^sequrnz einer lobenden Anerkennung der auswärtigen Politik des Dreibundes die Bewilligung aller geforderten mtlb tärischen Ausgaben sein müßte. Dagegen erklärte derselbe Abgeordnete Bebel am 25. Juni 1890 im Reichstage, daß „gerade das Bestehen der Bündnisse uns einen Hauptgrund zur Bekämpfung neuer Rüstungen liefert."
Auf Anregung der Siebeuercommission für die Reform des höheren Unterrichtswesens bildet die für die Entwickelung der Unterrichtsanstalten bis zu einem gewissen Grade entscheidende Frage des Berechtigungs- Wesens den Gegenstand der Erörterung der obersten Reichs- und Staatsbehörden. Abgesehen von der Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Dienste kommt dabei vornehmlich die Berechtigung für die verschiedenen Staatscarriöreu iu
Aus hohem Pferde.
Roman von Georg Horn.
(Fortsetzung.)
Hier hielt Gebhard im Lesen inne — Jener Abend, wo er im Gartenhäuschen Claudine mit Conring zusammen gesehen hatte — sein Verdacht — dieser nagende Wurm in ihm — und was mit dem Allem bis zu dem Gange nach dem Brunnen in Zusammenhang gestanden — das trat wieder neu und lebendig vor seine Seele. Aber so mächtig war die von Claudinens Persönlichkeit ausstrahlende Reinheit — daß im Momente des Wiedersehens alle diese Erinnerung Htuabgetaucht war in Vergessensein und nur jetzt wieder kam, wo Claudine selbst auf jene Unterredung mit dem Jockey kam — Aber nun mit einem Male kam eine unsägliche Angst über ihn — Sollte sie? Mit fast fiebernden Pulsen las er weiter —
«Ich muß sagen, daß ich um meine Zukunft nicht ängstlich war. Ich hatte Muth — Ver- trauen — in mich selbst — Ich hatte etwas gelernt — trug einen glänzenden Namen. Wie konnte es mir auf meinem Lebenswege also fehlgehen? Aber gerade in dieser unerschütterlichen Zuversicht war vielleicht nur wieder der alte hochmüthige Tic verborgen. Meine Eltern — namentlich mein seliger Vater, hatten so viele Freunde hinterlassen, daß es ihnen nicht schwer ward, mir eine meiner Geburt entsprechende
Stellung zu verschaffen — Und das konnte natürlich nach meiner und ihrer Anschauung nur die einer Hofdame sein — bet einer Prinzessin von ***. Diese Dame besaß sehr viele gute Eigenschaften, aber dabei hatte auch sie ihr Hoch- müthcheu sich präpirirt. Ihren Staudesgenoffen gegenüber zeigte sie sich exclusio — abweisend, aber nur beim Publikum um Gunst zu werben, als sei sie frei von allen Vorurthetlen. So zog sie einen Gesellschaftskreis um sich, der in keiner Weise ihrem Range entsprach, ihr aber angenehm war, weil sie in diesem wie ein überirdisches Wesen gefeiert wurde. Sie liebte den Verkehr mit Vertretern der Kunst, Herren wie Damen. Da ereignete es sich, daß ich eines Tages zur Ausfahrt mit der Prinzessin befohlen wurde. Mit uns hatte eine berühmte Concert- sängerin gespeist — die auch von der Prinzessin zur Spazierfahrt eingeladen wurde, die ihr den Platz neben sich gab. — Mir wurde im Wagen der Rücksitz angewiesen. An demselben Tage bat ich die Prinzessin um meine Entlassung. Wohl hatte sie vollkommen Recht gehabt, ihrem Gaste den Platz neben sich zu geben — aber ich glaubte es nicht weniger zu haben — einen derartigen Affront in dieser Weise zu beantworten — Ich mit meinem Namen! Ich hatte nur vergessen, daß ich diente — wenn auch glänzend diente — und daß jeder Dienst die Unterordnung bedingt!"
Hier hielt Gebhard einige Augenblicke im
Lesen ein — Bet der Erwähnung des Rücksitzes im Wagen trat ihm jenes Bild in die Erinnerung, wo Claudine auf Geheiß des Bankpräsidenten den Platz auf dem Bock; neben dem Kutscher ein» zunehmen genöthigt war. Dann las er weiter:
„@tn meiner Familie nahestehender Geistlicher rieth mir, mich der weiblichen Diakonte zu widmen. Es seien darin viele Damen aus vornehmen Familien, und sogar er habe nicht verschmäht, seine Töchter diesen Beruf ergreifen zu lassen — allerdings nachdem sie ihre Jagend in den Ballsälen abgetalizt hatten, ohne daß einer ihrer Tänzer ihnen die Hand für's Leben angeboten hätte. Das sagte der geistliche Herr nun nicht, nur ich bemerke es — ich, die boshafte Claudine. Krankenpflegerin? Nein — Vom Krankenbette meiner Mutter her hatte ich einen unbezwingbaren Widerwillen gegen Karbolgeruch. Aber Erzieherin! Dazu wußte ich genug, freilich ohne mir zu sagen, daß meine eigene Erziehung durch das Leben noch nicht vollendet war. Es wurde mir eine Stelle bei einem unserer höchsten Staatsbeamten angeboten. Ich stellte mich vor, merkte aber gar bald das lange Gesicht, das Ihre Excellenz die Frau Gemahlin bet meinem Erscheinen zog. Sie bedauerte unendlich, mir ihre drei Töchter nicht anvertrauen zu können, da — da ich von Adel sei und — sie selbst bürgerlich und sich darauf viel zu Gute thäten, das zu mancherlei unliebsamen Folgen führen könnte — zu Prätensionen von meiner Seite in gesellschaftlicher Be-