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Imstlörr Kreisbliltt.
__________Mit wöchentlicher Kratis-Weilage „Illustrirtes Auterhaltungsblatt".__________
Nr. 88. Sonnabend den 25. Juli • 1891.
Erstes Blatt.
Mmmck-KMmz.
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Ä Amtliches.
Nachdem Seine Majestät der Kaiser und König in Ausführung des Allerhöchsten Erlasses, betreffend die Anstellung von Regierungs- und Gewerberäthen und die Organisation der Ge- werbe-Jnspectionen vom 27. April 1891 (G. S. S. 165), Allergnädigst geruht haben, den bisherigen Königlichen Gewerberath Neubert zu Cöln zum Regierungs- und Gewerberath zu ernennen, hat der Herr Minister für Handel und Gewerbe demselben vom 1. Juli d. I. ab die Stelle eines gewerbe-technischen Rathes bei der Königlichen Regierung in Cassel und des Auf- ; sichtsbeamten im Sinne des §. 139b der Gewerbe- ordnung für den Bezirk der'genannten Regierung unter Anweisung seines Wohnsitzes in Cassel verliehen. Mit dem genannten Tage hat die amtliche Thätigkeit des Gewerberaths Dr. Kind
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Einfache Leute.
Novelle von August Scholz.
I.
Seit einer Viertelstunde stand ein ältlicher Mann, dessen Züge Nachdenklichkeit ausdrückten V und von einem harten, bewegten Leben Kunde z gaben, mit gekreuzten Armen an der Ecke der breiten Orchesterbühne und schaute gespannt in das farbig wogende Meer vor seinen Augen. Welche Lebenswärme, welche bunte weiche Pracht, lag in dieser rytbmisch bewegten Menge, die nach den Klängen der Ballmusik durcheinander wirbelte I und wie der Strudel eines Stromkessels immer neue Wellen in den Reigentanz aufnahm, um sie nach wenigen Minuten verbraucht und ermattet, zu den ruhigen Ufern zurückzudrängen. Zwischen den kostbaren, reich verzierten Roben huschten abscheuliche schwarze Fracks hin und her, weiße , Arme und Schultern tauchten auf und nieder, bloßfarbige kleine Setdenschuhe tänzelten über das Parkett, Armsprangen und Halsbänder blitzten hell auf, wie Edelmetall in grauem Granit, und über die kunstvoll gebrannten, gerollten und gesteckten vom tiefsten Blauschwarz ; bis zum hellsten Aschblond wechselnden Haar- : frisuren war es wie eine schimmernde Saat von ' vielfarbigen kleinen Sternen ausgestreut. Und das raste alles so hastig dahin, daß man nichts, > fast gar nichts recht ins Auge zu
zu Wiesbaden für den Regierungsbezirk Cassel aufgehört.
Cassel, am 7. Juli 1891.
Der Regierungs-Präsident. I. B.: v. Pawel.
Cassel, den 2. Juli 1891.
Zum Schutz der Reichs-Telegraphenanlagen sind durch das Gesetz vom 13. Mai 1891, betreffend die Abänderung von Bestimmungen des Strafgesetzbuches für das Deutsche Reich, nachstehende Bestimmungen erlassen:
§. 317. Wer vorsätzlich und rechtswidrig den Betrieb einer zu öffentlichen Zwecken dienenden Telegraphenanlage dadurch ver- Hiudertodergefäürdet,daßer Theile oder Zubehörungeu derselben beschädigt oder Veränderungen daran vornimmt, wird mit Gefängniß von einem Monat bis zu drei Jahren bestraft.
§. 318. Wer fahrlässiger Weise durch eine der vorbezeichneten Haudlunaen den Betrieb einer zu öffentlichen Zwecken dienenden Telegraphenanlage verhindert oder gefährdet, wird mit Gefängniß bis zu einem Jahre oder mit Geldstrafe bis zu neunhundert Mark bestraft.
§. 318a. Unter Telegraphenanlagen im Sinne der §§. 317 und 318 sind Ferusprechanlage n mit begriffen.
Da die Reichs-Telegraphenanlagen in letzter Zeit häufig theils vorsätzlich (durch Zertrümmern der Isolatoren mittelst Steinwürfe rc.), theils fahrlässig (namentlich beim Fällen von Bäumen) beschädigt worden sind, so werden die vorstehenden Bestimmungen hiermit warnend zur öffentlichen Kenntniß gebracht. Zugleich wird demjenigen, welcher vorsätzliche oder fahrlässige Beschädigungen der Reichs-Telegraphenanlagen so zur Anzeige bringt, daß gegen den Thäter mit Erfolg eingeschritten werden kann, in jedem einzelnen Falle
fassen vermochte: weder die entblößten rothen Arme des Fräuleins von Meyer, noch die schlecht verdeckte schiefe Schalter der berühmten Pianistin Müller, noch die vor Schmerz zusammengcpreßten Lippen der Frau Hofkunstb ändler Lehnhardt — ein Schmerz, der seinen Sitz in der Spitze desselben winzigen Schuhes hatte, welcher soeben die aufrichtige Bewunderung einiger beobachtenden Kellner erregte.
Doctor Heinrich Brandt, der Mann an der Orchesterbübne, befand sich nicht unter diesen Kennern. Er stand unbeweglich, wie festgebannt auf seinem etwas abseits gelegenen Posten, und nur seine Augen schweiften aufmerksam spähend über den geräumigen Tanzraum. Sie folgten einem jugendlichen hellblonden Köpfchen, das sich schüchtern an die Schulter eines hochgewachsenen jungen Mannes lehnte und bald hier, bald da aus der wirren Menge der Tanzenden empor- tauchte. Jetzt — jetzt huschten sie eben dicht an ihm vorüber, er hörte ein feines Stimmchen, das schüchtern auf irgend eine gleichgültige Frage des Tänzers antwortete, und als sie sich wenige Schritte von ihm entfernt hatte, begegnete sein Blick plötzlich einem hellblauen, noch halb kindlich dreinschauenden Augenpiar. Wer Brandt in diesem Augenblick beobachtete, mußte bemerken, daß er vor diesem unschuldigen, ganz zufällig auf ihn gerichteten Mädchenblicke fast jäh zu- sammenfuhr.
Brandt wurde in der That beobachtet. Auf
eine Belohnung bis zur Höhe von 15 Mark hiermit zugesichert.
Der Kaiserliche Ober-Postdirector. gez. Z iel cke.
An den Königlichen Herrn Polizeidtrector hier und die Königlichen Herren Landräthe des Bezirks.
* * *
Hersfeld, den 23. Juli 1891.
Vorstehend abgedruckte Bekanntmachung der Kaiserlichen Ober-Post-Direction wird hierdurch veröffentlicht.
Die Ortspolizeibehörden des Kreises werden auf diese Ergänzung des Reichsstrafgesetzbuches besonders aufmerksam gemacht.
7333. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinttz.
Gefunden am 28. Juni in der Gemarkung Retlos: ein erlegtes Reb, 1 Gewehr (Hinterlader), 2 Röcke und 1 Ranzen. Meldung der Eigenthümer bei dem Ortsvorstand zu ReiloS.
# Ursachen der Brände.
Ueber die Ursachen der in Deutschland während der zwölf Jahre von 1878 bis 1889 stattgehabten Brände hat der Generaldirector der Provinzial- Städte - Feuer - Societät der Provinz Sachsen, Kaßner, jüngst eine Untersuchung veröffentlicht. Der Verfasser hat 395 486 Brandfälle in Betracht gezogen. Für 39 pCt. dieser Fälle konnte die Entstehungsursache ermittelt werden. Das Verhältniß der ermittelten zu den unermittelten (und muthmaßlichen) Brandursachen gestaltet sich bei den einzelnen öffentlichen Feuer - VersicherungsAnstalten ziemlich verschieden; am größten stellt sich dasselbe für Baden (53 pCt.), am geringsten für die Provinz Posen (17 pCt ). Die östlichen Gebiete weisen die geringsten Procentsätze für die in ihrer Entstehungsursache ermittelten Brand- fälle auf, während Süd- und Mitteldeutschland die günstigsten Ergebniffe zeigen. Wenn man die
dasselbe blonde Lockenköpfchen, das feine Aufmerksamkeit erregt hatte, war ein zweites Angenpaar jenseits des durch rothe Schnüre abgegrenzten Tanzranmes gerichtet — ein paar scharfblickender grauer Augen, die seinen Blicken mißtrauisch folgten und jedesmal, wenn sie dieselben auf den Blondkopf gelenkt sahen, sich wie grollend unter die oberen Lider zurückzogen.
Dieser zweite Beobachter war jünger, als der Doctor. Seine mittelgroße, gedrungene Erscheinung trug den Stempel eines schlichten einfachen Wesens. Er mochte etwa dreißig Jahre zählen, doch konnte man ihn leicht für älter halten. Ein dichter Vollbart von dunkelblonder Farbe umrahmte sein ehrliches Gesicht, das nicht ohne Selbstbewußtsein war und von unentfalteter Kraft strotzte. Auf den ersten Blick freilich pflegte der Maler Königs — er war der zweite Beobachter der blonden Tänzerin — die Herzen nicht zu gewinnen. Oberflächliche Beurtheiler nannten ihn sogar achselzuckend einen simplen Menschen; aber er hatte auch Freunde, die ihn näher kannten und die Eigenschaften seines Characters hochschätzten.
Das Benehmen Brandts hatte das entschiedene Mißfallen des Malers erregt. Es mußten zwischen dem letzteren und der tanzenden Blonden eigenthümliche Beziehungen bestehen, welche die Einmischung eines Dritten nicht vertrugen. Trotzig, fast feindselig, musterte Königs den Doctor: weder die weißen Fäden in dem kurz