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Httssel-tl Kreislililtt.
Mit wöchentlicher Kratis-Weilage „Illustrirtes Muterhaltungsklatt".
Nr. 89. Dienstag den 28. Juli 1891.
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Bestellungen
auf das Hersfewer Kreisblatt mit der wöchentlichen Gratis-Beilage „Jllnstrirtes Untcrhaltnngs-Blatt" für die Monate August und September werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgeru und von der Expedition ange- nommen.
Amtliches.
HerSfeld, den 20. Juli 1891.
Den Herren Ortsvorständen zu:
Philippsthal, Heimboldshausen, Röhrigshof, Ransbach, Ausbach, Friedewald, Kleiveusee, Hersfeld, Asbach, Betershausen, Niederaula, Kirchheim, Kleba, Mengshausen, Niederjossa, Frielingen, Heddersdorf und Gersdorf theile ich nachstehend die Uuterbriuguvgs-Uebersicht der berittenen Truppen des XI. Armee-Corps während der Märsche nach Beendigung der diesjährigen Herbstübungen mit dem Aufträge mit, das hiernach Erforderliche alsbald zu veranlassen.
1. Gemeinde Philippsthal
am 23. und 24. September:
Stab des Feld-Artillerte-RegimeutS Nr. 27 sowie Stab und j/4 Eskadron Husaren-Regiments Nr. 13 in Stärke von zusammen 10 Officieren, 64 Mann und 75 Pferden.
2. Gemeinde Heimboldshausen am 23. und 24. September:
4/a Eskadron Husaren-Regiments Nr. 13 in
Stärke von 3 Officieren, 60 Mann und 65 Pferden.
3. Gemeinde Röhrigshof
am 2 3. und 24. September:
*/4 Eskadron Husaren-Regiments Nr. 13 in Stärke von 1 Officier, 30 Mann und 33 Pferden.
4. Gemeinde Ransbach
am 2 3. und 2 4. September:
2/s Eskadron Husaren-Regiments Nr. 13 in Stärke von 3 Officieren, 80 Mann und 87 Pferden.
5. Gemeinde Ausbach am 23. und 24. September:
Vs Eskadron Husaren-Regiments Nr. 13 in Stärke von 2 Officieren, 40 Mann und 43 Pferden.
6. Gemeinde Friedewald
a. am 23. und 24. September:
1 Eskadron Dragoner-RegimentS Nr. 24 in Stärke von 5 Officieren, 120 Mann und 130 Pferden. b. am 25. September:
II. Abtheilung des Feld-Artillerie-Regiments Nr.
27 in Stärke von 20 Officieren, 388 Mann und 200 Pferden.
7. Gemeinde Kleinensee
am 2 3. und 24. September:
'/, Eskadron Dragoner-Regiments Nr. 24 in Stärke von 2 Officieren, 40 Mann und 43 Pferden.
8. Stadt Hersfeld am 25. September:
Stab und 1 Eskadron Husaren-Regiments Nr.
7 in Stärke von 11 Officieren, 140 Mann und 160 Pferden.
9. Gemeinde Asbach am 25. September:
2/s Eskadron Husaren-Regiments Nr. 7 in Stärke von 3 Officieren, 80 Mann und 87 Pferden. 10. Gemeinde Beiershausen am 25. September:
</3 Eskadron Husaren-Regiments Nr. 7 in Stärke
von 2 Officieren, 40 Mauu und 43 Pferden.
11. Gemeinde Niederaula
a. am 25. September:
11/2 EskadrouHusaren-Regiments Nr. 7 in Stärke von 8 Officieren, 180 Mann und 195 Pferden. b. am 26. und 27. September:
Stab und 2 Batterien der II. Abtheilung Feld- Artillerie-Regiments Nr. 27 sowie 1/2 Eskadron Dragoner-Regimeuts Nr. 24 in Stärke von zusammen 17 Officieren, 264 Mann und 173 Pferden. 12. Gemeinde Kirchheim am 25., 26. und 27. September: ’/, ESkadron Husareu-RegimentS Nr. 7 in Stärke von 3 Officieren, 80 Maun und 87 Pferden.
13. Gemeinde Kleba am25. September:
*/, ESkadron Husaren-Regiments Nr. 7 in Stärke von 2 Officieren, 40 Mann und 43 Pferden. 14. Gemeinde Mengshausen
a. am 25. September:
^2 Eskadron HusaresRegiments Nr. 7 in Stärke von 3 Officieren, 60 Mann und 65 Pferden. b. am 26. und 27. September:
1 Batterie Feld-Artillerie-Regiments Nr. 27 in Stärke von 5 Officieren, 97 Mann und 50 Pferden. 15. Gemeinde Niederjossa am 26. und 27. September:
^2 Eskadron Dragoner-Regiments Nr. 24 in Stärke von 3 Officieren, 60 Mann und 65 Pferden. 16. Gemeinde Frielingen am 26. und 27. September: Stab des Husaren-Regiments Nr. 7 in Stärke von 6 Officieren, 20 Mann und 30 Pferden.
17, Gemeinde Heddersdorf am 26. und 27. September:
*/6 Eskadron Husaren-Regiments Nr. 7 in Stärke von 1 Officier, 20 Mann und 23 Pferden.
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Einfache Leute.
Novelle von August Scholz.
I (Fortsetzung.)
Die ältere der beiden Damen sah dem Doctor nicht ohne Befangenheit ins Gesicht, während die Aschblonde ihre blauen Bergißmeinnichtaugen i bald niederschlug, bald neugierig auf die beiden Herren richtete.
k »Herr Königs ist den Damen untreu geworden," ! begann Randolf. »Das ist sehr unrecht, denn die Steinbutte wird kalt werden "
»Er spricht drüben mit dem Commerzienrath Mehlstetn," versetzte die jüngere schüchtern; „er seinen kleinen Sohn als Savoyardenknaben malen."
»Ah, also ein Geschäft — dann kaun ich's be- ßreifen," sagte der Bildhauer lächelnd, worauf die Damen gleichfalls mit einem Lächeln antworteten.
Brandt blieb beobachtend sitzen, während Rudolf sich mit den Damen unterhielt. Die Aschblonde wurde von der Tante »Lila" genannt, und wirklich erweckte ihr Anblick eine lebhafte Erinnerung au die Farbe, welche ihr Name be- zeichnete: eS lag etwas veilchenartiges, zartes in ihrem ganzen Wesen. Die Tante, die ein,schwarz und weiß gemustertes Seidenkleid von älterem Schnitt trug, mochte etwa fünfzig Jahre zählen.
Sie war hager, hatte spitze Schultern, eine dünne, lange Nase und glattgekämmtes, stark gelichtetes Haar von jener unbestimmten Farbe, die mit gleichem Recht blond, braun oder grau genannt werden kaun. Ihre zusammengezogenen schmalen Lippen deuteten auf Strenge, aus den blaugrauen Augen jedoch sprach ungewöhnliche Sauftmuth und Güte. In diesen Augen lag auch die Aehn- lichkeit zwischen Taute und Nichte. Aber welcher Unterschied bestand iu allem anderen zwischen diesen beiden Wesen! Wie eine frisch erblühte Frühlingsblume neben einer getrockneten Herba- rtumpflauze — so war Lila neben der Alten. Sie zählte kaum siebzehn Jahre und war noch nicht voll entwickelt, aber in ihrer ganzen, schlanken Gestalt, in ihren Formen und Zügen waren Ebenmaß und Schönheit gleichsam vorgezeichnet. Sie mußte unbedingt auffallen, wo sie sich zeigte. Sie war eine jener einfach harmonischen Erscheinungen, deren Schilderung banal klingt, weil sie der nüchterne Verstand für unwahrscheinlich hält und tu das Reich phantastischer Gebilde verweist.
Der Ausdruck ihres Gesichts war klug und sinnig. Bisweilen leuchtete es blitzartig in den Hellen Augen, wobei ein zuckendes Lächeln die feinen Lippen kräuselte — eiu schüchterner Witz, ein geistvoller Gedanke, der sich aus dem jugendlichen Munde nicht hervorwagte. Stirn und Ktuu waren weniger bedeutend, als wohlgeformt, und
auch das schalkhafte Rüschen mit den keck geschwungenen Flügeln hatte mehr von der Anmuth der Liebesgöttin, als vom Ernst Minervas. Eine schmelzvolle Lieblichkeit war wie eiu zarter Reif über das unschuldige Gesichtchen verbreitet, dessen Teint zwischen einem feinen Blaß und einem leicht hingehauchten Roth wechselte und mit dem Hellen Aschblond des üppigen, ganz in langen Locken gehaltenen Haares köstlich zusam- menstimmte.
Brandt schien sich ganz in diesen entzückenden Anblick zu verseukeu. Er wandte fein Auge von Lila ab — es war, als hätte ein Zauber ihu umstrickt. Immer wieder schaute er sie mit langen, sinnenden Blicken an, als ob er in ihren Zügen forschen und die Lösung eines Räthsels finden wollte.
Als er aufsah, begegnete er einem mißtrauischen grauen Augenpaar, das feinen Blick gerade auf ihn gerichtet hatte. Es war ihm, als er ob diesem Allgenpaar heute bereits flüchtig begegnet wäre.
»Ah, KönigS, Ungetreuer!" rief Randolf aus und stellte dem Doctor den Ankömmling vor.
Dieser machte eine kalte, kurze Verbeugung, entschuldigte sich bei den Dameu wegen seines Fortbleibens und setzte sich, ohne Brandt weiter irgend welche Aufmerksamkeit zu schenken, vor die halb erkaltete Steinbutte.
Brandt fühlte sich durch das unwirsche Benehmen des Malers eigenthümlich berührt.