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Mit wöchentlicher Kratis-Keilage „Illugrirtes Auterhaltungsölatt".
Nr. 95.
DieMg den 11. August
1891.
Amtliches.
Hersfeld, den 6. August 1891.
Die Königlichen Herren Lokalschulinspektoren des hiesigen Kreises ersuche ich hiermit ergebenst, wir bis zum 15. d. Mts. unter Benutzung des nachstehend abgedruckten Musters gefälligst mittheilen zu wollen, in welchen Gemeinden Ihres Bezirks im bevorstehenden Winter ländliche Fortbildungsschulen eröffnet werden sollen.
7943. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz.
Uebersicht
über die ländlichen Fortbildungsschulen, welche im Winter 1891/92 eingerichtet werden sollen.
Ort.
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Am 17. August wird in dem zum Landbestell- bezirke des Kaiserlichen Postamts in Niederaula gehörigen Orte Kleba eine Posthülfstelle eröffnet, deren Verwaltung dem Gastwirth Schwarz übertragen ist.
Cassel, den 31. Juli 1891.
Der Kaiserliche Ober-Postdirector. Z i e l ck e.
« Das neue Einkommensteuergesetz.
III. DaS Beranlagungsverfahren. Berufung und Beschwerde.
Wie bisher, so bildet auch nach dem neuen Ge- setz die Personenstandsaufnahme den Beginn des alljährlichen Veranlagungsverfahrens. Die Vor- schritten über den Ort und die Vorbereitung der Veranlagung halten im Wesentlichen den gegenwärtigen Rechtszustand aufrecht. Insbesondere
gilt dies von den Obliegenheiten der Gemeinde- (Guts-) Vorstände, welche alljährlich eine Nach- Weisung der in ihrem Bezirke vorhandenen Steuerpflichtigen vorzunehmen haben. Die Hausbesitzer haben die Verpflichtung, der mit der Aufnahme des Personenstandes betrauten Behörde die in ihrem Hause vorhandenen Personen mit Namen, Berufs- und Erwerbsart anzugeben, und die Haushaltungsvorstände haben dem Hausbesitzer über die zu ihrem Hausstaude gehörigen Personen die erforderliche Auskunft zu ertheilen. Der Gemeinde (Guts-) Vorstand hat alsdann über die Besitz-, Vermögens- und sonstigen Ein- kommensverhältnisse der Steuerpflichtigen seines Bezirks, sowie über etwaige besondere, die Leistungsfähigkeit bedingende wirthschaftliche Verhältnisse möglichst vollständige Nachrichten etnzu- ziehen, überhaupt alle Merkmale, welche ein Urtheil über die Besteuerung zu begründen vermögen,
zu sammeln und auf Grund dieser Ermittelungen das muthmaßliche Einkommen der Steuerpflichtigen in eine Einkommensteuer-Nachweisung ein» zutragen. Diese Einkommeusteuer-Nachweisungen werden darauf von der Voreinschätzungscommission geprüft, welche aus dem Gemeindevorstand als Vorsitzenden und aus einer von der Regierung z» bestimmenden Anzahl theils von ihr ernannter, theils von der Gemeindevertretung oder Gemeindeversammlung gewählter Mitglieder besteht und in welcher die Zahl der ernannten Mitglieder, ein- schließlich des Vorsitzenden, hinter der Zahl der gewählten Mitglieder zurückbleiben muß. Von eben dieser Voreinschätzungscommission werden die Steuersätze für die Steuerpflichtigen mit Einkommen unter 3000 Mark in Vorschlag gebracht.
Die auf diese Weise vorbereitete Voreinschätzung geht nunmehr an die nächst höhere Behörde, nämlich an die Vrranlagungscommissionen, welche für je einen Kreis (Veranlagungsbezirk) gebildet werden. Die Veranlagungscommisstou wird theils aus der von der Kreisvertretung zu wählenden, theils aus Vou der Regierung zu ernenveuden Mitgliedern gebildet; Vorsitzender ist der Land- rath oder ein von der Regierung zu ernennender Kommissar; die Zahl der ernannten Mitglieder darf die Hälfte der Gewählten nicht überschreiten. Der Vorsitzende setzt die Steuersätze für die Steuerpflichtigen mit Einkommen unter 3000 Mark, wenn er mit den Vorschlägen der Voreiuschätzuugs- Commission einverstanden ist, fest; andernfalls wird von ihm die Entscheidung der Veranlagungs- Commission herbeigeführt. Für die Steuerpflichtigen über 3000 Mark Einkommen werden die Steuersätze von der Veranlagungscommission festgesetzt. Zuvor aber erläßt der Vorsitzende die öffentlichen Bekanntmachungen über Steuererklärungen und prüft die sämmtlichen einge- gaugenen Steuererklärungen; der Vorsitzende hat ferner möglichst vollständige Nachrichten über die Vermögens-, Besitz- und Einkommensteuerverhält-
I ihrer Schwester an. Jnspector Langner hatte damals gerade daS Gut Jmkenau selbständig von seinem Besitzer gepachtet und nahm Schwägerin und Nichte aufs herzlichste bet sich auf. Ein Kind im Hause — dieser Gedanke war dem guten Langner, dem Vaterfreuden nicht beschieden waren, so verlockend und neu! Und die kleine Lila war wirklich ein entzückendes Engelskind, so munter und so schön! Schön wie ihre Mutter, der sie fast Zug um Zug glich, wenn ein frisches junges Knöspchen einer schattenhaften, schnell welkenden Blüthe noch gleichen kann.
Tante Langner schaute nach der eifrig lesenden Lila hinüber und verglich sie im Geiste mit jenem zweijährigen Kinde, das einstmals die Räume von Jmkenau mit jungem Leben erfüllte.
»Sie ist prächtig erblüht," dachte sie und betrachtete Lila mit liebevollem, zufriedenem Lächeln. Lila wußte nichts von dem unglücklichen Schicksal ihrer Mutter, und die Tante hatte beschlossen, ■ sie niemals über dasselbe aufzuklären. Die arme, bleiche Schwester Marie war bald nach ihrer Ankunft in Jmkenau dem Dämon Schwindsucht verfallen und ging langsam aber sicher dem Tode : entgegen. Lila zählte acht Jahre, als ihre Mutter ; starb. Sie fühlte den Verlust nicht zu schwer — sie hatte längst in Onkel Langner und Tante : Bertha ein anderes Elternpaar gefunden. Mit wahrer Leidenschaft hingen diese guten Leute an der Nichte. Lila entpuppte sich als wohlbegabtes,
Einfache Ke«te. Novelle von August Scholz.
(Fortsetzung.)
Die Juspectorin warf sich schluchzend auf die unglückliche Frau, küßte und berzte sie aufs zärtlichste, brächte sie durch kalte Umschläge zum Bewußtsein zurück, und während der biedere dicke Langner mühsam die Treppe zur Giebelstube emporklomm, um diese für den unerwarteten Gast in Stand zu setzen, eilte sie in die Küche, um aus Kamillenblüthen einen Heiltrank zu brauen.
Aber schon am nächsten Tage erschien Horn selber in Jmkenau, versöhnte sich mit seiner Gattin und reifte mit ihr nach Brieg. Was ihn zu diesem Schritte bestimmt haben mochte, das erfuhr die Tante nie; doch hatte sie seither von dem Fabrikdirector eine bessere Meinung. Leider erfreute er sich derselben nur noch wenige Jahre — er starb nach einem ausschweifenden Gelage an einem Gehirnschlag. Boshafte Stimmen be- hauptetev, er wäre der Natur durch ein wenig -Blausäure zu Hilfe gekommen. Seine Schulden, ^.v°tte nicht nur getrunken, sondern au» ge- ^lt, beliefen sich so hoch, daß seine Wittwe M. sie eingezogen war, die Directorsvilla «Ä^® kleinen Mädchen, das wenige Monate ^Z Martes Flucht das Licht der Welt erblickt hatte, kam die Wittwe in dem gastlichen Hause
namentlich musikalisch gut veranlagtes Kind. Tante Langner, die einst als junges Mädchen in einen Breslauer Tenor platonisch verliebt gewesen war und aus jener Zeit eine entschiedene Schwäche für alles, was Musik heißt, behalten hatte, wollte durchaus eine Lehrerin dieser edlen Kunst für Lila ins Haus nehmen. Der Onkel war jedoch anderer Meinung, daß blankes Geld auch gar nicht übel klinge, und so ließ er eS aus Sparsamkeitsrückstchten beim Dorfcantor bewenden.
Sehr traurig war es, daß auch Oukel Langner wenige Jahre nach Marie starb.
»Ach, der gute, gute Oskar!* dachte die Tante, und ihre Augen füllten sich mit Thränen. Sie gedachte jenes schrecklichen Morgens, da man ihn mit zerquetschter Brust und klaffendem Schädel ins Haus brächte. Er hatte einen wilden jungen Hengst bestiegen — immer hatte sie ihn vor seinen Reiterstückchen gewarnt, er wäre doch kein Jüngling mehr — und ehe stch's jemand versah, war das Unglück geschehen.
»Vergiß mir die Lila nicht, meine gute Bertha!" — waren die Worte, die er auf seinem Sterbelager wohl hundertmal wiederholte. Nach drei furchtbaren Tagen, die für die Ueberlebenden noch qualvoller wareu, als für den Sterbenden, schloß er die Augen.
Tante Langner zog darauf nach Bunzlau und blieb daselbst, bis Lila inS siebzehnte Jahr ge-