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Mit wöchentlicher Kratis-Weilage „Illustrirtes Anterhaltungsölatt".________
Nr. 106.
Sonnabend den 5. September
1891.
Erstes Blatt.
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auf das Hersfelder Kreisvlatt mit der wöchentlichen Gratis-Beilage „JllnstrirtesUntcrhnltnngs-Blatt" pro September werden von allen Kaiserlichen Haftanstalten, Laudbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtliches.
Der Herr Minister für Handel und Gewerbe hat auf Grund des §. 21 der allgemeinen polizeilichen Bestimmungen über die Anlegung von Dampfkesseln vom 5. August 1890 (Reichsgesetzbl. für 1890, Seite 163 ff.) vorbehaltlich jederzeitigen Widerrufs bestimmt, daß die Locomobil-Dampf- motoren D. R. P. System Hoffmeister in den Stärken von 1 bis höchstens 6 Pferdekräften, welche als bewegliche Dampfkessel genehmigt sind, unter folgenden Bedingungen an einem Betriebsorte zu dauernder Benutzung aufgestellt werden dürfen:
1) Vor der Inbetriebnahme ist von dem Be- triebsunternehmer oder dessen Stellvertreter der Ortspolizeibebörde unter Angabe der Stelle, an welcher der Betrieb stattfinden soll, Anzeige zu erstatten.
2) Bei der Aufstellung und beim Betriebe find die geltenden bau- und feuerpolizeilichen Vorschriften, sowie die Anordnungen der Ortspolizeibehörde zu befolgen.
Einfache Keule.
Novelle von August Scholz.
(Fortsetzung.)
In der Wohnstube der Frau Languer traf er den gesuchten Maler: mit freudestrahlendem Gesicht stand Königs neben Lila und begrüßte den Doktor mit einem so ruhigen glücklichen Lächeln, daß Brandt fast zu zweifeln begann, ob die Unterredung, die er vor zwei Stunden mit Milbitz gehabt, wirklich stattgefunden habe. Von Königs blickte er zu Lila hinüber: auch ihre Augen glänzten im reinen Schimmer seliger Empfindung. Fast schien sie sich der Ueberfülle von Lust zu schämen, die sie erfüllte, und wie von Innen her geblendet senkte sie die Augen.
„Sie scheint von nichts zu wissen," sagte sich der Doktor.
Nachdem er ein paar Minuten mit Lila und der Tante über gleichgültige Dinge geplaudert hatte, erklärte er Königs, daß sein Besuch ihm gelte. Sie verabschiedeten sich von den Damen und . "Kn sich in das Atelier, da die alte Schmidten mmer des Malers großes Reinemachen avhtelt.
*3$ finde Sie so gefaßt," bemerkte Brandt, nachdem er auf einem Stuhle Platz genommen '»und doch stehen Sie vor einer ernsten
Ein ruhiges Lächeln überflog die kräftigen Züge des Mannes.
Ferner ist von dem Herrn Minister bestimmt, | daß die Hoffmeiste r'schen Locomobil-Dawpf-1 Motoren, wenn und solange sie an demselben Standorte dauernd im Betriebe stehen, den regel- mäßigen Revisionen und Wosserdruckproben nach den für feststehende Dampfkessel maßgebenden Vorschriften zu unterwerfen sind.
Cassel, am 26. August 1891.
Der Regieruvgs-Prästdent. I. A.: A l t h a u s.
Hersfeld, deu 26. August 1891.
Der Ackermann Johannes Deisenroth zu Lengers ist als Ortsschätzer der dasigen Gemeinde heute verpflichtet worden.
8726. Der Königliche Laudrath
Freiherr von Schleinitz.
Wolitische Nachrichten.
Se. Majestät der Kaiser reiste am Mittwoch früh in das Manöverterrain des Gardekorps. Nachmittags kehrte Allerhöchstderselbe wieder nach Berlin zurück. Abends erfolgte alsdann die Abreise zu den österreichischen Kaisermanövern.
Aus Horn, 3. September, wird gemeldet: Zum Empfange Sr. Majestät des Deutschen Kaisers waren der Kaiser Franz Josef, der König von Sachsen, der Prinz Georg von Sachsen, die Erzherzöge Karl Ludwig und Franz Ferdinand von Este, sowie der Minister des Aeußeren, Graf von Kalnoky, der Kriegsminister Feldzeugmeister Freiherr v. Bauer und der Landesvertheidigungs- miuister Feldzeugmeister Graf Welsersheimb um 7^2 Uhr früh hier eingetroffen. Der Kaiser Franz Josef hatte Generals-Kampagneuntform angelegt, der König und der Prinz Georg von Sachsen warenin devUuiformeu ihrer österreichischungarischen Regimenter erschienen. Der Sonderzug mit Sr. Majestät dem Deutschen Kaiser lief 7 Uhr 47 Minuten in den Bahnhof ein. Se. Majestät
»Was ist daran zu ändern?" versetzte er, leicht die Achseln zuckend. „Ich habe meine Aufregung überwunden und schaue den Dingen ziemlich gleich- müthig entgegen."
„Aber welche Thorheit von diesem Randolf!" versetzte der Schriftsteller, indem er mit Mühe seine Aufregung nt-derzukämpfen suchte. .Ist denn ein friedlicher Austrag nicht mehr denkbar?"
Königs machte eine abwehrende Bewegung.
.Ich habe es abgelehnt, ihm Abbitte zu leisten," sagte er. .Er würde eine Nachgiebigkeit von meiner Seite mißbrauchen. Er ist ein Prahlhans mit weitem Gewissen nnd würde sich nicht scheuen, anderer Ehre zu verunglimpfen, wenn er dabei nur sich selbst in ein Helles Licht setzt. Doch urtheilen Sie selber, ob ich die Herausforderung nicht annehmen mußte."
Er erzählte Brandt in Kurzem die Vorgänge des verfloffenen Abends.
Als er geendet hatte, schüttelte der Doktor ihm die Hand.
.Sie sind ein echter pommerscher Starrkopf," bemerkte er lächelnd, man muß Sie Ihre Wege gehen lassen."
„Ueberdies," versetzte Königs mit einer gewissen Verschämtheit, „kommt noch ein Umstand hinzu. In dem Augenblick, als ich für Fräulein Horn eintrat, betrachtete ich sie bereits als meine Braut. Zwar habe ich mich erst heute vor einer Stunde erklärt. . ."
Der Doktor schnellte von seinem Sitze empor.
der Kaiser, in der Paradeuniform seines österreichisch ungarischen Husarenregimeuts, entstieg rasch dem Hofsalonwagen, während Allerhöchst- demselben der Kaiser Franz Josef aus dem Hofwartesalon entgegeneilte. Beide Monarchen umarmten und küßten sich dreimal und begrüßten sich wiederholt in wärmster Weise. Hierauf wandte sich Se. Majestät der Deutsche Kaiser überaus herzlich zu dem König von Sachsen, dem Prinzen Georg von Sachsen und den Erzherzögen. Nach der Vorstellung des beiderseitigen Gefolges richtete der Kaiser Franz Josef an den Reichskanzler General von Caprivt und Se. Majestät der Kaiser Wilhelm an den Grafen v. Kalnoky und die Minister Freiherrn v. Bauer und Grafen Welsersheimb huldvolle Worte; auch andere Persönlichkeiten des Gefolges wurden durch Ansprachen Ihrer Majestäten ausgezeichnet. Die Begrüßung trug ungeachtet ihrer militärischen Kürze den Charakter der allergrößten Herzlichkeit, wie es nur da möglich, wo zur politischen Ver- bündung die wärmste persönliche Freundschaft hiu- zutritt. Nach beendeter Bewillkommnung bestiegen die Majestäten die vor dem Bahnhöfe bereitsteheu- den Pferde und ritten der Kaiser Wilhelm zur Rechten des Kaisers Franz Josef unter dem Jubel der Bevölkerung in die Stadt, wo die Begeisterung, als die Majestäten bet der Triumphpforte anlangten, ihren Höhepunkt erreichte.
In einem Leitartikel über die diesjährigen zwischen Horn und Gemünd in Gegenwart von drei verbündeten Monarchen stattfindenden Manöver sagt das Wiener „Fremdeublatt", die Anwesenheit des Deutschen Kaisers bei diesen großartigen Heeresübungen sei kein politisches Ereigniß, denn es bedürfe keines neuen Beweises für die Innigkeit und Festigkeit der deutsch- österreichischen Beziehungen. Die Anwesenheit des Deutschen Kaisers sei nur ein neues und natürliches Symptom des bestehenden Bundes-
„Fräulein Lila Horn . . . Ihre Braut?" brächte er mit Mühe hervor. Der gleichmüthige, ernste Ausdruck seines Gesichtes verschwand und eine Fluth von widerstrebenden Gefühlen spiegelte sich in demselben. Eine freudige Bestürzung schien seine Seele zu erschüttern.
„Sie waren vorhin, ohne es zu wissen, Zeuge unserer Verlobung," entgegnete Königs mit einer Miene, in welcher sich das ruhige Glück aussprach, das die Erreichung eines ersehnten Zieles gewährt.
Die innere Bewegung des Schriftstellers steigerte sich bis zu heftiger Rührung.
.Ich wünsche Ihnen Glück," sagte er, KönigS die Hand reichend, „doch muß ich ... es bedarf einer Aufklärung . . ."
.Und wenn ich alles wüßte, was Sie mir sagen wollen?" erwiderte Königs, deffen ruhige Stimmung unwillkürlich weicher wurde, „wenn mir dieses Verhängniß alle, die es betrifft, nur um so theurer macht?"
„Verhängnis, Verhängnis!" brächte der Doktor hervor — „o, wie danke ich Ihnen, mein theurer Freund!"
Brandt warf sich au die Brust des Malers und ein Quell von warmen, lindernden Thränen stürzte aus seinen Augen hervor. Es war, als ob ein harter, eherner Druck sich von seinem Wesen löste. Königs aber erschien wie eine markige Stütze des früh gealterten, graubärtigen Mannes, der ihn fast um Haupteslänge überragte.
Sie hatten wiederum auf ihren Sitzen Platz