Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend.
Abonnementspreis:
vierteljährlich 1 Mark 40 Pfg. excl.
Postaufschlag.
Die Jnsertion-gebühren betragen für den Raum einer Spaltzeile 10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Pfg. Reklamen die Zeile 20 Pfg.
Bei gröberen Aufträgen entsprechender Rabatt.
ersseldkl Kreisblatt.
Mit wöchentlicher Kratis-Meilage „Illukrirtes Uuterhaltuugsölat^'.
Nr. 107.Dienstag den 8. September 1891.
Amtliches.
Hersfeld, den 31. August 1891.
Das Königliche Eisenbahn - Betriebsamt zu Frankfurt a/M. hat darum nachgesucht, zu veranlassen, daß die Hülfs-Bahnwärter und HülfS- Weichensteller von den persönlichen Gemeindediensten (insbesondere in der Feuerwehr) fretge- lasten werden.
Den Hülfs-Bahnwärtern 'und Hülfs-Weichen- stellern gebührt bezüqlich der Gemeindedienste bei Ausstellung der in § 78 Satz I der Kurhesstschen Gemeindeordnung vom 23. October 1834 erwähnten Bescheinigung dieselbe Befreiung, wie solche den Bahn- und Weichenwärtern durch die Kurfürstliche Verordnung vom 4. Dezember 1857 (Althaus, Gemeindeordnung Seite 279) zuge- standen ist.
Wenn auch gegenüber einer unberechtigten Heranziehung dieses Bahnpersonals durch die Gemeinden der Gang der ordentlichen Rechtsmittel sich nach den §§. 18 und 34 des Zuständigkeits- gesetzes vom 1. August 1883.(G. S. S. |237) regeln würde, so wird doch — um etwa aus einer unberechtigten Heranziehung des Bahnpersonals zu persönlichen Gemeindediensten sich ergebenden Betriebsstörungen vorzubeugen — von Aufsichtswegen auf das Unzulässige einer solchen Heranziehung aufmerksam gemacht.
8848. Der Königliche Landrath Freiherr von S ch l e t n i tz.
Gefunden: 1. ein Meter-Maaß, 2. ein Federmesser, 3. ein Taschenmesser, 4. eine Wagenbemme. Meldung der Eigenthümer bei dem Ortsvorstand zu Kalkobes.
Gefunden: eine Mütze. Meldung des Eigen- thümers bei dem Ortsvorstand zu Obergeis.
Mokitische Nachrichten.
Im Schlöffe zu Schwarzenau fand am Donnerstag Abend eine größere Tafel statt, an welcher Ihre Majestäten Kais er Wilhelm und Kais er Franz Josef, der König und der Prinz Georg von Sachsen, der Erzherzog Carl Ludwig, der Erzherzog Ferdinand von Oesterreich-Este, der deutsche Botschafter am österreichischen Hofe, Prinz Heinrich VII. Reuß, der Reichskanzler v. Caprivi und Graf Kalnoky und mehrere andere hochgestellte Personen 2C. Theil nahmen. — Am Freitag Vormittag wohnte Se. Majestät der Kaiser mit dem Kaiser Franz Josef, dem König von Sachsen und den anderen höchsten und hohen Herrschaften und Fürstlichkeiten 2C. wieder dem Manöver des 2. und 8. österreichischen Armeekorps bei Schwarzenau bei und kehrte dann am Nachmittage mit seiner Begleitung wieder nach Schloß Schwarzenau zurück. Auf dem ganzen Wege wurden die Majestäten von der Menge jubelnd begrüßt, sämmtliche Ortschaften waren festlich geschmückt. — Se. Majestät der Kaiser nahm am Sonnabend während der Morgenstunden auf Schloß Schwarzenau zunächst einige Vorträge entgegen, arbeitete alsdann noch kurze Zeit allein und begab sich hierauf zur Beiwohnung der Truppenübungen des 2. und 3. österreichischen Armeekorps wiederum nach dem Manöverterrain, wohin Allerhöchstdenselben auch der Kaiser Franz Josef und der König von Sachsen, sowie die zur Zeit im Manöverfelds anwsssndm österreichischen Erzherzöge und die übrigen fremden Fürstlichkeiten begleiteten. — Die Rückkehr vom Manöverfelde nach Schloß Schwarzenau erfolgte am Nachmittage gegen 3 Uhr. — Das Befinden Sr. Majestät des Kaisers ist ganz vortrefflich.
Se. Majestät der Kaiser trifft am Montag, Abends 9 Uhr 30 Min., in München ein. Zum Empfange Sr. Majestät werden sich die sämmtlichen Prinzen des Königshauses am
Bahnhof einfinden; ebenso die StaatSminister- der Stadtkommandant, der Polizeidirektor rc. Die in München anwesenden Prinzessinnen versammeln sich in den Appartements des Königsbaues, um den Kaiser bei seinem Eintreffen daselbst zu begrüßen. Der Regierungspräsident Frhr. v. Pfeufer wird dem Kaiser bis zur bayerischen Grenze evt- gegenreisen.
Die von verschiedenen — besonders römischen — Seiten verbreitete Nachricht, daß die in München geführten Vertragsverhand- l u n g e u mit Italien zu stocken drohen, werden Seitens der „Allgem. Ztg." für unrichtig erklärt; die erste Lesung nehme vielmehr einen günstigen Verlauf.
Aus Königsberg wird berichtet: Der Werth der in den letzten 14 Tagen hier angekommenen und zum größten Theil auch angekauften Getreidemengen wird auf mindestens 20 Million Mark geschätzt.
Im Retchs-Justizamt ist am 1. d. M. die Vorkommiss^on zur Vorbereitung von Aeuderungsautrü^u zur zweiten Lesung des Entwurfs eines bürgerlichen Gesetzbuchs unter dem Vorsitze des Staatssekretatrs Dr. Boffe wieder zusammeugetreteu. Die Berathungen begannen, der „Kreuzztg." zufolge, mit dem allgemeinen Theil des Obligationenrechts. Der Zusammentritt der H a u p t k o m m i s s i o n ist für den 12. Oktober in Aussicht genommen.
_ Die Verordnung vom 6. März 1883, durch welche die Einsuhr von Schweinen, Schweinefleisch und Würsten amerikanischen Ursprungs, verboten wurde, ist jetzt durch Kaiserliche Verordnung vom 3. September für lebende Schweine, sowie für solche Erzeugnisse außer Kraft gesetzt, welche mit einer amtlichen Bescheinigung darüber versehen sind, daß da« Fleisch »m Ursprungslande nach Maßgabe der daselbst geltenden Vorschriften untersucht und frei von gesundheitsschädlichen Eigenschaften befunden worden ist. Der Reichskanzler ist zugleich ermächtigt, zur Controle der Beschaffenheit des aus Amerika eingeführten Schweinefleisches geeignete Anordnungen zu treffen.
Nunmehr liegt auch die Ernte-Statistik für da« Jahr 18 9 0/91 (in dem Juli-Heft der Statistik des
Einfache Keule.
Novelle von August Scholz.
(Fortsetzung.)
Hunderte, die denselben Weg gehen, erreichen das Ziel mit geringeren Mitteln — warum sollte ich es verfehlen? So habe ich denn gegrübelt und geforscht und die Eingeweide der Natur durchwühlt, um aus meinem Laboratorium eine neue Weltanschauung (die elftausendste wohl in diesem Jahrhundert) hervorgehen zu lassen. Endlich, endlich glaubte ich den neuen Urstoff zu haben, der meinen Namen an die Ohren der Mitwelt hinaustragen sollte; da kam ein Stoß, - der Nachen wankte. . . alles war vorüber . . .
Gescheitert! In einem fernen Welttheil friste ; ich einsam mein Leben. Ich unterrichte die Kinder eines reich gewordenen Schiffskochs im Buch- stabtren und beaufsichtige die Rinderherden auf seinem Landgut. • Tausende von Rindern, die auf unabsehbaren, üppigen Weideplätzen grasen, ^Ameln sich vor meinen Augen. Prächtige » ^re sind darunter — und wie mannigfaltig ihre Physiognomien, ihre Temperamente! Mit aufrichtiger Freude begrüße ick au jedem ■ Morgen diese buntscheckigen Herden, die wie eine । Srchaar von wilden Erdbewohnern aus der Land- | schuft hervorzuwachsen scheinen. Und wie herrlich I ist diese Landschaft selber - wie andächtig stimmt sie mich mit ihrem großen, gewaltigen
Charakter! Noch birgt sich die Sonne hinter | dem violett und blau übereinander gelagerten Gewölk am Horizont, weiße Nebelschleier umwogen die Spitzen der Berge, wie ein flatterndes Band wallen die Morgendünste über dem Flusse. Auch die Menschen erscheinen mir anders — liebenswürdiger zugleich und größer — in dieser gigantischen Umgebung. Die kräftigen braunen Gestalten der Rinderhtrten sammeln sich um mich und ich theile ihnen die Befehle des Chefs mit, bestimme die Anzahl der Stücke, die in die Schlächterei abgeführt werden sollen. Wir haben neue Verbindungen in Birmingham angeknüpft, unsere Fleischkonserven erobern einen Markt nach dem andern . . .
Eins vermisse ich jedenfalls an den Bemühungen dieser unverdrossenen Menschenschaar: sie haben nicht ein Wort, nicht eine mitleidige Silbe für das menschliche Herz. Gehirn und Magen — das sind die großen Götzen des Tages. In ihrem Frohndienst keuchen Sie alle einher, wie ägyptische Sklav.m, die eine Pyramide bauen für den Leichnam ihres Königs. DaS menschliche Herz — dieses lächerliche Ding . . .
28. 9 68 Seltsam, wie schnell man verschmerzen lernt! Elst drei Jahre sind verflossen, seit ich Europa verlassen habe. Wo ist die grenzenlose Welt von Schmerzen, die ich damals mit mir Hinwegtrug? Zwei Falten um die Mundwinkel — das ist alles, was von ihr ge
blieben. Es ist so ruhig in mir, eine lauwarme Stille ohne Schmerz und ohne Freude. Doch ich lüge — erst gestern hatte ich eine Freude: ich bekam unerwartet Nachrichten von Marie. Man sagt, sie sei glücklich; Horn führt sein früheres Leben; sie haben ein Kind . . .
Es giebt nichts Abgeschmackteres, als den Selbstmord. Ich rechne mir's nicht gering an, daß ich niemals im Ernst daran gedacht habe, obgleich das Herz mir wirklich bisweilen bersten wollte. Ich liebte Marie mit der ganzen Gluth eines jungen Herzens, sie war meine einzige Leidenschaft und wird meine letzte bleiben. Ich hätte ihr alles geopfert — Zukunft, Ehre, Leben, nichts wäre mir zu theuer gewesen. Aber sie mochte nichts von alledem — sie wollte kein Opfer von mir, wie sie sagte. Horn drohte, sie zu tödten, wenn ich bliebe, und versprach, ihr zu verzeihen, wenn ich ginge und niemals wieder ihre Wege kreuzte. Und so ging ich, wie ein Verfehmter, mit blutendem Herzen, weil sie es verlangte . . . Komödie . . . oder nicht?
Marie:
Während ich in meiner Einsamkeit diese Worte niederschreibe und mit grübelndem Spott meinen Gleichmuth zu schützen suche, sehe ich plötzlich dein bleiches, zartes Gesicht vor mir auftaucken ... eS starrt mich so ängstlich, so mitleidflehend au ... o, wende diese schönen, unglücklichen Augen von mir ab, störe nicht den armseligen