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Hkrsftliikl Klkisdlatt.

Mit wöchentlicher Kratis-WeilageIllustrirtes Muterhaltungsölatt".

Nr. 114.

Domerstag den 24. September

189L

Wmmmk-LMmz.

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Hersfelder Kretsblatt

mit der wöchentlichen Gratis-Beilage Jllustrirtcs Unterhaltungs-Blatt"

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Die Expedition.

Amtliches.

Unter dem Rindvieh des Laudwirthes Adam (Silier hierselbst ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen.

Niederjoffa, den 21. September 1891.

Der Bürgermeister: Eckhardt.

politische Nachrichten.

Se. Majestät der Kaiser und König ist, mit den Herren seiner Umgebung, von Wil­

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

Nachbarslinder.

Novelle von H. Warring.

(Fortsetzung.)

Vom Dorfe her liefen Männer und Frauen herzu, schreiend, jammernd: »Das Elend, das Elend! Sehen müssen, wie das Kind ertrinkt, und nicht helfen können!" Und dann plötzliche Stille im Kreise der Männer! Eine junge Stimme spricht ein paar Worte dann ein Hantiren mit Tauen, ein lebhaftes Durcheinander. Und dann öffnete sich der KreiS, eine junge, schlanke Gestalt läuft den Steg entlang, ein Tau um den Leib gegürtet.

»Der Endrick! Sohn, Sohn!"

Schluchzend liegen sich die beiden Frauen in den Armen, eine die andre stützend, das Gesicht der einen an die Schulter der andern gedrückt. Sie können, sie wollen das Grausige, daS jetzt geschieht nicht sehen. Er ist zurückgeworfen worden an den Strand. Noch einmal läuft er den Steg entlang und wirft sich in die Fluth. Lautlose Stille unter allen Umstehenden. Diesmal wirft eS ihn nicht zurück er kommt vorwärts langsam rollt das Tau durch die harten Hände der Fischer. Ein paar Mal sieht man den Kopf deS jungen Menschen in dem Schwalm auftauchen, jedesmal ein wenig näher dem schwankendem Boot. Er kommt vor­wärts, aber langsam langsam. Er arbeitet

helmshöhe kommend, am Montag Nachmittag um

4 Uhr wohlbehalten in Stettin eingetroffen und auf dem Bahnhöfe daselbst von den Spitzen der Behörden und einem zahlreichen Publikum festlich empfangen worden. Nach der Empfangsbegrüßung begab Allerhöchstderselbe sich zu Wagen nach Bredow, woselbst die Grundsteinlegung einer neuen evangelischen Kirche stattfand. Nach beendeter Feier fuhr Se. Majestät nach der im schönsten Flaggenschmuck prangenden Werft des »Vulkan", um daselbst im Beisein der Admiralität und vieler anderer hoher Marine- und Seeoffiziere, der Spitzen der Behörden und zahlreicher anderer hochgestellter Persönlichkeiten dem Stapellauf des neuerbauten Panzerschiffes »Brandenburg" betzu- wohnen. Nach beendetem Festakte empfing der Kaiser sodann auf dem Festplatze den Erbauer des neuen Panzerschiffes, sowie mehrere andere Persönlichkeiten, welche beim Bau desselben thätig mitgewirkt hatten, und ertheilte noch einige Audienzen. Am Abend um 6 Uhr hat Se. Majestät Stettin wieder verlassen, um seine Reise über Dirschau und Königsberg und Jnsterbarg nach Trakehnen fortzusetzen, woselbst die Ankunft am Abend kurz vor halb 9 Uhr erfolgte. Nach dem Eintreffen daselbst bestieg Se. Majestät mit den Herren seiner Begleitung die bereit gehaltenen Equipagen, um ohne weiteren Aufenthalt die Fahrt nach Schloß Rominten, dem neuerbauten kaiserlichen Jagdschlösse, fortzusetzen. Nach etwa 2«/^ständiger ununterbrochener Fahrt traf Se. Majestät im dortigen Schlosse ein, woselbst Aller­höchstderselbe für die nächsten Tage Aufenthalt zu nehmen gedenkt.

Auf Veranlassung der Stadt Erfurt wurde unter den preußischen Kommunen eine an den Landtag zu richtende Petition in Umlauf gesetzt, welche auf den Ersatz der den Kommunen durch die Ausführung der Arbeiterversicherungs-Gesetze entstehenden Verwaltungskosten hinzuwirken be­

mit übermenschlicher Kraft er wird eine Strecke zurückgeworfen er kommt wieder vorwärts! Das Tau rollt ab langsam langsam! »Und wie ist denn das gekommen wie hat das geschehen können?"

»Ja, wie ist das gekommen?" sagt der Kalgies, der einen Augenblick die Hand von dem Taue läßt, an dem das Leben seines SohneS hängt »daS neue Bot von Endrick war loSgegangen im Sturm. Ich sah es und stürz' hin. Aber da ist das Kind, die Martcke, schon drin. Sie will sich und das Boot an Tau heranziehen da fällt sie hin das Tau ist abgeglitten und in einem Nu das Boot so weit d'rtn, daß ich nicht mehr ran' kann. Laßt mehr abrolleu, Kinder gebt ihm wehr Spielraum!"

»Das arme, kleine Ding!"

»Sie ist eine tapfre Dtrn! Im Augenblick war sie am Steuer uud immer scharf gegen! Hat mehr Schick im kleinen Finger, als mancher im ganzen Leib I*

»Sie hat also dem Endrick das Boot retten wollen?"

Und plötzlich ein Schrei aus vielen Kehlen: »Herr JeS' Herr JeS' der Jonat! Ich hab schon lang gesehen, daß ihm nicht gut ist I" Schwer und hart wie ein Baumstamm war er in den Sand gestürzt. Er lag da und röchelte, und sein alter Feind Kalgies, der ihn an den Schultern aufgerichtet hatte, wischte hm Bluts­tropfen ab, die auf feinen fest aufeinander ge -

stimmt ist. Zuerst lag es in der Absicht, nur Kommunen um ihre Unterschrift auzugeheu, welche lediglich einen Stadtkreis bilden. Wie die »B. P. N." hören, hat man jedoch jetzt diese Absicht aufgegeben, und es ist die in Rede stehende Petition zur Unterstützung auch an Städte mit Landkreisen gesandt worden. Voraussichtlich dürfte also die Petition, mit zahlreichen Unter­schriften bedeckt, in der nächsten Session an daS preußische Herrenhaus und Abgeordnetenhaus ge- langen und dort zu einer Erörterung der Frage der Kosten der Arbeiterversicherung Veranlassung geben.

(Vernunftgemäße Sitten.^ In einer socialdemokratischen Versammlung zu Köln a. RH. wurden eine Reihe Beschlüsse zu dem Programm- entwurf gefaßt, der den Erfurter Tag beschäftigen soll. Einzelne derselben sind im hohem Grade für die socialdemokratische Weltanschauung be­zeichnend, z. B. die folgenden: »Das Recht der MandatSentziehung durch die Wähler" soll neu etngefügt werden Die Entscheidung über Krieg und Frieden soll nicht »durch die Vertreter des Volkes", sonderndurch die Gesammtheit deS Volkes" erfolgen, da immer in Volksvertretungen augenblickliche Einflüsse sich geltend machten. Die ForderungAbschaffung aller Gesetze, welche die freie Meinungsäußerung, VersammlungS- recht u. s. w. unterdrücken" soll ersetzt werden durch den Satz:Abschaffung aller gesetzlichen Maßnahmen, welche gegen natürliche und vernunft­gemäße Sitten gehen." Man verwies hierzu auf die heutigen Eheverhältnisse als Maß­nahmen bezeichnet, welche nicht mit den Vernunft- gemäßen natürlichen Sitten übereinstimmteu. Hindernisse seien die Sanction der Kirche tu den Ländern, wo diese noch erforderlich ist und die elterliche Zustimmung (!). Alle solche Maßnahmen sollen abgeschafft und den heutigen Verhältnissen angepaßt" werden. Wir glauben

preßteuLippen perlten. Und dann wieder eiuSchrei:

»Er ist dran! er ist dran!"

Alles jauchzte, nur die Frau Jonat stand da, als hörte und sähe sie nichts. Mit todtblassem Gesicht und einem Ausdruck von Jammer und Entsetzen, wie ich ihn vor- und nachher nie wieder gesehen habe, starrte sie auf ihren Mann.

»Jonatin, Jonatin! Dein Kind ist gerettet, der Endrick, der brave Bursche hat es gerettet!" rief eine der Frauen und rüttelte ihren Arm. Sie fuhr auf und starrte um sich her.

»Der Endrick! Der Endrick!" Dann schlägt sie die Hände vor das Gesicht und schlochzt laut.

»Jetzt wein' nicht, jetzt hab guten Muth! Siehst, sie kommen näher! Herr Gott, sachte, sachte! Reißen, meinst? ES wird nicht reißen, und verfestigt wird eS der Endrick schon haben! Sie kommen näher, Jonatin, sie kommen näher! - Stehst Dein K ub? Da ist sie, die Diru, die liebe Kleine, die meinem Endrick das Boot bat retten wollen! Und sie ist ihm doch gut, ich hab' eS ia immer gesagt!"

Lachend und weinend zugleich redet sie auf die A E" Gliedern zitternd, neben ihr steht. Die Jonat scheint alles Gefühl ver­loren zu haben: sie kann sich nicht freuen, mit großen angftODtten fragenden Augen starrt sie auf ihren Mann, der sich, von Kalgies unterstützt, mühsam aufgerichtet hat.

Und nun ein langer jubelnder Schrei! DaS Wasser spult den Männern um die Brust, der