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Hersselder Kreisbliitt.

Mit wöchentlich« Hratis-AeilageIllustrirtes Muterhaltungsblatt".

Nr. 116. Dienstag deu 29. September 1891.

1 DmMs-MÄmz.

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Hersfelder Kreisblatt

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Die Expedition.

Amtliches.

Der Empfang, welcher Mir und der Kaiserin und Königin, Meiner Gemahlin, in Meiner Residenzstadt Cassel bereitet und die sympathische Begrüßung, welche Mir in der Stadt und Seitens der Landbevölkerung, soweit ich gekommen bin, zu Theil geworden ist, haben Mich sehr angenehm und wohlthuend berührt. Auch habe Ich gern erfahren, daß die Truppen deS 11. Armee-KorpS bet den diesjährigen Herbstübungen überall in der Provinz in entgegenkommendster Weise Aufnahme

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

Staub!

Roman aus der Gegenwart von ZoL von Reuß.

I.

»Darf ich eintreten, meine Damen?"

Der Eintretende war ein Studiosus in vor- gerückterm Semester, der die Töchter feiner Zimmervermietherin zu besuchen kam.

»Endlich sieht man Sie auch einmal. Herr Doktor!" rief ihm die sechSundzwanzigjährige Lene, eine geschickte aber ein wenig bucklige Weißnäherin freundlich entgegen, indem sie dem Gaste einen Stuhl in die richtige Plauderentfernung schob, »nicht einmal auf der Treppe sind wir einander heute begegnet."

Der Gast antwortete nicht, denn feine Augen hingen an dem Antlitz der Jüngern, daS von der Lampe scharf beleuchtet ward. Sie war der Magnet, der ihn von seinen Büchern hinweg in daS Zimmer seiner Wirthin herüber zog. Kaum ließ sich aber auch etwas lieblicheres denken, als die Erscheinung der jungen, geschickten Blumen- macherin. Das Gesicht bestach nicht durch die Regelmäßigkeit seiner Züge, aber eS besaß etwas von jener seltenen, idealen Schönheit, welche das Entzücken deS Künstlers auSmacht, und die mau zu lieben sich gedrungen fühlt. Einen besondern Reiz Clara WinklerS bildete noch der Umstand,

gefunden haben. Ich beauftrage Sie dies der Provinz mit meinem Königlichen Dank bekannt zu machen.

Mühlhausen i/TH., den 19. September 1891.

(gez.) Wilhelm R.

An den Ober-Präsidenten der Provinz Hessen- Nassau. __

Caffel, den 20. September 1891.

Vorstehenden Allergnädtgsten Erlaß bringe ich hierdurch zur öffentlichen Kenntniß.

5729. Der Ober-Präfidevt.

(gez.) Graf zu Eulevburg.

Hersfeld, den 26. September 1891.

Diejenigen Herren Ortsvorstände, welche mit der Erledigung meiner Verfügung vom 28. Februar 1880 (Kreisblatt Nr. 18) Bericht über die erfolgte Einzahlung des Forstgeldes betreffend, noch im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 5. Oktober d. I. bei Meldung von 3 Mark Strafe erinnert.

9900. Der Königliche Laudrath

Freiherr von Schleinitz.

* Die Milderung des Paßzwanges in Elsaß-Lothringen.

Unter dem 22. Mai 1888 war in Straßburg eine Verordnung erlassen worden, wonach alle über die französische Grenze zareisenden Ausländer ohne Unterschied, ob sie nur durchreise« oder sich im Lande aufhalten wollten, im Besitze eines mit dem Visa der deutschen Botschaft versehenen Paffes sein mußten; das Visa durfte nicht älter als ein Jahr sein. Diese Maßregel war aus der Noth­wendigkeit hervorgegangen, den Franzosen klar zu machen, daß Elsaß-Lothringen ganz und gar zu Deutschland gehöre. Mehrere LaudeSverrathS- Prozesse hatten bedenkliche Umtriebe in Elsaß-

daß dieser liebliche Kinderkopf einen voll-1 entwickelten, formeuschöveu Fraueukörper krönte.1 Auch das Spiel der Hände, mit welchem sie die feinen, sehr verschiedenartigen Instrumente ibreS KunstgewerbeS handhabte, war von großem Reiz. Dafür war aber der Gegengruß, mit dem sie den hauptsächlich an sie gerichteten Gruß deS Gastes beantwortete, nachlässig und ohne Freundlichkeit. Der Student empfand eS auch verletzt und wandte sich an Magdalena, indem er sagte:

»Wie hübsch warm Sie eS haben! Bei Ihnen ist'S doch immer gemüthlich, Lenchen!"

»Wollen Sie sich nicht fetze», Herr Doktor? Haben Sie sich nicht müde gestanden den Tag

O ia!"

Ihr Zimmer war gewiß kalt geworden, als Sie nach Hause kamen, 's ist richtiges Dezember­wetter!"

»Glücklicherweise fanden sich noch einige Kohlen in der Asche, so konnte ichs bald wieder warm haben," sagte der Student, indem er einen schwarzen Kohlenfleck besah, der ihm drüben beim Reinigen der Hände entgangen war. Er schien ihm ernstlich zu genieren, wie überhaupt die ganze Persönlichkeit, obgleich eigentlich un­schön, doch durch den Ausdruck innerer Kraft und äußerer Sorgfalt imponirte.... »Wahr­haftig, jede Ihrer Blumen ist ein Kunstwerk, Fräulein Clara," wandte er sich wieder an die

Lothringen enthüllt, eS bestand ein lebhafter Verkehr von der sogenannten Patriotenliga her, die auf die »Herausgabe" der Reichslande be­arbeitete, französische Blätter sprachen von Elsaß- Lothringen als von einem Lande, das Deutschland so wenig" gehöre, und umgekehrt waren deutsche Studenten in Belfort mißhandelt und deutsche mit Paß und Geldmitteln versehene Reisende au der Grenze ohne Grund angehalten und zurück* geschickt worden. Die beabsichtigte Wirkung des PaßzwangeS, den Franzosen und deu mit ihnen sympathisirenden Einheimischen klar zu machen, daß sich Fremde in Elsaß-Lothringeo nicht wie im eigenen Hause aufführen und gar Aufwiege­lungen betreiben dürfen, konnte natürlich nicht in wenigen Wochen erreicht werden. Nunmehr aber hat die Regierung den Zeitpunkt für ge­kommen erachtet, um auf die weitere strenge Handhabung des PaßzwaagS, der schon einmal vorübergehend erleichtert worden war, zu verzichten; dies auch mit Rücksicht auf die Beeinträchtigung deS legitimen Verkehrs und der wirthschaftlichen Nachtheile, die mit dem Paßzwaug verbunden waren. Schon im Frühjahr beim Empfange der Deputation des Landesausschusses hatte unser Kaiser bei entsprechendem Verhalten der Be­völkerung eine Erleichterung in Aussicht gestellt.

Nach der Verordnung vom 21. September 1891 wird die Fremdenpolizei von der Grenze nach deu Btuueuorteu verlegt. Ausländer, die sich im Reichsland über 24 Stunden aufhalten, haben sich spätestens am Tage nach der Ankunft bei der Ortspolizei zu melden, widrigenfalls ihnen AnS- Weisung droht. Das Erforderuiß des Paßvisa ist nur noch aufrecht erhalten worden für die An- gehörigen fremder Armeen, sodann für die soge­nannten Emigranten, d. h. für diejenigen, welche ihre deutsche Staatsangehörigkeit aufgegeben haben, ehe sie den Anforderungen der allgemeinen Wehrpflicht genügten. Daß unter den in Elsaß- Lothringen gegebenen Verhältnissen Personen der

Blumenmacherin.

Diese schob ihm einen Carton zu mit künstlichen Rosen. Sie hatte das vollkommen vorbereitete Material dazu aus der Blumenfabrik mit nach Hause genommen, um sie mit angeborenem Ge­schmack, ja fast mit künstlerischer Grazie daheim in Muße vollenden zu können. Der Chef der Fabrik hatte längst wahrgenommen, welche Kraft er in ihr besaß. Sonderbarer Weise ge- langen ihr aber die halbverblühten, oder wie von einem Gtfthauch getroffenen nachgeahmten Kinder FloraS am besten. Auch der Student nahm es scharfsichtig wahr und sagte nachdenklich:

»Wunderbar, Fräulein Clara! Ihre Rosen, so kunstvoll sie sind, sehen aus, wie von einem giftigen Hauch getroffen. DaS kann nur Absicht sein, ist doch ordentliches Studium darin ..." ^Freilich es ist eben meine Liebhaberei," be- stättgte Clara. »Da die halbverblühten Blumen aber jetzt daS Feinste sind, istS dem Chef recht. 'S ist auch Niemand weiter in der Fabrik, derS kann," setzte sie nachlässig und selbstbewußt zugleich hinzu.

»Sie haben gewiß noch keinen Thee getrunken, heute Abend?" frug Lehnche» den Miether wieder, den warm zu halten die abwesende Mutter ihr anempfohlen hatte. Er bewohnte eines der drei Zimmer, welche die Wohnung der Familie Willkler bildeten, verhältntßmäßig recht theuer, indem er die volle Hälfte des MiethziuseS zahlte,