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Nr. 117. Donnerstag den 1. October 1891.
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, Die Expedition.
* Eine Kundgebung des deutschen Reichskanzlers.
Der deutsche Reichskanzler General v. Caprivi hatte sich am Sonnabend nach Osnabrück begeben, um dem 25 jährigen Jubiläum des Infanterie- Regiments Herzog Friedrich Wilhelm von Braunschweig (Ostfriesisches) Nr. 78, dessen Chef er ist, beizuwohnen. Sonntag früh fand Regimentsappell statt. Mittags wurde er von den städtischen Behörden im Friedenssaale — so gedeihen, weil hier über den westfälischen Frieden (1648) berathen wurde — des Rathhauses bewillkommnet. Hierbei hielt er folgende bedeutsame Ansprache:
Er freue sich, daß seine militärische Stellung ihm Gelegenheit gebe, im FriedenSsaale zu sein. Der Rückblick in die
(Unbefugter Nachdruck verboten.) I Bäckerladen, woselbst sie die Aussteuer für die
Roman auS der Gegenwart
von Zoö von Reuß. (Fortsetzung.) II.
Federartige Schneegebilde trieben und ließen ntederfallend die Erde in
in der Luft dauerndem, winterlichen Frost erstarren, alS die Schwestern am andern Morgen gemeinsam daS HauS verließen. So viel sie konnte hielt Lenchen darauf, daß Clara nicht allein auSgehe, denn die offene Bewunderung, die ihr Anblick bei den Begegnenden erregte, gab nicht nur Claras Eitelkeit immer neue Nahrung, sondern setzte dieselbe auch mancherlei kleinen, nicht immer angenehmen Begeg- Nissen ans. Leider verfehlte Lenchens wohlmeinende, aber etwas kleinliche, gouvernantenhafte Art gewöhnlich bei Claras tollem Kopf den Zweck. Im stolzen Bewußtsein der Vorzüge ihrer Person nahm sie eigentlich von Niemand Rath an, trotzdem ihr Herz von Haus auS weich und gut war.
„Den Heimweg machen wir auch zusammen, ™ ^ÄÄr°Wen " sagte Lehuchen, alS sie sich am Marktplatz trennen mußten.
Clara antwortete nicht und eilte schnell weiter. Kuchen dagegen trat in einen wohleingerichteten
Vergangenheit zeige, was die Gegenwart errungen; die Befürchtungen, ob der gegenwärtige Zustand erhalten werde, seien nicht begründet. Keiner der Regierenden habe den Wunsch, den Frieden zu stören und einen europäischen Krieg hervorzu- rufen. Auch die Annäherungen der Staaten in der neuesten Zeit gäben keinen Grund zu Befürchtungen; dieselben seien nur der Ausdruck schon vorhandener Verhältnisse; vielleicht seien dieselben nicht« Andere« al« die Feststellung eine« europäischen Gleichgewicht«, wie e« früher bestanden habe. Keine der europäischen Regierungen wolle, soweit er c« zu übersehen vermöge, den Krieg, der in seinen Leiden und Folgen alle früheren Kriege voraussichtlich über- treffen würde. Auch die Verhältnisse im Innern, um welche Se. Majestät der Kaiser stet« bemüht sei, würden zu einem befriedigenden Abschluß führen, wennschon vielleicht erst nach Jahrzehnten. In der wichtigsten Frage sei die Regierung sowohl eine Regierung der Arbeiter al« eine der Arbeitgeber. Wenn e« den Arbeitgebern schlecht gehe, hätten die Arbeiter zunächst darunter zu leiden. E« werde auch unter der O«- nabrücker Stadtvertretung Männer geben, denen die Ueber» leitung in die jetzigen Verhältnisse schwer geworden sei'; allein diese Herren dürften nicht mit ihren Herzen, sondern müßten mit dem Verstände rechnen, und dann die Nothwendigkeit der jetzigen Verhältnisse erkennen. Schließlich wie« der Reich«, kanzler auf diejenigen Männer hin, die sich um die Ueber« leitung in der Gegenwart verdient gemacht hätten, und hob insbesondere die Verdienste des anwesenden Ober-Präsidenten von Bennigsen hervor.
Ueber diese Rede hat sich die Berliner Presse in hohem Grade befriedigt geäußert, da sie geeignet ist, die nervösen Beunruhigungen zu zerstreuen, die in der letzten Zeit bemerkbar waren. Ueber die Aufnahme in Paris liegt folgende Depesche vom 29. September vor: Das „Journal de Dubais" weist ebenso wie die meisten anderen Blätter auf die friedliche Tendenz der Rede, welche der Reichskanzler v. Caprivi in Osnabrück gehalten hat, hin und fügt hinzu, eS sei gut zu konstatiren, daß an demselben Tage, an welchem der Minister des Auswärtigen, Rtbot, in Bapaume die Aufrechterhaltung der Friedenspolitik bekräftigte, der Reichskanzler v. Caprivi eine ebenso beruhigende Sprache geführt habe.
Unter gleichem Datum wird auS Wien depeschirt: Die „Neue Freie Presse" erklärt, i durch die gleichzeitigen Reden des Reichskanzlers,
Tochter zu arbeiten hatte. Die Meisterin, in mächtiger, meblwetßer Schürze, trat ihr entgegen.
Wollen sie Fräulein Köchin mal ihre Milchbrote geben?" rief sie eine mehlgepuderte Verkäuferin heran, indem sie sich Lenchen zuwandte.
»D i e will ich nicht — sie sehen auS, wie au
der Sonne gebacken," wieS die stattliche Köchin daS von dem Ladenfräulein verabreichte Backwerk zurück. Ich begreife Sie nicht, Bertha," tadelte Frau Petermanu. »Wissen Sie noch immer nicht, daß der Herr RegierungSrath, drüben im Eckhause, seine Milchbrote nur braun und kroß gebacken liebt?"
Während die Verkäuferin der Köchin den Korb mit den Backwaaren zu eigener Wahl präsentirte, verließ die stattliche Bäckermeisterin mit Magda- lena den Laden, um die Weißnäherin nach einem Hinterzimmer zu geleiten, woselbst die zur Aussteuer bestimmten Leinen und Baumwollenstoffe aufgespeichert lagen. Zu der Thüre wandte sie sich indessen noch einmal um, weil sie bemerkt hatte, daß eine arme Kundin gleichfalls in den Backwaaren wühlte, um sich die größten heraus zu suchen.
»WaS soll das Manischen? Nichts da! Sie nehmen, was Ihnen daS Ladenmädchen giebt. AuSsuchev gilt nicht!" Damit war sie hinaus.
»DaS Mädel die Grete, macht ein rechtes Glück, Lenchen," ließ sie sich in der ArbeitSstube
Generals von Caprivi, sowie des französischen Ministers des Auswärtigen, Ribot, sei die akut gewordene Sorge um die Erhaltung deS FriedenS erheblich vermindert worden. Der wertbvolle Niederschlag beider Reden bestehe in dem Nachweis, daß die deutsche Politik in der französisch- russischen Annäherung keine Gefahr erblicke und andererseits die französische Regierung sich stark genug glaube, um trotz derselben in ihrer Fried- fertigkeit zu verharren. Die „Presse" schreibt, die Rede deS Reichskanzlers v. Caprivi klinge einfach, würdevoll, klar aber doch entschieden. Gerade in der großen Ruhe, mit welcher der Reichskanzler die politische Situation ansehe und auseinander- setze, liege ein beruhigendes Maß von Selbstbewußtsein und Kraftgefühl. Das „Neue Wiener Tagblatt" konstatirt, die willkommenen Versicherungen seien von geradezu erfrischender Bestimmtheit und gingen sowohl aus dem Kraftbewußtsein des Dreibundes wie aus der tiefen Kenntniß der diplomatischen Sachlage hervor; dieselben würden gewiß nur der Dankbarkeit aller Friedliebenden begegnen. Die „Druts^e Zeitung bezeichnet eS in diesen Tagen gesteigerter Rüstungen alS einen Lichtblick, daß von berufenen Personen friedliche und beruhigende Worte gesprochen würden.
Wotitische Nachrichten.
Se. Majestät der K a i s e r spendete 500 Mark für daS in Eisruach zu errichtende Lutherdevkmal. Die DenkmalS-Enthüllung ist für daS Jahr 1893 bestimmt.
Der »ReichSanzeiger" publicirt die Verleihung der Rothen Adler-OrdenS I. Klasse an den Kriegsminister von Kaltenborn-Stachau, des Kronenordens I, Klasse an den Chef deS Geueral- stabS von Schliessen und des Sterns der Kom- thure deS Hohenzollernschen Hausordens an den Generaladjutauten von Wittich.
Von einer weiteren FriedenSrede weiß die »Köln.VolkSztg." folgendes zu berichten: DerBtce-
hören. »Sie wissen doch, daß sie in die große Bäckerei am Carlsplatz hinein kommt? Und nicht einmal eine Aussteuer brauchte sie mitzu- bringen. Natürlich lassen wir aber unser Kind nicht alS Bettlerin ihren Einzug halten . . .
Sie Habens ja auch dazu," ließ sich Leuchen vernehmen. »Nur zwei Kinder —"
»Wir haben aber mit nichts angefangeo, wenigstens so gut wie mit nichts. AlS wir noch draußen in der Vorstadt wohnten, nicht sehr weit von Ihnen, waren wir noch arme Leute. Daß eS um ein bischen anders ist — nun wir Habens uns sauer genug werden lassen! Der College am Carlsplatz wollte auch für seinen Aeltesten höher hinaus, aber die Grete hatS ihm angethan. So ist er neulich selbst alS Freiwerber gekommen. FreMch hat er auch seine Bedingung gestellt
»Nun?" machte Leuchen begierig.
,^-Sie wissen doch, daß mein Mann berühmt ist, durch seine Mandeltorten?"
Lenchen nickte nur.
Nun, der College am Carlsplatz hat sich immer geärgert, wenn seine Kunden bis zum Markt laufen mußten, um eine gute Mandeltorte zu haben. Und da hat er nun gemeint, daß es recht nnd billig sei, daß ihm die Schwiegertochter das Mandeltortenrezept inS HauS bringt. Damit wolle er zufrieden sein — 'S ist ihm nämlich jetzt um die Ehre, weil er Geld genug im Kasten hat. Aber ich lasse mein Kind nicht Power ins