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Herssel-kl Bifisblntt
Mit wöchentlicher Kratis-Aeilage „Illukrirtes Mutertzaltungsblatt".
Nr. 118. Sonnabend den 3. Oktober - 1891.
Erstes Blatt.
Dmmeck-KMW.
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Amtliches.
Hersfeld, bey 1. Oktober 1891.
Die Herren Ortsvor stände zu
Beiershausen, Biedebach, Bingartes, Hatten- bach, Katbus, Hilmes, Kleinensee, Landers- hausen, Lengers, Motzfeld, Philivvsthal, Wehrshausen, Wölfershausen und Wüstfeld werden hierdurch an die Erledigung meiner Ber« fügung vom 14. August d. I. Nr. 8179 (Kreisblatt Nr. 99) und Erinnerungsverfügung vom 14. September d. I., gewerbliche Anlagen be- treffend, mit Frist biS zum 5. d. Mts. bei Meiduvg der Zusendung eines Warteboten erinnert.
8179. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 1. Oktober 1891.
Diejenigen Herren Ortsvorstände, welche mit der Erledigung meiner Verfügung vom 5. September d. I. Nr. 9216 (Kreisblatt Nr. 108), die monatliche Anzeige über aufgetretene Schweine-
(Unbesugter Nachdruck verboten.)
Staut»!
Roman auS der Gegenwart von Zoö von Reuß.
(Fortsetzung.)
„'s ist auch wohl bester, wenn Sie gehen, Lenchen, damit Ihre Schwester den weiten Weg bis nach der Vorstadt nicht allein machen muß. Am liebsten ginge ich selbst, um Fräulein Clara nach Hause zu begleiten!" fuhr Carl Petermann fort, indem er nicht übel Lust zu haben schien, sich Lehuchen anzuschließen. Da es aber an einer Aufforderung gebrach, blieb ihm nichts übrig, als seiner Jugendbekannten den Mantel vom Hakenbrett zu reichen, da sie selbst eines Fuß- bänkchevs bedurft hätte, um an den Garderoben- Halter zu reichen.
III.
Clara hatte den Vormittag in gewöhnlicher Weise verbracht. Die Fabrikräume bestanden aus drei Sälen, mit dreißig bis vierzig Arbeiterinnen, denen vier Aufseherinnen beigegeben waren. Im ersten Saale wurde die Arbeit aus deu Rohstoffen, Sammet, Seide, Gaze und Kräpr, nebst Papier, vorbereitet, der zweite Saal arbeitete theilweise schon nach Modellen, welche ursprünglich die Natur geliefert hatte, welche aber, der Dauer
krankheiten betreffend, noch im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 4. d. MtS. bei Meldung von 3 Mark Strafe erinnert.
9216. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Castel, den 24. September 1891.
Der dem diesseitigen Bezirksverbande auf Gruud des Preuß. Gesetzes vom ^ zur Zwangserziehung überwiesene und von mir bet dem Müller Joh. Heinrich Schacht zu Neu- kirchen b/Z. iu Lehre untergebrachte August Schaumburg aus Lohne, geboren am 7. Februar 1874 zu Lohne, ist am 20. d. Mts. aus seiner Lehrstelle durchgebraunt.
Königliches Landrathsamt ersuche ich ganz ergebeust, nach dem Zögling umgehend Nachforschungen gefälligst anstellen, im Betretungs- falle ihn festuehmen und durch eine geeignete Civilperson, welcher ich neben den baareu Auslagen für Eisenbahnfahrt ein Tagegeld von 3 Mark und bei nöthig werdender Uebernachtung ein solches von 4 Mark gewähren werde, seinem obengenannten Lehrmeister wieder zuführen lassen zu wollen.
Vom Geschehenen dczw. dem Ergebniß der Nachforschungen bitte ich mich hiernächst gefälligst zu benachrichtigen.
Der Landes-Direktor.
An das Königliche Landrathsamt zu Hersfeld.
Jr. II. Nr. 4535.
* * *
Hersfeld, den 30. September 1891.
Wird den Herren Ortsvorständen und der Königl. Gendarmerie des Kreises zur Fahndung nach dem 20. Schaumburg mitgetheilt. Im Be- tretungsfalle ist derselbe seinem Lehrmeister alsbald wieder zuführen zu lassen und mir vom Geschehenen Anzeige zu erstatten.
9947. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Haftigkeit wegen, durch Zeichnungen und Wachs- abgüsse ersetzt waren, und der dritte Saal, der eine Auswahl der Arbeiterinneu bildete, stellte die Kinder Floras in künstlerische oder von Ihrer Majestät Mode befohlene Gruppen zusammen. Hier schienen sich die Produkte aller Jahreszeiten und Nord und Süd ein Stelldichein gegeben zu haben: Schneeglöckchen, so täuschend ähnlich und reizend, als ob sie soeben dem Schooß von Mutter Erde entsprossen, um den Frühling einzuläuten, dunkelglühende Rosen und wehmüthige Astern; Vergißmeinnicht, anscheinend vom Bachrande gebrochen, und Edelweiß hoch von den Alpeufiruen gepflückt, fanden sich hier geschwisterlich zusammen. Und Veilchen, Rosen und Nelken dufteten so süß, jegliche Art in ihrem künstlichen eigensten, besondern Aroma.... Hier schaltete und waltete Clara Wtukler — Rose und Gärtnerin zugleich!
Nach dem Mittagsessen, welches das junge Mädchen in einer benachtbarten billigen Kostküche etnnahm, trat die Prinzipalin an sie heran und sagte: »Fräulein Clara, Sie müssen heute als Verkäuferin aushelfen! Das Weihnachtsgeschäft scheint sich zu machen, und unsere Damen draußen im Laden reichen nicht auS!•
Clara schob die Garnitur Marschall-Ntel-Rosen, welche sie soeben in Arbeit genommen, in einen riesigen Karton, und stand aus um ihren Anzug von den Spuren ihrer Thätigkeit zu säubern. Auch einen Blick in den Spiegel, ein Glattstreichen
Caffel, den 28. September 1891.
Der dem diesseitigen Bezirksverbande auf
Grund des Preuß. Gesetzes vom
zur Zwangserziehung überwiesene und von mir bei dem Schreinermeister Heinrich Salzmann zu Spangenberg in Lehre untergebrachte Georg Philipp Krebs aus Hauau, geboren am 14. April 1877 zu Hanau, ist am 22. d. Mt. aus seiner Lehrstelle durchgebrannt.
Königliches Landratbsamt ersuche ich ganz er» gebenst, nach dem Zögling umgehend Nachforschungen gefälligst anstellen, im Betretungsfalle ihn festnehmen und durch eine geeignete Civil- Person, welcher ich neben den baaren Auslagen für Eisenbahnfahrt ein Tagegeld von 3 Mark und bet nöthig werdender Uebernachtung ein solches von 4 Mark gewähren werde, dem Herrn Metropolitan Rothfuchs zu Spaugeuberg wieder zuführen lassen zu wollen.
Vom Geschehenen bezw. dem Ergebniß der Nachforschungen bitte ich mich hiernächst gefälligst zu benachrichtigen.
Der Landes-Direktor.
An das Königliche Landrathsamt zu Hersfeld. Jr. II. Nr. 4575.
*
Hersfeld, den 30. September 1891.
Wird den Herren Ortspolizeiverwaltern und der Königl. Gendarmerie des Kreises behufs Fahndung nach dem Entlaufenen mitgetheilt.
Im Betretungsfalle ist derselbe dem Herrn Metropolitan Rothfuchs zu Spangenberg wieder zuführen zu lassen und mir alsbald Anzeige zu erstatten.
9984. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Berlin, den 10. September 1891.
Dem Königl. Landrathsamt beehren wir uns ergebenst mitzutheilen, daß wir die von dem Webermeister Heinrich Bohn in Philippsthal bis-
des Haars, Abwerfen der Kletdschürze — sie war fertig. Die Veränderung war ihr ganz willkommen, besonders jetzt, wo es so belebt draußen im ßaben war.
Bald stand sie in Reihe und Glied. Gar mancher Blick der Aus- und Eingehenden ruhte bewundernd auf ihr, die formenschöne Gestalt, daS reine Oval des Antlitzes waren jederzeit deS Beifalls gewiß, zumal, wenn liebliche Freundlichkeit über den holden Zügen lagerte. Nur zu häufig waren sie durch Hochmuth und Laune entstellt.
Gegen Abend fuhr eine elegante Equipage vor, der zwei Damen, anscheinend Mutter nud Tochter, entstiegen. Die Tochter, eine blasse aber sonnenhelle Schönheit, verlangte Ballgarnituren, daS Modernste uud Schönste was die Saison biete. Clara legte das Beste vor, ohne rechten Beifall für ihre Waaren zu finden.
»Welche Toilette wird das guädige Fräulein wählen?* frug Clara die Mutter.
»Cremefarbene Seide! Würden Sie nicht rathen, sie mit dunkelrothen Rosen zu beleben?*
»Ich habe im Arbeitssaale eine Garnitur Marschall-Niel-Rosen — prachtvoll, darf ich sie holen? Mit ein Paar Veilchentouffs zusammen- gestellt, würden die Toilette besonders elegant sein. Die Zusammenstellung von cr^me und duukelroth ist schön, aber verbraucht, gnädigste Frau," gab Clara ihren Rath.