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Herssel-er IrcisMatt.

Mit wöchentlicher Hratis AeilageIllukrirtes Muterhaltungsblatl-.

Nr. 121. Sonnabend den 10. Oktober 1891.

Erstes Blatt. 1

DmM-KMMj.

Bestellungen auf das Hersfelder Kreisblatt mit der wöchentlichen Gratis-Beilage Jllnstrirtesllntcrhaltnngs-Blatt" pro IV. Quartal werden noch von allen Kaiserlichen Bostanstalten, Landbriefträgeru und von der Expedition angenommen.

Amtliches.

Hersfeld, den 22. September 1891.

Auf Grund des §. 82 der KretSordnung für die Provinz Hessen-Nassau vom 7. Juni 1885 wird nachstehend das Ergebniß der am 19. d. Mts. im Saale des hiesigen Rathhauses stattgefundenen Kreistagssitzung, welche tu dem Kreisblatt Nr. 105 l. J8. bekannt gemacht worden ist, zur öffentlichen Kenntniß gebracht.

Punkt 1 der Tagesordnung. Die Gültig­keit der Wahl des Tuchfabrikanten und Guts­besitzers Eduard Braun dahier als Kreistags« Mitglied an Stelle des aus dem hiesigen Kreise verzogenen Gutsbesitzers Ernst Bippart von Hermannshof wurde auf Grund des §. 2 der Geschäftsordnung vom 3. Mai 1886 beschlossen; auch wurde der neu Gewählte in sein Amt eingeführt.

Zu Punkt 2 der Tagesordnung wurde der Landwegebau-Etat pro 1892 einer eingehen-

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

Staub!

Roman aus der Gegenwart von Zoö von Reuß.

(Fortsetzung.)

Sie werden sich doch um so etwas nicht ge­nieren. Unsinn! Wenn man steht, wie den vor­nehmen Leuten das Geld durch die Finger geht, als obs Papterschnitzel wären, darf man sich wohl einmal ein Stück Kuchen gönnen. Die Frau Baronin hat auch ganz gewiß nichts dagegen. Darum nehmen Sie nur I"

Lenchen war immer noch unschlüssig, nahm aber endlich doch das kleinste Stück.

Wie gesagt, der junge Banquier gefällt mir recht gut, und würde ichs schon zufrieden sein, wenn ihm die Baronesse das Jawort geben wollte. Wenn ich meine aufrichtige Meinung sagen soll, io behaupte ich, sie hält ihn hin, und wartet, ob ®nber« kommt, der viel Geld bat und ein Ä4® Wagenschlag dazu. Sie ists nun gewohnt, und der Herr Lieutenant auch nicht anders. Die Beiden halten Schlimmen"^ beieinander, tm Guten wie im Befben hn?H^eit' "an glaubt gar nicht, daß es unferetnem bis611 ^"ten ebenso hergeht, wie bei 8«Ä E Wn sie»/ meinte "Aber Lenchen, Sie sind doch wohl schon eine

den Prüfung unterzogen, wobei für verschiedene Gemeinden des Kreises wegen deren Ueber- lastung 2c. Unterstützungen aus communalstän- dischen Mitteln beantragt wurden; auch wurde angeregt, daß an Stelle der zwischen der HersfeldVacha'er Straße und dem Verbin­dungsweg nach Petersberg in der Nähe von Wilhelmshof befindlichen Flachkandel ein Kanal gebaut würde.

Zu Punkt 3 der Tagesordnung wurde beschlossen, den dem Kreise aus den landwirth- schaftlichen Zöllen des Etatsjahres 1890/91 überwiesenen Betrag von 43619 Mk., nach Ab­zug der bereits im Kreishaushalts-Etat pro 1891/92 erwähnten Beträge, welche von diesen Geldern zu bestreiten sind, gemäß §. 4 Abs. 2 a. und b. des Gesetzes vom 14. Mai 1885 zu verwenden. Sodann wurde

zu Punkt 4 der Tagesordnung über die vorliegenden Gesuche von Gemeinden um Unter­stützungen aus den Geldern der landwirthschaft- lichen Zölle Beschluß gefaßt und den Schul- verbavdSgemetnden Frielingen, Gersdorf und Heddersdorf eine Unterstützung von 300 Mk., den Schulverbandsgemeinden Holzheim, Cruspis und Stärklos eine solche von 500 Mk., der Schulgemeinde Oberhaun eine solche von 600 Mk. und der Schulgemeinde Heenes eine solche von 200 Mk. bewilligt. Der Gemeinde Allen- darf wurde eine Unterstützung von 190 Mk. für Beschaffung von Subsellten in den Schulsaal gewährt.

Zum Zwecke der Erbauung eiues neuen Schul- bauses tu MengShausen wurde vorläufig eine Unterstützung von 1000 Mk. bewilligt.

Bezüglich der Errichtung einer neuen Schule in Heddersdorf wurde beschlossen, die Bewilligung einer Unterstützung so lange auszusetzen, bis die Errichtung eines Schulsystems und die Ausar­beitung des Projekts stattgefunden habe.

dicke Zwanzigerin, und reden noch wie ein Kind! Ich sage Ihnen, 's ist alles egal, wo man hin- kommt, alles! So bunt die Welt zusammengesetzt scheint, wenn mans von weitem ansteht in der Nähe ist alles grau, wenn nicht schwarz, und bei den reichen und vornehmen Leuten am meisten! . . . . Halt, das gnädige Fräulein klingelt, 's ist wahrhaftig bei unserem Schwatzen Abend ge­worden, und Zeit zum Toilette machen. So, das Atlaskleid mit der neugefütterten Schleppe, werde ich gleich mit ins Ankletbeztmmer nehmen. Sie können sicher sein, daß ich dafür sorge, daß Sie bald wieder kommen. Und um den Aepfelkuchen, den ich fürs nächste mal bet der Köchin dazu be­stellen werde, lassen Sie sich keine grauen Haare wachsen!"

VI.

Ein stud. med. sucht einen Mitbewohner seines Zimmers, und würde einem Commilitonen, der gleichfalls Medictner, den Vorzug geben" hatte die Annonce gelautet, die Hermann Lange tns Tageblatt einrücken ließ. ES hatten sich ver­schiedene Commilitonen gemeldet, zufälligerweise war aber nur ein einziger Medtciner darunter. Doch war man schnell miteinander übereinge- kommen.

Der Mitbewohner war ein Mann in vorgerückten Lebensjahren, wohl zwei- bis dreiunddreißig Jahre alt. Er ließ nichts darüber verlauten, welchem Stand und Beruf er früher angehört hatte, und

Die Beschlußfassung auf das UnterstützungS- gesuch der Gemeinde WillingShaiu wurde ausgesetzt.

BeiPunkt 5 der Tagesordnung wurden die Herren Siebmacher Georg Steinweg hier und Gastwirth Heinrich Eichmann zu Niederaula mit Prüfung der Kreiskassen-Rechnung pro 1890/91 betraut.

Zu Punkt 6 der Tagesordvung wurde der Gutsbesitzer Herr A. Reinhard zu Unter» Weisenborn als KreiSanSschuß-Mitglied an Stelle des aus dem hiesigen Kreise verzogenen Gutsbesitzers Ernst Bippart von Hermannshof gewählt.

Zu Punkt 7 der Tagesordnung wurde der Mühlenbesitzer Herr L. Roll zu Bingartes- müble als zweiter Kreisdeputirter gewählt.

Punkt 8 der Tagesordnung. Zu Sachverständigen und Stellvertreter für die Abschätzung von Kriegsleistungeu im Falle einer Mobilmachung für die Jahre 1892, 1893 und 1894 wurden dieselben Personen wiedergewählt, welche in der seitherigen Wahlperiode als Sach­verständige bezw. Stellvertreter fangirt haben. Zu Punkt 9 der Tagesordnung wurden zu Mitgliedern der Körungs-Kommisstou und deren Stellvertreter für die Jahre 1892, 1893 und 1894 die bisherigen Persönlichkeiten wieder­gewählt, mit Ausnahme der Kommissioasmit- glieder Oekonom Eschstruth I. zu Frielingen und Gutsbesitzer Ernst Bippart von Hermanns- Hof, für welche die Herren Oekonom Schlabach zu Kirchheim und Landwirth L. Grau zu Heringen gewählt wurden und mit Ausnahme des bisherigen Stellvertreters, Gutsbesitzers Conrad Schüler zu Reckerode, für welchen der Gutsbesitzer Herr Friedrich Boß zu Kirchheim als Stellvertreter gewählt wurde.

BeiPuuktlOderTageSordnung wurden für die Jahre 1892, 1893 und 1894 dieselben

Hermann Lange fragte auch nicht darnach, theils aus Delikatesse, theils, weil ihn daS Aeußere deS Mannes von Anfang an sympathisch berührte. Die Gestalt war hoch und kraftvoll, erschien aber abgemagert, auch das Gesicht trug Spuren vor­angegangenen Seeleuletdes, und war fast krank­haft durchgeistigt.

Man war bald in freundlichem Verkehr, zu welchem der gleiche Beruf die beste Grundlage bildete. Natürlich hatte Hermann seinen After- miether auch sofort seiner Wirthin, Frau Wiukler, vorgestellt, als diese eines TageS auf eiu paar Stunden in der Wohnung anwesend war,um nach dem Rechten zu sehen." Auch die Schwestern hatte Werner Flittner flüchtig kennen gelernt, einem nähern Verkehr schien er auszuweichen. Ueberhaupt lebte er ausschließlich seinen Studien.

Es war Ende Januar, aber keine richtige Winterkälte, sondern naß und unfreundlich. Werner Flittner saß wie immer Abends bei den Büchern, als Hermann Lange aus der Stadt zu- rückkehrte. Er trug einen, vom Verkaufsgärtner sorgfältig mit Papier umhüllteu Rosenstock im Arme, und stellte ihn triumphirend auf deu Tisch. Schon während des ganzen Tages war er in bester Stimmung gewesen.

Nun?" frug der Stubengenoffe.

Ist ste nicht schön?" lautete die Gegenfrage Hermanns, indem er das Papier abnahm, und den vollen Schein der Lampe auf die Blume fallen ließ.