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Herssel-er Kreisbllltt.
Mit wöchmtlicher Kratis-Aeilage „Illustrirtes Wnterljaltuugsklatt".
Nr. 123. Donnerstag den 15. Oktober 1891.
Amtliches.
Caffel, den 26. September 1891.
In Gemäßheit des Artikel 36 der Ausführungs- anweisung vom 5. August d. I. (II. Theil) zum Einkommensteuergesetz; vom 24. Juni 1891 bestimmen wir hierdurch, daß die zur namentlichen Feststellung der Steuerpflichtigen erforderliche Aufnahme des Personenstandes für die Einkommensteuer-Veranlagung für 1892/93 überall am 12. November d. I. und für die ferneren Veranlagungen alljährlich an dem gleichen Tage stattzufinden hat. Dieselbe ist, wenn sie nicht an einem Tage zu Ende geführt werden kann, an den nächstfolgenden Werktagen ununterbrochen fortzusetzen und in möglichst kurzer Frist, spätestens mit dem 18. November, zum Abschlüsse zu bringen. Sofern in einzelnen Fällen nach den örtlichen Verhältnissen die Festsetzung eines früheren Termins, höchstens bis zum 27. Oktober zurück, für den Beginn der Personenstandsauf- nahmen erforderlich sein sollte, ist unsere Genehmigung zuvor einzuholen. Abweichungen von diesen Bestimmungen bedürfen der Genehmigung des Herrn Finanz-Ministers.
2c. rc.
Königliche Regierung, Abtheilung für direkte Steuern, Domänen und Forsten.
Schöntan. An die sämmtlichen Herren Vorsitzenden der Einkommensteuer - Veranlagungs-Kommissionen des Bezirks. J. Nr. 6. I. 7754.
*
Hersfeld, den 3. Oktober 1891.
Wird den Herren Ortsvorständen des Kreises zur Beachtung mitgetheilt.
Das zur Einkommensteuer-Veranlagung pro 1892/93 erforderliche Formularpopier wird demnächst von hieraus mitgetheilt werden.
Der Vorsitzende der Einkommensteuer -Veranlagungs-Kommission.
Freiherr von Schleinitz,
9991. Landrath.
(Unbefugter Nachdruck verboten.) Staut»!
Roman aus der Gegenwart von Zoe von Reuß.
(Fortsetzung.)
„Ich? Nein, durchaus nicht!" bestätigte Werner stolz. Sie wissen ja, ich bin ein Philosoph, Darum bitte ich mich ganz aus dem Spiele zu lassen. Das Streben nach Erkenntniß des Wahren welches, wir Weltweisheit nennen, blendet aber die kurzsichtige Welt. Die Philosophie nennt alles erlaubt, was dem Staube entstammt, aus dem wir entsprossen, und zu welchem wir zurückkehren, falls es eben von der Ethik, der philosophischen Sitten- lehre, nickt verdammt wird. Das Licht, in welchem dem Philosophen aber die Welt erscheint, ist nicht für Jedermanns Augen. Die Welt eben denkt anders und verschuldet hierdurch vielfach den Pessimismus der Gebildeten--*
„Wenn ich mich unseres Zusammenlebens aber ferner erfreuen soll, möchte ich klar sehen!" entfuhr es Hermann. „Bekennen Sie Farbe! Sind Sie Atheist?"
„Nein!" sagte Werner fest. „Braucht man die Gottheit selbst zu leuguen, wenn man auch
die vergänglichen Formen verwirft, die Menschen- werk zu ihrer Anbetung ersonnen hat? Predigt nicht alles um uns her eine immer neue, göttliche Schöpferkraft?"
Hermann schwieg zustimmend.
„Und zweifeln Sie, daß es ein Cristenthum ohne Christus giebt, als Religion der Menschheit? Lange vor der Erscheinung seines Stifters war es die Religion der Bildung und Humanität, ein Plato und Sokrates waren schon im Alterthum seine Jünger, jetzt und allezeit werden es die Guten und Edeln sein! . . . Aber die Lehren des Christenthums mußten ausgesprochen werden, um sie zum erlöseuden Gemeingut der Menschheit zu machen!"
Hermann Langes Herz war gegenwärtig zu lebhaft und angenehm beschäftigt, um sich in einem interessanten Disput einzulassen. Ueberdem war die Achtung vor Werners Charakter schon zu fest in ihm, um bei ihm noch nach irgend einem Bekenntniß zu fragen.
VII.
Die Saison war auf ihrem Höhepunkt angelangt. Auch die Salons der Belletage, welche Baron von Horsten seit einigen Jahren regelmäßig im
1 Winter bewohnte, waren zu einer solennen Ball-
Die im Jahre 1877 in Marburg gegründete laudwirthschaftliche Winterschule hat die Aufgabe, in zwei Wmterkursen Bauernsöhne und andere junge Leute, welche sich der Landwirthschaft widmen wollen, zu denkenden Landwirthen zu erziehen und für den landwirthschastlichen Beruf derart auszubilden, daß sie befähigt sind, ein Landgut rationell zu bewirthschaften.
Dieser Aufgabe hat die Schule bisher durchaus entsprochen. Ein Theil der Schüler hat nach Erledigung des zweijährigen Winterkarsus bei Wiedereintritt in die väterliche Wirthschaft zu deren Hebung wesentlich mitgewirkt, ein anderer Theil hat durch Vermittelung des Direktors der Winterschule als Verwalter auf größeren Guts- wirthschaften Stellung gefunden und den an sie gestellten Anforderungen in jeder Beziehung genügt.
Bei den sich täglich steigernden Ansprüchen au den landwirthschastlichen Betrieb müssen wir die Landwirthe dringend auffordern, für die Ausbildung ihrer Söhne in den landwirthschastlichen Lehrgegenständen Sorge zu tragen, und zu diesem Zweck ihnen deu Besuch der landwirthschaftltcheu Winterschule in Marburg für ihre Söhne empfehlen.
Dank der Fürsorge des hohen Kommunal- Landtags hat die gedachte Schule ihre Lehr- und Hülfsmittel durch Einrichtung eines Laboratoriums für chemische, physikalische und mikroskopische Arbeiten wesentlich vervollständigen können und wird weiter durch den Besuch von revomirten Wirthschaften größerer Landwirthe, von Zuckerfabriken, Brennereien, Molkerei-Anstalten deu jungen Leuten Gelegenheit geboten, das von ihnen theoretisch Erlernte iu praktischer Ausführung kennen zu lernen.
Der Unterricht des nächsten Winterkarsus beginnt Dienstag deu 21. Oktober d. I., Vormittags 8 Uhr. Anmeldungen zur Aufnahme sind zeitig vorher an den Direktor der landwirthschastlichen Winterschule, Herrn Dr. R. Hesse in Marburg, zu richten, welcher etwaigen weiteren Aufschluß über die Schule geben wird. Derselbe ist gern bereit, für ein paffendes Unterkommen der Schüler
in gut beleumundeten Familien zu sorgen und wird sämmtliche Schüler auch außerhalb der Schulzeit streng überwachen. Für Wohnung, Verköstiguug, Feuerung und Licht hat ein Schüler monatlich 30 bis 45 Mark zu zahlen. Das Schulgeld beträgt 45 Mark für den Winter, wovon die Hälfte beim Beginn des Schulhalbjahres, die andere Hälfte beim Wiederbeginn des Unterrichts im Anfang nächsten Jahres zu entrichten ist.
Die aufzunehmendeu Schüler müssen das 14. Lebensjahr überschritten haben und sich durch ein Zeugniß über den bisherigen Schulbesuch ausweisen, außerdem, wenn sie über ein Jahr die Schule bereits verlassen haben, ein Attest der Ortsbehörde über ihre Unbescholtenheit betbriugeu.
Caffel, am 18. August 1891.
Das Direktorium des landwirthschaftltcheu Central-Vereius.
Wird veröffentlicht.
Caffel, am 26. August 1891.
Der Regieruugs-Präsident. I. A.: A l t h a u 8.
Wolitische Wachrichten.
Se. Majestät der Kaiser war am Sonntag Morgen aus Süddeutschland in Potsdam einge- troffen. Am Montag früh hatte er eine Besprechung mit dem Reichskanzler v. Caprivi. Am Nachmittag begaben sich beide Majestäten nach Jagdschloß Hubertusstock in der Schorfhaide. Auf der Fahrt von Station Wildpark nach Berlin nahm der Kaiser unterwegs den Vortrag des Staatssekretärs v. Boetticher entgegen.
Se. Majestät der Kaiser überraschte, wie bereits gemeldet, am Sonnabend früh die elektrische Ausstellung in Frankfurt a.M. mit seinem Besuche. Wie die „Franks. Ztg." berichtet, erschien kurz vor 8 Uhr bei dem Haupteingaug an der Kaiserstraße ein höherer Ofsicter — wie sich nachher herausstellte: der Großherzog von Reffen — und fragte bet dem dort dienstthuenden Kon- troleur an, ob der Eintritt schon gestattet sei. Verschiedene Mitglieder einer fürstlichen Familie hätten den Wunsch, die Ausstellung zu besichtigen;
festlichkeit geöffnet.
Die Gaskronen warfen ihr Licht verschwenderisch auf drei im besten Geschmack eingerichtete Gesellschaftszimmer. Daran reihte sich der Salon der Baronin, der in seiner behaglichen Einrichtung belassen worden war und mit seinem erhöhten Thron im Erkerfenster und einem durch eine Portiere abgeschlossenen Schmollwinkel einen reizenden Aufenthalt bildete.
Im Tanzsaal schritt das Geschwisterpaar plaudernd und zum Empfang der Gäste bereit auf und ab. Während das stattliche Elternpaar die Eintretenden begrüßte, ward Sohn und Tochter die Aufgabe, die Gäste ihrem speciellen Bekanntenkreise zuzuführen.
„Mein gewöhnliches Pech, daß die kleine Lilli Veiten noch im letzten Augenblick abgesagt hat!" schmollte Lieutenant Axel von Horsten. „Famose Kleine!"
„Ich meine, daß es gut ist!" gab die Schwester kühl zur Antwort.
„Ich verstehe Dich nicht, Paula," entgegnete der Lieutenant verwundert.
„Nun, ich denke, die Sache ist klar genug. Da darfst Dich nicht in das erste beste Gänschen von Buchenau verlieben. Und weil ich sehe, daß mon eher frere nahe genug an solcher Thorheit,