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Herssti-tl Ireishlett
Mit wöchentlicher Kratir-Meilage „Illugrirtes Anterhaltungsölatt".
Nr. 126.
Donnerstag den 22. Oktober
1891.
Amtliches.
Hersfeld, den 16. Oktober 1891. Die Herren OrtSvorstäude zu
Allrndorf, Etchhof, Eugelbach, Kathus, Kerspeu- Hausen, Petersberg, RohrbaL, Tann und Ausbach werden hierdurch an die Erreichung derBerzeich» niffe über die Gewerbetreibenden an den Rech- nungSführer der ländlichen Ortskrankenkaffe Herrn D e w m e dahier wiederholt erinnert mit Frist biS zum 28. -. Mts. bei Meldung von 3 Mk. Strafe.
10393. Der Königliche Landrath ___________________Freiherr von Schleinitz.
HerSfeld, den 20. Oktober 1891.
Diejenigen Herren OrtSvorstäude, welche mit der Erledigung meiner Verfügung vom 12. Mai 1880 Nr. 3987 (KreiSblatt Nr. 38) betreffend die Organisation der Feuerwehren, noch im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 28. b. Mts. bei Meldung von 3 Mk. Strafe erinnert. 10697. Der Königliche Landrath _____Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 19. Oktober 1891.
Die Witwe des Tagelöhners Valentin Heyrock, Katharina geb. Both zu Wüstfeld, geboren am 5. Mai 1831 hat um Erthetlung eines Reisepasses behufs Auswanderung nach Amerika nackaesucht.
10643. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schlelnitz.
Jolitische Wachrichten.
Se. Majestät der Kaiser hat folgendes Telegramm an den Präsidenten der Physikalisch-Tech- Nischen Reichsanstalt, Professor Dr. vonHelmholtz gerichtet: Es gereicht Mir zu großer Freude, Ihnen einen besonderen Beweis Meiner aufrichtigen Verehrung und Bewunderung zu Theil
(Unbefugt« Nachdruck verboten.) Staust!
Roman auS der Gegenwart von Zoir von Reuß.
(Fortsetzung.)
Es war der schönste VorfrühlingSmorgen. Die hochstehende Sonne sandte leuchtende Strahlen auf die wintermüde Erde, und küßte allmählich die Veilchen wach. Auf den Aeckern zog der Pflug seine Furchen, um die neue Saat zu empfangen, die der Landmann noch in dieser Woche auszustreuen sich angelegen sein ließ. Denn einem Volksglauben nach trägt daS in der Charwoche ausgestreute Saatkorn hundertfältige Frucht. Ueber den braunen Aeckern aber jubilirte die Lerche dem Lenz entgegen.
Adelaide von Flechsen bog von der Chaussee ab, um sich einem Landweg zuzuwenden, der nach einem Steinbruche führte. Mit Wonne trank sie die Frühlingsluft, selbst Calypso blieS die Nüstern auf und hob freudig und stolz den mähnenum- wallten Kops. Da — plötzlich - fliegt seitwärts etn Flug Tauben in die Höhe, der auf dem Acker sich niedergelassen gehabt hatte. Sur - rr ging ts mit lautem Flügelschlag durch die Luft. Calypso
Ä^umt sich auf und jagt spornstreichs feldeinwärts — gerade auf den Steinbruch zu.
werden zu lassen, indem ich Sie zum Wirklichen Geheimen Rath mit dem Prädikat Excellenz ernenne. Sie haben, Ihr ganzes Leben zum Wohle der Menschheit ersetzend, eine reiche Anzahl von herrlichen Entdeckungen für deren Nutzen vollbracht. Ihr stets den reinsten und höchsten Idealen nachstrebevder Geist ließ in seinem hohen Fluge alles Getriebe von Politik und der damit verbundenen Parteiungen weit hinter sich zurück. Ich und Mein Volk sind stolz daraus, einen solch' bedeutenden Mann unser nennen zu können. Ich habe den Geburtstag Meines Heißgeliebten und unvergeßlichen Vaters zu dieser Anerkennung gewählt, wohl wissend, wie hoch Er Sie schätzte und ein wie treu ergebener Freund und Unterthan Sie Ihm waren. Möge Gott uns Ihr theure8 Leben noch lauge zum Wohle Deutschlands und der gesammten Welt erhalten. Ihr wohlaffektionirter König Wilhelm R.
Ein MusterhauS für Arbeiter, Unterbeamte, überhaupt kleine Leute, ist von der Baugesellschaft „Eigenhaus" auf rerchSfiskalischem Boden gegenüber dem neuen Reichstag in Berlin errichtet worden. Das Haus enthält im Parterre eine Stube mit unmittelbar anschließender Küche und einem etwas tiefer gelegten kellerartigen Sieben» gemach; im ersten Stock befinden sich eine recht geräumige Schlafstube und eine schmale Neben- kammer mit Wandschränken. Das Innere ist praktisch und freundlich eingerichtet. DaS Nor- malarundstück bat Vor- und Hintergarten und eine Größe von 212,85 qm. Der Kaufpreis eines solchen Grundstücks mit Einschluß der Möbel be« trägt 3 750 Mark; davon sind 375 Mark anzu- zahlen. Der jährliche M'etbspreis ist einschließlich 2 pCt. Amortisation 280 Mark. Das E-gen- tbum des Grundstücks geht auf den Ersteher über, sobald der dritte Theil des Kaufpreises berichtigt ist. Die Verfügung über das Grundstück unterliegt im gemeinnützigen Interesse gewissen grund- buchmäßig einzutragenden Beschränkungen. Die Gesellschaft legt auch Pläne für Häuser vor, die
Adelaide, die eine tüchtige Retterin ist, versucht mothig den wilden Lauf deS ThiereS zu hemmen. j AlS sie ihre Ohnmacht erkennt, schließt sie die Augen .... selbst das Stoßgebet erstirbt auf den Lippen .... Da fällt eine starke Hand dem durchgehenden Pferde in den Zügel. AlS die junae Frau die Augen öffnet, erblickt sie einen blaffen, hochgewachsenen Mann, der dem Pferde drohend seinen erhobenen Stock mit der linken Hand entgegenhält, während die rechte den Zügel eisenfest gefaßt hat. Zwei Schritte davon gähnt der Abgrund deS Steinbruchs.
Das Pferd steht plötzlich wie ein Lamm, er« schreckt, bewältigt, zitternd. Um eS ganz zu beruhigen, versucht der Mann jetzt eine kleine Liebkosung. Dazu sagt er beruhigend: „Die Gefahr ist vorüber. UebrigenS scheint mir der Gaul sehr nervös zu sein, und ist darum kaum für ein Damenpferd geeignet. Wollen Sie nicht etwas absteigen, mein FräuleinV*
Adelaide vermag noch nicht zu sprechen, und reicht ihrem Lebensretter nur stumm und zustimmend die Hand.
Dieser hilft ihr auS dem Sattel, nicht sehr gewandt, aber eifrig für ihr Wohlbefinden bestrebt. Dann führt er sie unter eine Tanne, deren Moorboden einen geeigneten Sitz darbot. Ein Plaid, daS er über dem Arm trug, bietet die weiche Unterlage. Dann schlingt er Calypsos
5200 Mark und 6500 Mark kosten und 390 und 500 Mark Miethszahluug pro Jahr erfordern; sie ist ferner bereit, für ganz bescheidene Verhältnisse Häuser für 2800 Mark herzustellen. DaS Land, das die Gesellschaft für ihre Arbeiterhäuser auserwählt hat, liegt an der Ostbahnstation Biesdorf; man verfügt hier über 200 Morgen und will innerhalb fünf Jahre 1500 Einfamilienhäuser in verschiedener Größe und Gestalt errichten. Am Montag erschien Se. Majestät der Kaiser, um das MusterhauS zu besichtigen. Er ließ sich über die Erwerbsbedingungen für ein solches Heim genauen Aufschluß geben und nahm die innere Einrichtung mit größtem Interesse in Augenschein. Se. Majestät sprach sich beifällig darüber auS, daß die Gesellschaft Olanstrich statt der Tapeten für die Wände gewählt habe; für die Holzmöbel gab er einer hellen Färbung den Vorzug, weil dadurch der Sinn für die Sauberkeit gefördert werde. Auch nach dem Fahrpreis von Biesdorf nach Berlin — für Arbeiterkarten 55 Mark jährlich — erkundigte sich Sk- Majestät. Zwei solcher Häuser, die der Kaiser selbst zu besetzen gedeukt, sollen für seine Rechnung hergestellt werden.
Der König und die Königin von Württemberg werden demnächst dem Kaiser und der Kaiserin einen Besuch in Berlin abstatten. Ein bestimmter Termin ist noch nicht in Aussicht genommen, doch wird er kaum vor Ablauf der Trauer anberaumt werden.
Die Ausschüffe des Lundesraths für Zoll- und Steuerwesen und für Handel und Verkehr haben auf Antrag deS Reichskanzlers beschloff n, dem Bundesrath die Fassung eineS Beschlusses zu empfehlen, nach welchem landwirthschaft- liche Brennereien, welche im BetriebSjahre 1891/92 an Stelle von Kartoffeln ausnahmsweise M a iS und Dort verarbeiten, aus diesem Grunde bei der Neukontingentirung nicht im Kontingent verkürzt werden sollen.
.Ritzau's Bureau" inKoppenhagen meldet unterm 19. Oklober: Der Kaiser und die
Zügel um einen jungen Birkeustamm.
»Ich bedauere unendlich, keinen Wein bei mir zu haben, nur ein Butterdrod befindet sich noch in der Botanistrtrommel. Darf ich es Ihnen an- bieten? Es ist in vollständig sauberes Papier eingewickelt, und noch unberührt," setzt er lächelnd hinzu. „Wein ist bet einem Studiosus meines Schlages nicht zu finden.....*
„Studiosus?" frug Adelaide nun glücklich gefaßt und hoch verwundert, indem sie den Blick prüfend auf den schon etwas gelichteten Haarwuchs ihres Retters ruhen ließ. „Studiosus? Wies» ?*
»Nicht mehr und nicht weniger, mein Fräulein," entgegnete Werner Flittner, augenscheinlich be» lustigt. „Ich bin immatrikulirter Student der Medicin an hiesiger Uaiversttät und ging botani- f 3 w Frühling behält diese Beschäftigung für den Naturfreund immer ihren Reiz. Dak j-d dabei so glücklich war, Ihnen einen Dienst zu leisten, ist ein Göttergescheuk, das ich nicht erwartete.
„Ich baute Ihnen mein Leben!"
„Möglich I - Nun ich will nur wünschen, daß i<V Nnen mit Erhaltung der „süßen Gewohnheit des DaseinS" auch wirklich einen Dienst geleistet 5aEc ' • •• Da wir keinen Wein zur Stelle haben, rathe ich Ionen, wenigstens einen Schluck Wosser zur Erfrischung zu nehmen. Dort aus jenem Bache! Darf ich es Ihnen holen? Einen