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Herssel-kl Kreisbilltt
Mit wöcheuHicher Kratis-Meilage „Illuflrirtes Anterhaltuugsblatt".
Nr. 129.Donnerstag den 29. Oktober 1X91.
JlNiiitiirt-Jiiiliiihiiig.
Bestellungen auf das Hersfelder Kreisblatt mit der wöchentlichen Gratis-Beilage „Jllnstrirtes Mltcrhaltnngs-Blatt" pro November in Dezember werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtliches.
Die erste Schulstelle in Niederaula wird in Folge Pensionirung ihres seitherigen Inhabers mit dem 1. November d. I. vakant.
Bewerber um dieselbe wollen ihre Meldungs- gesucht innerhalb 14 Tagen bei dem Königlichen Lokalschulinspektor Herrn Pfarrer Gerlach in Niederaula oder dem Unterzeichneten einreichen.
Hersfeld, den 27. Oktober 1891.
Namens des Königlichen SchulvorstandeS von Niederaula:
Freiherr von Schleinitz,
10910. Landrath.
Hersfeld, den 23. Oktober 1891.
Mit Rücksicht auf die Höhe der vorhandenen Reservefonds wird für das Jahr 1892 von der Erhebung jeglicher Viebseuchen-Abgabe abgesehen.
Da gleichwohl eine Zählung des Viehbestandes am (2.) 3. November d. I. zu statistischen 2C. Zwecken erforderlich erscheint, ist dieselbe Seitens der Herren Ortsvorstände des Kreises vornehmen zu lassen und mir b i 8 z u m 20. N o v e m b e r d. J. berichtlich anzuzeigen:
a) wieviel Stück Pferde und Fohlen,
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Ktaub!
Roman aus der Gegenwart
von Zoe von Reuß.
(Fortsetzung.)
Es war ein erster schöner Maiabend mit balsamischer Luft und Nachtigallengesang. Werner Flittner hatte bereits einige male den Weg zu Adelaide von Flechsen hinaus gefunden und war jedesmal hochbefriedigt zurückgekehrt. Er war Menschenkenner genug, um in der jungen Frau leicht deu groß und edelgesinnten Geist zu erkennen. Durch ihre klaren, ruhigen, wettgeöffneten Augen sah er bis in ihr Herz.
„Wollen Sie mich zu Beethovens Adelaide begleiten, gnädige Frau," sagte der alternde Studiosus scherzend, nachdem die Jungfer das Theegeschirr abgeräumt hatte und Miß Dawson die Bibel genommen, „seit ich das Glück Ihrer Bekanntschaft genieße, liebe ich das Lied doppelt!" »Gern, o gern!"
Die hübsche aber nicht starke Tenorstimme Werner Flittners war wie geeignet zum Vortrag des herrlichen Liedes, und Adelaides Begleitung mmiegte sich warm und verständnißvoll seinem u an. Nicht mit Unrecht hätte ein feiner -oeobachter auf die innere Uebereinstimmung ihrer ^"len aus dem Ganzen geschlossen.
Der Diener brächte Licht, aber Adelaide wies
b) wieviel Stück Rindvieh bei der Zählung ermittelt worden sind.
10759. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Hünfeld, den 26. Oktober 1891.
Dem Königlichen Landrathsamt theile ich hierdurch ergebenst mit, daß in der Gemeinde Oberrombach die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen ist.
Der Königliche Landrath von Dalwigk.
An das Königl. Landrathsamt zu Hersfeld. J.7179.
Hersfeld, den 27. Oktober 1891.
Wird veröffentlicht.
10913. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Steckbrief.
Der am 6. Juni 1872 zu Leugers Kreis Hers- feld geborene Schneider Valentin Vollmar, welcher vom Feld-Artillerie-Regiment Nr. 11 als 3jährig Freiwilliger angenommen und zuletzt in Caffel und Heringen Kreis Hersfeld wohnhaft gewesen, hat sich unbekannt wohin entfernt.
Es wird gebeten, nach dem rc. Vollmar zu fahnden und denselben im Ermittelungssalle an die nächste Militärbehörde abzuliefern.
Cassel, den 24. Oktober 1891.
Königliches Bezirks-Kommando I. qez. Gronemann, Oberst und BezirkS-Kommandeur.
Allerhöchster Erlaß über die Erscheinungen im Heinzelchen Prozeß.
Der Retchsanzetaer vom 27. Oktober bringt an der Spitze des Blattes folgenden allerhöchsten Erlaß:
es energisch zurück, wie um die Weihestunde nicht zu stören. Indessen sah Werner nach der Uhr und sagte ein wenig erschrocken: „Es ist spät, wahrhaftig und ich habe den Hausschlüssel vergessen. Wollen Sie mich durch den Garten begleiten und mir die Gartenpforte öffnen, gnädige Frau? Ich schneide ein Stück Weaes ab, wenn ich den Weg durch das Buchenwäldchen nehme."
Adelaide war schnell bereit. DaS seidene Promenadentuch um die ebenmäßige Gestalt ge* schlagen, legte sie ihren Arm sehr ungenirt in den Werners und schritt mit ihm die Verandatreppe hinab. Still und bewegt gingen sie miteinander den frischgeharkten Hauptsteig des Gartens entlang, zwischen den matsrischen Rasenflächen, auf welchen verstreuter Apfelblüthenschnee schimmerte, hindurch, bis zur Hinterpforte.
„Auf Wiedersehen!" saate Adelaide herzlich.
„Bald! - Gute Nacht!"
„Recht bald!"
Die kleine Thür fiel ins Schloß, und ward von der jungen Hausherrin verschlossen. „Wenn ich an einen richtigen biblischen Himmel glaubte, wüßte ich jetzt Ort und Stelle ganz genau," sagte Werner, lachend zurückgrüßend. „Dazu — dieser Petrus!... Wahrlich die Begegnung am Steinbruch war ein selten glücklicher Zufall. Mein Stubeugenoffe würde sie sicherlich eine Fügung nennen. Aber der nächste Weg? Ich fürchte, ich habe ihn doch verfehlt. Thut aber nicht viel —
Die beklagenswerthen Erscheinungen, welche das Strafverfahren gegen die Eheleute Heinze hat zu Tage treten lassen, beunruhigen Mein landeS- väterliches Herz fortp-Lbt Obwohl Ich dem Justizmiutster Meine Auffassung bereits im Allgemeinen kundgegeben habe, und obwohl Mir bekannt ist, daß Seitens der nächstbetheiligten Minister des Innern und der Justiz vorbereitende Schritte zur Beseitigung der aufgedeckten Schäden eingeleitet sind, so drängt es Mich doch, auch die Aufmerksamkeit Meines Staats-Ministeriums auf diese für das Wohl des ganzen Landes so bedeutungsvolle Angelegenheit hinzulenken und Daffelbe zu veranlassen, Mir auf Grund der von den Ressort - Ministern gepflogenen Verhandlungen thuvltchst bald bestimmte Vorschläge zu machen. Wenn Ich dabei auf diejenigen Gesichtspunkte Hinweise, welche Mir für die Beurtheilung der hervorgetretenen Mißstäude und der zu ihrer Abwehr zu ergreifenden Maßnahmen besonders wich, tig erscheinen, so halte ich Mich dazu umsomehr verbunden, als daA Recht in Meinem Namen gesprochen wird und Ich von dem Bewußtsein der Pflichten, welche Mir als oberstem Hüter des Rechts und der Ordnung obliegen, voll durchdrungen bin. Der Heinze'sche Prozeß hat in erschreckender Weise dorgelegt, daß das Zuhälter- thum neben einer ausgedehnten Prostitution in den großen Städten, insbesondere in Berlin, sich zu einer gemeinen Gefahr für Staat und Gesellschaft entwickelt hat. Behufs energischer Bekämpfung dieses Unwesens wird in erster Linie in Frage kommen, inwieweit schon auf Grund der bestehenden Gesetze mit Nachdruck gegen die Zuhälter eingeschrttten werden kann. Diese Aufgabe fällt der Polizei und der Strafgesetzpflege zu. Es wird der Polizei ein kräftiges und unter Umständen rücksichtsloses Vorgehen gegen die Ausschreitungen jener verworfenen Menschenklasse zur Pflicht zu machen, zugleich aber werden die Exe- kutivbeamten darüber zu vergewissern sein, daß sie
ich werde dennoch zeitig zu Hause sein!"
Er nahm einen schmalen Waldweg, der auf einen verborgenen Platz mündete, der jetzt Abends fast immer von einsam wandelnden Liebenden eingenommen war. Zufällig war er indessen augenblicklich leer. Und da sich die Nachtigallen aus den belebten Gegenden des Stadtparks in größerer Zahl hierher geflüchtet, konnte er nicht umhin sich zu setzen, um dem Gesänge zu lauschen. „Wahrlich, Philomele vereinigt in ihrer kleinen Kehle die Reize sämmtlicher übrigen Natursänger!" dachte er laut. „Jetzt das sanfte Flöten bei Rotkehlchens, dann das Ttriltren der Lerche, das Schlagen der Wachtel und endlich daS Schluchzen, das aus gefangener Menschenseele zu stammen scheint! ... Sie brtcht ab — wer kommt? Schade um den Genuß . . . ."
Die Störenfriede waren ein hochgewachsener Herr und eine Dame, doch verhinderte die herein- brechende Abenddämmerung eine schärfere Beobachtung. Auch Werner, der auf einer, im Grünen versteckten Bank saß, blieb unbeachtet.
Das Paar setzte sich, vielleicht um gleichfalls dem Nachtigallengesang zu lauschen. Aber Philomele ließ sich nicht weiter hören, auch schienen die Liebenden mit sich beschäftigt und dachten vermuthlich bald nicht mehr an die Fortsetzung des Waldconcerts. Auch Werner hatte sich er* hoben, um nach Hause zu gehen. Da trifft ihn der Ton einer bekannten Mädchenstimme — ja