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Hrrssel-tl Breisblatt

___________Mit wöchentlicher Kratis MeilageJllustrirtes Jlutertzaltuugsölatt".

Nr. 138. Donnerstag den 19. November 1891.

Amtliches.

Hersfeld, den 16. November 1891.

Nach einer Mittheilung deS Königlichen Land- rathsamtes zu Hünfeld ist der auf

Dienstag den 17. November und Dienstag

den 1. Dezember d. J.

daselbst angesetzte Schweinemarkt aufgehoben.

11479. Der Königliche Landrath

Freiherr von S ch l e i u i tz.

Hersfeld, den 15. November 1891.

Die auf die Ergreifung des flüchtigen Postge- hülfen Adolf Arthur Schicktanz aus Meißen ausgesetzte Belohnung ist von der Kaiserlichen Ober-Postdirektion in Dresden auf 750 Mark erhöht worden. Im Wetteren wird bemerkt, daß Schicktanz auf seiner Flucht in Berlin seine Kleidung gewechselt hat. Er trägt jetzt Kaiser- mantel, vermuthlich graubraun mit Pellerille und auffällig spitze Schnabelschuhe.

DaS Königliche Landrathsamt wird unter Be­zugnahme auf das diesseitige Schreiben vom 8. d. M. hiervon ergebenst benachrichtigt.

Kaiserliches Postamt. B i g e l i u s.

An das Königliche Landrathsamt hier.

* * *

Hersfeld, den 16. November 1891.

Wird den Ortspolizeiverwaltungen und der Königlichen Gendarmerie des Kreises unter Be­zugnahme auf meine Verfügung vom 10. d. Mts. Nr. 11317 Kreisblatt Nr. 135 zur Kenntniß- nahme mitgetheilt.

11476. Der Königliche Landrath Freiherr von S ch l e i n i tz.

Hersfeld, den 17. November 1891.

In den nächsten Tagen wird mit Genehmigung des Herrn Oberpräsidenten eine Hauscollecte für die Jdioten-Anstalt zu Scheuern stattfindev. Diese segensreich wirkende Anstalt, in welcher

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

Stand!

Roman aus der Gegenwart von Zo« von Reuß.

(Fortsetzung.)

Nicht einmal der Kernfluch, den Herr von Windheim Hervordonuerte, erreichte ihn noch.

Dieser besann sich nicht einen Augenblick den Brief zu erbrechen. Wenn ihn auch der Inhalt desselben die Situation nicht vollständig überblicken ließ, wußte er dennoch sofort genug. Also doch! Ja, es war alles wahr und tausendmal begründet, was ihm feine Eifersucht längst eingegeben hatte! Nur seine Leidenschaft, die sich nach Gegenliebe sehnte, hatte ihm immer wieder eine Binde über die Augen gelegt. Nun war sie zerrissen für immer! Es war ihm furchtbar zu Sinne; wenn er ein Pistol bei sich getragen hätte, und Paula ihm jetzt entgegengetreten wäre, würden die Tagesblätter morgen ihren Lesern eine interessante Geschichte von Mord und Selbstmord erzäh t haben! ... Er gab Cora die Sporen, daß sie hoch in die Höhe stieg, und sprengte nach Hause zurück. ~ r ,

Am andern Morgen empfing Willibald Fresentus in seinem mit feinstem Kunstgeschmack einge­richteten Atelier einen Brief von unbekannter Hand. Staunend, hocherregt, wuthschäumend las tr Harry von Windheims Forderung auf P stolen.

im abgelaufenen Jahre 267 schwachsinnige Kinder, darunter 3 aus dem hiesigen Kreise, verpflegt wurden, ist zu ihrem Fortbestande vorzugsweise auf die Mildthätigkeit der Einwohner der Provinz Hessen-Nassau angewiesen, und wird die erwähnte Colleete deshalb den hiesigen Kreisbewohnern wärmstens empfohlen. Für die Landgemeinden erscheint es zweckmäßig, wenn aus den Gemeinde- kaffru ein angemessener Beitrag dazu gezahlt wird. 10074. Der Königliche Landrath. __________Freiherr v s n S ch l e i n i tz.

Hersfeld, den 18 November 1891.

Diejenigen Herren Ortsvorstände, welche mit der Einsendung des Kostenbetrages für das Ein- kommensteuer-Formnlarpapier noch tm Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 24. d. Mts. erinnert.

11534. Der Königliche Laudrath ___ Freiherr v o n S ch l e i n i tz.

Gefunden: ein goldener Ring. Meldung des Eigenthümers bet dem Ortsvorstand zu Aua.

# Gras Kalnoky über die europäische Lage.

Der gemeinsame Minister der auswärtigen Angelegenheiten in Oesterreich-Ungarn, Graf Kalnoky, hat am vergangenen Sonnabend in dem Ausschusse der ungarischen Delegation auf die Anfragen verschiedener Abgeordneten eine Uebersicht über die gegenwärtige politische Lage in Europa gegeben, deren Inhalt im Endergeb­nisse mit den friedlichen Kundgebungen des italienischen Ministerpräsidenten Marquis di Rudini in Mailand und des englischen Premier­ministers Marquis of Salysbury in London vom 9. d. M. übereinstimmt. Den bretjettenben Staatsmännern ist die Auffassung gemeinsam, daß keine politische Frage vorliege, die zu ernsten

Eine Stunde später stellte sich auch dessen Cartell- träger bei ihm ein.

XX.

Es war ein kalter, trüber Oktobermorgen, acht Tage nachdem Harry von Windheim den Beweis eines Einverständnisses Paula von Horsteus mit Maler FreseniuS empfangen hatte, als das Duell zwischen den beiden Gegnern stattfand. Die Ver­lobung war durch ein von Herrn von Windheim an den alten Baron gerichtetes Schreiben bereits aufgelöst worden.

Der Ort des Zweikampfs war eine kleine, muldenförmige Waldwiese, die ungefähr auf der Grenze zwischen Horsten und Beichlingen lag und zum Grundbesitz des alten Freiherr» gehörte. Die Gegend ward das Echo genannt, weil die scharfabfallenden, umgrenzenden Berghöhen einen dreimaligen klaren, deutlichen Widerhall des Schalls hören ließen. Jauchzen, Lachen, Weinen, alles schien ein versteckter, neckischer Kobold zu- rückzugeben.

Es war ein unheimlicher Augenblick, als der von der Eisenbahnstation kommende Wagen auf der Landstraße erschien, dem der Maler nebst seinem Sekundanten entstieg. Harry von Wind- heim und dessen Sekundant, ein junger Gutsbe­sitzer aus der Umgegend und Reserveoffizier, wie Maler FreseniuS, waren schon anwesend. Sie warteten ein wenig abseits und schweigend, ebenso der aus der nächsten Landstadt herbeorderte

Befürchtungen Anlaß gebe, und daß daS bei allen Herrschern der Großstaaten wahrnehmbare Friedensbedürfniß die Hoffnung auf Erhaltung des Friedens gerechtfertigt erscheinen lasse. In­dessen Graf Kalnoky ließ es, der besonderen Ver­anlassung zu seiner Rede entsprechend, nicht bei allgemeinen Versicherungen bewenden, sondern ging im Einzelnen die Beziehungen Oesterreich- Ungarns durch, um zu zeigen, daß die fort­dauernden Rüstungen zwar die Leichtigkeit eines Krieges steigern könnten, aber die Gefahr eines solchen nicht näher zu rücken brauchten, daß viel­mehr doch bei der großen Verantwortlichkeit, deren sich die Lenker der Staaten bewußt seien, und in Mangel unmittelbar drohender Streit­fälle eine friedliche Lösung dieses Zustandes möglich und zu erhoffen sei.

An Beunruhigungen und Beängstigungen hat es freilich in den vergangenen Monaten nicht gefehlt. Dafür waren aber regelmäßig nur Au- läffe, aber keine zureichenden Gründe vorhanden, und eS blieb schließlich als eigentliche Ursache eine gewisse Sensationssucht des großen Publi­kums bestehen, der die Presse Nahrung gab. Als klassische Beispiele hierfür können die Befürch­tungen dienen, welche das Kronstädtcr Flottenfest im Publikum ziemlich allgemein und die Be­gegnung des russischen Ministers v. Giers mit Rudini in Mailand vereinzelt erregt hatten. Ganz ebenso wie eS vorher der deutsche Reichs­kanzler v. Caprivt in seiner Osnabrücker Rede und kürzlich Rudini in Mailand gethan hatten, bezeichnete es Graf Kalnoky als irrig, auf die Kronstädter Ereignisse eine tiefe Veränderung der Lage Europas zurückzuführen; sie seien viel­mehr nur der Ausdruck einer schon länger be­stehenden Verbindung französischer und russischer Interessen gewesen. Der Zwischenfall wegen der Durchfuhr russischer Transportschiffe durch die Dardanellen habe sich nicht an die Kronstädter Begegnung angeschloffen, sondern sei schon vorher

junge Arzt, welcher im Augenblicke seitwärts auf einem gesicherten Platz sein Besteck aufklappte und den Inhalt desselben mit gemessener Feier­lichkeit auf dem grünen Moose auseinander breitete.

Die Stelle der Waldwiese, auf welcher das Duell stattfindeu sollte, war um vorhergehenden Tage bereits von den beiden Sekundanten aus- gewählt und abgesteckt worden. Zu diesem Zwecke war Assessor Frederichs, der Sekundant d->s Malers, schon am Tage zuvor angekommen. Herr von Windheim hatte Laporte gebeten, als Unparteiischer zu figurtren, und diese Wahl war schließlich auch von der Gegenpartei gutgeheißen worden.

Gruß und Gegengruß der Gegner und Sekun- banten, kalthöslich und formell. Dann wurden die Gegner von ihren Sekundanten zu ihren Plätzen geleitet. 8 y

Herr von Windheim hatte eine alte knorrige Eiche zur Seite, während Maler FreseniuS eigent­lich frei stand, nur ein paar malerisch verwitterte Kiefern standen links seitwärts im Hintergründe. Die Sonne kämpfte noch siegreich mit dem Herbst- nebel, von Minute zu Minute drückte sie ihn mächtiger nieder, das kleine, liebliche, mulden- förmtge Thal schien durch die grauen Nebel- Massen vorübergehend wie in leichte Rauchwolken gehüllt. Laporte, als Unparteiischer, blickte sich verschiedene Male um, jedenfalls fand er die frühe Morgenstunde eines Herbsttages für einen