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Hersseldtl Kttisdlatt.
Mit wöchentlicher Kratis-Keilage „ILukrirtes Nuterhaltungsölatt".
Nr. 139. Sonnabend den 21. November 1891.
Amtliches.
Homberg, den 13. November 1891.
Königliches Landrathsamt benachrichtige ich unter Bezugnahme auf mein Schreiben vom 14. August er. Nr. 6445 ergebenst, daß die unter der Schafheerde des Schäfers Jakob Fischer zuRems- feld ausgebrochene Räudckrankheit erloschen ist.
Der Landrath von Gehren. AnKönigliches Landrathsamt zu Hersfeld. 8959.
* * *
Hersfeld, den 18. November 1891.
Wird veröffentlicht.
11526. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schletnitz.
Aus Grund des Jnvaliditäts- und Altersversicherungsgesetzes
sind bisher nur Altersrenten zur Auszahlung gelangt. Mit dem 22. November tritt der Zeitpunkt ein, von welchem ab es möglich sein wird, berechtigte Ansprüche auch auf Invalidenrente zu erheben. Es ist jedoch, wie die „Berl. Pol. Nachr." zutreffend bemerken, sowohl im Interesse der bei der Entscheidung über die Festsetzung von Renten betheiligten Organe als auch behufs Vermeidung unnöthiger Verwaltungskosten dringend zu wünschen, daß keine Ansprüche an die Versicherungsanstalten gestellt werden, die von vornherein aussichtslos sind. In dieser Beziehung wäre zunächst zu betonen, daß alle vor dem 1. Januar 1891 bereits invalid gewesenen Personen nicht in den Bezug von Invalidenrente treten können. Während der Übergangszeit müssen bavpisächlich drei Bedingungen von Personen erfüllt werden, welche Anspruch auf Invalidenrente erheben wollen. Zuerst müssen sie 47 Wochen hindurch Beiträge entrüstet haben. Bescheinigte Krankheiten von M hr als siebentägiger Dauer,
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Ktand!
Roman aus der Gegenwart von Zoö von Reuß.
(Fortsetzung.)
XXL
ES war wieder Spätherbst geworden, das gesellschaftliche Leben der Großstadt fing an sich von Neuem zu entwickeln. Auch Frau von F echsen ward stärker hineingezogen, mehr als der nach innen gekehrte Sinn der jungen Frau eigentlich vertrug.
Auch Laporte verkehrte jetzt viel bei ihr und genoß ihre besondere Gunst. Natürlich bildeten die Vorgänge in Horsten, denen er betgewohnt, ein hochinteressantes Capitel der chronique scandalme, das den allerergiebigsten Unter« Haltungsstoff darbot. Die traurige Angelegenheit ward immer wieder berichtet, erörtert, ausgeschmückt. Daß Paula von Horsten dabei nicht geschont ward, versteht sich von selbst, wochenlang ward man n'cht müde, von ihren Koketterien zu erzählen. Uub als nun gar, zwei Monate nach dem Duell, die Nachricht ihrer Verlobung mit Banquier Arthur Franz eintraf, verurthetlte wan sie allgemein. Die Frauen beklagten ganz öffentlich den zukünftigen Gatten, dessen Leidenschaft eben blind gegen die Fehler seiner Aus
sowie milttairische Dienstleistungen werden auch l hierbei als Beitragszeiten in Anrechnung gebracht. | Sodann müssen die betreffenden Versicherten dauernd erwerbsunfähig im Sinne des Gesetzes sein, d. h. sie dürfen körperlich oder geistig nicht mehr im Stande sein, einen Lohnbetrag zu verdienen, welcher gleichkommt der Summe eines Sechstels des Durchschnitts der Lohnsätze, nach welchen für sie Beiträge entrichtet worden sind, und eines Sechstels des dreihundertfachen Betrages des ortsüblichen Tagelohnes. Jeder Versicherte kann demnach selbst beurtheilen, ob er erwerbsunfähig im Sinne des Gesetzes ist oder nicht. Ob »dauernde" Erwerbsunfähigkeit vor- liegt, wird der Entscheidung im einzelnen Falle vorbehalten bleiben müssen. Sogenannte Halbin- valide haben aber keinen Anspruch auf Rente. Im Gesetze ist ein Fall vorgesehen, welcher dem Eintriit von Invalidität gleichkommen soll. Es ist bestimmt, daß die Versicherten, welche ein Jahr hindurch wegen Krankheit völlig erwerbsunfähig gewesen sind, für die weitere Zeit ihrer Krankheit Invalidenrente erhoben sollen. Es ist kaum zweifelhaft, daß diese Bestimmung auch für die Uebergangszeit Platz greift. Da indrssen dann nicht ein Beitrags- sondern ein Kalenderjahr in Frage kommt, so kann es erst nach dem 1. Januar 1892 zur praktischen Ausführung dieser Bestimmung kommen. Die dritte der während der Uebergangszeit zu erfüllenden Bedingungen ist die Beibringung von Nachweisen über die Beschäftigung vor dem 1. Januar 1891 in Stellungen, welche nach dem Gesetze die Ver- sicherungspflicht begründen würden. Ueber einen je weiteren Zeitraum sich diese Zeugnisse erstrecken, um so eher kann der betreffende Versicherte den Anspruch auf Invalidenrente mit Erfolg erheben. Jedenfalls ist es unbedingt erforderlich, daß er solche Nachweise über 5 X 47 Wochen beibringt, welche in die dem Eintritt seiner Erwerbsunfähigkeit voraufgegancenen fünf Kalenderjahre fallen
erkorenen mache, während die Herren ihn dennoch int Geheimen vielfach beneideten. Endlich ward die ganze Sache- soviel Staub sie ausgewirbelt hatte, über etwas neues vergessen.
Neben Laporte war auch Regierungsassi ssor von Falken ein häufiger Besucher Adelatdes. Vielleicht ließ sich die Partie doch noch ins Werk setzen, bevor ihn die neuerdings gewählte Consular- laufbahn ins Ausland entführte. Eine reiche, elegante und geistreiche Frau half jederzeit die Leiter des Streberthums erklimmen. Wenn er bis jetzt auch keine andere Gunst genoß als ihr anderer Bekanntenkreis, schätzte Herr von Falken Adelaide doch für klug genug, um die Vortheile einer Verbindung mit einem Diplomaten zu würdigen.
Werner Flittner hatte Hermann Lange bet Frau von Flechsen eingeführt. Der unschöne, grobknochige Jüngling war ein ganz patenter, junger Doktor geworden, der jederzeit auf dem Platze und immer „wie aus dem Ei gepellt" war. Hinter die blitzenden Brillengläser und in das verwundete Herz vermochte Niemand zu sehen, auch gelang es ihm, seinen Schmerz um Clara vor Jedermann zu verbergen. Aber es gab Augenblicke, in denen tiefe, wilde Schmerzens- laute die Wände seines einsamen Zimmers im Krankenhause erbeben machten, ähnlich dem Wuth- geheul, das sich seiner Brust entrang, als Werner Flittner ihm von Claras „Untreue" berichtete. Dann aber trösteten thu wieder Pflicht und Arbeit.
müssen. Beachtet muß schließlich werden, daß, wer sich erweislich die Erwerbsunfähigkeit vorsätzlich oder bei Begehung eines durch strafgericht- liches Urtheil festgestellten Verbrechens zugezogen hat, keinen Anspruch auf Invalidenrente hat.
Nokitische Nachrichten.
Aus Hannover wird unter dem 19. d. M. gemeldet: Se. Majestät der Kaiser nahm heute Vormittag Vorträge entgegen. Um 11 Uhr fand die Parade der Garnison auf dem Waterlooplotz und sodann ein zweimaliger Vorbeimarsch statt. Se. Majestät der Kaiser, welcher an der Spitze der Fahnenkompagnie in das Schloß zurückritt, wurde von der zahlreich herbeigeströmten Zuschauermenge mit jubelnden Zurufen begrüßt.
Am Donnerstag Abend hat sich Se. Majestät der Kaiser nach Springe begeben, woselbst heute, Freitag, eine Hofjagd abgehalten werden soll.
S e. M a j e st ä t der Kaiser wird sich am 14. Dezember nach Rempliu iu Mecklenburg be- geben, um bot* be T^uung des Prinzen Albert zu Sachsen-Altenburg mit der Herzogin Helene von Mecklenburg beizuwohnen.
Der ständige Ausschuß des LandeSeisenbahn- raths hat, wie der „Berliner Aktionair" vernimmt, dem Beschlusse der deutschen Eiseubahu- tarifkommission zugefttmmt, dahin gehend, eine zweite Stückgutklasse mit ermäßigtem Einheitssatz von 8 Pfg. pro Tonnenkilometer einzuführen für Artikel, welche solche Frachter- mäßigung nöthig haben; die Artikel sind nicht genannt, sondern die Interessenten würden vielmehr das Bedürfniß nachzuweisen haben.
Der Gssammtbetrag der bewilligten Anleihe- kredite beläust sich nach der dem Reichstage zugegangenen Denkschrift über die Ausführung der seit dem Jahre 1875 erlassenen Aaleibegesetze zur Zeit im Ganzen auf 1611733 782,69 Mark.
„Unsinn! Der Kampf ums Dasein ist das beste, vielleicht das einzige Mittel gegen das Leid des Lebens!" hatte Werner Flittner beim Abschied gesagt. „Und das Genesen von einem groß:n Schmerz lehrt uns am besten die richtige Schätzung der Dinge, indem es uns das ganze Sein als eine einzige große Wandlung zeigt!"
Hermann Lange hatte freilich zu dem Troste den Kopf geschüttelt, und hatte man von diesem Augenblicke au nicht wieder über die Sache gesprochen.
Wenn Adelaide hoffen durfte am Abend allein zu bleiben, pflegte sie gewöhnlich ein Billet au Werner zu schreiben und ihn zu sich einzuladen. Nach dem Thee, während Miß Dawson Patience le8te, od-r eines ihrer unzähligen englischen Andachtsbücher hervorsuchte, redeten die beiden über mancherlei ernste Dinge. Allerlei Lebensräthsel, an deren Lösung sich Adelaide wohl schon allein auf ihre Art versucht hatte, wurden dann mit dem Freunde besprochen, und blieb der philosophische Geist desselben, trotz seines unleug- bareu Pessimismus, durch seine Reinheit und Klarheit, keineswegs ohne Einwirkung auf Adelaide von Flechsens reiches Innenleben. Und wenn sie miteinander musictrten, trafen sie sich in schwärmerischer Beethovenverehrung.
„Warum kamen Sie gestern nicht, trotz meiner Bitte? Ist Ihnen der Brief nicht rechtzeitig zu- gestellt worden?" frug sie den Eintretenden.
Werner nahm als Hausfreund selbst einen