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Herssel-tl Kreisblutt.
Mit wöcheullicher Kratis-Meilage „Illukrirtes Zluterhaltuugsölatt".
Nr. 140. Dienstag den 24. November 1891.
WemMk-LiMmg.
Bestellungen auf das Hersfelder Kreisblatt mit der wöchentlichen Gratis-Beilage „Jllustrirtcs Unterhaltungs-Blatt" pro Dezember werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Laudbriefträgeru und von der Expedition angenommen.
Amtliches.
Königliche Regierung.
J. A. II. Nr. 9567.
Cassel, den 13. November 1891.
Mit Ablauf dieses Jahres werden die Qait- tuugskarteu für die Juvaliditäts- und Altersversicherung zum ersten Male in größerer Anzahl umgetauscht werden.
Ew. Hochwohlgeboren wollen rechtzeitig dafür sorgen, daß durch geeignete Einrichtungen bei den Ausgabestellen ein ungestörter Verlauf des Umtauschgeschäfts gesichert werde, auch den Versicherten wiederholte zeitraubende Gänge und sonstige Weiterungen erspart bleiben. Auf Ziffer 9, 11-30, 38, 40, 41 der Anweisung vom 17. Oktober 1890 — zu vergleichen meine Verfügung vom 7. November 1890 — A. II. 8958 — mache ich noch besonders aufmerksam.
Für die Ausstellung der Bescheinigungen über die Aufrechnung der Quittungskarte geeignet sind kleine Hefte, welche mehrere nach einander verwendbare Bescheinigungsformulare in sich vereinigen. Solche Hefte, wie sie von Gewerbetreibenden mehrfach hergestellt und zu billigem Preise feilgeboten werden, erleichtern die Aufbewahrung der Bescheinigungen. Die Ausgabestellen
werden daher den Versicherten die Beschaffung solcher Hefte zu empfehlen und letztere, sofern sie vorgelegt werden, zur Ausstellung der Bescheinigung zu benutzen haben. Dagegen darf die Beschaffung eines solchen Hefts nicht etwa gefordert werden; die Ausgabestellen haben vielmehr die Bescheinigungen, sofern die Vorlegung eines geeigneten Sammelhefts unterbleibt, auch auf losen Blättern zu ertheilen.
Der Regierungs-Präsident. Rothe. Au sämmtliche Landräthe des Bezirks und den Königlichen Poltzei-Präsidenten hier.
Hersfeld, den 21. November 1891.
Wird den Herren Ortsvorständen des Kreises zur Beachtung mitgetheilt.
Für die Ausstellung und Aufbewahrung der Bescheinigungen über die Aufrechnung der Quittungskarte halte ich das mittelst Ausschreiben vom 11. September d. I, Nr. 9389 Kreisblatt Nr. 111 empfohlene, von 'er GeschA^sbstcker- Fabrik I. C. König u. Ebhardt zu Hannover hergestellte Sammelbuch für zweckmäßig und ist die Beschaffung desselben den Versickerten anzu- rathen. Letzteres wird von Kaufmann Herrn Friedrich Sauer dahier vorräthig gehalten.
11587. Der Königliche Landrath.
In Vertretung:
x Braun, Kreisdeputirter.
Hersfeld, den 23. November 1891.
Diejenigen Herren Ortsvorstände, welche mit der Erledigung meiner Verfügung vom 23. Oktober c. Nr. 10759 (Kreisblatt Nr. 129) die Zählung des Viehbestandes betreffend, noch im Rückstände sind, werden hieran mit Frist b 18 zum 26. d. Mts. bet Metdung von 3 Mark Strafe erinnert.
10759. Der Königliche Laudrath.
In Vertretung:
Braun, Kreisdeputirter.
Cassel, den 18. November 1891.
Auf Grund des §. 2 des Gesetzes über die Schonzeiten des Wildes vom 26. Februar 1870 und des §. 107 des Zuständigkeitsgesetzes vom 1. August 1883 wird hierdurch der Schluß der Jagd auf Rebhühner auf den 20. d. M. festgesetzt.
Namens des Bezirks-Ausschuffes.
Der Vorsitzende.
An die Königlichen Herrn Landräthe des Bezirks. B. A. 2674.
* * *
Hersfeld, den 20. November 1891.
Wird veröffentlicht.
11594. Der Königliche Laudrath
In Vertretung:
Braun, Kreisdeputirter.
Die Maul- und Klauenseuche unter dem Viehstande in hiesiger Gemeinde ist erloschen.
Obergeis, den 20. November 1891.
________________; Der Bürgermeister Voigt.
Erfunden: Ginr Pferdedecke. Meldung des Eigenthümers bet dem Ortsvorstand zu Sorga.
Aus dem Reichstag.
Berlin, 20. Oktober. In der heutigen (122.) Sitzung des Reichstages wurde zunächst der Abg. Dr. Hermes zum Schriftführer an Stelle des aus diesem Amte geschiedenen Dr. Krause gewählt; darauf setzte das Haus die zweite Berathung der Krankenkasse-Novelle fort und nahm den 8 2, welcher die fakultative Ausdehnung der VersicherungSPflicht durch OrtSstatut außer den bisher schon benannten Kategorien auf die im Kommunalbetriebe beschäftigten Personen und auf sämmtliche Hausindustrielle bestimmt, mit den Anträgen von Strombeck an, von denen der eine für die VersicherungSPflicht der Kommuualbetricbsbcaniteu eine EinkommenSgrenze von 2000 Mk. festsetzt, der andere die genaue Aufzählung der ver- sicherungSpflichtigen Personen im Ortsstatut auch hinsichtlich der von den Kommunalbehördeu beschäftigten Arbeiter verlangt. Ebenso wurde die im Gesetze vorgesehene fakultative Zulassung der Nicht-Versicherungspflichtigen in die Gemeinde- Krankenversicherung angenommen. Darauf veranlaßte $ 6, welcher die Dauer und den Umfang der Krankenversicherung regelt, eine Debatte über die ärztliche Behandlung und die
Seufzer rang sich von Claras Lippen. Dabei hatte Sie Werner Flittner, ihren Hausgenossen, bemerkt, ein abermaliger schmerzlicher Seufzer ließ es erkennen.
„Wie werden sie sich ängstigen, Ihre Mutter und Lenchen, Fräulein Clara," sagte Werner.
Neben einem schmerzlichen Zacken des Gesichts ging es jetzt als ein Schauder durch Claras Glieder, wie Angst und Frost. Adelaide hatte es bemerkt, und ihre Feinfühligkeit und Werners Aeußerung vorhin ließ sie die Wahrheit ahnen. Es drängte ihr großmüthiges Herz kräftiger zu helfen.
„Darf ich Sie mit mir nehmen, Fräulein Clara?" frug sie. „Vielleicht droht Ihnen eine Krankheit, ja es sind sicherlich die Vorboten gewesen, die Sie hier ohnmächtig werden ließen. Mein kleines Haus enthält ein hübsch eingerichtetes, passendes Zimmer für Sie, und ich bin unbeschäftigt. Vielleicht gelingt es einer guten Pflege einer ernsten Krankheit vorzubeugen. Folgen Sie mir! Ja ja, ich darf Sie mit mir nehmen!"
In Claras Augen spiegelte sich Ueberraschung und Verwunderung, dann erglänzte es drinnen wie Rührung. Aber auch Werners Blicke hingen begeistert an Adelaides Antlitz, verständnißvoll suchte er sie zu unterstützen, indem er sagte:
„Wenn Frau von Flechsen Ihre Samartterin werden w ll, Fräulein Clara — wohlan! Er
(Unbefugter Nachdruck verboten.) | Staub!
RoMan aus der Gegenwart von Zoö von Reuß.
(Fortsetzung.)
„Etwas starker, heißer Wein würde am besten sein, ich werde ihn selbst einflößen. Wollen Sie einstweilen hier bleiben, oder fürchten Sie das Alleinsein an diesem traurigen Orte, während ich einen Wagen herbeizuholen gehe."
„O, nein, nein! Nur schnell!" trieb Adelatde Werner fort.
Als er gegangen war, versuchte die junge Frau die Wiederbelebungsversuche auf eigene Hand, indem sie Clara Winkler wiederholt die Schläfen mit kölnischem Wasser rieb — ohne Erfolg. Angstvoll zählte sie die Minuten bis zu Werners Rückkehr. Glück icherweise ließ er auch nicht lange auf sich warten — in dem Augenblick, wo er zurückkehrte, schien auch Clara zum Bewußtsein zu kommen.
„Wo bin ich!" hauchte sie leise.
„Bei guten Freunden!" entgegnete Adelaide. „Gottlob, daß die Ohnmacht vorüber ist. Wir fanden Sie hier auf dem Grabe, regungslos, darum ging Herr Flittner nach einem Wagen, der Sie nach Ihrer Wohnung bringen wird ...."
Ein schmerzlicher Laut, halb Schrei, halb
lauben Sie, daß ich Sie an den Wagen führe, es sind kaum fünzehn Schritte. Ich begleite Sie nach der Marienstraße, wo ich Sie in den besten Händen weiß, fahre gleich auf dem Rückwege beim Arzte vor, und benachrichtige noch zeitig genug Ihre Mutter und Schwester von Ihrem kleinen Unfall. Die Gewißheit, daß es Ihnen gut geht, wird den Ihrigen eine schlaflose Nacht ersparen. Morgen früh können Sie sie bei sich empfangen. Hoffentlich kehren Sie auch bald mit ihnen wieder nach Hause zurück!"
„Sie kommen mit mir? Nicht wahr?" frua Adelaide wieder. H
Claras Herz war wie ein vollgefülltes Gefäß, das jede Berührung zum Ueberfließen bringt. Sie schluchzte laut dann, Adelaide anblickend, nickte sie leise und dankbar.
Mit Werners kräftiger Unterstützung saß sie zehn Minuten später neben Adelaide im Wagen. In die Wagenkiffen zurückgelehnt, todtenbleich und kraftlos, sprach sie kein Wort. Nur in ihren blauen Augen war, trotz der Apathie, viel, un- endlich viel zu lesen!
XXII.
c -Seit acht Tagen lag Clara Winkler bereits bei Adelaide von Flechsen krank. Die Hoffnung, daß schon am anderen Tage vielleicht eiue günstige Wendung sich einstellen werde, hatte sich nicht bestätigt. Während der ersten Nacht schon